Lebensdaten
um 1460 bis 1542
Sterbeort
Koblenz
Beruf/Funktion
Trierer Archivar ; kurfürstlicher Schultheiß von Trier
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 12413758X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Maier, Peter

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Zitierweise

Maier, Peter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd12413758X.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Noitburge N. N.;
    1 S Cornelius; Nachfahre Joh. Christian v. Stramberg (1785–1868), Historiker (s. L).

  • Leben

    M. stammte aus Regensburg, war seit 1481 Geheimschreiber und wurde 1502 zu einem der beiden Sekretäre der kurtrier. Kanzlei in Koblenz ernannt. Er diente über 60 Jahre lang vier Kurfürsten als Notar. Infolge seiner bedeutenden Vertrauensstellung amtierte er seit 1508 auch als Schöffe, Unterschultheiß und seit 1515 als Schultheiß der Stadt Koblenz. M. hinterließ lediglich eine größere Anzahl unpublizierter, nur durch Sekundärquellen teilweise bekannte historisch-archivalische Abhandlungen. Sein „Huldigungsbuch“ (1532), auf Veranlassung des ihm besonders gewogenen Kf. Richard v. Greiffenclau verfaßt, gibt eine Beschreibung der den Trierer Landesherren von den Städten, Flekken, Pflegen, Ämtern, Landschaften und Dörfern geleisteten Huldigungen und ihren Zeremonien, staatsrechtlichen Besonderheiten und Huldigungsspenden; es bietet auch die wohl älteste Zeichnung des spätgotischen Hochaltars im Dom zu Trier. Das „Erbämterbuch“ (1537) behandelt lehnsherrliche und andere Herrschaftsrechte des Erzstifts und ist durch seine staatsrechtlichen Exkurse Quelle für Johann Jakob Mosers „Staatsrecht des Chur-Fürstlichen Erz-Stiffts Trier“ (1740) geworden. Die „Gesta archiepiscopi Johannis II. de Baden“ (1456-1503) schildern nicht nur die politischen und kriegerischen Händel zur Zeit des Kurfürsten, sondern auch die Unternehmungen religiöser und kultureller Art: Klosterreform, Bauten, Pflege des Gottesdiensts, der Kunst und Wissenschaft, die 1473 gegründete Trierer Universität und anderes mehr. Die unvollendet gebliebenen Gesta des Kf. Richard v. Greiffenclau beschreiben u. a. in anschaulicher Form den Reichstag in Trier im Frühjahr 1512. Zwei umfangreiche Diarien (1508–19), das Koblenzer Schöffenbuch (1515–22), eine Sammlung von Urkunden, Regesten, Auszügen und Notizen zur Rechts-, Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte der Stadt Koblenz, sind ebenso wie ein Zeremonienbuch der mit der kurtrier. Kanzlei besonders eng verbundenen Koblenzer St. Anna-Bruderschaft für die Geschichtsforschung bislang noch wenig erschlossen. – M. gilt als der erste wissenschaftliche Archivar des alten Trierer Erzstifts, da zu seiner Zeit Archiv und Registratur noch nicht getrennt waren. Seine archivalischen Gutachten und Zusammenstellungen geben wie seine Abhandlungen Zeugnis von überaus großem Fleiß, wissenschaftlichem Geist und gewissenhafter Chronistenpflicht.

  • Literatur

    ADB 52;
    J. Ch. v. Stramberg, Rhein. Antiquarius, Abt. 1, Bd. 2, 1853, S. 335-57;
    Diarium d. trier. Secretärs P. M. v. Regensburg üb. s. Ein- u. Ausgaben, gehaltenen Scheflen-Essen etc. als Scheffen u. Scheffenmeister zu Koblenz - beginnend im J. 1508, Im Auszuge mitget. v. Dr. J. W. (d. i. Julius Wegeler), in: Ann. d. hist. Ver. f. d. Niederrhein 8, 1860, S. 1-16;
    P. Richter, Die kurtrier. Kanzlei im späteren MA, 1911;
    G. Kentenich, Moselfahrer, Berr. aus 17 Jhh., 1948, S. 71-84;
    Aloys Schmidt, Der spätgot. Hochaltar d. Trierer Domes, in: Trierer Zs. f. Gesch. u. Kunst d. Trierer Landes u. s. Nachbargebiete 18, 1949, S. 135-37;
    F. J. Ronig, Der Trierer Dom, 1980, S. 245 f. -
    Zu J. Ch. v. Stramberg: ADB 54;
    K.-G. Faber, in: Rhein. Lb. II, 1966, S. 159-75 (L, P).

  • Autor/in

    Martin Persch
  • Empfohlene Zitierweise

    Persch, Martin, "Maier, Peter" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 705 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12413758X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Maier: Peter M., von Regensburg, stand seit 1481 im Dienst der kurfürstlich Trierischen Kanzlei, für deren Geschäfte er als „Kleriker“ und Notar vorbereitet war, anfangs Kanzleischreiber, seit 1502 einer der beiden Secretäre; als solcher hat er neben seinen sonstigen Berufsarbeiten besonders archivalischen Aufgaben sich gewidmet. Seit 1508 ist er auch beim Gericht und in der Verwaltung der Stadt Coblenz thätig, zunächst als Schöffe, dann als Schöffenmeister und Unterschultheiß, seit 1515 als kurfürstlicher Schultheiß, und verwaltete daneben auch das Amt des Weinbesichtigers. Wie er bis zu seinem Anfang 1542 erfolgten Tod mit unermüdlichem Fleiß und vollendeter Sachkenntniß in seinen Aemtern thätig war, das beweisen die Urkunden und Acten der laufenden kurfürstlichen wie städtischen Verwaltung, darüber hinaus aber andere Arbeiten, die zunächst ebenfalls aus seiner Berufsthätigkeit erwachsen sind, dann aber als eigentlich archivalische Arbeiten mehr oder weniger Selbständigkeit gewinnen und in einigen Hauptwerken als bemerkenswerthe Beiträge zur Trierischen Geschichtschreibung gelten dürfen. So hat er wiederholt schwierigere Capitel aus der erzstiftischen Territorialgeschichte bearbeitet und in mehreren Sammlungen den erzstiftischen Lehen- und Güterbesitz darzustellen versucht, um dann abschließend und zusammenfassend im sog. „Erbämterbuch“ besonders lehnsherrliche und andere Herrschaftsrechte des|Erzstifts und einige wichtige staatsrechtliche Fragen zu behandeln (1537), hierin ein Vorläufer des Joh. Jak. Moser, der Maier's Buch in seinem „Staatsrecht des Chur-Fürstlichen Erz-Stiffts Trier“ benutzt hat. Schon vorher hatte er einen wesentlichen Theil der trierischen Landeshoheit nach allen Seiten hin aufzuklären versucht, indem er die den Erzbischöfen von den Ortschaften, Pflegen und Aemtern geleisteten Huldigungen mit ihren Ceremonien und staatsrechtlichen Besonderheiten von 1260 an u. zw. vom Ende des 15. Jahrhunderts ab meist als Augenzeuge, beschrieb und so die Formen, unter denen das Huldigungsgeschäft sich abwickelte, in ganzem Umfange feststellte (1532 und noch 1539). Mit diesem Gegenstand verband er viele, z. Th. recht werthvolle Nachrichten, die damit manchmal nur in ganz entferntem, vielleicht nur in zeitlichem Zusammenhang stehen. — Aus rein geschichtlichem Interesse unternahm er es, die Kriegszüge der Erzbischöfe von Trier darzustellen, kam aber offenbar über die Zeit der Hussitenkriege nicht hinaus. Zeitgeschichte behandelte er wieder in den Gesten der Erzbischöfe Johann II. (1456—1503) und Richard (1511—1531), hier vielleicht einer langjährigen Tradition der trierischen Kanzlei folgend, deren Beziehungen zu der trierischen Geschichtschreibung noch aufzudecken bleiben. — Für die Coblenzer Stadtgeschichte bilden zwei umfangreiche Tagebücher und besonders eine Art Quellensammlung zur Verfassungs- und Wirthschaftsgeschichte der Stadt reiche Fundgruben. Man muß M. jenen tüchtigen Beamten zuzählen, die das Fürstenthum bei dem abschließenden Ausbau seiner Territorialhoheit auf jede Weise unterstützten, und zugleich jenen in der Vergangenheit forschenden und Geschichte schreibenden Männern, die im Zeitalter des Humanismus in allen Kanzleistuben zu finden waren.

    • Literatur

      Richter, Der kurtrierische Secretär Peter Maier von Regensburg (1481 bis 1542). Sein Leben u. seine Schriften in: Trierisches Archiv Heft VIII (Trier 1905), S. 53—82.

  • Autor/in

    Richter.
  • Empfohlene Zitierweise

    Richter, "Maier, Peter" in: Allgemeine Deutsche Biographie 52 (1906), S. 155-156 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12413758X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA