Lebensdaten
1902 bis 1973
Geburtsort
Hohlenegg bei Ried (Tirol)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
katholischer Kirchenhistoriker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 129252611 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Maass, Ferdinand
  • Maaß, Ferdinand

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Zitierweise

Maass, Ferdinand, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129252611.html [18.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Josef Alois, Bauer;
    M Marianna Jörg.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Volksschule in Ried und des Gymnasiums in Bregenz (1913–21) trat M. in den Jesuitenorden ein und wurde 1931 zum Priester geweiht. 1926-32 studierte er Philosophie und Theologie in Innsbruck, dann in Wien bei Heinrich v. Srbik Geschichte, daneben auch Geographie und Romanistik. 1938 nahm er eine Lehrtätigkeit an der Studienanstalt der Jesuiten in Innsbruck auf, wurde jedoch schon im folgenden Jahr aus Tirol ausgewiesen. Nach dem Zusammenbruch 1945 nahm er auf die Entnazifizierung österr. Hochschullehrer Einfluß und blieb auch weiterhin hochschulpolitisch tätig. 1947 habilitierte er sich in Innsbruck für Kirchengeschichte; seit 1964 lehrte er hier als Ordinarius.

    Angeregt durch das Werk „Der Josephinismus und seine Geschichte“ (1943) von Ed. Winter, das das österr. Staatskirchentum in erster Linie als geistige Strömung und weniger als bürokratische Verwaltungspraxis sah, beschloß M. eine systematische Aufarbeitung aller einschlägigen Quellen in Wien und Rom, die Winter weitgehend unbekannt geblieben waren. In seiner Untersuchung „Vorbereitung und Anfänge des Josephinismus im amtlichen Schriftwechsel des Staatskanzlers Fürsten v. Kaunitz-Rittberg“ (1948) kam er zu dem Ergebnis, daß Kaunitz als „Schöpfer des neuen staatskirchlichen Systems“ zu betrachten sei, das erstmals in der Lombardei systematisch verwirklicht wurde. In seiner von der österr. Akademie der Wissenschaften herausgegebenen Quellenpublikation „Der Josephinismus, Quellen zu seiner Geschichte in Österreich 1760-1850“ (5 Bde., 1951–61), die zunächst auf 3 Bände (bis 1790) geplant war, veröffentlichte M. das einschlägige Archivmaterial und versah es mit Einleitungen, die von streng kath. Gesinnung getragen waren und besonders aus seiner Gegenposition zum Werk Winters zu erklären sind. Nach M. geschahen die Reformen „nicht so sehr aus Liebe zu Religion und Kirche, sondern um dem Staat die Beherrschung der Kirche zu erleichtern und ihm gläubige, d. h. nach der Meinung der hohen Staatsbeamten willfährige Untertanen zu erhalten“. M. unterschied zwischen dem zu konkreten staatlichen Verwaltungsformen führenden Staatskirchentum und der allgemeinen Geistesbewegung, die ebenfalls Josephinismus genannt wird. In späteren Arbeiten verdeutlichte er den Anteil Maria Theresias an der Entstehung des spezifisch österr. Staatskirchentums; so unternahm er in seinem Spätwerk „Der Frühjosephinismus“ (1969) den Versuch einer kritischen Neubewertung der Kaiserin aus dem Blickwinkel ihrer Staatskirchenpolitik.

    Gegenüber der ideengeschichtlichen Betrachtungsweise Winters bildet das Josephinismuswerk M.s ein notwendiges Korrektiv durch die systematische Aufarbeitung des Archivmaterials vor allem der Verwaltungsbehörden. Die Orientierung am Kirchenrecht führte allerdings dazu, daß M. den hinter|dem Josephinismus stehenden philosophischen Strömungen nur wenig Verständnis entgegenbrachte. Der Wert des Werkes als mustergültige Quellenpublikation ist jedoch unbestritten|.

  • Auszeichnungen

    Korr. Mitgl. d. Österr. Ak. d. Wiss. (seit 1969), Österr. Ehrenkreuz f. Kunst u. Wiss. (1970), Ehrenzeichen d. Landes Tirol (1973).

  • Werke

    Weitere W Die Jesuiten in Tirol 1838–48, phil. Diss. Innsbruck 1937 (ungedr.);
    Vorbereitung u. Anfänge d. Josephinismus im amtl. Schriftwechsel d. Staatskanzlers Fürsten v. Kaunitz-Rittberg mit s. bevollm. Min. b. Governo Generale d. österr. Lombardei, Karl Gf. v. Firmian 1763–70, in: Mitt. d. Österr. Staatsarchivs 1, 1948, S. 229-444;
    Die Stellungnahme d. Fürsten Kaunitz z. staatl. Festsetzung d. Altersgrenze f. d. Ablegung d. Ordensgelübde in Österreich im J. 1770/71, in: MIÖG 58, 1950, S. 656-67;
    Der Wiener Nuntius Severoli u. d. Spätjosephinismus, ebd. 63, 1955, S. 484-99;
    Die Verhh. d. Wiener Nuntius Pietro Ostini üb. d. Beseitigung d. josephin. Kirchengesetze (1832–36), ebd. 68, 1960, S. 485-505;
    Maria Theresia u. d. Josephinismus, in: Zs. f. Kath. Theol. 79, 1957, S. 201-13;
    Die österr. Jesuiten zw. Josephinismus u. Liberalismus, ebd. 80, 1958, S. 66-100;
    Der Erfolg e. unbek. ital. Geistlichen im Kampf gegen d. Josephinismus, in: Chiesa e stato nell' ottocento (= Italia Sacra 3-4), 1962, S. 383-90;
    Das Za. d. Vernunft, in: Ch. Hollis (Hrsg.), Urbi et orbi, Das Papsttum u. s. Gesch., 1964, S. 204-13;
    Der Josephinismus u. d. Nationalitäten Österreichs, in: Volkstum zw. Moldau, Etsch u. Donau, Festschr. f. Franz Hieronymus Riedl, 1971, S. 47-62. -
    Rezensionen zu: E. Winter, Der Josephinismus u. s. Gesch., 1943, in: Zs. f. Kath. Theol. 71, 1949, S. 355-58, zu dems., Der Josephinismus, 1962, in: HZ 198, 1964, S. 682-84.

  • Literatur

    F. Engel-Janosi, Neues Licht auf d. Josephinismus, in: Wort u. Wahrheit 12, 1957, S. 287-90;
    J. Lortz, in: Kirche u. Staat in Idee u. Gesch. d. Abendlandes, Festschr. f. F. M., hrsg. v. W. Baum, 1973, S. 7-12;
    W. Baum, F. M., Leben u. Werk, ebd. (W, L, P);
    ders., in: Korr.bl. d. Canisianums Jg. 107, 1973, S. 27-29 (P).

  • Autor/in

    Wilhelm Baum
  • Empfohlene Zitierweise

    Baum, Wilhelm, "Maass, Ferdinand" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 600 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129252611.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA