Lebensdaten
1804 bis 1852
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Tjilatjap auf Java
Beruf/Funktion
Schriftstellerin
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118729624 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Struve, Therese von (geborene)
  • Bacheracht, Therese von (verheiratete, in 1. Ehe 1825-1849)
  • Therese (Pseudonym)
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Zitierweise

Lützow, Therese Freifrau von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118729624.html [16.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich v. Struve (1772–1851), russ. Legationssekr. in St. 1801–09, dann in Kassel, seit 1815 Min.resident in Hamburg u. seit 1821 auch in Lübeck, Bremen u. in Oldenburg (1843 Gesandter), Vorsitzender d. naturwiss. Ges. in Hamburg (s. Dipl. Vertr. III; Pogg. II), S d. Anton Sebastian (1729–1802), russ. Wirkl. Staatsrat u. Resident am Reichstag zu Regensburg (s. Dipl. Vertr. III), u. d. Sophie Dorothea Reimers;
    M Elisabeth Wilhelmine Sidonie v. Oexle Gfn. v. Friedeberg;
    Ov Gustav v. Struve (1763–1828), russ. Staatsrat, Gesandter in München, 1805 in St., 1817 in Karlsruhe (s. NND VI);
    B Gustav v. Struve ( 1865), russ. Gesandter in Hamburg 1850–55;
    Vt Gustav v. Struve (1805–70), Publizist, pol. Agitator (s. ADB 36);
    - 1) Hamburg 1825 ( 1849) Robert v. Bacheracht (1797-1884), russ. Legationsrat u. Gen.konsul in Hamburg, seit 1850 in Brüssel, 2) Groß-Brütz 1849 Heinrich v. Lützow (1807–79), niederländ. General, Gouverneur v. Surabaya;
    1 S aus 1) (früh †).

  • Leben

    In einem gebildeten und einflußreichen Elternhaus seit ihrem 10. Lebensjahr in Hamburg aufgewachsen, wurde L. kaum sechzehnjährig nach Weimar geschickt, um die „rechte Lebensart“ zu erlernen. Dort machte sie die Bekanntschaft Goethes, der mit der Familie in Beziehung stand. Am kaiserl. Institut für adelige Mädchen in Petersburg wurde ihre privilegierte Ausbildung fortgesetzt. Dem in ihrer Gesellschaftsschicht üblichen, von den Eltern ausgeübten Zwang zur Konvenienzehe entging auch L. nicht. Gerade 21 Jahre alt, mußte sie ihrer Jugendliebe, dem Vetter Heinrich v. Lützow, entsagen und den vermögenderen Hamburger, in russ. Diensten stehenden Diplomaten Robert v. Bacheracht heiraten. Nach dem Tode ihres einzigen Kindes begann sie, sich schriftstellerisch zu betätigen. Sie schrieb zunächst kleine Feuilletons für Pariser Zeitungen und übersetzte Henriette Paalzows dreibändigen Roman „St. Roche“ ins Französische. Ihre „Briefe aus dem Süden“ (1841) waren der Auftakt einer achtjährigen produktiven schriftstellerischen Tätigkeit. In der kurzen Zeitspanne 1841-49 legte sie alljährlich Reisebeschreibungen, Novellen und Romane vor, die sich durch stimmungsvoll assoziative Natur- und Charakterschilderungen auszeichneten. In diese Zeit fiel ihre Beziehung zu Karl Gutzkow, der ihre Werke nachdrücklich förderte und ihre Romane vor der Drucklegung korrigierte. L. wurde Mitarbeiterin an der von Gutzkow gegründeten Zeitschrift „Telegraph für Deutschland“ und war die erste, die seine Werke rezensierte. Nach der Scheidung ihrer Ehe 1849 heiratete L. noch im selben Jahr Heinrich v. Lützow und begleitete ihn nach Java, wo er als Offizier stationiert war. Als sie 1852 im Begriff stand, nach Europa zurückzukehren, erkrankte sie an Dysenterie und starb.

    L. gehörte zusammen mit Fanny Lewald, Ida Hahn-Hahn und Luise Mühlbach zu der ersten Schriftstellerinnengeneration in Deutschland, die ihre Tätigkeit professionell betrieb. Von den im Vormärz schreibenden Autorinnen gilt sie als die Konservativste. Kritik an dem herrschenden Weiblichkeitsideal wird kaum jemals von ihr geäußert. Die volle Unterordnung der liebenden Frau unter den Mann wird als höchste weibliche Tugend propagiert. Bei aller Kritik an der Konvenienzehe werden in ihren Romanen Frauen gezähmt oder vernichtet, die sich gegen jene Tugend auflehnen.

  • Werke

    Weitere W u. a. Romane: Falkenberg, 1843;
    Am Theetisch, 1844;
    Lydia, 1844;
    Weltglück, 1845;
    Heinrich Burkart, 1846;
    Alma, 1848. - Reisebücher:
    Menschen u. Gegenden, 1845;
    Paris u. d. Alpenwelt, 1846;
    Eine Reise n. Wien, 1848.

  • Literatur

    ADB 19;
    F. Wehl, Zeit u. Menschen, Tagebuchaufzeichnungen aus d. J. 1863–84, 1, 1889, S. 262-80;
    E. Oelsner, Die Leistungen d. dt. Frau in d. letzten 400 J., 1894, S. 206;
    W. Vordtriede (Hrsg.), Th. v. Bacheracht u. Karl Gutzkow, Unveröff. Briefe 1842–49, 1971;
    S. Pataky, Lex. dt. Frauen d. Feder II, 1898, S. 363;
    Brümmer I, S. 100;
    E. Friedrichs, Die dt.sprachigen Schriftstellerinnen d. 18. u. 19. Jh., 1981, S. 12;
    NND 30, S. 937 f.

  • Portraits

    Stahlstich v. W. C. Wrankmore, in: Penelope, Taschenbuch f. d. J. 1847, hrsg. v. Th. Hell.

  • Autor/in

    Renate Möhrmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Möhrmann, Renate, "Lützow, Therese Freifrau von" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 493 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118729624.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lützow: Frau v. L. (früher vermählte von Bacheracht, geb. von Struve), als belletristische Schriftstellerin bekannt unter ihrem Taufnamen: Therese. Geboren den 4. Juli 1804 in Stuttgart, woselbst ihr Vater Heinrich von Struve damals als k. russischer Legationssecretär angestellt war, kam sie schon als Kind nach Hamburg, nachdem ihr Vater 1814 den russischen Gesandtschaftsposten hier erhalten hatte. Dieser, ein wissenschaftlich hochgebildeter Mann, und im Fache der Naturkunde auch schriftstellerisch bekannt geworden, ließ seiner talentvollen Tochter eine sorgfältige Erziehung und Ausbildung zu Theil werden. Sie war als junges Mädchen und in noch höherem Grade noch viele Jahre später als Frau, eine Schönheit ersten Ranges, die glänzendste Zierde der ersten Gesellschaftskreise Hamburgs, sowol wegen ihres bezaubernden Aeußeren als wegen des Reizes ihres ebenso ungekünstelten als ungewöhnlich anziehenden Conversationstalents. Im Jahre 1825 verheirathete sie sich mit dem Staatsrath Robert von Bacheracht, k. russischen Legationssecretär und Generalconsul in Hamburg, eine Ehe, welche im Frühjahr 1849 aufgehoben wurde, woraus sie sich im August desselben Jahres mit ihrem Vetter, dem holländischen Obersten Freiherrn H. von Lützow vermählte, welchem sie sodann in seine Garnison nach Surabaja auf Java folgte. Nach mehrfachen Reisen ins Innere von Java, gerade im Begriff, mit ihrem Gatten nach Europa heimzukehren, erkrankte sie in Batavia und starb daselbst den 16. Sept. 1852. Als Schriftstellerin ist sie in wenigen Jahren sehr fleißig gewesen. Mannigfaltige, auf Reisen im Süden Europa's und im Orient, wie bei gelegentlichem Aufenthalte in St. Petersburg empfangene Eindrücke wußte sie zu schriftstellerischer Verwerthung geschickt zu benutzen. Seit dem Erscheinen ihrer von dem bekannten F. K. von Strombeck herausgegebenen „Briefe aus dem Süden“ (1841) veröffentlichte sie bis 1849 alljährlich Novellen und kleine Romane oder Reise-Erinnerungen. Für Charakterzeichnungen und Naturschilderungen besaß sie eine vorzügliche Beobachtungs- und anschauliche Darstellungsgabe. Außer oben angeführter Schrift gehören zu dieser Gattung noch „Menschen und Gegenden“ (1845), „Paris und die Alpenwelt.“ (1847, „Eine Reise nach Wien“ (1848). Ihr letztes Werk, das im Manuscript vollendete|Tagebuch ihrer Reisen im östlichen Java, scheint ungedruckt geblieben zu sein. Von ihren, zur Gattung der sog. Salonromane zu zählenden Werken, welche bei ihrem Erscheinen von den alten und jungen Verehrern der geistvollen schönen Frau wohl etwas überschätzt worden sind, werden hervorzuheben sein: „Falkenberg" (1842), „Lydia“ (1844), „Weltglück“ (1845), „Heinrich Burkart" (1846), „Alma“ sowie „Sigismund“ (1848). Daß ihre Themata an die der Gräfin Ida v. Hahn-Hahn erinnern, kann kein Tadel sein. — Ein besonderes Verdienst erwarb sie sich (nach Angabe des Hamburger Schriftsteller-Lexikons I, 116) durch die anonyme Herausgabe der zu hohem Ansehen gelangten geistreichen Briefe W. v. Humbold's an eine Freundin (Charlotte Tiede). Gedichte von ihr scheinen ungedruckt geblieben zu sein, nur einige mehr witzige als poetische Verse curfirten früher unter ihrem Namen, z. B. das bekannte Distichon auf gewisse Distichen in den Münchener Arkaden. Uebrigens hat sie auch manche französische Feuilletons für Pariser Blätter geschrieben. Das Taschenbuch Penelope für 1847 enthält ihr Porträt. Der folgende Jahrgang enthält ihre letzte Novelle „Stillleben“. Der neue Nekrolog der Deutschen, 30. Jahrgang Bd. II, S. 937, 938 hat aus dem Privatbriefe eines Deutschen in Batavia einen eingehenden Bericht über ihre letzten Lebenstage und ihren Tod mitgetheilt.

    • Literatur

      Vgl. Hamb. Schriftstellerlexikon, Bd. I, S. 115 ff. — Brockhaus' Conversationslexikon, 11. Aufl. Bd. 9. S. 668.

  • Autor/in

    Beneke.
  • Empfohlene Zitierweise

    Beneke, Otto, "Lützow, Therese Freifrau von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 19 (1884), S. 723-724 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118729624.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA