Lebensdaten
1833 bis 1905
Geburtsort
Sterkrade (Rheinland)
Sterbeort
Düsseldorf
Beruf/Funktion
Montanindustrieller
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 137878664 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lueg, Carl
  • Lueg, Carl Hugo
  • Lueg, Karl
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Zitierweise

Lueg, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137878664.html [21.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (s. 1);
    B Heinrich (s. 3);
    - 1862 Mathilde (1842–1929), T d. Verlegers August Bagel (1812–81, s. ADB 26) in D.;
    1 S, 3 T, u. a. Paul (1863–1933), Dr. phil., seit 1891 in der GHH tätig, seit 1908 stellv. Vorstandsmitgl.

  • Leben

    L. besuchte das Gymnasium in Wesel, die Realschule in Duisburg und die Gewerbeschule in Hagen. Seine Ausbildung als Ingenieur erhielt er an der TH Karlsruhe. Nach Beendigung des Studiums trat er 1855 bei der von seinem Vater geleiteten Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi, Haniel & Huyssen in (Oberhausen-)Sterkrade ein. Er übernahm 1858 als Oberingenieur die Hochofenanlage in Oberhausen und leitete außerdem die dortige Eisenhütte. Nach dem Tode seines Vaters (1864) übernahm er die technische Leitung sämtlicher Oberhausener Betriebe. Bei der Umwandlung der aus den Werken St. Antony, Gute Hoffnung und Neu-Essen bestehenden Hüttengewerkschaft in eine Aktiengesellschaft (1873) wurde ihm der Vorsitz im Direktorium des Unternehmens übertragen, das den Namen „Gutehoffnungshütte Aktienverein für Bergbau und Hüttenbetrieb“ (GHH) erhielt. L. bekleidete dieses Amt 30 Jahre lang. Seit 1903 gehörte er dem Aufsichtsrat an.

    Unter L.s Leitung entwickelte sich die GHH zum Großunternehmen. 1849 hatte man eine Möglichkeit zur Gewinnung von Hüttenkoks aus Ruhrkohle gefunden. Seither nahm die Roheisenerzeugung am Niederrhein rasch zu. L. machte die GHH zu einem der besteingerichteten und leistungsfähigsten Werke der deutschen Montanindustrie. Der Umsatz steigerte sich 1873-1905 von 20,6 auf 57,1 Mill. Mark, die Zahl der Beschäftigten von 8 500 auf 19 300. Die Roheisenerzeugung, die 1858 18 000 Tonnen betragen hatte, erreichte 1905 432 000 Tonnen. In mehreren Stufen erweiterte L. die Oberhausener Werke: 1858-72 Vergrößerung der Eisenhütte durch den Bau von 10 Hochöfen, 1864-72 Bau des Walzwerkes Neu-Oberhausen, 1881 Beginn der Herstellung von Walzdraht, 1884 Inbetriebnahme einer Trägerstraße, 1886/87 Bau eines Blockwalzwerkes, 1887/88 Bau eines Martin-Werkes mit 4 Öfen, 1889-92 Anlage von Roheisenmischern, 1894/95 Bau eines Thomas-Stahlwerkes, 1901 Bau eines neuen Martin-Werkes.

    Wie sein Vater förderte auch L. die Einrichtungen der betrieblichen Sozialpolitik. Eine besondere Pensions- und Unterstützungskasse für die bei der GHH beschäftigten Aufseher, Meister und Arbeiter wurde ins Leben gerufen. Für die „Beamten“ (Angestellten) wurde nach der Auflösung des 1866 gegründeten Beamten-Pensions-Vereins 1893 eine Pensions-, Witwen- und Waisenkasse neu gegründet. Der betriebliche Wohnungsbau wurde von L. fortgesetzt. 1898-1902 entstanden die Kolonien Eisenheim II, Neu-Oberhausen, Kasernenstraße und Stemmersberg. Große Aufmerksamkeit widmete L. der Fachausbildung zukünftiger Eisenhüttenleute. Im Verein deutscher Eisen- und Stahlindustrieller und vor allem in der Nordwestlichen Gruppe, im Verein für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund und im Centralverband Deutscher Industrieller war er als Vorstandsmitglied tätig, ebenso im 1860 gegründeten Technischen Verein für das Eisenhüttenwesen. Als dieser 1879 in den Verein Deutscher Eisenhüttenleute (VDEh) umgewandelt wurde, wählte man L. zum Vorsitzenden. Dieses Amt hatte er bis zu seinem Tode inne. Aus Anlaß seiner 25-jährigen Amtsdauer stiftete der VDEh 1904 die Carl-Lueg-Denkmünze und verlieh ihm die erste Ausfertigung.

    Wirtschaftspolitisch war L. vor allem in der Zeit der Wende vom Freihandel zum Schutzzoll tätig. Er befürwortete die industriellen Zusammenschlußbestrebungen zur wirksameren Vertretung gemeinsamer Interessen. Als 1877 mit der Aufhebung der Eisenzölle die kritische Lage der Industrie ihren Höhepunkt erreichte, war er einer der ersten, die die Wiedereinführung eines angemessenen Zollschutzes für Roheisen als notwendig erkannten. Noch unmittelbar vor seinem Tode gelang es ihm, langwierige Verhandlungen zur Vereinigung der deutschen Stahlwerke zu einem glücklichen Abschluß zu führen, nachdem schon 1887 die größten rhein.-westfäl. Walzwerke einen Vertrag über die Errichtung einer gemeinsamen Verkaufsstelle abgeschlossen hatten, deren erster Vorsitzender L. wurde. Der Stahlwerksverband, in dessen ersten Sitzungen er ebenfalls den Vorsitz führte, ernannte ihn bei seinem Rücktritt von der Leitung der GHH zum Ehrenvorsitzenden.

    L. gehörte den Aufsichtsräten zahlreicher Unternehmen an. Als Mitglied des Landeseisenbahnrates sowie des Bezirkseisenbahnrates für Köln wirkte er mit an einer industriefreundlichen Gestaltung der Frachtpolitik und am Ausbau des deutschen Wasserstraßennetzes. Seit Inkrafttreten der Provinzialordnung (1888) war er Mitglied des rhein. Provinziallandtages und des Provinzialausschusses, dessen stellvertretender Vorsitzender er 1904 wurde. Seit der Gründung der Gemeinde (1862) war er Stadtverordneter in Oberhausen, seit 1903 Mitglied des Preuß. Herrenhauses. 1902 zog L. nach Düsseldorf. Hier war er im selben Jahr gemeinsam mit seinem Bruder Heinrich wesentlich an der Ausrichtung der großen Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung beteiligt, auf der der von Bruno Möhring entworfene GHH-Pavillon einen besonderen Anziehungspunkt bildete. – L.s Tod bedeutete eine Zäsur in der Leitung der GHH. Die „Ära Lueg“ ging nach fast 90 Jahren zu Ende und wurde durch die „Ära Reusch“ abgelöst.|

  • Auszeichnungen

    GKR; Dr.-Ing. E. h. (TH Aachen 1903); Ehrenbürger v. Oberhausen (1899).

  • Literatur

    Stahl u. Eisen, Nr. 11 v. 1.6.1905, S. 625-30 (P);
    Matschoss, Technik;
    II. Junkers, Entwicklung u. Wachstum d. Stahl- u. Walzwerke Oberhausen u. Neu-Oberhausen 1860-1890, Beispiele Unternehmer. Entscheidung in d. GHH, Diss. Heidelberg 1970;
    H. Joest, Pionier im Ruhrrevier, Gutehoffnungshütte, 1983;
    BJ X;
    Dokumentation v. B. Herzog im Hist. Archiv d. GHH, Oberhausen.

  • Portraits

    Phot. (Hist. Archiv d. GHH, Oberhausen).

  • Autor/in

    Bodo Herzog
  • Empfohlene Zitierweise

    Herzog, Bodo, "Lueg, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 462 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137878664.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA