Lebensdaten
erwähnt 863, gestorben 889
Beruf/Funktion
Erzbischof von Mainz
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 121037398 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Liutbert von Mainz
  • Liutbert
  • Liutbert von Mainz
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Zitierweise

Liutbert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121037398.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus schwäb. Adelsfam. (Hattonen?); vermutl. verwandt mit EB Hatto I. v. Mainz ( 913, s. NDB VIII).

  • Leben

    Zunächst Mönch und Lehrer im Kloster Reichenau, wurde L. am 30.11.863, wohl durch Vermittlung des Erzkapellans Grimald v. St. Gallen, von Kg. Ludwig dem Deutschen zum Erzbischof von Mainz erhoben. Als Vertreter Ludwigs und des ostfränk. Episkopats besuchte er in den Jahren des lothar. Ehestreits mehrfach westfränk.-lotharing. Synoden (PÎtres 864, Tusey 865, Soissons 866, Metz 867, Aachen 870), war führend an der Wormser Synode von 868 beteiligt und entwickelte sich rasch zu einem wichtigen Ratgeber und Diplomaten seines Königs. 872 leitete er ein militärisches Unternehmen gegen Böhmen; in den 880er Jahren wirkte er mehrfach aktiv an der Normannenabwehr mit. Im Amt des Erzkapellans (und Kanzleivorstandes war er bereits 870 Grimald nachgefolgt, was eine fast tausendjährige Mainzer Tradition begründete. L. nahm auf die Kanzlei unter dem Hofkapellan Hebarhard offenbar weniger Einfluß, sicherte sich aber eine politisch maßgebende Rolle, u. a. bei der Teilung Lotharingiens 870. Nach Ludwigs Tod war er in denselben Funktionen am Hof Kg. Ludwigs des Jüngeren (876–82) tätig, zu dessen Teilreich Mainz gehörte und für den er 879/80 nach Italien zog. Als Karl III. 882 das ostfränk. Reich wiedervereinigte, mußte L. hinter Liutward von Vercelli zurückstehen und konnte erst nach dessen Sturz im Juni 887 nochmals Erzkapellan werden. Der Erhebung Arnolfs von Kärnten, die im Nov. 887 zur Absetzung Karls III. führte, scheint sich L. relativ lange widersetzt zu haben, so daß er unter dem neuen König sein Hofamt endgültig verlor. In L.s letztes Jahr fällt die große Mainzer Synode vom Juni 888.

    L., der in Mainz als Gründer der Mauritiuskirche gilt, wird als ein umfassend gebildeter Mann mit religiösem Eifer geschildert, dem Otfrid von Weißenburg seine Evangelienharmonie widmete und der selber mit der Mainzer Fortsetzung der Annales Fuldenses das wichtigste ostfränk. Geschichtswerk der Zeit betreute. Seine kirchengeschichtliche Bedeutung besteht darin, westfränk. Entwicklungen des mittleren 9. Jh. der werdenden deutschen Kirche vermittelt zu haben (Rezeption Pseudoisidors auf der Mainzer Synode 888, Anfänge des päpstl. Klosterschutzes in Deutschland). In seiner Loyalität zur ostfränk. Dynastie und der Vielfalt seiner politisch-kirchlichen Wirksamkeit erscheint L. als ein Vorläufer der ottonischen Reichsbischöfe.

  • Literatur

    Regg. z. Gesch. d. Mainzer Erzbischöfe, bearb. v. J. F. Böhmer u. C. Will, I, 1877, S. XXVI f., 73-83;
    Mainzer UB I, bearb. v. M. Stimming, 1932, S. 81-104, Nr. 146-70;
    Germania Pontificia IV, bearb. v. H. Jakobs, 1978, S. 64-69, Nr. 31-44;
    E. Dümmler, Gesch. d. Ostfränk. Reiches II-III, 21887 f.;
    A. Henche, EB L. v. Mainz u. d. Anfänge d. dt. Nat.staates, in: Jb. f. Gesch. u. Kultur d. Mittelrheins 6/7, 1954/55, S. 125-30;
    J. Fleckenstein, Die Hofkapelle d. dt. Könige I, 1959, S. 176 ff., 185 ff.;
    H. Keller, Zum Sturz Karls III., in: DA 22, 1966, S. 333-84;
    H. Büttner, EB L. v. Mainz u. d. Rechtsstellung d. Klöster, in: Landschaft u. Gesch., Festschr. F. Petri, 1970, S. 103-15;
    L. Falck, Mainz im frühen u. hohen MA, 1972, S. 36 ff.;
    F. Rädle, Otfrids Brief an L., in: Krit. Bewahrung, Btrr. z. dt. Philol., Festschr. f. W. Schröder, 1974, S. 213-40;
    K. Schmid, L. v. Mainz u. Liutward v. Vercelli im Winter 879/80 in Italien, in: Gesch., Wirtsch., Ges., Festschr. f. C. Bauer, 1974, S. 41-60;
    E. Boshof u. H. Wolter, Rechtsgcschichtl.-diplomat. Stud. zu frühma. Papsturkk., 1976, S. 90-96;
    W. Hartmann, Das Konzil v. Worms 868, Überlieferung u. Bedeutung, 1977, S. 96-99 u. ö.;
    G. Tellenbach, Die geistigen u. pol. Grundlagen d. karoling. Thronfolge, in: Frühma. Stud. 13, 1979, S. 184-302;
    G. Althoff, Über d. v. EB L. auf d. Reichenau übersandten Namen, ebd. 14, 1980, S. 219-42.

  • Autor/in

    Rudolf Schieffer
  • Empfohlene Zitierweise

    Schieffer, Rudolf, "Liutbert" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 722 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121037398.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA