Lebensdaten
1528 bis 1586
Geburtsort
Marburg/Lahn
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Botaniker ; Mediziner ; Stadtarzt in Frankfurt am Main ; Teilhaber einer Druckerei
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119003333 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lonicerus, Adam

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Zitierweise

Lonicerus, Adam, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119003333.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes (1497–1569), aus Artern, Prof. d. griech. u. hebrä. Sprache in M. (s. ADB 19);
    M Elisabeth Greuben (Cremer) aus Straßburg;
    B Philipp (1543–99), seit 1568 Rektor d. Gymnasiums in F., seit 1582 Pfarrer in Friedberg;
    - 1) Marburg 1554 Magdalena (1534–67), T d. Buchdruckers Christian Egenolff ( 1555, s. NDB IV). 2) Frankfurt/M. 1567 Margarethe Braun;
    4 K aus 1), u. a. Joh. Adam, Bibliothekar in Wolfenbüttel, 4 K aus 2).

  • Leben

    L. wurde 1545 Magister der freien Künste. Seit 1553 bekleidete er eine Professur für|Mathematik in Marburg, wurde 1554 dort nach dem auch in Mainz mitbetriebenen Medizinstudium zum Dr. med. promoviert und erhielt im selben Jahr als Nachfolger von Eucharius Rößlin d. J. die Stelle eines Stadtphysikus in Frankfurt/Main, die er bis zu seinem Tode innehatte. – Außer einigen kleineren medizinischen Schriften veröffentlichte L. im Verlag seines Schwiegervaters Ch. Egenolff sein Hauptwerk „Naturalis historiae opus novum“ (2 Foliobde., 1551/55), welches 1565 unter dem Obertitel „Botanicon“ nochmals abgedruckt wurde. Die deutsche Ausgabe „Kreuterbuch, Künstliche Conterfeyung der Bäume, Stauden, Kräuter …“ erschien erstmals 1557; zu L.s Lebzeiten folgten noch 5 Auflagen, danach zahlreiche weitere, bearbeitet von Peter Uffenbach (1679, Neudr. 1934, 1962), später von Balthasar Ehrhart, zuletzt 1783.

    Im „Kreuterbuch“ werden – nach einer Einleitung über die Technik der Destillation und über die Anlage von Gärten und Baumpflanzungen – nicht nur Bäume, Stauden und Kräuter behandelt, sondern auch Tiere (Insekten, Mollusken, Wirbeltiere) sowie Erze, Edelsteine und Metalle. Das Werk stellt eine Neubearbeitung des „Kreuterbuchs“ (1546) von L.s Amtsvorgänger E. Rößlin dar, das seinerseits auf dem „Hortus sanitatis“ oder „Gart(en)der Gesundheit“ (1485, Neudr. 1924, 1966) von Johs. Cuba basiert. Die Holzschnitte sind vor allem aus Rößlins Werk entnommen, viele auch aus dem „Kreutterbuch“ (ill. erst ab 21546) von Hieronymus Bock kopiert. Manche Bilder sind mit allegorischem Beiwerk versehen; einige, vor allem solche von Tieren (z. B. Einhorn, Drachen, Vogel Greif, Entenmuschelbaum), sind reine Phantasiegebilde, die sogar bis in die letzte Ausgabe (1783) beibehalten worden sind. – Da L.s „Kreuterbuch“ ein rein kompilatorisches Werk war, hat es auf die Entwicklung der Botanik selbst keinen Einfluß ausgeübt. Dagegen wurde es, allerorts mit seinen 24 Auflagen verbreitet, fast 250 Jahre lang als volkstümliches Heilpflanzenbuch benutzt. Linné benannte nach L. die Pflanzengattung Lonicera (Geißblatt, Heckenkirsche).

  • Werke

    Weitere W Hebammenkunst nach Eucharius Rößlin, 1561;
    De purgationibus libri III, 1596.

  • Literatur

    ADB 19;
    F. W. Strieder, Grundlagen e. hess. Gelehrtengesch. VIII, 1788, S. 86-91;
    L. C. Treviranus, Die Anwendung d. Holzschn. auf d. Bildl. Darst. v. Pflanzen, 1855, S. 11 f.;
    E. H. Meyer, Gesch. d. Botanik IV, 1857, S. 337-39;
    Pritzel, 21871;
    F. E. Roth, Die Botaniker E. Rößlin, Th. Dorsten u. A. L., in: Zbl. f. Bibl.wesen 19, 1902, S. 271-86, 338-45;
    K. Sudhoff, Eucharius Roesslin d. Sohn …, in: Archiv f. Gesch. d. Med. 2, 1909, S. 139 f.;
    G. Richter, Ch. Egenolffs Erben, in: Börsenbl. f. d. dt. Buchhandel, Frankfurter Ausg., 21, 1965, Sp. 1911-2129 (P);
    C. Nissen, Die botan. Buchill., 21966, I, S. 51 f., II, S. 112 f.;
    K. Figala, in: Dict. of scientific biography VIII, 1973, S. 483 f.;
    F. A. Anderson, An illustr. hist. of the herbals, 1977, S. 156-62;
    BLÄ;
    Pogg. I.

  • Portraits

    Kupf. v. R. Boissard, in: A. L., Kreuterbuch, 1679, Neudr. 1962;
    Holzschn. v. J. Amman, Abb. in: W. Kallmorgen, 700 J. Heilkde. in Frankfurt/M., 1936, S. 146, u. R. Schmitz, Die Naturwiss. a. d. Philipps-Univ. Marburg, 1978, Abb. 29.

  • Autor/in

    Karl Mägdefrau
  • Empfohlene Zitierweise

    Mägdefrau, Karl, "Lonicerus, Adam" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 147 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119003333.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lonicerus: Adam L., Sohn des Johannes L. (s. u.), geb. zu Marburg am 10. October 1528, zu Frankfurt a/M. am 29. Mai 1586; erlangte schon im 13. Jahre das Baccalaureat und im 16. die Magisterwürde. Er bekam darauf ein Lehramt an dem Gymnasium zu Frankfurt a/M. unter Micyllus, kehrte aber wegen der Kriegsunruhen schon nach einem Jahre nach Marburg zurück. Dort und in Mainz, wo er Hauslehrer bei einem Dr. Osterod war, studirte er Medicin, wurde 1553 Professor der Mathematik in Marburg und 1554 daselbst Dr. der Medicin. In demselben Jahre verheirathete er sich mit Magdalena, der Tochter des Buchdruckers Christian Egenolph in Frankfurt und wurde nach dem Tode des Stadtphysicus Graff am 4. October 1554 zum Physicus in Frankfurt ernannt. Neben dieser Stelle besorgte er auch die Correcturen in der Buchdruckerei seines Schwiegervaters. L. war ein fruchtbarer Schriftsteller, der sich auf dem Gebiet der Arithmetik (1570, 1581), Geschichte der Medicin, Heilkunde, Staatsarzneikunde (Pestilenzordnung 1572, Hebammenordnung 1573) etc. versucht hat. Von großem Einfluß waren seine botanischen Schriften, weshalb Linné auch seinen Namen im Genus Lonicera verewigt hat. Seit 1550, wo er das Kräuterbuch des Eucharius Rhodion (Röslin) neu herausgab, hat er sich mit dieser Wissenschaft beschäftigt. Sein „Kräuterbuch“ in Folio, welches 1555 in lateinischer, 1578 in deutscher Sprache erschien, ist in der deutschen Ausgabe sehr populär geworden, so daß noch 1783, also nach|mehr als 200 Jahren, eine neue Ausgabe davon in Augsburg erschien. Das Kräuterbuch gab außer den deutschen und lateinischen Namen der Pflanzen auch die griechischen, französischen, italienischen und spanischen an, und lieferte eine Anleitung zum Destilliren.

    Ein Sohn von ihm, Johann Adam L., getauft am 23. Novbr. 1557 in Frankfurt, der sich Teucer oder Teucrius oder Teucrides Annaeus L., Poeseos et Medicinae candidatus, auch Poeta nannte, lebte als Litterat in Frankfurt bis Ende des Jahrhunderts, hat mancherlei compilirt und übersetzt und auch mehrere Schriften seines Vaters herausgegeben. 1583 hatte er bereits den größten Theil seines Erbes durchgebracht, 1585 war er civiliter nicht mehr zu belangen und wurde in den Schulothurm gesetzt. In dieser Zeit muß er katholisch geworden sein, denn 1585 publicirte er ein Werk über die katholischen Orden (Frankfurt, 4°) und am 28. October 1588 wird er Rector (paedagogus) der Domschule und hat nach dem Catechismus Canisii zu unterrichten. Im Juli 1589 hat er diese Stelle schon wieder verloren, 1599 geht er durch nach Helmstädt, wo er verschollen ist.

    Strieder, Hessische Gelehrtengeschichte, VIII, wo indeß Teucer (S. 87) mit Johann Adam L. (S. 88) identisch ist. Frankfurter Archiv.

    Stricker.

    Ein Bruder des Arztes Adam L. war Philipp L., welcher am 23. November 1568 Rector des Gymnasiums in Frankfurt wurde, am 27. Juli 1576 um seinen Abschied bat und entlassen wurde. 1582 wurde er Prediger in Friedberg und starb am 30. Juli 1599. Er hat die „Chronica turcica“ in drei Bänden 1584 herausgegeben.

    • Literatur

      Strieder a. a. O., VIII. 78. Lersner, Chronik von Frankfurt. 2. Bd., 2. Abth. S. 111. 112.

  • Autor/in

    Str.
  • Empfohlene Zitierweise

    Stricker, "Lonicerus, Adam" in: Allgemeine Deutsche Biographie 19 (1884), S. 157-158 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119003333.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA