Lebensdaten
1890 bis 1945
Geburtsort
Niederbreidenbach Kreis Gummersbach
Sterbeort
Nürnberg (Selbstmord)
Beruf/Funktion
NS-Politiker ; Reichsorganisationsleiter der NSDAP ; Leiter der Deutschen Arbeitsfront
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 118728016 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ley, Robert
  • Ley, R.

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Zitierweise

Ley, Robert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118728016.html [18.02.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (1847–1921), Bauer;
    M Emilie (1851–1922), T d. Gerbers Friedrich Wahl u. d. Wilhelmina Voß;
    1) ( ca. 1933) Elisabeth Schmidt, 2) Inga Spilcker ( 1942);
    1 T aus 1), 1 S, 2 T aus 2).

  • Leben

    Nach dem Abitur in Elberfeld studierte L. Chemie in Jena, Bonn und Münster und meldete sich im August 1914 als Kriegsfreiwilliger zur Artillerie. 1916 wechselte er zur Fliegerei und geriet im Juli 1917 schwer verwundet in franz. Gefangenschaft, die erst im Jan. 1920 endete. Nach Abschluß des Studiums (Promotion zum Dr. phil. 1920) arbeitete L. seit 1921 als Chemiker bei der Bayer AG (später Teil der IG-Farben AG) in Wiesdorf-Leverkusen. Sein politisches Engagement begann unter dem Eindruck von Fronterlebnis und deutscher Niederlage. Von völkisch-christlichen Kreisen Wiesdorfs aus fand L. 1924 Kontakt zur Kölner NSDAP, die Josef Grohé während ihres Verbots unter völkischem Pseudonym zusammenhielt. Nach der Wiederzulassung der Partei 1925 wurde er Gauführer von Rheinland-Süd (Reichstagswahlkreise Köln-Aachen und Koblenz-Trier). Eine Redeattacke L.s auf den jüd. Bankier Max Warburg, Mitglied des Aufsichtsrats der IG-Farben, führte am 1.1.1928 zu seiner Entlassung im Bayerwerk. Sein Einzug in den Preuß. Landtag (Mai 1928) und in den Reichstag (Sept. 1930) verlieh ihm genug Selbstvertrauen, nach der Teilung seines Gaues 1931 ein anderes Parteiamt zu verlangen. Gregor Strasser trug ihm daraufhin mit dem neu eingerichteten Amt eines Reichsinspekteurs die Mitarbeit in der Münchener Reichsleitung der Partei an. L. vereinheitlichte die bis dahin von Gau zu Gau unterschiedliche Organisation der Partei durch die sog. Dienstvorschrift (Vorläufer des „Organisationsbuchs der NSDAP“) bis hin zu den uniformartigen Dienstanzügen. Im Dez. 1932 wurde er in Nachfolge Strassers Leiter der Parteiorganisation.

    Dazu gehörte die NS-Betriebszellenorganisation (NSBO), über die L. mit Hitlers Einwilligung den am 2.5.1933 geführten Gleichschaltungsschlag gegen die Gewerkschaften vorbereitete. Ihr Mitgliederbestand (annähernd 5 Millionen) bildete den Grundstock für die noch im Mai 1933 – u. a. gegen den Widerstand des Arbeitgeberlagers – gegründete „Deutsche Arbeitsfront“ (DAF). L.s Absicht, aus ihr ein neues verzweigtes Gefüge wirtschaftlich-sozialer Selbstverwaltung, den sog. Ständischen Aufbau, hervorgehen zu lassen, scheiterte, nachdem Hitler sich auf die Seite einer mehr staatlich reglementierten Tarif- und Sozialpolitik, personell verkörpert durch „Treuhänder der Arbeit“, geschlagen hatte. Die Struktur der DAF schien in Frage gestellt, als ihr ein halbes Jahr nach der Gründung auch Arbeitgeber in größerer Zahl beirraten. L. straffte daraufhin die bis dahin dachverbandsartige Organisation zu einem zentral gelenkten Organismus, verzahnte sie als sog. angeschlossenen Verband mit der NSDAP und setzte in Gestalt von „Betriebsobmännern der DAF“ ihre unmittelbare Präsenz in den Betrieben durch. Die gestärkte Stellung der DAF wurde in der Folgezeit an ihrem Anspruch auf maßgebliche Mitwirkung in der Berufsbildung (gegenüber den Institutionen des Handwerks) ebenso sichtbar wie an dem seit 1936/37 ausgeschriebenen jährlichen „Leistungskampf der deutschen Betriebe“. Die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ (KdF) – von L. Ende 1933 im Verbund der DAF gegründet – organisierte Theater- und Konzertbesuche sowie Kunstausstellungen in den Betrieben und bot vielfältige Reisen an. Das wachsende Vermögen der DAF (deren Mitgliedschaft nominell freiwillig blieb) ließ sowohl den Bau eigener Dampfer und eines (nicht vollendeten) Seebads auf Rügen als auch (seit 1938) den Bau des Volkswagen-Werks zur Produktion des von Porsche konstruierten Modells, des sog. KdF-Wagens, zu. Damit sollte eine „Sozialisierung des Komforts“ als Ausgleich zu der aus wirtschafts- und rüstungspolitischen Rücksichten insgesamt restriktiv gehaltenen Lohnpolitik geschaffen werden. Für die Nachwuchsbildung der NSDAP errichtete die DAF seit 1934 drei großräumige Schulungsstätten: die „Ordensburgen“ Crössinsee (Pommersche Seenplatte), Vogelsang (Eifel) und Sonthofen (Allgäu).

    Seine ausschließlich in der NSDAP verankerte Stellung und seine vielfachen Kontroversen mit staatlichen Ressorts prägten L. zum entschiedenen Fürsprecher einer eigenständig-aktivistischen Rolle der Partei neben bzw. vor dem Staat. Mißtrauisch gegen rivalisierende Kräfte (wie Reichsnährstand und SS), fühlte er sich als Hüter der Universalität der Partei, repräsentiert in der durchlaufenden „Lebensader“ ihrer „Hoheitsträger“ vom Blockleiter bis hinauf zum Gauleiter. Dieses „Wächteramt“ wurde ihm, zumal seit 1941, von Martin Bormann mit wachsendem Erfolg streitig gemacht. – Während des Krieges bereitete L. diverse sozial- und wirtschaftspolitische Projekte vor, u. a. ein sog. Versorgungswerk des deutschen Volkes, das die zersplitterte Sozialversicherung zusammenfassen sollte, sowie Planungen für den Nachkriegs-Wohnungsbau, denen er sich, seit 1940 im Rang eines Reichskommissars für den sozialen Wohnungsbau, zuwandte. Bei Waldbröl (in L.s engerer Heimat) war ein Werk für den Bau des gleichfalls von Porsche entwickelten Volkstraktors vorgesehen. – Von einem US-Kommando im Mai 1945 verhaftet, erhängte L. sich noch vor Beginn des Prozesses vor dem Internationalen Militärgerichtshof in seiner Nürnberger Gefängniszelle.

  • Werke

    u. a. Durchbruch d. soz. Ehre, 1935;
    Dtld. ist schöner geworden, 1936;
    Wir alle helfen d. Führer, 1937 (P);
    Soldaten d. Arbeit, 1938 (P);
    Schmiede d. Schwertes, 1942 (P);
    Die große Stunde, 1943 (P). - Hrsg.: Organisationsbuch d. NSDAP, 1936, 61943.

  • Literatur

    W. Kiehl, Mann an d. Fahne, 1938 (P);
    Heinr. Hoffmann (Hrsg.), Dr. R. L. u. s. Weg mit d. dt. Arbeiter zum Führer, 1940 (P);
    H. Scholtz, Die „NS-Ordensburgen“, in: Vj.hh. f. Zeitgesch. 15, 1967, S. 269-98;
    A. Tyrell, Führergedanke u. Gauleiterwechsel, ebd. 23, 1975, S. 341-74;
    P. Diehl-Thiele, Partei u. Staat im Dritten Reich, 1969;
    T. W. Mason, Arbeiterklasse u. Volksgemeinschaft, 1975;
    K. Teppe, Zur Soz.pol. d. Dritten Reiches am Beispiel d. Soz.versicherung, in: Archiv f. Soz.gesch. 17, 1977, S. 195-250;
    H. Brandenburger, R. L., 1982. -
    Eigene Archivstud.

  • Autor

    Ulrich Schulz
  • Empfohlene Zitierweise

    Schulz, Ulrich, "Ley, Robert" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 424-425 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118728016.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA