Frauendorfer, Max

Lebensdaten
1909–1989
Geburtsort
München
Sterbeort
Tutzing (Oberbayern)
Beruf/Funktion
Jurist ; NS-Funktionär
Konfession
römisch-katholisch
Normdaten
GND: 122684885 | OGND | VIAF: 8275150
Namensvarianten

  • Frauendorfer, Max Josef
  • Dr. Schreiter / Pseudonym
  • Frauendorfer, Max
  • Frauendorfer, Max Josef
  • Dr. Schreiter / Pseudonym
  • Frauendorfer, Max Joseph
  • Dr. Schreither / Pseudonym

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Zitierweise

Frauendorfer, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122684885.html [21.02.2026].

CC0

  • Frauendorfer, Max Josef

    Pseudonym: Dr. Schreiter

    1909 – 1989

    Jurist, NS-Funktionär

    Der Münchner Jurist Max Frauendorfer machte seit 1928 in der NSDAP Karriere und wurde im November 1939 mit der Leitung der Arbeitsverwaltung in der Regierung des Generalgouvernements im besetzten Polen betraut. Nach seinem Eintritt in die CSU im Dezember 1956 gelang ihm eine kurze politische Karriere, die 1963 aufgrund von innerparteilichen Widerständen und öffentlichen Protesten endete.

    Lebensdaten

    Geboren am 14. Juni 1909 in München
    Gestorben am 25. Juli 1989 in Tutzing (Oberbayern)
    Konfession römisch-katholisch
  • 14. Juni 1909 - München

    1919 - 1928 - München

    Schulbesuch (Abschluss: Abitur)

    Ludwigs-Gymnasium

    1.5.1928 - 1945

    Mitglied

    NSDAP

    Oktober 1928 - 1945

    Mitglied (1935 SS-Obersturmbannführer)

    SS

    1928 - 1931 - München; Berlin; Erlangen

    Studium der Rechtswissenschaften, Nationalökonomie und Zeitungswissenschaften (Abschluss: Erstes juristisches Staatsexamen)

    Universität

    1928 - 1931

    Mitglied

    Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund

    10.12.1932 - Erlangen

    Promotion (Dr. iur.)

    Universität

    1933 - 1936

    Leiter des Amts für den ständischen Aufbau

    Deutsche Arbeitsfront (DAF)

    1933 - 1936

    Leiter des Amts für den ständischen Aufbau

    NSDAP

    1934 - 1936

    Reichsschulungsleiter

    DAF; NSDAP

    1936 - 1938 - Berlin

    Hauptamtsleiter

    Reichsrechtsamt der NSDAP

    1936 - 1938

    Hauptschriftleiter

    Deutsche Verwaltung (Zeitschrift)

    1938

    Zweites juristisches Staatsexamen

    1939 - 1942 - Krakau

    Leiter bzw. Präsident der Abteilung (seit 1940 Hauptabteilung) Arbeit (1941 Reichstreuhänder der Arbeit)

    Regierung des Generalgouvernements

    1943 - 1945 - Landsberg am Lech; Frankreich

    militärische Ausbildung; Kriegsdienst

    Heeres-Küsten-Artillerie-Abteilung

    1945 - 1950 - Bayern, vermutlich im Raum Kempten / Kaufbeuren

    untergetaucht

    1950 - 1951 - München

    Einstufung als belastet (Kategorie II); nach Berufungsverfahren als minderbelastet (Kategorie III)

    Hauptkammer; Berufungskammer

    1952 - 1963 - München

    (leitender) Angestellter

    Allianz Versicherungs-AG

    seit 1956

    Mitglied

    CSU

    1961 - 1963

    stellvertretender Landesschatzmeister

    CSU

    1961 - 1963

    Mitglied des geschäftsführenden Landesvorstands und des Landesvorstands

    CSU

    1963 - 1989 - Tutzing (Oberbayern)

    Rückzug aus der Öffentlichkeit

    25. Juli 1989 - Tutzing (Oberbayern)

    Frauendorfer erhielt 1928 am humanistischen Ludwigs-Gymnasium in München das Abitur und trat im selben Jahr der NSDAP und SS bei. Sein Studium der Rechtswissenschaften, Nationalökonomie und Zeitungswissenschaften in München, Berlin und Erlangen schloss er 1931 mit dem Ersten juristischen Staatsexamen ab und wurde im Dezember 1932 mit der Studie „Notwehr gegen Vollstreckungsbeamte“ bei August Köhler (1868–1939) an der Universität Erlangen zum Dr. iur. promoviert.

    Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme war Frauendorfer 1933 Adjutant Heinrich Himmlers (1900–1945) in dessen Funktion als Münchner Polizeipräsident und Kommandeur der Bayerischen Politischen Polizei. Im Mai desselben Jahres wurde er von Robert Ley (1890–1945) zum Leiter des Amts für den ständischen Aufbau der Deutschen Arbeitsfront (DAF) berufen, kurz darauf übernahm er das Amt für den ständischen Aufbau der NSDAP. Im Mai 1934 avancierte Frauendorfer zum stellvertretenden Leiter des Organisationsamts der DAF und wurde vier Monate später Leiter des Reichsschulungsamts der NSDAP sowie des Schulungsamts der DAF. 1935/36 in einen Machtkampf zwischen Ley, Alfred Rosenberg (1893–1946) und Rudolf Heß (1894–1987) verwickelt und seiner Ämter enthoben, fungierte Frauendorfer anschließend bis 1938 als Hauptamtsleiter im Reichsrechtsamt der NSDAP und Hauptschriftleiter der Zeitschrift „Deutsche Verwaltung“.

    Gefördert von Hans Frank (1900–1946), übernahm Frauendorfer nach dem deutschen Überfall auf Polen am 18. November 1939 die Leitung der Abteilung (seit 1940 Hauptabteilung) Arbeit in der Regierung des Generalgouvernements, deren wichtigste Aufgabe in der Erfassung, Zwangsrekrutierung und Verteilung von Arbeitskräften bestand. Seit Juni 1940 oblag der Behörde auch der Arbeitseinsatz der jüdischen Bevölkerung. Frauendorfer trug eine besondere Verantwortung für die Verstrickung und z. T. aktive Beteiligung seiner Behörde an der Ermordung der jüdischen Bevölkerung; die Behörde entschied über Qualifikation und Arbeitstauglichkeit und war direkt in die Vorbereitung von Deportationen involviert. Für Frauendorfer hatten Ausbeutung und effiziente Mobilisierung der Ressourcen Vorrang vor einer rassenideologisch motivierten Volkstumspolitik. Er sprach sich dafür aus, fähige jüdische Arbeitskräfte zumindest bis Kriegsende vom Vernichtungsprogramm der SS auszunehmen.

    Im Juni 1942 musste die Hauptabteilung die Zuständigkeit für den Arbeitseinsatz der jüdischen Bevölkerung an die SS- und Polizeibehörden abgeben. Nach diesem Kompetenzkonflikt politisch angeschlagen, schied Frauendorfer zum 1. November 1942 aus seinem Amt aus und meldete sich nach einem mehrwöchigen Genesungsurlaub Anfang 1943 zur Wehrmacht. Nach seiner Ausbildung in Landsberg am Lech wurde er zu einer Heeres-Küsten-Artillerie-Abteilung nach Frankreich versetzt, erlebte das Kriegsende aber in Bayern. Anschließend tauchte er in der Furcht, als ehemaliges Mitglied der Regierung des Generalgouvernements nach Polen ausgeliefert zu werden, unter und lebte unter dem Decknamen Dr. Schreiter.

    1950 gab Frauendorfer seine Tarnung auf und unterzog sich einem Spruchkammerverfahren, in dem er 1951 von der Hauptkammer München als Belasteter und nach einem Berufungsverfahren als Minderbelasteter eingestuft wurde. Das Verfahren war damit eingestellt. 1953 erhielt Frauendorfer die Zulassung als Rechtsanwalt, arbeitete zu diesem Zeitpunkt aber bereits für die Allianz Versicherungs-AG, in der er das Referat für Körperschaften und Verbände leitete und zuletzt bis Anfang der 1960er Jahre als Direktor für den Aufgabenbereich Industrie zuständig war.

    Im Dezember 1956 trat Frauendorfer in die CSU ein, kandidierte 1957 erfolglos auf deren Landesliste für den Bundestag und wurde 1958 von der CSU-Delegiertenversammlung des Stimmkreises München VII zum Kandidaten für die Landtagswahl nominiert. Diese Kandidatur scheiterte nach kritischen Presseberichten am Widerstand aus den eigenen Reihen. 1961 wurde Frauendorfer mit Unterstützung von Franz Josef Strauß (1915–1988) zum stellvertretenden Landesschatzmeister der CSU gewählt und gehörte damit dem geschäftsführenden Landesvorstand und dem Landesvorstand der Partei an. Im selben Jahr kandidierte er – erneut erfolglos – für den Bundestag. Im Februar 1963 verzichtete er nach öffentlichen Protesten und dadurch ausgelösten Bedenken der Parteiführung darauf, als Nachrücker in das Parlament einzuziehen, und schied noch im selben Jahr aus seinen Parteiämtern aus. Anschließend lebte er zurückgezogen im oberbayerischen Tutzing. Ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft beim Landgericht München II wegen seiner NS-Vergangenheit wurde 1963 eingestellt. Frauendorfers Versuch, Rentenansprüche aus seiner Arbeitstätigkeit während des „Dritten Reichs“ einzuklagen, scheiterte 1964 und 1966 in zwei Instanzen.

    Nachlass:

    nicht bekannt.

    Weitere Archivmaterialien:

    Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, R 41/346-354 u. PA/2977-A1-3. (Personalakten)

    Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, RS Max Frauendorfer u. SSO Max Frauendorfer. (Bestand BDC)

    Staatsarchiv München (Spruchkammerakt Max Frauendorfer; Staatsanwaltschaften 34 636)

    Notwehr gegen Vollstreckungsbeamte, 1932. (Diss. iur.)

    Der Ständische Gedanke im Nationalsozialismus, 1932, 41933.

    Was ist ständischer Aufbau?, 1934.

    Idee und Gestalt der ständischen Neuordnung, 1935.

    Ständischer Aufbau, 1938.

    Neuordnung auf dem Gebiet der Arbeit, in: Das General-Gouvernement, hg. u. bearb. v. Max Freiherr Du Prel, 21942, S. 135–140.

    Bogdan Musial, Deutsche Zivilverwaltung und Judenverfolgung im Generalgouvernement. Eine Fallstudie zum Distrikt Lublin 1939–1944, 1999, S. 117 f., 164 f. u. 275–279.

    Thomas Schlemmer, Grenzen der Integration. Die CSU und der Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. Der Fall Dr. Max Frauendorfer, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 48 (2000), S. 675–742. (Onlineressource)

    Reinhard Bollmus, Das Amt Rosenberg und seine Gegner. Studien zum Machtkampf im nationalsozialistischen Herrschaftssystem, 22006, S. 85–93, 124, 137 u. 140.

    Stephan Lehnstaedt, Die deutsche Arbeitsverwaltung im Generalgouvernement und die Juden, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 60 (2012), S. 409–440. (Onlineressource)

    Karsten Linne, „Sklavenjagden“ im Arbeitsreservoir. Das Beispiel Generalgouvernement, in: Florian Dierl/Zoran Janjetović/Karsten Linne (Hg.), Pflicht, Zwang und Gewalt. Arbeitsverwaltungen und Arbeitskräftepolitik im deutsch besetzten Polen und Serbien 1939–1944, 2013, S. 171–316.

    Frank Grelka, Wo Arbeit kein Weg war. Judenräte und Zwangsarbeit in den Städten des Generalgouvernements 1939 bis 1941, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 71 (2023), S. 1–35.

    Thomas Schlemmer, Nationalsozialistischer Karrierist und verhinderter CSU-Mandatsträger. Dr. Max Frauendorfer, in: Wolfgang Proske (Hg.), Täter, Helfer, Trittbrettfahrer, Bd. 16, 2023, S. 160–173.

    Fotografie, ca. 1935, Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, R 3001–5 6217. (Onlineressource)

  • Autor/in

    Thomas Schlemmer (München)

  • Zitierweise

    Schlemmer, Thomas, „Frauendorfer, Max“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.01.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd122684885.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA