Lebensdaten
1698 bis 1758
Geburtsort
Soiron bei Verviers (Limburg)
Sterbeort
Trier
Beruf/Funktion
Historiker ; Benediktiner ; Bibliothekar ; Vorkämpfer der Akademiebewegung ; Bibliograph
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11686091X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Legipontius, Oliver
  • Legipont, Oliver
  • Legipontius, Oliver
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Legipont, Oliver, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11686091X.html [20.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Oliver;
    M Apollonia Remacle.

  • Leben

    Nach Studien bei den Franziskanern zu Verviers und am Gymnasium in Köln trat L. 1717 in die dortige Benediktinerabtei Groß-St. Martin ein. 1720 legte er Profeß ab, wurde 1723 Priester, dann Bibliothekar, Lehrer der Philosophie und 1728 Prior. Seine Forschungen zur Frühgeschichte seines Klosters sowie Bemühungen zur Ordnung des dort verwahrten Bursfelder Kongregationsarchivs brachten ihn in Verbindung mit dem Historiker P. Bernhard Pez aus Melk; dieser gewann L. als Mitarbeiter an einer geplanten umfassenden „Bibliotheca Benedictina“ und für den benediktinischen Akademiegedanken. Nach drei Jahren Lehrtätigkeit als Professor der Theologie zu St. Jakob in Mainz folgte L. 1733 Pezens Ruf nach Österreich, wirkte als Bibliothekar kurze Zeit in Wien, dann unter Abt G. Bessel in Stift Göttweig. Nach dem frühen Tod von Pez wollte er dessen „Bibliotheca Benedictina“ gemeinsam mit dem in Wien tätigen P. Magnoald Ziegelbauer aus Zwiefalten in verkürzter Form weiterführen. 1735-38 war L. wieder in Mainz, schrieb die Fortsetzung der Chronik von Sponheim, bemühte sich erfolgreich um Rückgewinnung des Klosters Disibodenberg, ordnete die Bibliothek des Frhr. v. Dalberg und verfaßte das Programm für eine gelehrte Sozietät. In seinem Kölner Mutterkonvent war er 1739/40 Ökonom und Subprior, in den folgenden Jahren wirkte er in seelsorglichen Außenstellen bzw. als Bibliothekar in der Abtei Maria Laach, immer wieder aber auch in Köln. Ins Zentrum seiner Tätigkeit und Vorhaben rückten drei Ziele: Verwirklichung des benediktinischen Akademiegedankens in möglichst umfassender Form, Vollendung der „Bibliotheca Benedictina“ sowie die Edition der Werke des Sponheimer und späteren Würzburger Abtes Johannes Trithemius.

    Die Aussicht auf Gründung einer gelehrten Benediktinersozietät, verbunden mit einer vom böhm. Adel getragenen Ritterakademie, führte L., Ziegelbauer und den bedeutenden bayer. Benediktinergelehrten Anselm Desing 1745 in die Abtei Brevnov b. Prag; man plante enge Kontakte zu den franz. Maurinern und große historische Editionen unter besonderer Berücksichtigung der weltlichen wie kirchlichen Geschichte des Gastlandes Böhmen. Diese Vorhaben zerschlugen sich im 2. Schles. Krieg nach der Besetzung Prags durch die Preußen; mit der Brevnover Kommunität waren auch L. und die anderen auswärtigen Benediktinergelehrten in die mähr. Abtei Raigern geflohen. Nach Deutschland zurückgekehrt, wollte er in Heidelberg ein mit der dortigen Universität und einer neuen Ritterakademie verbundenes „Seminarium Benedictinum“ ins Leben rufen; auch dieser Plan scheiterte. Neue Hoffnung brachte 1746 die von Joseph Frhr. v. Petrasch in Olmütz gegründete interkonfessionelle „Societas Eruditorum Incognitorum“, an der Ziegelbauer seit 1747 als treibende Kraft tätig war. L. kam 1749 nach Olmütz, wirkte zeitweise als Erzieher bei der gräfl. Familie Wengersky in Schlesien und versah nach Ziegelbauers Tod 1751 für kurze Zeit das Sekretariat der Olmützer Sozietät. Doch deren Höhepunkt war längst überschritten; für L.s Akademie- und Editionspläne bot sich hier keine Grundlage mehr.

    In dieser Situation nahm L. den benediktinischen Akademiegedanken in der ursprünglichen Form einer reinen Ordensakademie wieder auf. Der Benediktiner-Kardinal Angelo Maria Quirini. Bischof von Brescia und Präfekt der Vatikanischen Bibliothek, wurde als Protektor der künftigen Benediktinerakademie gewonnen. Fürstabt Engelbert v. Syrgenstein von Kempten wurde Präses. In Kempten etablierte sich 1752 die „Societas Litteraria Germano-Benedictina“. Als Ehrenmitglieder wurden auch weltliche Gelehrte ohne Unterschied der Konfession zugewählt. Über den deutschen Sprachraum hinaus wurden Verbindungen geknüpft, vor allem zu|den Maurinern nach Paris und zu der sehr aktiven lothringischen Benediktinerkongregation. Die Editionspläne umfaßten u. a. „Manuscriptorum Germaniae Bibliotheca“, „Collectio Conciliorum per Germaniam Celebratorum“, „Bibliotheca Historica Germanica“, „Thesaurus Antiquitatum Germaniae“, „Germania Sacra“. Als erstes Werk der Akademie erschien 1754 zu Augsburg Ziegelbauers und L.s vierbändige „Historia Rei Litterariae Ordinis Sancti Benedicti“. Doch damals war das Ende der Sozietät bereits nahe. Innere Spannungen im Orden wie in der gelehrten Sozietät, L.s unglückliches Temperament, sein Zerwürfnis mit dem Kemptener Fürstabt und schließlich 1755 der Tod des Protektors Kardinal Quirini verhinderten eine weitere gedeihliche Arbeit. Zwar fand L. zunächst im Prinzen Karl von Lothringen, dem Statthalter der österr. Niederlande, einen neuen Protektor. Doch die Versuche, die Benediktinerakademie neu zu etablieren, etwa im gelehrten Zentrum St. Blasien oder in einer anderen bedeutenden Abtei im Westen des Reiches, schlugen fehl. Nach ruhelosen Wanderjahren starb L. 1758 in der Abtei St. Maximin in Trier.

  • Werke

    W Verz. b. P. Lindner, Btrr. z. d. Schriftstellern d. ehem. Benediktiner-Abteien in Dtld. v. J. 1750 b. z. ihrem Aussterben, in: StMBO 25, 1904, S. 676 ff. (27 Druckwerke u. 29 Mss.). -
    Gedr. Werks u. a.: Abregé de l'hist. du concile de Trente, 1725;
    Assertiones theologicae de actibus humanis, conscientia, peccatis et legibus, 1732;
    Hist. Monasterii Disibodenbergensis in Palatinatu Rheni cum facti jurisque deductione pro eiusdem revendicatione, 1736;
    Discursus paraeneticus pro Bibl. publica et Societate Eruditorum sub auspiciis D. Dalberg Moguntinae institutendis, 1737;
    Bibliographia Benedictina, 1738;
    Monasticon Moguntinum […], 1746;
    Conspectus operum Joannis Trithemii simul edendorum, 1746;
    De emendatione philosophiae et per eam humani intellectus, 1746;
    Dissertationes de adornanda bibliotheca, de manuscriptis libris rarioribus, de archivo in ordinem redigendo deque rei nummariae et musices studio, 1747;
    Metropolis Coloniensis Antiquitas et Praerogativa adversus illius gloriae aemulos assertae et propugnatae ac studio partium seposito eruditorum placitis exposilae, 1748;
    Itinerarium, sive methodus apodemica peregrinationis nobilis et eruditae bene instituenda, 1751;
    Systema instituendae Societatis Litterariae Germano-Benedictinae, o. J.;
    Methodus studiorum tum humaniorum cum severiorum prout deinceps in Gymnasiis et Universitatibus catholicis per Germaniam praescribuntur, 1752;
    Hist. Rei Litterariae Ordinis Sancti Benedicti in quatuor partes distributa, 1754;
    Fastorum Abbatiae S. Marini maj[oris] Coloniae O.S.B. Exegesis historica, 1749, ed. J. H. Kessel, in: Mon. Hist. Ecclesiae Coloniensis I, 1862, S. 127-76.

  • Literatur

    ADB 18;
    J. A. Endres, Btrr. zu d. Biogr. u. d. literar. Bestrebungen d. O. L., in: StMBO 19, 1898, S. 1-9, 182-89;
    P. Volk, Ein Briefwechsel aus d. dt. Wiss.gesch. d. 18. Jh., in: Zs. f. dt. Geistesgesch. 1, 1935, S. 23-39, 92-105;
    J. Hemmerle, Die Olmützer Gel.ak. u. d. Benediktinerorden, in: StMBO 67, 1957, S. 208-305;
    L. Hammermayer, Gründungs- u. Frühgesch. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1959, S. 16-26;
    ders., Die Benediktiner u. d. Ak.bewegung im kath. Dtld. 1720–70, in: StMBO 70, 1960, S. 50-64;
    ders., Marianus Brockie u. O. L., Aus d. benediktin. Wiss.- u. Ak.gesch. d. 18. Jh., ebd. 71, 1961, S. 69-121;
    ders., Die Forschungszentren d. dt. Benediktiner u. ihre Vorhaben, 1976, S. 135 ff., 156-63, 180 f.;
    A. Siegmund, Die bayer. Benediktinerak., ihre Vorväter u. ihre Wiederbegründung, in: StMBO 82, 1971, S. 367 ff.;
    W. Brandmüller, Geistiges Leben im Kempten d. 17. u. 18. Jh., in: Zs. f. bayer. Landesgesch. 43, 1980, S. 620 f.;
    J. E. Greipl, Abt u. Fürst, Leben u. Leistung d. Reichsprälaten J. B. Kraus v. St. Emmeram in Regensburg, 1700–62, 1980, S. 145-50;
    Biogr. nat. Belge XII, S. 689-99;
    LThK VI.

  • Autor/in

    Ludwig Hammermayer
  • Empfohlene Zitierweise

    Hammermayer, Ludwig, "Legipont, Oliver" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 63 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11686091X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Legipont: Oliver L. (Legipontius), geb. am 2. Dec. 1698 zu Soyron im Herzogthum Limburg, nahe bei Verviers, am 16. Januar 1758 zu Trier. Er war ein namhafter Historiker und Bibliograph, auch als Bibliothekar vielfach gesucht und geschätzt. Bei den Franziskanern zu Verviers genoß er den ersten Unterricht, die sogenannten Humaniora, die höheren Studien, die philosophischen, machte er auf dem Montaner Gymnasium zu Köln. Er trat hier in die Benedictinerabtei Groß-St. Martin ein, wo er der Klosterbibliothek vorgesetzt wurde. Am 22. Mai 1723 empfing er die Priesterweihe, 1728 wurde er zum Licentiaten der Theologie erhoben. Seine schriftstellerische Laufbahn begann er mit zwei in französischer Sprache abgefaßten Abhandlungen, die eine die Geschichte des Tridentinischen Concils, die andere die wichtigsten Materien der Lehre und Disciplin der Kirche betreffend. Ein Streit, der zwischen dem Abte von St. Martin und den Kirchmeistern von St. Brigiden in Betreff einer Pfarrangelegenheit ausgebrochen war, veranlaßte ihn zu zwei gegen die Ansprüche der letzteren gerichteten Schriften: „Jurium Abbatiae S. Martini Coloniae legales vindiciae“ und „Clypeus veritatis et justitiae“. 1728 schrieb er: „Sapientiae studium Benedictino-philosophicum“ (Coloniae), „Abbreviatura diplomatum et privilegiorum congregationisBursfeldiensis“, „Fastorum Abbatum monasterii S. Martini majoris Colonien. Ord. S. B. exegesis historica“ und gegen Gdm. Marlène die Dissertation: „De benedictione Abbatis“. 1731 berief ihn der Abt Amandus Schell nach Mainz zur Uebernahme des theologischen Lehramtes. Zwei Jahre darauf findet man ihn in Wien als Erzieher dreier jungen Grafen von Laterman. Diese Stellung verließ er schon 1734 im März und begab sich nach Gottwich im Erzherzogthum Oesterreich, um einer Aufforderung des Abtes Godefried Bessel zu entsprechen und die dortige Bibliothek zu ordnen. Dann kehrte er nach Mainz zurück, um die auserlesene Dalberg'sche Bibliothek zum öffentlichen Gebrauche einzurichten. Zwei seiner Schriften gehören dieser Zeit an: „Discursus paraeneticus pro publica bibliotheca et societate eruditorum sub auspiciis excell. dni. Dalberg Moguntiae instituendis“ (1737, typ. Joan. Franckenberg) und „Regia amoris valles inter et montes erecta sive epithalamium carmen Friderico L. B. Dalbergio et Sophiae L. B. Wamboldiae scriptum“ (Mogunt. typ. J. H. Haefner). Auf Begehren des Abtes von Sponheim hatte er schon 1733 einmal die Pfarrverwaltung im benachbarten Bockenau übernommen; 1737 kehrte er dorthin zurück und wandte sich mit Eifer der Wiedergewinnung des Klosters Disibodenberg zu, das er eine Reihe von Jahren als Präfect verwaltete. Aus dieser Zeit stammen folgende Schriften: „Historia monasterii Disibodibergensis", „Chronicon Sponheimense ab anno 1500 ad novissima tempora perductum", Brevis notitia monasteriorum ordinis S. Benedicti in Palatinatu profanatorum", „Sciographia philologico-bibliographica", „Systema novum erigendae, ordinandae et ornandae bibliothecae ejusque catalogi conficiendi facilem methodum exhibens", „Syntagma de bibliothecis Moguntinis, earum origines, incrementa, fata, cimelia repraesentans", „Specilegium antiquitatum Romanarum in agro Moguntino repertarum", „Bibliographia Benedictina sive novus rei litterariae studiorumque monasticorum apparatus in IV classes distributus" (Moguntiae, Joan. Haefner, 1738), „Deductio in artem heraldicam“, „Programma in rem genealogicam de juribus Electoris Moguntini“, 1739 kam er nach Köln in die Abtei St. Martin zurück, wo er beklagenswerthe Zustände antraf und mit Verdrießlichkeiten überhäuft wurde. Um sich Ruhe und Gesundheit herzustellen, zog er nach Flittard zu seinem Jugendfreunde Herschel, der dort als Pfarrer thätig war. In dieser Zurückgezogenheit schrieb er die „Dissertatio de ara Ubiorum et de antiquitate archidioecesis Coloniensis“. Vor Schluß des Jahres wurde er in die Abtei Laach berufen und katalogisirte 1740 die dortige Bibliothek, eine Arbeit, für die er nur acht Tage Zeit bedurfte. Nach der Rückkehr in's Kölner Kloster schrieb er das Werk „S. Metropoleos Coloniensis antiquitas et praerogativae“, und aus dieser Zeit sollen auch seine handschriftlichen Zusätze zu dem Conatus chronologicus von Mörckens herrühren, welche gegenwärtig in der Bibliothek des Gymnasiums an Marzellen in Köln aufbewahrt werden. Zwei Jahre darauf wurde er nach Böhmen an das unter Maria Theresia's Schutz in Prag errichtete adliche Collegium berufen. Hier entstanden die beiden Dissertationen „De notitia Romano-germanici Imperii“ und „De vera nobilitate generis et animi“. Nach einem Ausfluge, den er am 15. December 1745 nach Brünn in Mähren gemacht hatte, fand er seinen Schrank von einem Diebe erbrochen, und unter den geraubten Gegenständen beklagte er am meisten sein Manuscript „de Metropoli Coloniensi“, dessen Untergang auch von seinen wissenschaftlichen Freunden als ein großer Verlust für die Kölnische Geschichte betrauert wurde. 1746 gab er sein „Monasticon Moguntiacum sive succincta veterum monasteriorum in archiepiscopatu Moguntino notitia“ und ferner eine durch das Auftreten der Jesuiten gegen die von Benedictinern geleiteten Lehrinstitute hervorgerufene Schrift „Historia belli Jesuitici pro eripiendis Benedictinorum monasteriis“ heraus. Das Jahr 1747 (46?) brachte die „Dissertationes philologicobibliographicae, in quibus de adornanda bibliotheca, etc. disseritur“ (Norimbergae). Dann durchreiste er fast ganz Deutschland in dem Bemühen, die Errichtung eines Benedictiner-Seminars in Heidelberg zu Stande zu bringen; erst 1748, bei einem in der Abtei St. Pantaleon zu Köln abgehaltenen Capitel der Aebte, gewann diese Angelegenheit günstige Aussichten. Zugleich erbat er sich die Bewilligung zur Herausgabe des „Bullarium congregationis Bursfeldensis“ und ließ das Schriftchen „Votum Anonymi pro Seminario Benedictino in universitate Heidelbergensi erigendo“ (Cosmopoli in Semilunio 1748) drucken In Köln widmete er sich dann wieder gänzlich den wissenschaftlichen Studien und unternahm ein Werk „Lexicon veterum per Germaniam monasteriorum“, von welchem man nicht weiß, ob er dasselbe zum Abschlusse gebracht hat. Vor Auslauf des Jahres 1748 vollendete er die „Exegesis historica pastorum abbatiae S. Martini majoris“. welche er dem Abte Spix zuzueignen vorhatte, jedoch in Folge der übeln Behandlung, welche er im Kloster fand, unterdrückte. 1749 ließ der Abt die Erneuerung des Chores der Kirche vornehmen, wobei die ehrwürdigen alten Denkmale zur Zerstörung bestimmt wurden. Keiner der Mönche wagte es, Einspruch zu thun; nur L. trat dem Vorhaben entgegen und wandte sich an die päpstliche Nuntiatur in Köln — aber was konnte der alleinstehende erreichen! Der Verdruß über diese Barbarei warf ihn auf's Krankenlager. Genesen, folgte er der Einladung des Grafen Giannini, Scholasters zu Olmütz, um dessen vortresfliche Bibliothek zu ordnen und den Katalog anzufertigen. 1750 befand er sich zu Chur in Mähren, 1751 führte ihn der Graf nach Schlesien und übertrug ihm die Ausbildung seiner Neffen, der jungen Grafen von Wengersky. Hier entstand der „Tractatus de scientiis et artibus rite discendis“. 1752 gab er heraus: „Systema instituendae societatis literariae germauorum Benedictinae“ (Kempten) und „Methodus studiorum tum humaniorum tum superiorum“ 1754: „Ad eminent. dom. Angelum Mariam Quirinum epistola“. Nachdem am 14. Juni 1750 zu Olmütz sein Ordensgenosse Magnoaldus Ziegelbauer gestorben war, beschäftigte sich L. auf's Angelegentlichste mit dessen literarischem Nachlasse, und so erschien 1754 das Werk „Historia rei literariae ordinis S. Benedicti. Opus a Magnoaldo Ziegelbauer ichnographice adumbratum, recensuit Ol. Legipontius“ (Augsb. u. Würzb. 1754. Fol.). Von 1755 an wanderte er, das Herannahen des Todes in sich fühlend, unruhig umher. Man findet ihn nochmals in Köln, dann in Gengenbaum, Ettenmünster, Crozingen, 1756 in Schwarzach, wo ihn das Fieber darniederwarf. Kaum genesen, ließ er sich in manchen anderen Städten und Klöstern erblicken. Gegen Jahresschluß kam er in Trier an, wo er als Gast der Abtei St. Maximin sein vielbewegtes Leben beendigte. Nur der kleinere Theil seiner Schriften ist im Druck erschienen. Das Kölner Stadtarchiv besitzt zwei Handschriften von ihm: „Fasti ecclesiae et abbatiae S. Martini“ und „Vita venerab. Adami Mayer abbatis S. Martini“.

    • Literatur

      Hartzheim, Biblioth. Col. Kessel, Autiquitates Monast. S. Martini maj. Col. Ennen u. Eckertz, Quellen z. Gesch. d. Et. Köln, I (Vorbericht). Wegeler, Das Kloster Lauch. Brunet, Manuel du libraire, III.

  • Autor/in

    J. J. Merlo.
  • Empfohlene Zitierweise

    Merlo, J. J., "Legipont, Oliver" in: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 126-128 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11686091X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA