Lebensdaten
1858 bis 1922
Geburtsort
New York
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Generallandschaftsdirektor ; Politiker ; Putschist
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 118891502 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kapp, Wolfgang
  • Capp, Wolfgang

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Zitierweise

Kapp, Wolfgang, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118891502.html [19.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (s. 1);
    - 1884 Margarethe (1853–1929), T d. Rittergutsbes. Ludw. Rosenow in Dulzen Kr. Preuß. Eylau u. d. Johanna Fredenhagen;
    1 S (⚔), 2 T Anneliese (* 1888), Privatsekr. K.s, Eva ( Martin Kirschner, 1942, Chirurg, s. NDB XII).

  • Leben

    13jährig mit den Eltern aus dem amerikanischen Exil nach Berlin gekommen, studierte K. Jura in Tübingen, Göttingen (Corps Hannovera) und Berlin (Dr. jur.). Nach 1886 abgelegtem Assessorexamen begann er die Verwaltungslaufbahn als Hilfsarbeiter im preußischen Finanzministerium, zuletzt unter Miquel, mit Arbeiten zur Steuerreform. Als Landrat des Kreises Guben (1891–1900) erwarb er sich besonders landwirtschaftliche und agrarpolitische Kenntnisse, die durch Erfahrungen als Gutsbesitzer (seit 1890 in Pilzen, Kreis Preußisch Eylau) ergänzt wurden. Die konservativen Anschauungen, die K. ohne engen Parteistandpunkt frühzeitig, im Gegensatz zur politischen Grundhaltung des Vaters, vertreten hatte, verbanden sich nun, wie bei den Deutschkonservativen, mit agrarpolitischem Engagement. 1900 als Vortragender Rat ins preußische Landwirtschaftsministerium berufen, widmete er sich der Landarbeiterfrage und war an der Vorbereitung der Zollvorlage (1902) sowie als Kommissar an den Handelsvertragsverhandlungen (1904/06) beteiligt. Trotz vielfältiger Anerkennung und grundsätzlicher Übereinstimmung mit Fürst|Bülows Tendenz einer konservativ-liberalen Zusammenarbeit (der späteren Blockpolitik) wurde K. bei der Besetzung von Regierungspräsidien übergangen. So nahm er 1906 die Wahl zum Generaldirektor der ostpreußischen Landschaft an und schied als Geheimer Oberregierungsrat aus dem Staatsdienst aus. Seine Leitung dieser Selbstverwaltungsorganisation (mit einjähr. Unterbrechung 1916/17 bis 1920) war durch Initiativen gekennzeichnet, durch die er den bisherigen Aufgabenkreis (vorwiegend Kreditgewährung) im Sinne des Freiherren vom Stein zu erweitern versuchte: so für einen Ausbau der inneren Kolonisation zur Verringerung der Landflucht wie für eine öffentlich-rechtliche Lebensversicherung als Kreditgrundlage der Betriebsentschuldung.

    Während des Weltkriegs trat K. politisch durch scharfe Kritik an Außenpolitik und Ernährungswirtschaft der Reichsleitung hervor, die er im Mai 1916 in einer nicht zur Veröffentlichung bestimmten Denkschrift „Die nationalen Kreise und der Reichskanzler“ zusammenfaßte; Bethmann Hollwegs gereizte Reaktion („Piraten der öffentlichen Meinung“, Nichtbestätigung der Wiederwahl zum Generallandschaftsdirektor) machte K. weithin bekannt. Als Antwort auf die Friedensresolution des Reichstags vom 19.7.1917 gründete er von Ostpreußen aus mit rechtsstehenden und freisinnigen Politikern die Deutsche Vaterlandspartei (1. Vorsitzender Tirpitz), für deren Ziel, eine „kraftvolle Reichspolitik“, er als ihr 2. Vorsitzender und seit 2.2.1918 als konservativer Reichstagsabgeordneter wirkte. Unter dem Eindruck des Zusammenbruchs des Kaiserreichs und der Bedrohung Ostdeutschlands plante K. seit Sommer 1919 in Zusammenarbeit mit Politikern (G. Traub, G. W. Schiele [Naumburg], K. Freiherr von Wangenheim und andere) und Offizieren (Ludendorff, M. Bauer, W. Pabst) in der „Nationalen Vereinigung“ eine gewaltsame Beseitigung der von ihm grundsätzlich nicht anerkannten und für eine rettende Tat als ungeeignet eingeschätzten neuen Ordnung. Bei der Führung der DNVP, deren Parteivorstand er seit Juli 1919 angehörte, fand er hierfür keine Unterstützung. Seine Vorbereitungen waren noch nicht abgeschlossen, als General Walther Freiherr von Lüttwitz (1859–1942, s. Literatur) am 13.3.1920 aus persönlichpolitischer Zwangslage heraus den geplanten Putsch auslöste und K. als Reichskanzler einsetzte. Nach den ersten Fehlschlägen – die Verhaftung der Reichsregierung mißlang, Ministerialbürokratie und große Teile der Reichswehr versagten sich – wurde offenkundig, daß K. und Lüttwitz unterschiedliche Ziele verfolgten: während K. die Regierung stürzen und die Verfassung beseitigen wollte, erstrebte Lüttwitz Teilerfolge auf dem Boden der Verfassung (Zusage baldiger Wahlen) und war zu Verhandlungen auch mit Sozialdemokraten bereit. Unter dem Druck führender Militärs trat K. am 17. 3. von dem unter anderen Voraussetzungen erstrebten Amt zurück, übergab Lüttwitz die Führung und entzog sich der drohenden Verhaftung durch Flucht nach Schweden (Hellekis am Vänersee). Nachdem im Prozeß gegen Tr. von Jagow der Eindruck entstanden war, der Putsch habe im Sinne von Lüttwitz überhaupt nur die korrekte Ausführung der Verfassung erzwingen wollen, stellte sich K. im April 1922 dem Reichsgericht, um seine Zielsetzung offen darzulegen, zumal dies angesichts der Rechtskraft der Urteile für andere Beteiligte keine Nachteile mehr bringen konnte. Er starb jedoch, an Krebs erkrankt und operiert, in Untersuchungshaft, ehe er sich rechtfertigen konnte. – Dr. phil. honoris causa (Königsberg).

  • Literatur

    H. Rothfels, in: DBJ IV (W, L);
    Junius Alter (Ps. f. F. Sontag), Nationalisten, 1930, S. 28-45;
    P. Schemann, W. K. u. d. Märzunternehmen 1920, 1937 (P);
    J. Erger, Der Kapp-Lüttwitz-Putsch, 1967 (L);
    Arbeiterklasse siegt üb. K. u. Lüttwitz, hrsg. v. E. Könnemann u. a. 1971, (L). - Nachlaß;
    Zentrales Staatsarchiv Merseburg;
    Privatbes.

  • Autor/in

    Friedrich Freiherr Hiller von Gaertringen
  • Empfohlene Zitierweise

    Hiller von Gaertringen, Friedrich Freiherr, "Kapp, Wolfgang" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 135-136 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118891502.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA