Wittgenstein, Karl

Lebensdaten
1847 – 1913
Geburtsort
Gohlis beiLeipzig
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Industrieller ; Unternehmer ; Volkswirt
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 130249912 | OGND | VIAF: 49363036
Namensvarianten

  • Wittgenstein, Carl
  • Wittgenstein, Karl Otto Clemens
  • Wittgenstein, Karl
  • Wittgenstein, Carl
  • Wittgenstein, Karl Otto Clemens
  • Wittgenstein, Karl W.
  • Wittgenstein, Carl Otto Clemens
  • Wittgenstein, Carl W.

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Zitierweise

Wittgenstein, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd130249912.html [01.01.2026].

CC0

  • Wittgenstein, Karl (Carl) Otto Clemens

    | Industrieller, * 8.4.1847 Gohlis beiLeipzig, † 20.1.1913 Wien, ⚰ Wien, Zentralfriedhof, Familiengrab. (evangelisch Augsburgischen Bekenntnisses)

  • Genealogie

    V Hermann Christian (1802–1878, jüd., 1839 ev.), aus Korbach (Hessen), Holz-, Woll- u. Immobilienhändler, Gutsbes., S d. Moses Meier-W. (1761–1822), aus Laasphe (Kr. Siegen-Wittgenstein), Kaufm., Hoffaktor, u. d. Brendel (Bernhardine) Simon (1768–1829), aus Korbach;
    M Franziska (Fanny) (1814–90, jüd., 1839 ev.), aus Kittsee (Burgenland), T d. Wilhelm Wolf Figdor (1793–1873), Händler, u. d. Amalie Strim Veit (1792–1863), aus Śrem (Polen);
    Schw Bertha (1848–1908, Karl Kupelwieser, 1841–1925, Industr., Gutsbes., Mäzen, B d. Paul Kupelwieser, 1843–1919, Berg- u. Hüttening., beide s. NDB 16);
    B Paul (1842–1928), Jur. b. d. Österr. Rückvers.-Ges. in W. u. im Fam.untern., Förderer d. Wiener Werkstätten;
    Wien 1874 Leopoldine (1850–1926, kath.) aus W., Pianistin, T d. Jacob Maximilian Kal(l)mus (1814–1870, jüd., seit 1832 kath.), aus Prag, Kaufm., u. d. Marie Stallner (1825–1921, kath.), aus Sevnica (Slowenien);
    5 S Johannes (Hans) (1877–1902, Suizid?), Musiker, Konrad (Kurt) (1878–1918, Suizid), Rittmeister, Ing., Präs. d. Verw.rats d. Steir. Gusswerke A. G., Rudolf (Rudi) (1881–1904, Suizid), Student d. Chemie, Paul (s. 2), Ludwig (s. 3), 4 T u. a. Hermine (Mining) (1874–1950), Vfn. v. Erinnerungen (s. L), Helene (Lenka) (1879–1956, Maximilian Salzer, 1868–1941, Min.beamter in W.), Margarethe (Margaret, Gretl) (1882–1958, 1904–23 Jerome Stonborough, bis 1900 Steinberger, 1873–1938, Suizid, Dr. med. (?), Fabr. in New York, Kunstsammler, B d. Aimee Lillian Steinberger, 1875–1957, William B. Guggenheim, 1868–1941, Industr. in New York, Philanthrop), Philanthropin, Mäzenin, Stifterin, Kunstsammlerin, 1919 Mitarb. b. d. American Food Commission, Inh. d. Villa Toscana in Gmunden/Traunsee, Bauherrin d. Villa Wittgenstein in W., Modell f. Gem. v. G. Klimt (1905) u. Büsten v. A. Hanak; v. G. Klimt porträtiert (s. L);
    E Thomas Humphrey Stonborough (1906–1986), Dr., Psychol., Teilh. d. Bank Shields & Co. in New York.

  • Biographie

    Nach seinem Ausschluß aus einem Wiener Gymnasium 1865 und einem Aufenthalt in den USA mit Gelegenheitsarbeiten war W. ab 1867 wieder in Wien, besuchte die Polytechnische Hochschule (TH/TU) als ao. Hörer, ohne einen Abschluß zu erlangen, und praktizierte in der Fabrik der Staatsbahn. In der „G. Sigl, Maschinenfabrik in Wien“ war er 1868/69 als Zeichner tätig, danach als Assistent in steir. Hüttenwerken. 1870 arbeitete er beim Schiffbau in Triest, 1871 bei der ungar. Nordostbahn. Paul Kupelwieser holte ihn 1872 in die Bessemerhütte in Ternitz (Steiermark), wo W. Pläne für ein Schienenwalzwerk in Teplitz (Teplice, Tschechien) zeichnete. 1873 als Hüttenadjunkt in der „Teplitzer Walzwerk und Bessemerhütte“, leitete W. 1874 dessen kommerzielle Vertretung in Wien, wurde 1876 Vorstandsmitglied, kaufte mit einem Konsortium die Aktien des Unternehmens und wurde 1877 dessen Direktor.

    Im selben Jahr war er maßgeblich an der Bildung des ersten österr. Schienenkartells beteiligt und erwarb 1880 die böhmenweite Lizenz für das Thomas-Gilchrist-Verfahren zur Stahlherstellung. 1884 übernahm W. mit einem Konsortium die Aktien der konkurrierenden „Böhmischen Montangesellschaft“ und gründete die „Rudolfshütte“ in Teplitz, das größte Feinblech|werk der Monarchie, das er 1886 mit der Prager Eisenindustriegesellschaft fusionierte und deren Generaldirektor er wurde. Im selben Jahr organisierte er ein umfassendes Eisenkartell und kaufte 1888 an der Spitze eines Konsortiums sämtliche Aktien der „St. Aegyder Eisen- und Stahlindustriegesellschaft“ und in der Folge mehrere Werke der Kleineisenindustrie in der Steiermark und in Niederösterreich. Mit der Errichtung der „Königinhofer Zementfabrik“ 1889, dem Erwerb der Mehrheit am „Gottesberger Kokswerk“ 1890, der Gründung der Tiegelgußstahlfabrik „Poldihütte“ in Kladno (Böhmen) und der „Teplitzer Schaufel- und Zeugwarenfabrik“ sowie der Beteiligung an mehreren Kohlewerken erreichte W. einen hohen Grad an vertikaler Integration. Als Mitglied des Verwaltungsrats der „Creditanstalt“ erwarb er die Aktienmehrheit an der „Österreichisch-Alpinen Montangesellschaft“.

    Insgesamt war W. an 14 Unternehmen der Montan- und Zementindustrie beteiligt. Nach der Rückkehr von einer Weltreise legte er 1898 seine Stelle als Zentraldirektor der Prager Eisenindustriegesellschaft und sukzessive alle übrigen Verwaltungsrats- und Präsidentenposten nieder. Proteste gegen seine Rationalisierungsmaßnahmen, Kritik von Industriellen an der Preispolitik des Eisenkartells und heftige öffentliche Debatten um die Ausschüttung eines Reservefonds der Prager Eisenindustrie begleiteten den Rückzug. W. blieb aber durch Zeitungsartikel und Vorträge in der Öffentlichkeit präsent.

    W. war der beherrschende Akteur der zisleithanischen Eisenindustrie und agierte mit langjährigen Geschäftsfreunden wie seinem Schwager Karl Kupelwieser, Karl Wolfrum (1813–1888), Isidor Weinberger (1837–1915), Gustav Figdor (1816–1879), Karl R. v. Wessely (um 1842–1914) und Wilhelm Kestranek (1863–1925), die führende Positionen in den unter seinem Einfluß stehenden großen Unternehmen besetzten („Wittgensteingruppe“). Er verfocht Schutzzölle, Protektionismus und Kartellierung, vertrat aber ungehemmtes Unternehmertum und stand sozialdarwinistischem Gedankengut nahe. An US-amerik. Unternehmenspraktiken (Andrew Carnegie) orientiert, war er maßgeblich für Modernisierung, Konzentration und Rationalisierung der österr. Eisenindustrie verantwortlich. Er hinterließ ein beträchtliches Vermögen mit ausgedehntem Grundbesitz und Immobilien und genoß einen Ruf als Kunstsammler und -mäzen v. a. von zeitgenössischer bildender Kunst und Musik.

  • Werke

    |Ztg.art. u. Vortrr., 1913, komm. Nachdr. „Politico-economic writings“, hg. v. J. C. Nyiri, 1984.

  • Literatur

    |E. F. Flindell, Ursprung u. Gesch. d. Slg. W. im 19. Jh., in: Die Musikforsch. 22, 1969, S. 298–314;
    J. K. Bramann, K. W, Ein Amerikaner in Wien, in: Zeitgesch. 2, 1974, H. 2. S. 29–40;
    ders. u. J. Moran, K. W., Business Tycoon and Art Patron, in: Austrian Hist. Yearbook 15/16, 1979/80, S. 107–24;
    R. Sandgruber, Traumzeit f. Millionäre, 2013;
    Hermine Wittgenstein, Fam.erinnerungen, hg. v. I. Somavilla, 2016;
    NÖB IV;
    Hess. Biogr.;
    ÖBL;
    Wien Gesch. Wiki;
    Qu Wiener Stadt- u. Landesarchiv, Testament v. 1.12.1912;
    zu Margaret Stonborough-Wittgenstein: Th. Zaunschirm, Gustav Klimt, Margarethe Stonborough-W., 1987;
    U. Prokop, Margaret Stonborough-W., 2003;
    Wien Gesch. Wiki.

  • Autor/in

    Manfred Zollinger
  • Zitierweise

    Zollinger, Manfred, "Wittgenstein, Karl (Carl) Otto Clemens" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 338-339 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130249912.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA