Lebensdaten
1688 bis 1734
Geburtsort
Zofingen
Sterbeort
Bern
Beruf/Funktion
Historiker
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 122653475 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lauffer, Johann Jacob
  • Lauffer, Johann Jakob
  • Lauffer, Johann Jacob
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Quellen(nachweise)

Orte

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Zitierweise

Lauffer, Johann Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122653475.html [19.09.2019].

CC0

  • Leben

    L. studierte Theologie in Bern, Halle und Utrecht und unternahm eine Bildungsreise durch Deutschland, Holland und Frankreich. 1714 erschien in Amsterdam seine Schrift über die Torheit der Gottesleugnung „Atheus amens“. 1718 erhielt er in Bern die Professur der Eloquenz und Geschichte; zu seinen Schülern zählte Albr. Haller. Mit Joh. Gg. Altmann gründete er hier die erste literarische Gesellschaft, die 1722/23 das „Bern. Freytagsblättlein“ herausgab. 1724 wurde L. von der Regierung beauftragt, die amtliche Chronik Berns fortzusetzen. Er willigte nur zögernd ein, da es gefährlich sei, in einer freien Republik Geschichte zu schreiben; ein wahrheitsliebender Mann könne nicht vermeiden, mehrere Familien zu verletzen. L. setzte die Chronik nicht dort fort, wo Mich. Stettler, sein Vorgänger, aufgehört hatte, nämlich 1630. Er begann vielmehr im Altertum, gelangte aber nur bis 1657, da er infolge eines Sturzes kaum 46jährig starb. Die Obrigkeit ließ das nachgelassene Werk prüfen und 1736-39 in 18 Bänden unter dem Titel „Genaue und umständliche Beschreibung helvetischer Geschichte“ in Zürich erscheinen.

    Entgegen seiner Versicherung, „authentische Quellen zu sammeln“, nahm L. den Stoff meist aus zweiter Hand, indem er sich auf die Darstellungen von Stettier, Guillimann, Leu, Simler und Bullinger stützte. Höher als die Quellenforschung erachtete er die schöne Form. Er meinte, Historie solle den Ruhm|der Vorfahren erhalten und so zur Tugend anfeuern. Seine barocke Rhetorik wurde von J. J. Bodmer als „Anmuth“ gerühmt, die sich vorteilhaft von der Mattheit und Trokkenheit der zeitgenössischen Geschichtsschreibung abhebe; noch nie habe ein Schweizer Historiker so geredet wie L. Eigenwert besitzt sein Werk, die letzte Fortsetzung einer amtlichen Geschichtsschreibung Berns, erst, sofern es die Zeit nach 1630 beschreibt. L. stellt den Bauernkrieg zwar einseitig vom Standpunkt der Obrigkeit aus dar, steuert aber treffliche Einzelheiten bei und beschreibt die erste Schlacht von Villmergen ungeschminkt.

  • Literatur

    ADB 18;
    E. Blösch, in: Slg. bern. Biogrr. I, 1884, S. 173 f.;
    G. Tobler, Die Chronisten u. Gesch.schreiber d. alten Bern, in: Festschr. z. VII. Säkularfeier Berns, III, 1891, S. 69 ff.;
    M. Krebs, Das Berner Freitagsblättlein, 1913;
    E. Wessendorf, Gesch.schreibung f. Volk u. Schulen in d. alten Eidgenossenschaft, 1962, S. 106 ff.;
    R. Feller u. E. Bonjour, Gesch.schreibung d. Schweiz vom SpätMA z. Neuzeit 2, 1979, S. 460 f.

  • Autor/in

    Edgar Bonjour
  • Empfohlene Zitierweise

    Bonjour, Edgar, "Lauffer, Johann Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 711 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122653475.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lauffer: Johann Jakob L., Geschichtschreiber, wurde 1688 in dem damals bernischen, jetzt aargauischen Städtchen Zofingen geboren. Zuerst besuchte er die verhältnißmäßig guteingerichteten Schulen seiner Vaterstadt, dann, als Student der Theologie, die Akademie in Bern und die Universitäten zu Halle und Utrecht, woran sich eine wissenschaftliche Reise in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden schloß. Eine philosophisch-theologische Abhandlung über die Thorheit der Gottesläugnung (Atheus amens) kam 1714 in Amsterdam heraus. Im J. 1718 wurde er in Bern Professor der "Geschichte und Eloquenz“. Als solcher war er der Lehrer Albrecht Haller's und scheint überhaupt durch seine Vorträge das Interesse an dem Studium der Geschichte in weiterem Kreise geweckt zu haben. Eine Frucht diefer Anregungen war es, daß er 1724 von der Regierung den Auftrag erhielt, als Landeshistoriograph die nur bis 1616 geführte Stadtchronik bis auf die Gegenwart fortzusetzen. Er verfaßte nun seine „Beschreibung helvetischer Geschichten“, war aber erst bis zum Jahre 1656 gelangt, als am 23. Febr. 1734 ein unglücklicher Sturz von der Treppe seinem Leben ein Ende machte. Das Werk wurde in den Jahren 1736—38 in Zürich gedruckt in 18 Bänden, nebst 4 Bänden „Beiträge zur helvetischen Geschichte“ mit den urkundlichen Beilagen und Excursen. Der halbamtliche Charakter seiner Arbeit gab dem Verfasser die Möglichkeit zur Benutzung der öffentlichen Archive, legte ihm jedoch andererseits eine gewisse Zurückhaltung auf, die für den Werth des Buches nicht günstig sein konnte. Die Kenntniß der älteren Zeiten ging L. fast vollständig ab; große Weitläufigkeit der Darstellung und Schwülstigkeit des Stils werden ihm außerdem zum Vorwurf gemacht; immerhin war diefe Geschichte ein für jene Zeit wichtiges Werk und blieb durch die Verwerthung der schwer zugänglichen Quellen — die nur unglücklicherweise nirgends angegeben sind — noch lange die unentbehrliche Grundlage für alle Späteren. Bernisches Freitagsblättlein von 1734, S. 93 u. ff. — Zurlauben, Tableaux historiques de la Suisse, Tom. II p. 112. — Lutz, Nekrolog ber. Schweizer, S. 288. — Walthardt, Desoription de la ville de Berne, p. 231. — v. Tillier, Berner Geschichte, V. 469 u. ff. — Argovia, Zeitschrift d. hiftor. Gesellsch. d. Kantons Aargau, XII. S. 56.

  • Autor/in

    Blösch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Blösch, "Lauffer, Johann Jakob" in: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 42 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122653475.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA