Lebensdaten
1829 bis 1881
Geburtsort
Mariaschein (Böhmen)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Maler ; Graphiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 130217328 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Laufberger, Ferdinand Julius Wilhelm
  • Laufberger, Ferdinand
  • Laufberger, Ferdinand Julius Wilhelm
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Zitierweise

Laufberger, Ferdinand, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd130217328.html [21.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann (1784–1845), Kirchengutsverwalter in M., zuletzt Amtsverwalter d. Gutes Sobochleben b. M.;
    M Antonia (1803–43), T d. Anton Theymmer (Theimer), Baumeister d. Gf. Desfours auf d. Herrschaft Rohosetz b. Turnau;
    Wien 1870 Karoline Joh. (* 1844), T d. Joh. Ignaz v. Tischer, Sektionsrat im Handelsmin.

  • Leben

    L., der seine künstlerische Grundausbildung in Prag in der Zeichenschule im erzbischöfl. Palais erhalten hatte, wurde 1844 in die Akademie aufgenommen. Seit 1845 verdiente er sich seinen Lebensunterhalt mit privatem Zeichenunterricht. 1852 folgte er seinem Lehrer Ch. Ruben an die Wiener Akademie, zuvor hatte er eine Sommerreise durch Nordungarn und Galizien unternommen, auf der zahlreiche Zeichnungen entstanden. – L. war an nahezu allen illustrierten Publikationen der 1854 durch R. v. Waldheim in Wien gegründeten xylographischen Anstalt als Zeichner beteiligt. Es entstanden unzählige Zeichnungen für die „Mußestunden“, „Waldheims Illustrierte Zeitung“ sowie für die „Illustrierten Blätter“ und den „Figaro“, für den er von 1859 bis Mitte der 60er Jahre arbeitete. Hier konnte sich L. auf dem Gebiet der humoristisch-zeitkritischen Zeichnung entfalten. Auf einer mehrwöchigen Reise schuf er 1855 im Auftrage des Triester Lloyd einen Teil der Illustrationsvorlagen für das „Album zur Erinnerung an die Donau“. L.s erste größere in Wien entstandene Komposition, „Die Übergabe von Calais“ (vor 1855), fand als Stich von J. Sonnenleiter Verbreitung. Für das auf der Wiener Akademieausstellung 1858 gezeigte Ölgemälde „Ein Markt in Oberungarn“ erhielt L. den Kunstausstellungspreis. Bis Anfang der 60er Jahre entstanden mehrere, jeweils in Ausstellungen des Österr. Kunstvereines präsentierte Bilder. Die zumeist auf der Fraueninsel im Chiemsee oder im Salzkammergut verbrachten Ferienaufenthalte inspirierten ihn zu vielen Zeichnungen.

    Als Abschluß der Studienzeit unternahm L. 1862-64 eine Studienreise, die erheblich zur Ausbildung seines monumentalen Dekorationsstiles beigetragen hat. Auf den Aufenthalt in Paris ist das Bild „Galerie-Besuch im Louvre“ zurückzuführen, das nach Th. Frimmel bedeutendste Staffeleigemälde L.s. Mit dem 1866 erteilten Auftrag für den zweiten Vorhang des Wiener Opernhauses setzt L.s reiche Tätigkeit auf dem Gebiet architekturbezogener Malerei ein. Der im Frühjahr 1869 vollendete Vorhang war der heiteren Oper und dem Ballett gewidmet. – 1868 wurde L. zum Professor für figürliches Zeichnen an der Wiener Kunstgewerbeschule ernannt. In dieser Funktion war er der Lehrer der Brüder Ernst und Gustav Klimt sowie Franz von Matschs. Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre schuf L. wesentliche Werke für das 1868-71 von H. v. Ferstel an der Ringstraße erbaute Österr. Museum für Kunst und Industrie: Deckenmalereien im Stiegenhaus (Venus und Allegorien von Architektur, Malerei, Skulptur und Kunstgewerbe) sowie Kartons für 10 allegorische Frauengestalten (einzelne Künste und verschiedene Zweige des Kunstgewerbes), die Ignaz Schönbrunner am Mittelrisalit des Museumsbaues in Sgraffitotechnik ausführte.

    Diese Werke und zahlreiche weitere Arbeiten mit allegorischer oder mythologischer Thematik, von denen ein Teil mit der Wiener Weltausstellung von 1873 in Zusammenhang steht, lassen L. als den wohl populärsten und meistbeschäftigten Monumentalmaler des mittleren Historismus in Wien erscheinen. Durch die Wiederaufnahme der Sgraffitotechnik und die Verwendung der von F. Kosch entwickelten Emailfarben vermittelte L. der Fassadendekorationskunst des Historismus auch wesentliche technologische Impulse. – L. ist der Gefahr der historischen Malerei, leer und formelhaft zu wirken, durch seine linear-melodiöse Formensprache und seinen liebenswürdigen Figurentypus|entgangen. Sein Schüler Gustav Klimt konnte dann gegen 1900 aus einer überwiegend graphischen Werkstruktur heraus eine neue künstlerische Form und neue Ausdrucksweisen finden.

  • Werke

    Weitere W Wien: Deckenmalereien im Vestibül d. Palais Léon, 1872 od. 73;
    Deckengem, im Wohnhaus Weiß. 1873 od. 74;
    Entwurf f. d. Glasfenster d. Rotunde d. Wiener Weltausst. 1873 (Austria mit allegor. Begleitfiguren);
    Enkaustische Gem. mit d. Thematik „Kunst u. Wiss.“ am Triumphbogen d. Wienerberger Ziegelfabriks- u. Bauges., ebd.;
    Entwurf f. d. Pallas-Athene-Mosaik d. Kunsthalle, ebd., ausgeführt v. A. Salviati (seit 1876 am sog. Verbindungsbau zw. d. Kunstgewerbeschule u. d. Österr. Mus. f. Kunst u. Industrie);
    Fassadenschmuck d. Kunstgewerbeschule d. Österr. Mus. f. Kunst u. Industrie (Medaillons als Personifikationen versch. Kunstlandschaften), 2. Hälfte d. 70er J.;
    Malereien u. Glasfensterentwürfe in d. Votivkirche, 70er J.;
    - Graphiken: Diplome, Glückwunschadressen, Kartons f. d. Sgraffito-Schmuck d. beiden Höfe d. Kunsthist. Mus. in Wien, um 1880. -
    Veröff.: Sgraffito-Decorationen, 4 Hh., 1877/82;
    609 Bl. Zeichnungen aus d. Nachlaßauktion erwarb 1882 d. Österr. Mus.;
    Ölbilder, Aquarelle u. Zeichnungen in d. Österr. Gal., Ak. d. bildenden Künste u. d. Albertina in Wien u. im Rudolfinum in Prag.

  • Literatur

    C. v. Vincenti, Wiener Kunst-Renaissance, 1876, S. 276-78;
    R. v. Eitelberger, in: Mitt. d. k. k. Österr. Mus. f. Kunst u. Industrie 16, Nr. 191 v. 1.8.1881, S. 401-04;
    O. Berggruen, in: Die graph. Künste 4, 1882, S. 53-68;
    Th. Frimmel, in: Kat. d. künstler. Nachlasses v. F. L., 1882, S. 1-11;
    Allg. Kunstchronik 6, 1882, S. 08 f. (W. Lauser, L.s Nachlaß), S. 83 f. (Th. Frimmel, F. L.s Radirwerk), S. 96 f. (R. Müller, Erinnerungen an L.);
    F. v. Boetticher, Malerwerke d. 19. Jh. I, 2, 1895, S. 849-52;
    H. Schöny, Wiener Künstler-Ahnen II, 1975, S. 177;
    W. Kitlitschka, Die Bildausstattung, in: Das Wiener Opernhaus, Die Wiener Ringstraße VIII, 1, 1972, S. 380-84;
    ders., Die Kartons f. d. Bildausstattung d. Wiener Opernhauses (Ausst.kat.), 1973, S. 27 f.;
    ders., Die Malerei d. Wiener Ringstraße, Die Wiener Ringstraße X, 1981, S. 17 f., 34-38;
    Wurzbach 14;
    ÖBL;
    ThB.

  • Portraits

    Zeichnung v. J. M. v. Trenkwald, 1856;
    Selbstporträt aus d. letzten Lebensj., beide abgeb. in: Die graph. Künste 4.1882, S. 53 bzw. 54.

  • Autor/in

    Werner Kitlitschka
  • Empfohlene Zitierweise

    Kitlitschka, Werner, "Laufberger, Ferdinand" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 707 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130217328.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Laufberger: Ferdinand Julius Wilhelm L., Maler, gehört mit König, Rieser, Storck und Sturm zu jener Gruppe von Künstlern, deren Namen eng verknüpft sind mit dem Aufschwung der österreichischen Kunstindustrie, welcher unter v. Citelberger's thatkräftiger Führung in den 60er und 70er Jahren Platz gegriffen hat. In Laufberger's vielseitigem Wirken sind zwei deutlich getrennte Perioden zu unterscheiden: die erste, seine Thätigkeit als Illustrator, Caricaturenzeichner und Genremaler umfassend, die zweite, der monumentalen Kunst und dem kunstgewerblichen Unterrichte gewidmet. L. ist am 16. Febr. 1829 zu Mariaschein in Böhmen geboren. Die dürftigen Verhältnisse, in denen Laufberger's Eltern lebten, hinderten nicht, daß der Knabe ins Gymnasium geschickt wurde (1837—40 zu Schüttenitz bei Leitmeritz). Schon früh regte sich bei dem Knaben ein auffallender Trieb zum Zeichnen. Als im J. 1840 die Eltern nach Prag übersiedelten, drängte L. zur Malerlaufbahn. Die Mutter ging denn auch mit dem Knaben zu Rudolf Müller (damals Corrector an der Prager Akademie, jetzt Professor am Realgymnasium zu Reichenberg), welcher Laufberger's Talent erkannte und dasselbe durch mehrere Jahre mit Rath und That unterstützte. Er unterrichtete einstweilen privatim den Knaben, der noch die Piaristenschule in Prag besuchte, im Kopfzeichnen bis zu seinem Eintritt in die Akademie, welcher 1844 stattfand. Im J. 1852, als Ruben, der bisherige Director an der Prager Akademie, nach Wien berufen worden, zog L. mit diesem seinem|Meister gleichfalls nach der Donaustadt. Zuvor aber hatte er noch eine Sommerreise durch Nordungarn und Galizien unternommen und volle Skizzenbücher und Mappen heimgebracht. In Wien folgten nun einige Jahre bitteren Mangels, bis L. in der 1854 gegründeten xylographischen Anstalt von Waldheim ausgiebige Beschäftigung fand. Unter den zahlreichen illustrirten Publicationen, welche schon damals Waldheim's Anstalt verließen, sind wenige, an denen L. nicht mehr oder weniger als Zeichner Antheil hätte. Die „Mußestunden" (erschienen von 1859—63), „Waldheim's illustrirte Zeitung" (1862 und 1863), die „Illustrirten Blätter“ (von 1864—66), sowie das bekannte Witzblatt (der 1856 gegründete) „Figaro“ boten dem jungen Künstler Gelegenheit, seine Begabung für das rasche Auffassen des Charakteristischen an Formen und Bewegungen zu verwerthen. Viele Anregung bot die Reise, welche L. als Zeichner im J. 1855 mit einem Dampfer des Triester Lloyd die Donau abwärts bis zur Sulinamündung mitmachte. Auf der Heimreise sah er Constantinopel, einige griechische Städte und Triest. Als Frucht der Studien an der Akademie entstanden einige Cartons mit historischen Darstellungen. Die eigentliche Begabung Laufberger's aber machte sich in einer Reihe von launig erfundenen Genrebildern Luft, welche in der zweiten Hälfte der 50er Jahre im österreichischen Kunstverein ausgestellt waren. Hervorzuheben wären „"Privatgelehrter beobachtet eine Sonnenfinsterniß", „Gebirgsreisende rasten vor einem Bauernhause", „Ein alter Junggeselle“ und „Markt in Oberungarn“. Von größter Bedeutung für den Künstler war eine längere Reise (vom März 1862 bis August 1864), welche den Abschluß seiner akademischen Studien bildete. Die bedeutendsten Städte Deutschlands wurden berührt. Ein längerer Aufenthalt in Berlin gab Gelegenheit zum Copiren in der Gallerie, welches aber noch nicht hinreichte bei dem vorwiegend zum Zeichnen veranlagten Künstler auch den Farbensinn (welcher zeitlebens eine schwache Seite Laufberger's geblieben ist) zu wecken. Erst in Paris im Louvre und im Atelier Cogniet, welches der Künstler einige Zeit hindurch besuchte, zeigt sich eine Besserung im Colorit. Dem Pariser Aufenthalte verdanken wir dasjenige Werk des Künstlers, welches unter seinen Staffeleibildern die hervorragendste Stelle einnimmt, den „Galleriebesuch im Louvre“. Sehr tiefgehend war der Einfluß, den L. in Italien erfuhr. Eine lange Reihe von Skizzenbüchern aus jener Zeit und der Charakter fast aller nach dieser Reife entstandenen Schöpfungen des Künstlers geben davon Zeugniß. Einen besonders tiefen Eindruck scheinen ihm in Florenz die Kindergestalten des Luca della Robbia gemacht zu haben, welche uns in Laufberger's späteren Compositionen wiederholt begegnen, allerdings in moderner aber dennoch keuscher und reiner Auffassung. Nach der Rückkehr von dieser Studienreise verging fast ein volles Jahr, ehe der Künstler an eine größere Aufgabe herantreten konnte; eine solche aber wurde ihm zu Theil, als man ihm den Entwurf und die Ausführung des Bühnenvorhanges für komische Oper und Ballet im Wiener Opernhause übertrug. Mit seinem Verständniß für den decorativen Zweck des Ganzen führte er dieses Werk zu Ende. Es bildet die erste und vielleicht gelungenste jener monumentalen Arbeiten, welche die zweite Periode von Laufberger's Werken kennzeichnen und zu deren Ausführung ihm durch die zahlreichen hochbedeutenden Neubauten, welche zu jener Zeit in Wien entstanden sind, Gelegenheit geboten wurde. Als größere Aufträge wären zu nennen: die malerische Ausschmückung des Treppenhauses in dem von Ferstel erbauten österreichischen Museum, die Decoration in der Vierung der berühmten Votivkirche und der Sgrafittoschmuck in den beiden Höfen des von Hasenauer erbauten Museums für die Kunstsammlungen des österreichischen Kaiserhauses. Die Entwürfe für die großen Glasmalereien über den zwei Portalen der Rotunde in der Wiener Weltausstellung 1873, sowie die|Sgrafittodecoration der österreichischen Abtheilung der Pariser Weltausstellung 1878 trugen Laufberger's Namen in die weitesten Kreise. Höchst segensreich und noch gar nicht in ihrer ganzen Ausdehnung zu überblicken war die Lehrthätigkeit Laufberger's an der Kunstgewerbeschule des österreichischen Museums; zum Professor an derselben war er am 29. Juni 1868 ernannt worden und wirkte dort mit wahrem Feuereifer bis zu seinem am 16. Juli 1881 erfolgten Tode. Das österreichische Museum veranstaltete im Februar und März 1882 eine Ausstellung des künstlerischen Nachlasses von L.

    • Literatur

      Die beste Charakteristik des Malers findet sich in dem von R. v. Eitelberger geschriebenen Nekrolog in den Mittheilungen des österr. Museums, Jahrg. XVI, S. 402 ff. Biographien in dem Kataloge der Laufberger-Ausstellung im österr. Museum (Wien, H. O. Miethke), in der Zeitschrift für bild. Kunst, Jahrg. XVII, S. 261 (mit Abbildungen, darunter Porträt nach Griepenkerl), abermals in den Mittheilungen des österr. Museums, Jahrg. XVII, S. 19, endlich in den Graphischen Künsten, Jahrg. IV, Heft 3 (reich illustrirt, mit einem Stich nach einem lbstporträt). Das Radirwerk des Künstlers ist zusammengestellt in der Allgem. Kunstchronik, 1882, S. 83 ff.

  • Autor/in

    Th. Frimmel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Frimmel von Traisenau, Theodor, "Laufberger, Ferdinand" in: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 40-42 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130217328.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA