Lebensdaten
1897 bis 1968
Geburtsort
Straßburg (Elsaß)
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Soziologe ; Politikwissenschaftler
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 119212900 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Landshut, Siegfried
  • Landshut, S.
  • Landshut, Siegfried Salomon

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Zitierweise

Landshut, Siegfried, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119212900.html [21.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Samuel (1860–1919), Architekt, S d. Salomon Harris in Neumark (Westpreußen) u. d. Pauline Silberstein;
    M Susette Cohn (1867–1943);
    Hamburg 1921 Edith (1896–1965), T d. James Hess u. d. Anna Lippmann;
    2 S, 1 T.

  • Leben

    Nach Gymnasiumsbesuch in Straßburg (Notabitur 1914) und Kriegsteilnahme als Freiwilliger in Syrien und Mesopotamien beginnt L. 1919 mit dem Studium der Jurisprudenz in Freiburg und dann der Nationalökonomie und Soziologie in Frankfurt/Main. 1921 erfolgt die Promotion zum Dr. rer. pol. bei Robert Liefmann in Freiburg mit der Dissertation „Betrachtungen über eine abstrakte und formale Auffassung des Wissenschaftlichen und seine Beziehung zum Gesellschaftlichen“. Danach studiert L. Philosophie in Freiburg (Husserl, Heidegger), Soziologie in Köln (Scheler) und Heidelberg (Alfred Weber, K. Mannheim). 1925 wird er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Auswärtige Politik, Hamburg, und 1927 Wissenschaftlicher Assistent bei Ed.Eduard Heimann am Sozialökonomischen Seminar der Univ. Hamburg. 1928 scheitert er mit einer Habilitationsschrift „Untersuchungen über die ursprüngliche Fragestellung zur sozialen und politischen Problematik“ (1929 veröffentlicht als „Kritik der Soziologie“), bei der er eine Venia legendi „für das Fach der Politik“ beantragt hatte. Aus rassischen Gründen scheitert er 1933 ein zweites Mal bei der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Univ. Hamburg mit einer Habilitationsschrift über „Historisch-systematische Analyse des Begriffs des Ökonomischen“. Unmittelbar danach emigriert L. und lebt in Frankreich, England und Ägypten. 1936-38 ist er Research Fellow der Univ. Jerusalem, 1940-45 Leiter einer engl. Rundfunkstation|(GHQ Middle East), 1945-48 betreut er deutsche Kriegsgefangenenlager in Ägypten. 1951 erfolgt seine Berufung auf den neugeschaffenen Lehrstuhl für die Wissenschaft von der Politik an der Univ. Hamburg, zugleich ist er bis 1953 kommissarischer Vertreter des Lehrstuhls für Soziologie, daneben Direktor des Seminars für Sozialwissenschaften und ao. Mitglied des Instituts für Gemeinwirtschaft Hamburg. 1963-65 ist L. Präsident der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft. 1965 wird er emeritiert.

    Das gesamte wissenschaftliche Werk L.s kreist um die abendländischen Begriffe Freiheit und Gleichheit. Von einem ontologisch-phänomenologischen Ansatz aus gelangt er, unter dem Einfluß der Ideen von Husserl und Heidegger, zu einer Kritik der Soziologie Max Webers, bei dem er die enge thematische Verbindung mit Marx betont, und einer grundsätzlichen Methodenkritik der Sozialwissenschaften. Seine wissenschaftshistorisch bedeutsame Edition und Interpretation der „Pariser Manuskripte“ und der „Deutschen Ideologie“ von Marx richtet sich gegen die Annahme einer Diskontinuität im Denken von Marx und vertritt die These einer durchgängigen Thematisierung der Selbstentfremdung des Menschen. Seine Übersetzung und Edition der Arbeiten von Tocqueville soll die gemeinsame Thematik mit Marx aufzeigen. Zentral ist für L. die Frage, wie die Ordnung menschlichen Lebens dauerhaft gesichert werden kann, angesichts des Spannungsverhältnisses von Freiheit/Gleichheit und Herrschaft und angesichts des Auseinanderfallens von Staat und Gesellschaft. Die wissenschaftliche Bedeutung L.s, der sich vor allem als Politikwissenschaftler verstanden hat, liegt in seiner Betonung ideen- und begriffsgeschichtlicher Forschung, in seiner Vermittlerfunktion als Herausgeber und Übersetzer und in seiner außerordentlichen Wirkung als akademischer Lehrer.

  • Werke

    Weitere W u. a. Kritik d. Soziol., Freiheit u. Gleichheit als Ursprungsproblem d. Soziol., 1929;
    Karl Marx, 1932;
    Haq-qebusa. Mehqar sosijologi al haj-jissub haq-qibusi be-Eres-Jisrael (Soziolog. Unterss. üb. d. landwirtschaftl. Gemeinschaftssiedlungen in Israel), 1944;
    Jewish Communities in the Muslim Countries of the Middle East, 1950;
    Polit. Wb., 1958 (mit W. Gaebler);
    Kritik d. Soziol. u. a. Schrr. z. Pol., 1969. -
    Hrsg.: Karl Marx, Der Hist. Materialismus, Die Frühschrr., 1932 (mit J. P. Mayer u. F. Salomon). -
    Hrsg. u. Übers.: Alexis de Tocqueville, Das Za. d. Gleichheit, 1954, 21967;
    Herman Finer, Der moderne Staat, 1957 f.;
    Maurice Duverger, Die pol. Parteien, 1959.

  • Literatur

    O. K. Flechtheim, in: Internat. Soziologenlex., hrsg. v. W. Bernsdorf, 21980;
    J. Dennert, in: Pol. Vj.schrr. 1969, H. 1, S. 164 f.;
    ders., in: Hamburger Jb. f. Wirtsch.- u. Ges.pol., 1969, S. 209-20;
    W. Hennis, Zu S. L.s wiss. Werk, in: Zs. f. Pol., 1970, S. 1-14.

  • Autor/in

    Dirk Käsler
  • Empfohlene Zitierweise

    Käsler, Dirk; Kaesler, Dirk/später, "Landshut, Siegfried" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 519 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119212900.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA