Lebensdaten
1890 bis 1968
Geburtsort
Friedek (Österreichisch-Schlesien)
Sterbeort
Chicago
Beruf/Funktion
Orientalist
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 116681888 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • landsberger, ...
  • landsberger- von soden, ...

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Zitierweise

Landsberger, Benno, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd116681888.html [19.11.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Leopold, Fabr. in F.;
    M Hedwig Hitschmann; ledig.

  • Leben

    L. besuchte das Gymnasium in Mähr.-Ostrau und studierte seit 1908 Orientalistik in Leipzig, wo der Assyriologe H. Zimmern und der Arabist A. Fischer seine Lehrer wurden. 1914 wurde er dort mit der Dissertation „Der kultische Kalender der Babylonier und Assyrer“ (1915) promoviert. Den Weltkrieg machte er als österr. Offizier an der Ostfront mit; er kehrte dann nach Leipzig zurück und habilitierte sich 1920 für Orientalistik mit einer Fortsetzung seiner Dissertation (ungedr.). 1926 wurde er dort zum ao. Professor ernannt und 1928 als o. Professor nach Marburg berufen. 1929 folgte er seinem Lehrer Zimmern in Leipzig nach und blieb dort bis zu seiner Entlassung durch das nationalsozialistische Regime 1935. Noch 1935 wurde L. als erster Vertreter der Altorientalistik an die Univ. Ankara berufen. 1948 folgte er einem Ruf an das Oriental Institute der University of Chicago (1955 em.).

    L. war als Forscher und Lehrer der führende Vertreter seines Faches in seiner Generation. Er hatte eine ganz ungewöhnliche Sprachbegabung und ein phänomenales Gedächtnis. Die Sprachen waren für ihn das wichtigste Mittel, um in die Eigenbegrifflichkeit der Kulturen, wie er das nannte, einzudringen. Daher waren ihm bei den grammatischen Kategorien und den Wortbildungstypen in den semitischen Sprachen und im Sumerischen vor allem deren Funktionen in ihrem Wandel wesentlich. Hier gewann er ganz neue Erkenntnisse, die er leider fast nur in Skizzen und Andeutungen veröffentlichte, aber in seinen ungewöhnlich anregenden Vorlesungen weitergab, so daß einige Schüler sie zur Grundlage von umfassenden Darstellungen machen konnten. Viel mehr veröffentlicht hat L. auf dem Gebiet der Lexikographie. Hier untersuchte er weniger einzelne Wörter als ganze Begriffsfelder, etwa im juristischen Bereich oder in der Nomenklatur der Farben sowie den Benennungen in der Tierwelt, in fast allen Fällen mit weiten Ausblicken auf viele andere Sprachen. Für besondere Sachfragen holte er den Rat von Fachleuten ein; berühmt wurde seine Zusammenarbeit mit dem Rechtshistoriker Paul Koschaker. Für das Oriental Institute der University of Chicago hatte er um 1930 die Bearbeitung der sumer.-akkad. Listenwerke der Babylonier übernommen und mit Unterstützung anderer große Teile dieser Listen, teilweise ausführlich kommentiert, herausgegeben oder zur Herausgabe vorbereitet. Damit im Zusammenhang stand nach 1950 seine intensive Mitarbeit am großen „Assyrian Dictionary“ von Chicago. Im Bereich der Religionsgeschichte erkannte er, daß man für die Beschreibung von Gottesvorstellungen mehr Kategorien brauche, als oft angewandt wurden. Die babylon. Religion hat sich nach seiner Ansicht von einem echten Polytheismus zu einem Monotheotetismus fortentwickelt, der an historischen Götternamen und -kulten festhielt, aber in den Einzelgestalten nur noch (männliche und weibliche) Repräsentanten der einen Göttlichkeit sah. – L. faszinierte als Persönlichkeit durch eine ungeheure Vitalität und Diskussionsfreudigkeit bei oft unkonventionellen Lebensformen. Er hat viele Schüler begeistert und angeleitet, aus ihren Begabungen auf sehr verschiedenen Gebieten das Beste zu machen.

  • Werke

    Assyr. Handelskolonien in Kleinasien aus d. 3. Jahrtausend, 1925;
    Die Fauna d. alten Mesopotamien, 1934 (mit I. Krumbiegel);
    Materialien z. sumer. Lex. I-X u. XII, 1937-70 (z. T. mit anderen u. postum);
    The Datepalm and its By-Products According to Cuneiform Sources, 1967;
    Zahlr. Aufsätze auch z. Semitistik u. z. Hebräischen; Bibliogrr. u. Verz. behandelter Wörter
    , in: Journal of Cuneiform Studies 4, 1950, S. 1-62 (v. A. L. Oppenheim), 26, 1974, S. 183-94 (v. J. Renger) u. 27, 1975, S. 3-129 (v. D. A. Foxvog, A. D. Kilmer).

  • Literatur

    Festschrr.: Studies Presented to B. L. on his Seventieth Birthday, in: Journal of Near Eastern Studies 19, 1960, S. 65-171;
    Studies in Honor of B. L. on his Seventy-fifth Birthday April 21, 1965, 1965. - Nachrufe:
    A. L. Oppenheim, in: Orientalia 37, 1968, S. 367-70;
    H. G. Güterbock, in: Archiv f. Orientforschung 22, 1969, S. 203-06;
    B. Kienast, in: Zs. f. Assyriol. 60, 1970, S. 1-7;
    W. v. Soden, in: Zs. d. Dt. Morgenländ. Ges. 119, 1970, S. 1-14;
    H. Petschow, in: Jb. d. Sächs. Ak. d. Wiss., 1970 (P);
    H. Widmann, Exil u. Bildungshilfe, 1973, S. 273 (W);
    M. Müller, Die Keilschriftwiss. an d. Leipziger Univ. b. z. Vertreibung L.s 1935, in: Wiss. Zs. d. Karl-Marx-Univ. Leipzig 1979, S. 67-88 (L).

  • Autor

    Wolfram von Soden
  • Empfohlene Zitierweise

    Soden, Wolfram von, "Landsberger, Benno" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 516-517 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd116681888.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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