Lebensdaten
1870 bis 1943
Geburtsort
Krakau
Sterbeort
New York
Beruf/Funktion
Zionist ; Publizist
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 119301113 | OGND | VIAF: 64814233
Namensvarianten
  • Landau, Saul Raphael
  • Landau, S. R.
  • Landau, Saul R.

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Zitierweise

Landau, Saul Raphael, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119301113.html [29.11.2020].

CC0

  • Genealogie

    Vorfahren Abraham Josua Heschel ( 1664), Rabbiner in K. (s. Enc. Jud. VIII), u. dessen S Saul ( 1707), Rabbiner in K., dann in Amsterdam. V Pinchas (1849–76), Kaufm. in K.;
    M Rosalie Rikel (* 1851), T d. Isaak Knopf, Exporteur v. Gablonzer Erzeugnissen in d. poln.-russ. Raum, Vorsteher d. Synagoge „Alte Schul“ in K., u. d. Lea Hendel (T d. Abraham Glasscheib, Getreidehändler u. Tempelvorsteher in Wieliczka);
    Ur-Gvv Saul Raphael ( 1854), Kaulm. u. seit 1832 Rabbiner in K. (Enc. Jud. X);
    Groß-Ov Alexander ( 1856), Rabbiner in K.; Verwandter Bernhard Frhr. v. Eskeles ( 1839), Bankier (s. NDB IV); Vt d. V Hirsch, Vizepräs. d. isr. Kultusgem. in K.; - ledig.

  • Leben

    L. begann im Herbst 1888 in seiner Vaterstadt mit dem Studium der Jurisprudenz, das er im darauffolgenden Semester in Wien fortsetzte und mit den beiden Staatsprüfungen und der Promotion zum Dr. iur. abschloß. 1893 wurde er Dozent für poln. Sprache und Literatur an der neueröffneten|Israelit.-Theol. Lehranstalt in Wien, die er wegen eines Artikels über „Staatsbürger oder Schutzjuden“ (Die Zeit, Nr. 25 v. 23.3.1895) nach zwei Jahren wieder verlassen mußte. Schon seit 1891 publizierte L. vom nationaljüd. Standpunkt aus in der Hamburger Zeitschrift „Menorah“, in Birnbaums „Selbst-Emancipation“, in der „Jüd. Presse“ des Hirsch Hildesheimer, in der Berliner „Allg. Zeitung des Judentums“, in der Lemberger „Zukunft“ und in „Jordan“, dem Kalender des Wiener Palästina-Kolonisationsverbandes, der 1893 im Verband „Zion“ aufging, dessen Schriftführer L. wurde. Im Febr. 1896 lernte er Theodor Herzl kennen, der ihn um eine Besprechung seiner Schrift „Der Judenstaat“ bat (Jüd. Presse v. 26.2.1896). L. nahm später immer wieder das Verdienst in Anspruch, Herzl für die zionistische Bewegung und deren Verbände erst interessiert und gewonnen zu haben. Tatsächlich machte er ihn mit William Hechler, dem Kaplan der engl. Botschaft in Wien und ehem. Erzieher am Karlsruher Hof, und mit Michael Gf. Newlinski, dem Herausgeber der „Correspondance de l'Est“ und Freund des Sultans Abdul Hamid, bekannt. Hechler bahnte die Kontakte Herzls zu Wilhelm II. an, Newlinski zum Sultan. L. wurde zum begeisterten Mitstreiter Herzls und für kurze Zeit zu einem seiner engsten Vertrauten. Er übernahm die Redaktion der zionistischen Wochenschrift „Die Welt“, die am 4.6.1897 erstmals erschien. Gleichzeitig wurde er Korrespondent der Londoner Wochenschrift „Jewish Chronicle“. Während L. bisher unter dem Einfluß Nathan Birnbaums, mit dessen Frau er verwandt war, unter den Intellektuellen für die zionistischen Ideen geworben hatte, konzentrierte er seine Agitation nunmehr auf die Arbeiterschaft. Auf dem Ersten Zionistenkongreß 1897 in Basel, an dessen Vorbereitung und Durchführung er maßgebend beteiligt war, kam es zu Spannungen zwichen Herzl und L., der die Aufnahme der Palästina-Kolonisation in das Parteiprogramm durchsetzte. Herzl wollte damals noch kein bestimmtes Land für den künftigen Judenstaat benennen. L. gründete in Basel das „Syndikat der zionistischen Journalisten und Schriftsteller“ und übernahm den Vorsitz dieses Zusammenschlusses, der jedoch bald wieder auseinanderbrach. Als er verdächtigt wurde, er habe ein Schriftstück Herzls verschwinden lassen, mußte er im Okt. 1897 die Redaktionsleitung der „Welt“ an Siegmund Werner abgeben, im Juni 1898 wurde ihm gekündigt. Herzl strengte im folgenden Jahr einen Prozeß gegen seinen früheren Mitarbeiter an, der seinerseits mit Diffamierungen und Enthüllungen antwortete – u. a. in J. S. Blochs „Österr. Wochenschrift“ und Hardens „Zukunft“ –, aber nicht verhindern konnte, vom Kern der zionistischen Bewegung abgedrängt zu werden. Im Mai 1898 gründete L. den Arbeiterverein „Achwah“ und als dessen Organ die Monatsschrift „Der jüd. Arbeiter“ (Aug. 1898 bis Juni 1899). 1907 übernahm er das „Jüd. Volksblatt“, das er bis 1916, als er zum Kriegsdienst eingezogen wurde, als „Neue National-Zeitung“ herausgab. Seit 1900 und vollends nach dem Krieg war er hauptsächlich als Rechtsanwalt tätig. 1938 emigrierte L. nach London, 1941 in die USA, verbittert über seine Isolation innerhalb der zionistischen Bewegung. Seine Verdienste als Vorreiter der zionistischen Arbeiterbewegung und -presse sind jedoch unbestritten.

  • Werke

    u. a. Sionizm, 1897 (poln.);
    Unter jüd. Proletariern, Reiseschilderungen aus Ostgalizien u. Rußland, 1898;
    Der Polenklub u. s. Hausjuden, 1907;
    Sturm u. Drang im Zionismus, Rückblicke eines Zionisten vor, mit u. um Theodor Herzl, 1937 (P). - Übers.: Stanisław Koźmian, Die europ. Diplomatie u. d. J. 1863, 1896.

  • Literatur

    D. Wolffsohn. in: Die Welt v. 7.6.1907;
    H. York-Steiner, ebd.;
    J. Fränkel, Dr. Siegmund Werner, e. Mitarbeiter Herzls, 1938;
    R. Patai (Hrsg.), The Complete Diaries of Theodor Herzl, 5 Bde., 1960;
    H. H. Bodenheimer, Im Anfang d. zionist. Bewegung, Eine Dokumentation auf d. Grundlage d. Briefwechsels zw. Theodor Herzl u. Max Bodenheimer von 1896 bis 1905, 1965;
    Enc. lud. X;
    Biogr. Hdb. d. dt.-sprachigen Emigration, 1980.

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Landau, Saul Raphael" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 487 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119301113.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA