Lebensdaten
1845 bis 1893
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Anatom
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 130216038 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kundrat, Hans
  • Kundrat, Johann
  • Cundrat, Hans
  • mehr

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Zitierweise

Kundrat, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd130216038.html [25.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    N. N.

  • Leben

    K. absolvierte das Medizinstudium in Wien und wurde 1868 promoviert. Schon als Student war er Demonstrator bei J. HyrtI (Anatomie) und C. v. Rokitansky (Pathologie). Dieser erwählte ihn schließlich zu seinem Assistenten und habilitierte ihn 1873 für pathologische Anatomie. Bereits 1877 folgte K. dem Ruf nach Graz, um dort als Nachfolger Richard Heschls die Lehrkanzel für pathologische Anatomie zu leiten. Seine 1882 erschienenen Monographien über „Die Porencephalie“ und „Die Arhinencephalie“ führten das letzte große Forschungsanliegen Rokitanskys weiter: die Untersuchung embryonaler Hemmungsmißbildungen. 1882, nach dem Tode Heschls, nahm K., wieder als sein Nachfolger, den Ruf nach Wien an. In einer Zeit, die zunehmend dem Experiment und der Krankheitsursachenforschung, hier der Bakteriologie, zugewandt war, blieb K. bewußt vorwiegend Morphologe. Gleich seinem Vorbild Rokitansky legte er bei der Verwertung des Obduktionsbefundes epikritisch größten Wert auf einzelne Daten aus der Krankengeschichte. Er selbst hat viele tausende Obduktionen vorgenommen und hat als gewissenhafter und unermüdlicher Lehrer gerade auf die „Alltagsfälle“ der pathologischen Anatomie besonderen Wert gelegt. Besonders die Studenten schätzten seine Art, sich jederzeit ihrem Niveau anpassen zu können und eine möglichst verständliche Demonstration und Vorlesung zu halten. K. lag die Fortbildung der Ärzte ganz besonders am Herzen. Daher wurden im Jahre seines Dekanats 1887/88 in Wien die „Ferialkurse“ gegründet, die als postpromotionelle Weiterbildungskurse der Ärzte internationale Beachtung gefunden haben. Seiner Herzkrankheit, die ihn in den letzten Jahren quälte nicht achtend, arbeitete er täglich viele Stunden in seinem Anatom. Museum, in dem er sich restlos glücklich fühlte. Vor der Wiener Ärztegesellschaft sprach er am 17.3.1893, wenige Wochen vor seinem Tode, über die „Lymphosarkomatose“, jenes Krankheitsbild, das später in der medizinischen Terminologie den Namen „Kundratsche-Krankheit“ bekam. Sein Schüler Alexander Kolisko setzte bis weit in das 20. Jh. hinein die Tradition von K.s Schule in Wien fort.

  • Werke

    Weitere W u. a. Unterss. üb. d. Uterusschleimhaut (mit Engelmann), in: Wiener Med. Jb., 1873,|S. 135-77;
    Über Lymphosarkomatose, in: Wiener klin. Wschr. 6, 1893, S. 211-13, 234-39.

  • Literatur

    E. Albert, in: Wiener klin. Wschr. 6, 1893, S. 323-25 (W-Verz.);
    L. Eisenberg, Das geistige Wien, 1893, S. 286;
    R. Wittelshöfer, in: Wiener med. Wschr. 43, 1893, S. 810 f.;
    E. Lesky, Die Wiener Med. Schule im 19. Jh., 1965, S. 566-68;
    L. Schönbauer, Das med. Wien, 21947 (P);
    Pagel;
    BLÄ;
    Fischer.

  • Autor/in

    Helmut Wyklicky
  • Empfohlene Zitierweise

    Wyklicky, Helmut, "Kundrat, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 290 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130216038.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA