Lebensdaten
1754 bis 1840
Geburtsort
Spergau bei Merseburg
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Mediziner
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 119346311 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kühn, Karl Gottlob
  • Kuehn, Carolus G.
  • Kuehn, Carolus Gottlob
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Zitierweise

Kühn, Karl Gottlob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119346311.html [21.09.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Christian (1716–97), Pfarrer in S., seit 1772 in M., S d. Rentkammerschreibers Joh. Michael in M. u. d. Marie Elisabeth Baumgarten;
    M Joh. Christiane (1728–97), T d. Christian Andreas Georgi (1696–1766), Arzt, Ratsherr u. Organist in Johanngeorgenstadt, u. d. Cath. Elisabeth Hammerdörfer;
    Großgräfendorf b. Lauchstädt 1788 Christiana Elisabeth (* 1764, Cousine), T d. Stadtschreibers Christian Gottfr. Meißner in M. u. d. Christiane Henriette Kühn;
    3 S, 5 T, u. a. Otto Bernhard (1800–63), Prof. d. Chemie in L. (s. Pogg. I, III).

  • Leben

    Nach dem Besuch der Fürstenschule zu Grimma studierte K. in Leipzig Medizin und alte Sprachen, wurde 1779 Magister der Philosophie und promovierte 1783 zum Dr. med. (Dissertation: De forcipibus obstetriciis, recens inventis). 1785 wurde er dort ao., 1801 o. Professor der Medizin, erhielt 1810 den Lehrstuhl für Anatomie und Chirurgie, 1819 den für Physiologie und Pathologie und rückte 1820 zum zweiten, 1823 zum ersten Professor der Fakultät auf. 1805/06, 1809/10 und 1813/14 war K. Rektor der Universität. Er entfaltete eine „wahrhaft stupende Productivität“ (A. Hirsch, ADB), teils als Übersetzer, Herausgeber oder Bearbeiter medizinischer Werke des Altertums und der neueren Zeit, teils als Autor eigener Schriften. Seine Interessengebiete waren vor allem die antike Medizin, die therapeutische Anwendung der Elektrizität, die Pockenschutzimpfung (für die er eintrat), die Geburtshilfe und Nahrungsmittelvergiftungen. K. übersetzte u. a. Werke von W. Hunter (1784 f.), Th. Beddoes (1803, 21810) und Ch. Bell (1822), edierte die Werke von Th. Sydenham (1826) und G. Baglivi (1827–28) und bearbeitete des Medizinische Lexikon von St. Blancard neu (1832 f.). Er war Mitherausgeber der „Neuen Sammlung der auserlesensten und neuesten Abhandlungen für Wundärzte“ (1782-89) und gab 1789-1808 die „Commentarii de rebus in scientia naturali et medicina gestis“, 1816-36 die „Neue Sammlung auserlesener Abhandlungen zum Gebrauche practischer Ärzte“ heraus; außerdem war er seit 1803 Mitredakteur der „(Neuen) Leipziger Literaturzeitung“, seit 1808 des „Magazins der neuesten Erfindungen, Entdeckungen und Verbesserungen“. K.s größtes editorisches Unternehmen galt den antiken Ärzten Galen, Hippokrates und Dioskurides (bei letztgenanntem mit K. Sprengel als Bearbeiter). Seine Ausgaben bleiben aber hinter den textkritischen Leistungen der damaligen Zeit auf anderen Gebieten deutlich zurück und sind inzwischen – mit Ausnahme Galens, für den bis|heute nur zum kleinen Teil zuverlässige Editionen vorliegen – längst überholt.

  • Werke

    Weitere W u. a. Gesch. d. med. u. physical. Electricität …, 2 T., 1783-85;
    Die neuesten Entdeckungen in d. physical. u. med. Electricität …, 2 T., 1796 f.;
    Die Kuhpokken, e. Mittel gegen d. natürl. Blattern …, 1801;
    Medicorum Graecorum opera quae exstant, 26 Bde., 1821-33;
    Versuche u. Beobachtungen üb. d. Kleesäure, d. Wurst- u. d. Käsegift, 1824 (mit O. B. Kühn);
    Opuscula academica medica et philologica collecta, aucta et emendata, 2 Bde., 1827 f. (P).

  • Literatur

    ADB 17;
    H. G. Kreußler, Beschreibung d. Jubelfeier d. Univ. Leipzig …, 1810, Anhang, S. 50-53 (P);
    K. Schubling, Bemerkungen z. Galenausgabe v. K. G. K. u. z. ihrem Nachdr., in: Claudii Galeni Opera omnia, Repr. d. Ausg. Leipzig 1821–33, 1964/65, Bd. 20, S. IX-XV;
    V. Nutton, in: K. G. K. and his edition of the works of Galen, 1976 (Oxford Microform Publ.), Introduction, S. 7-9;
    Callisen, Bd. 10 u. 29 (W-Verz.);
    NND 18, S. 720-24;
    Pogg. I.

  • Portraits

    Lith. v. F. A. v. Fielitz n. Zeichnung v. Thernisch (Wellcome Institute of the Hist. of Medicine, London).

  • Autor/in

    Werner Friedrich Kümmel
  • Empfohlene Zitierweise

    Kümmel, Werner Friedrich, "Kühn, Karl Gottlob" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 196 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119346311.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kühn: Karl Gottlob K., Arzt, ist den 12. Juni 1754 zu Spergau (bei Merseburg) geboren. Er hatte sich in Leipzig dem Studium der Medicin gewidmet und daselbst nach Vertheidigung seiner Inauguraldissertation „De forcibus obstetriciis nuper inventis“, 1783 die Doctorwürde erlangt. — Im J. 1785 wurde er zum Prof. extraord., 1802 zum Prof. ord. der Heilkunst, 1820 zum Professor der Physik und Pathologie und 1823 zum ersten Professor der Medicin ernannt. — Mit hervorragender philologischer und humanistischer Bildung ausgestattet, hat K. sich vorzugsweise dem Studium der Geschichte der Heilkunde und der medicinischen Bibliographie zugewendet und in der Bearbeitung dieser Gebiete, in der Sammlung und Veröffentlichung der Schriften älterer Autoren, in der Uebersetzung zahlreicher Werke aus verschiedenen anderen Sprachen, in der Theilnahme und der Herausgabe verschiedener naturwissenschaftlicher und medicinischer Zeitschriften etc. eine wahrhaft stupende Productivität entwickelt. Aus den nach Hunderten zählenden Schriften Kühn's (darunter mehr als 160 Programme und andere akademische Gelegenheitsschriften) sind von eigenen Arbeiten besonders eine Reihe historischer Artikel (über Aretaeus, Caelius Aurelianus, die alexandrinische Schule, zur Geschichte der arabischen Medicin, der Augenheilkunde im Alterthum, zur Geschichte der Geburtszange etc.), welche zum Theil nebst anderen kleinen Schriften gesammelt in „Opuscula academica medica et philologica“, 2 Bde., 1827. 28. erschienen sind, ferner „Geschichte der medicinischen und physikalischen Electricität" etc., 2 Bde., 1783. 85 und „Die neuesten Entdeckungen in der physikalischen und medicinischen Electricität“, 2 Bde., 1796. 1797, sowie seine verdienstvolle Vertheidigung und Empfehlung der Vaccination „Die Kuhpocken, ein Mittel gegen die natürlichen Blattern“, 1801 und die, in Gemeinschaft mit seinem Sohne Otto Bernhard K. angestellten „Versuche und Beobachtungen über die Kleesäure, das Wurst- und das Käsegift“, 1824 hervorzuheben. — Unter den von ihm veranstalteten Sammelwerken nehmen „Medicorum graecorum opera quae exstant“, 26 Voll. in 28 Part. 1821—33, die Schriften des Hippokrates, Galen, Aretaeus und Dioskorides (die letztgenannte nach der klassischen Bearbeitung von Sprengel) umfassend, in Text und lateinischer Uebersetzung die erste Stelle ein; demnächst hat er die Herausgabe der gesammelten Schriften von Sydenham (1826), Huxham (1827), Baglivi (1827) besorgt und eine neue, sehr bedeutend vermehrte Ausgabe von „Blancardi Lexicon medicum“, 2 Voll. 1832. 33 veröffentlicht. — An der Redaction der „Commentarii de rebus in scientia naturali et med. gestis“ ist er seit dem Jahre 1793, an der Herausgabe der „Sammlung auserlesener Werke für praktische Aerzte“ vom 25. Bande der Sammlung an betheiligt gewesen. — Die letzten litterarischen Arbeiten Kühn's fallen in die Mitte des 4. Decenniums, in seiner akademischen Stellung aber ist er über diese Zeit hinaus und bis kurz vor einer schweren Erkrankung thätig gewesen, welche am 19. Juni 1840 seinem Leben ein Ende gemacht hat.

    • Literatur

      Ein vollständiges Verzeichniß seiner Schriften findet sich in Callisen, Med. Schriftsteller-Lexikon X, 431—442. XXIX, 373—380.

  • Autor/in

    A. Hirsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hirsch, August, "Kühn, Karl Gottlob" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 342 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119346311.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA