Lebensdaten
1866 bis 1956
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Indogermanist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118888455 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kretschmer, P.

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Zitierweise

Kretschmer, Paul, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118888455.html [06.12.2016].

CC0

Kretschmer, Paul

Indogermanist, * 2.5.1866 Berlin, 9.3.1956 Wien. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Albert (1825–91), Prof., Maler, Vorstand am Hoftheater in B., Kostümkundler (s. ThB), S d. Amtmanns Carl Gottfried in Niederarnsdorf/Schlesien; M Minna (* 1837), T d. Joh. Heinrich Obenauf, aus Andreasberg, Schlossermeister in B.; Ov Robert (1818–72), Maler u. Zeichner (s.|ThB); B Konrad (1864–1945), Prof. d. hist. Geogr. in B. (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1931); - 1900 Leona Gronay; 1 T.

  • Leben

    K. studierte seit 1884 in Berlin Indogermanistik bei Johs. Schmidt, außerdem Archäologie bei Carl Robert und klassische Philologie bei H. Diels. 1889 wurde er zum Dr. phil. promoviert mit der Arbeit „Beiträge zur griech. Grammatik“. 1891 habilitierte sich K. mit „Indogerman. Akzent- und Lautstudien“ (in: Kuhns Zs. 31, S. 325-472). 1897 wurde er ao. Professor für vergleichende indogerman. Sprachwissenschaft in Marburg, 1899 wurde er als o. Professor der allgemeinen vergleichenden Sprachwissenschaft nach Wien berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1937 wirkte. – K. wurde durch seine „Einleitung in die Geschichte der griech. Sprache“ (1896) berühmt. Es gibt heute wohl kein älteres Werk in der Indogermanistik, das man so oft zitieren muß wie dieses. Dabei sind es vor allem die allgemeinen Teile, die in vielem moderner anmuten als Werke neuesten Datums (Verhältnis der indogerman. Einzelsprachen zur fiktiven Ursprache, Urverwandtschaft oder Entlehnung etc.). Das Griechische stand bei K. im Vordergrund des Interesses, und mit seinem Werk hat er die Wissenschaft vom Vorgriechischen begründet, sowohl im Sinne eines nicht-indogermanischen, zum Kleinasiatischen stimmenden Substrates, wie auch hinsichtlich vorgriech., aber indogerman. Sprachträger. Die Entzifferung des Hethitischen durch den damaligen Wiener Dozenten Hrozný brachte für K. den Zwang zum Neuüberdenken der griech.-anatol. Beziehungen. Im hohen Alter versuchte er, auch die Erkenntnisse der Kaukasistik für diesen Fragenkreis nutzbar zu machen (Die Leleger und die ostmediterrane Urbevölkerung, in: Glotta 32, 1953, S. 161-204). Herzensanliegen waren für K. aber auch die Beschäftigung mit der Muttersprache (Wortgeographie der hochdeutschen Umgangssprache, 1918) und der Brückenschlag zwischen Sprachwissenschaft und Philologie, dem er eine neugegründete Zeitschrift (Glotta, seit 1907) widmete. Die sprachwissenschaftliche Ausbildung der Philologen wurde auf sein Betreiben hin in der österr. Lehramtsprüfungsordnung verankert. K. besaß sowohl die Kunst der Analyse wie die der Synthese (vgl. etwa „Sprache“ in: Gercke-Norden, Einleitung in die Altertumswissenschaft I, 31923, 6. H.) und einen klaren Stil. Er war ein vielseitiger, weitgereister, auch dem Künstlerischen gegenüber aufgeschlossener Gelehrter und gehörte außer der Österreichischen Akademie, in der er in vielen Kommissionen eine leitende Funktion ausübte, 7 weiteren Akademien als Mitglied an.|

  • Auszeichnungen

    Dr. E. h. (Athen).

  • Literatur

    W. Havers, in: Alm. d. Österr. Ak. d. Wiss. 106, 1956, S. 338-66 (Bibliogr., P); R. Meister, P. K.s Forscherwerk, in: Gedenkschr. f. P. K. II, 1957, S. VII-XL (Bibliogr.); P. Diels, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1956, S. 202-07 (P).

  • Autor

    Georg Renatus Solta
  • Empfohlene Zitierweise

    Solta, Georg Renatus, "Kretschmer, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 15-16 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118888455.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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