Lebensdaten
1882 bis 1963
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Markkleeberg bei Leipzig
Beruf/Funktion
Albanologe ; Sprachwissenschaftler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 121916731 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lamberc, Maksimilian
  • Lambertz, Max
  • Lambertz, Maximilian Paul

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Zitierweise

Lambertz, Maximilian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd121916731.html [27.03.2017].

CC0

Lambertz, Maximilian

Sprachwissenschaftler, Albanologe, * 27.7.1882 Wien, 26.8.1963 Markkleeberg bei Leipzig. (katholisch)

  • Genealogie

    1) Paula Wahrmann, Indogermanistin, 2) Josefa N. N.

  • Leben

    L. studierte seit 1900 bei Ed. Hauler, Paul Kretschmer und Leopold v. Schröder in Wien Klassische Philologie und Indogermanistik. Nach der Lehramtsprüfung (1905) und der Promotion (1906) mit der preisgekrönten Dissertation „Die griech. Sklavennamen“ (1907) unternahm er mit einem staatlichen Stipendium eine Reise durch Griechenland und Italien und ging für kurze Zeit als Gymnasiallehrer nach Triest, dann nach Wien. 1907-11 war er zur Mitarbeit am Thesaurus linguae latinae in München beurlaubt. Mit den Abhandlungen „Zur Doppelnamigkeit in Ägypten“ (1911) und „Zur Ausbreitung des Supernomens im Röm. Reich“ (in: Glotta 4, 1913, S. 78-143, 5, 1914, S. 99-170) setzte er die mit der Dissertation begonnenen namenkundlichen Forschungen fort. Entscheidend für seinen weiteren Lebensweg wurde jedoch die Hinwendung zum Albanischen. 1916 kam L. als Mitglied der Balkan-Kommission der Wiener Akademie der Wissenschaften nach Albanien, wo er maßgeblich an der Normierung der alban. Schriftsprache und an der Durchsetzung einer einheitlichen Orthographie beteiligt war. Er sammelte sprachliches und volkskundliches Material, besonders Märchen, die er zum Teil übersetzte. Nach Wien zurückgekehrt, avancierte er zum Schulleiter, wurde jedoch 1934 als Sozialdemokrat in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. L. studierte nun Theologie; seine Dissertation „Über die Kindheit Jesu“ wurde jedoch 1939 aus rassischen Gründen – seine Mutter entstammte einer jüdischen Familie – abgelehnt. Er arbeitete nun ehrenamtlich am Thesaurus linguae latinae in München. 1943 übersiedelte er nach Leipzig, wo er an der Fremdsprachenschule Französisch und Italienisch unterrichtete und Artikel für Pauly-Wissowas Realenzyklopädie der Altertumswissenschaften schrieb. Im Juni 1945 übernahm er die Leitung der Fremdsprachenschule, wenig später die einer Oberschule. Im Jan. 1946 wurde er zum Honorarprofessor, im Oktober zum o. Professor für vergleichende Sprachwissenschaft an der neugegründeten Pädagogischen Fakultät in Leipzig ernannt (1946-49 Dekan, 1957 Emeritierung).

    L. las über Vulgärlatein, lat. Epigraphik, Homer, Alt- und Neugriechisch sowie über Albanisch. L. schätzte von den alban. Dichtern Jul Variboba, vor allem aber Gjergj Fishta, dessen „Laute des Hochlandes“ (1958) er übersetzte. Am Beispiel von Fishtas Heldenepos versuchte er, die Entstehung eines Kunstepos aus Volksliedern aufzuzeigen, und zog Parallelen zu Homer. Einen breiten Raum nehmen die Dialektstudien ein. Schon|vor dem 1. Weltkrieg untersuchte er die Mundarten der Italo-Albaner in den Abruzzen und in der Molise (Italoalban. Dialektstudien, in: Indogerman. Jb. 2, 1914, S. 1-30, sowie in: Zs. f. vgl. Sprachf. auf d. Gebiet d. Indogerman. Sprachen 51, 1923, S. 259-90, 52, 1924, S. 43-90, 53, 1925, S. 66-79, 282-307), 1916 die in Nordalbanien. In dem „Bericht über meine linguistischen Studien in Albanien von Anfang Mai bis Ende August 1916“ (Anz. d. Ak. d. Wiss. zu Wien, Phil.-hist. Kl., 1916) gibt L. zum ersten Mal eine wissenschaftliche Einteilung der mundartlichen Zonen Nordalbaniens. Eine seiner letzten Arbeiten hat die Stadtmundart von Gjirokastra in Südalbanien zum Gegenstand (in: Lingua Posnaniensis 8, 1959, S. 85-144). Seine besondere Liebe galt der Volkspoesie der Albaner. L. übersetzte Märchen, Legenden, Lieder und Anekdoten und erklärte die Märchenfiguren, Motive, Topoi und Themen der Volksliteratur (Schrr. d. Balkankommission d. Ak. d. Wiss. zu Wien, Linguist. Abt. 12, 1922). Außerdem beschäftigte er sich mit den alban. Eigennamen und den Namen der Wochentage, mit der Etymologie und der historischen Grammatik. Zu dem „Lehr- und Lesebuch des Albanischen“, das er 1912 mit Gjergi Pekmezi herausgegeben hatte, kamen das „Alban. Lesebuch“ (Mit Einführung in die alban. Sprache, 2 Bde., 1948) und der dreiteilige „Lehrgang des Albanischen“ (1. T.: Alban.-deutsches Wörterbuch, 1954, 2. T.: Alban. Chrestomathie, 1955, 3. T.: Alban. Grammatik, 1958) hinzu. Alle diese Werke sichern L. einen hervorragenden Platz unter den Albanologen des deutschen Sprachraumes, wie Joh. Gg. v. Hahn, Gustav Meyer, Norbert Jokl, Franz v. Miklosich und Franz v. Nopcsa.|

  • Auszeichnungen

    Vaterländ. Verdienstorden d. DDR in Silber (1957); Bannerorden d. Volksrep. Albanien.

  • Werke

    Weitere W u. a. Die hypothet. Periode im Albanesischen, in: Indogerman. Forschungen 34, 1914, S. 45-208; Nachrr. üb. d. Literar. Komm., 1918; Die Regelung d. alban. Rechtschreibung, 1918; Vom Goldenen Horn, Griech. Märchen aus d MA, in: Märchen aus allen Ländern 9, 1922; Zwischen Drin u. Vojussa, Alban. Märchen, ebd. 10, 1922; Alban. Märchen u. a. Texte d. alban. Folklore, 1922; Die Volkspoesie d. Albaner, 1917; Albanien erzählt, Ein Einblick in d. alban. Lit., 1956; Gjergi Fishta u. d. alban. Heldenepos Lahuta e Malcis, 1949; Die geflügelte Schwester u. d. Dunklen d. Erde, Alban. Volksmärchen, 1952; Am Rande d. Herdes, Winterabende in d. alban. Kulla, 1949; Die Volksepik d. Albaner, in: Wiss. Zs. d. Karl-Marx-Univ. Leipzig 3-4, 1954, S. 55, 243-289, 5, 1955, S. 440-73.

  • Literatur

    K. Gurakuqi, in: Shejzât 6, 1962, S. 221-26; Eqrem Çabej, in: Nëndori 9, 1962, S. 174-77; C. Haebler, in: Gnomon 35, 1963, S. 846-48; ders. in: Südostforschungen 23, 1964, S. 326-29; W. Fiedler, in: Gjurmime albanologjike 2, 1965, S. 331-40; G. Uhlisch, in: Bedeutende Gel. in Leipzig I, hrsg. v. M. Steinmetz, 1965, S. 261-67 (P).

  • Autor

    Gerhard Grimm
  • Empfohlene Zitierweise

    Grimm, Gerhard, "Lambertz, Maximilian" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 439 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd121916731.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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