Zindel, Ernst

Lebensdaten
1897 – 1978
Geburtsort
Mistelbach bei Bayreuth (Oberfranken)
Beruf/Funktion
Ingenieur ; Flugzeugkonstrukteur
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 137753748 | OGND | VIAF: 81896533
Namensvarianten

  • Zindel, Ernst Karl David
  • Zindel, Ernst
  • Zindel, Ernst Karl David
  • Zindel, Ernst Carl David

Vernetzte Angebote

Verknüpfungen

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Zindel, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137753748.html [01.01.2026].

CC0

  • Zindel, Ernst Karl David

    | Ingenieur, Flugzeugkonstrukteur, * 23.1.1897 Mistelbach bei Bayreuth (Oberfranken), † 10.10.1978 Bad Homburg vor der Höhe. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Karl (1861–1907), ev. Pfarrer in Weingartsreuth u. M.;
    M Frieda Marie Babette (1870–1947), zuletzt in Coburg, T d. David Roth ( 1910), in Nürnberg, 2 Schw u. a. Auguste (1898–1978), Leiterin e. Lehranstalt in Coburg;
    1) 1931 Hildegard Schlüter ( 1947), zuletzt in Starnberg, 2) Margarete, verw. Kreißl, geb. Kühnel;
    1 Stief-T aus 1), 1 S aus 2) Christoph (* 1952), Dr. med., Internist in Bad Arolsen (Hessen).

  • Biographie

    Z., der in Mistelbach aufwuchs, absolvierte eine humanistische Gymnasialausbildung 1906/07 in Bayreuth und 1907–14 in Nürnberg. 1914 meldete er sich nach Erhalt des Reifezeugnisses als Kriegsfreiwilliger. Nach der Genesung von einer Kriegsverwundung 1915 studierte er seit 1916 Schiffbau an der TH Berlin-Charlottenburg (Dipl.-Ing. 1920). Da er berufliche Chancen eher im Flugzeug- als im stärker beschränkten Schiffbau sah, nahm er im Okt. 1920 eine Arbeit im Konstruktionsbüro bei der „Junkers Flugzeugwerk AG“ in Dessau auf und arbeitete an Projekten für die Zeit nach Aufhebung der durch die Alliierten erlassenen Sanktionen im Flugzeugbau, wie dem Großflugzeug „Junkerissime“. 1922 übernahm er die Aufgaben des Chefkonstrukteurs und entwarf bis 1925 einmotorige Sport-, Schul- und Militärflugzeuge (T 19–29). Nur die T 21 wurde als Ju 21 für das sowjet. Militär produziert. Um den Passagier- und Frachtverkehr wirtschaftlich tragfähig, sicherer und schneller zu gestalten, konstruierte Z. die dreimotorigen Ganzmetallflugzeuge G 24 (1924) und G 31 (1926), wobei ersteres aufgrund seines Verkaufs als Militärversion und der Absolvierung von Langstreckenflügen besonders erfolgreich war. 1927 stieg er zum Leiter des Konstruktionsbüros auf. Z. finalisierte 1929 erste Entwürfe seines Mitarbeiters Hermann Pohlmann (1894–1991) zur G 38, dem damals größten viermotorigen Landflugzeug der Welt, und setzte dabei v. a. Hugo Junkers (1859–1935) Patent vom dicken bzw. tragenden Flügel um. Der Flugzeugrumpf und alle nicht Auftrieb erzeugenden Teile wurden in den Tragflügel transferiert. Die Konstruktion gilt als richtungweisender Vorläufer für Nurflügelflugzeuge.

    Im Auftrag der Dt. Versuchsanstalt für Luftfahrt entwickelte Z. seit 1928 das Höhenforschungsflugzeug Ju 49 mit einer speziellen Druckkammer für erkenntnisreiche Testflüge in Höhen von 10–12 000 m. Eine Berufung zum o. Professor für Flugzeugbau an der TH Danzig lehnte er 1931 ab, wurde aber im selben Jahr zum Oberingenieur ernannt. Zu Z.s wichtigsten Konstruktionen zählt die dreimotorige Ju 52. Abgeleitet aus der weniger erfolgreichen 1928–30 geplanten und gebauten einmotorigen Frachtmaschine Ju 52/1m, gelang seit 1932 mit dem Passagier- und Luftfrachtflugzeug Ju 52/3m der Durchbruch. Mit geringem Wartungsaufwand, niedrigen Bau|kosten und geringfügigen, schnellen Umbaumaßnahmen ließ sich die Ju 52 zum Behelfsbomber umwandeln; dieses innovative, militärische Kalkül stritt u. a. Z. nach dem Krieg ab. Die Ju 52/3m der Lufthansa wurde zur Ikone des komfortablen Luftverkehrs der 1930er Jahre. Gleichzeitig spielte sie eine Rolle in der Luftrüstung und wurde für Luftangriffe auf Guernica (1936) und Warschau (1939) eingesetzt. Auch nach dem Krieg diente die „Tante Ju“ als Transporter, Sanitätsund Fallschirmjäger-Flugzeug und wurde ein technisches Kultobjekt.

    Z. war seit 1932 für die gesamte Entwicklung, Konstruktion und Erprobung bei Junkers zuständig und seit 1933 Konstruktionsdirektor und Prokurist bei der Junkers AG. Seine Arbeiten verlagerten sich auf Kampfflugzeuge; zu seinen wichtigsten Konstruktionen zählte der Bomber und spätere Höhenaufklärer Ju 86 (1934), die vielseitig eingesetzte und mehr als 14 800mal gebaute Ju 88 (1936) als wichtigster Standardbomber der Luftwaffe und die viermotorige Ju 90 (1937) als Verkehrsflugzeug und Transporter. Aufgrund der neuen Geschäftsleitung mußte Z. 1937 die Entwicklungsleitung an Herbert Wagner (1900–1982) abgeben. Z.s Aufgaben beschränkten sich auf die Leitung der Flugzeugbaukonstruktion. 1934–39 förderndes Mitglied in der SS, 1940 der NSDAP beigetreten und zum Wehrwirtschaftsführer ernannt, wurde Z. nach Kriegsende in Dessau von US-Truppen befragt und neben weiteren Luftfahrtspezialisten in St. Germain bei Paris interniert. Nach seiner Entlassung im Aug. 1945 und seiner Niederlassung am Starnberger See gelang ihm der berufliche Neustart als Ingenieur und Konstruktionszeichner nicht. Nur wenige Monate arbeitete er als Konstrukteur für Lastwagen-Anhänger und als Berechner von Serien-Fertighäusern. 1946/47 von der Spruchkammer in Starnberg wegen seiner Ernennung als Wehrwirtschaftsführer ursprünglich als belastet eingestuft, wurde er wegen seiner technisch begründeten Ernennung ohne eigennützige Folgen als Mitläufer zu einer Geldstrafe von 400 RM verurteilt. Nach dem Tod seiner Frau 1947 arbeitete er wenige Monate in dem Ingenieurbüro der Firma „Gefra“ in Stockstadt/Rhein, 1949 folgte eine kurze Mitarbeit in der Elektrogerätefirma „Frieseke & Höpfner GmbH“ in Erlangen-Bruck. Von 1950 bis zum Ruhestand 1968 war er Konstruktionschef bei „P. I. V. Antrieb Werner Reimers KG“ in Bad Homburg, wo er stufenlose Getriebe für Kraftfahrzeuge entwickelte. Mit anderen ehemaligen Junkers-Mitarbeitern, z. B. August Lichte (1902–1978) und Hans Karl Ramdohr (* 1908), setzte sich Z. vergeblich für den Wiederaufbau eines Nachfolge-Luftfahrtunternehmens der „Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG“ ein.

  • Auszeichnungen

    |E. K. II. Kl. (1916);
    Mitgl. d. akad. Turnverbindung „Cheruscia“ (1918), d. DVP (1921–33?), d. Bundes angestellter Chemiker u. Ingenieure (1921–25), d. VDI (1922), d. Ver. f. d. Dt.tum im Ausland (1926, danach im Volksbund f. d. Dt.tum im Ausland), d. dt. Luftsport Verband (1925 oder 1927, danach im Nat.sozialist. Fliegerkorps);
    Pionierkette d. Windrose (1965);
    E.-Z.-Str., Dessau-Roßlau.

  • Werke

    |Junkers Flugzeugbau v. d. F 13 z. G 38, in: Mitarb.berichten (z. 60. Geb.tag v. Otto Mader), 1940;
    Die Ju 52, e. hist. Begriff im Flugzeugbau, in: Starten u. Fliegen, d. Buch d. Luftfahrt u. Raumfahrt 4, 1959, S. 178–95;
    Die Gesch. u. Entwicklung d. Junkers-Flugzeugbaus v. 1910 bis 1945 u. bis z. endgültigen Ende 1970, 1979;
    Patente u. a. Landing Carriage for Aircraft, US1802692A, 1931;
    Höhenkammer f. Flugzeuge, J 0062533 (DRP 767898), 1938;
    Rudder Brake, US12500737, 1938;
    Apparatur for the Automatic Control of the Output of Power Supply, US83345759, 1962 (mit B. Wingbermuhle);
    Nachlaß: Technikmus. Dessau.

  • Literatur

    |S. Nützel, Art.serie zu E. Z. u. seinem Vater Karl Z., in: Hummelgauer Heimatbote 3–7, 1990–94;
    W. Wagner, Hugo Junkers, Pionier d. Luftfahrt, seine Flugzeuge, 1996;
    L. Budraß, Flugzeugind. u. Luftrüstung in Dtld. 1918–1945, 1998;
    ders., Adler u. Kranich, Die Lufthansa u. ihre Gesch. 1926–1955, 2016;
    R. Forsyth u. E. Creek, Junkers Ju 52, A Hist. 1930–1945, 2014;
    Qu Privatarchiv Bernd Junkers, Dessau u. Coswig;
    Firmenarchiv Junkers im Archiv d. Dt. Mus. München;
    StA München.

  • Porträts

    |Photogr., 1940 (BA Koblenz).

  • Autor/in

    Felix Wander
  • Zitierweise

    Wander, Felix, "Zindel, Ernst Karl David" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 722-723 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137753748.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA