Lebensdaten
1738 bis 1809
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
österreichischer Beamter ; Staatsmann
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119462206 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Birkenstock, Johann Melchior Edler von
  • Birckenstock, Johann Melchior Edler von
  • Birkenstock, Johann Melchior Edler von
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Zitierweise

Birckenstock, Johann Melchior Edler von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119462206.html [16.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Konrad (1703–80, seit 1745 Reichsritter), Kaiserlicher Generalfiskal, S des Johann, Weingutsbesitzer in Erbach, und der Jeanette Schürmann;
    M Maria Ursula (1706–71), T des kurtrierischen Kammerrats Güntzer;
    Wien 1778 Karoline (deren Schw Josef von Sonnenfels, 1733–1817, Kameralist), T des Syndikus der Stadt Fulnek (Mähren) Martin von Hay und der Elisabeth Titz; 1 S;
    T Antonie (⚭ Franz Brentano di Tremezzo, Schöffe und Senator in Frankfurt/Main, ältester Halb-B der Dichtergeschwister Brentano);
    E Maximiliane Brentano (⚭ Friedrich Freiherr von Blittersdorf, 1861, badischer Staatsmann).

  • Leben

    B. studierte in Erfurt und Göttingen und gehörte seit 1771 der Studien- und Zensur-Hofkommission an. Im Auftrage Maria Theresias bereiste er die deutschen Universitäten, worüber er einen der Reform des österreichischen Hochschulwesens dienenden Bericht erstattete. Als Leopold II. 1792 die Studien- und Zensur-Hofkommission auflöste und ihre Geschäfte dem Zentralreferat der Vereinigten Hofkanzlei übertrug, wurde B. einziger Referent. Als Referent der 1795 eingesetzten Studien-Revisions-Hofkommission, der auch sein Schwager Sonnenfels angehörte, unterbreitete er in den 1797 aufgenommenen Sitzungen „Vorschläge über die allgemeinen Grundsätze der Volkserziehung“, welche für die Geschichte der Pädagogik und für die Soziologie von hoher, bisher viel zu wenig beachteter Bedeutung sind. Nicht minder wichtig sind sein 1798 vorgelegter Entwurf über die Reform des Schul- und Studienwesens, in dem er u. a. „gymnastische Spiele und Übungen“, in welche er Fußmärsche, Bergbesteigungen, Ballspiele, Laufen, Ringen, Schwimmen und militärische Übungen einbezog, empfahl, und sein für die Geschichte der Zensur aufschlußreiches Gutachten von 1797 mit einem besonderen Teil „Über Buchhandel und Buchdruckerey und deren jetzige Gestalt in Wien“, worin er die Straßburger Ordnung von 1786 heranzog und das Wiener Licitationsinstitut mit den Leipziger Auktionen verglich. Als Zensor für außenpolitische Schriften hatte er dem dirigierenden Minister Bericht zu erstatten und bei den fremden Gesandten vorzusprechen, übte somit eine ähnliche Funktion aus, wie sie heute dem Pressereferenten des Ministeriums des Äußeren obliegt. - Das Ehepaar B. war mit Beethoven befreundet.

  • Literatur

    ADB III (unter Birkenstock);
    A. Weiss, Die Entstehungsgesch. d. Volksschul-Planes v. 1804, Graz 1900;
    K. Wotke, Drei Arbb. d. Frhr. v. B., Btrr. z. österr. Erziehungs- u. Schulgesch., H. 15, 1914, S. 157-88;
    S. Adler, Die Unterrichtsverfassung Kaiser Leopolds II. u. d. finanzielle Fundierung d. österr. Universitäten nach d. Anträgen Martinis, 1917;
    Uhlirz II, S. 470;
    Wurzbach.

  • Portraits

    Stich v. Pichler, Bibl. Nat. Paris, Kupf.-Kab.

  • Autor/in

    Heinrich Benedikt
  • Empfohlene Zitierweise

    Benedikt, Heinrich, "Birckenstock, Johann Melchior Edler von" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 254 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119462206.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Birkenstock: Johann Melchior, Edler v. B., ein um das Schulwesen in Oesterreich sehr verdienter Staatsmann, geb. 11. Mai 1738 zu Heiligenstadt im Eichsfelde, 30. Oct. 1809. Er studirte zu Göttingen und Erfurt und trat im J. 1763 in die Dienste des österreichischen Staats, in welchen er zuerst in Wahl- und Krönungsangelegenheiten Kaiser Josefs II. in Frankfurt, dann bei der k. k. Gesandtschaft an den kurfürstlichen Höfen zu Mainz, Trier und Köln, wie an dem pfälzischen und dem sächsischen Hofe beschäftigt war. Im J. 1766 kam er zu der Gesandtschaft nach Paris, wurde aber im J. 1768 nach Wien berufen und in der Staatskanzlei angestellt. Hier erhielt er von der Kaiserin Maria Theresia den Auftrag, einen Plan zur Verbesserung des Erziehungs- und Schulwesens in Oesterreich auszuarbeiten. Nach Vollendung der Arbeit machte er eine Reise durch Deutschland, um die berühmtesten Lehr- und Erziehungsanstalten zu besuchen und Männer ausfindig zu machen, welche zur Ausführung seines Planes geeignet waren. Nach der Rückkehr nach Wien wurde B. zum Regierungsrath, dann zum Hofrath ernannt und ihm die Censur der politischen Schriften übertragen. Sowol die Kaiserin Maria Theresia als ihr Nachfolger, Kaiser Joseph II., schenkten ihm bis zu ihrem Tode das vollste Vertrauen. Unter Kaiser Leopold wurde er am 1. Januar 1792 zum Director des Schul- und Erziehungs-Departements ernannt, welchem er bis zum J. 1803 vorstand, dann aber seiner geschwächten Gesundheit wegen in den Ruhestand trat. Seine Verdienste um Hebung des Schulwesens, so wie der Kunst und Wissenschaft in Oesterreich überhaupt sind von allen Seiten anerkannt und nicht gering. In seinen Bestrebungen wurde er unterstützt durch einen gebildeten Geschmack, vielseitige Kenntniß, geübtes Urtheil und mannhaftes Bestreben, das Gute in aufgeklärtem, vorurtheilsfreiem Geiste zu fördern und zu heben. Er hinterließ eine bedeutende Sammlung von Büchern, Gemälden und Kunstsachen. Als Schriftsteller ist B. nicht oft aufgetreten. Eine Schilderung Friedrichs II., eine Beschreibung des Denkmals der Erzherzogin Christine, ausgeführt von seinem Freunde Canova, sind durch ihren Lapidarstil ausgezeichnet. Mit vielen berühmten Männern des In- und Auslandes, wie mit Franklin und Robertson, stand er im Briefwechsel.

  • Autor/in

    F. Spehr.
  • Empfohlene Zitierweise

    Spehr, F., "Birckenstock, Johann Melchior Edler von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 662 unter Birkenstock [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119462206.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA