Lebensdaten
1893 bis 1954
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Mexiko City
Beruf/Funktion
Dirigent ; Opernleiter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11871578X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Krauss, Clemens
  • Krauss, Clemens Heinrich
  • Krauss, Klemens
  • mehr

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Zitierweise

Krauss, Clemens, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11871578X.html [18.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    Unehel.;
    V Hector v. Baltazzi (1851–1916), Grundbes. in Ungarn, Rennreiter, S d. Bankiers Theodor in Konstantinopel u. d. Eliza Sarell;
    M Clementine Krauss (1877–1938), Mimikerin, Schauspielerin u. Sängerin (s. ÖBL), T d. Maximilian Krauss (1838–1908), Privatsekr. v. Richard Fürst Metternich, österr. Botschafter in Paris, u. d. Elisabeth Weber;
    Ur-Gvm Ludwig Krauss, Mitbegr. d. Wiener Männergesangver.; Groß-Tante-m Gabrielle Krauss (1842–1906), Sängerin an d. Gr. Oper in Paris (s. ÖBL);
    Tante-m Helene Krauss (1873–1951, Fritz Schrödter, 1855–1924, Tenor an d. Hofoper in W.), Mimikerin an d. Hofoper in W.;
    - 1) Stettin 1921 ( 1930/45) Margarethe Abraham (1889–1963), Sängerin, 2) Viorica Ursuleac (* 1894), Sängerin, T e. griech.-orthodox. Priesters;
    2 S aus 1), u. a. Oliver (* 1926), Fernsehdramaturg.

  • Leben

    Wegen seiner außergewöhnlich schönen Sopranstimme wurde K. 1901 in die kaiserlich Hofkapelle aufgenommen. Der Zwölfjährige war bereits entschlossen, Musiker zu werden; als 19jähriger Brünner Chorleiter – er hatte gerade erst das Wiener Konservatorium als Pianist und Dirigent absolviert – übernahm er am 13.1.1913 für den plötzlich erkrankten Dirigenten die Leitung seiner ersten Opernvorstellung: „Zar und Zimmermann“. – Auf dem für heutige Verhältnisse langen Weg über Riga (1914), Nürnberg (1915), Stettin (1916–21) nach Graz (wo er 1921 Opernchef und Leiter der Symphoniekonzerte wurde) und – von Franz Schalk engagiert – 1922 nach Wien, erwarb er sich das Instrumentarium eines universellen, durch systematische Lektüre auch historisch äußerst gebildeten Fachmanns für das Musiktheater. Schon in jener ersten Arbeitsperiode an der Wiener Staatsoper unter der Direktion Schalk/Richard Strauss hatte er als Leiter der Dirigentenklasse an der Akademie für Musik und Darstellende Kunst Gelegenheit, seine sehr ausgeprägte pädagogische Neigung zu betätigen, die ihn nicht nur zu einem begehrten Lehrer bei Dirigentenkursen in Salzburg (wo unter anderem, und andere Herbert von Karajan und Otmar Suitner seine Schüler waren), Wien und Berlin befähigte, sondern auch (1939-45) an die Spitze der Salzburger Musikhochschule Mozarteum führte. Diese Gabe war es auch, die ihn schon frühzeitig zu einem verantwortlichen, in leitenden Positionen tätigen Anreger und Erzieher im Bereich des musikalischen Ensembletheaters werden ließ. K. war nach Gustav Mahler der herausragende Mentor des Musiktheaters auf der Basis einer soliden, stetigen Bildung und Pflege eines festen, durch ständige Gäste ergänzten Ensembles sowie eines umfangreichen Repertoires mit Betonung des Schaffens von Mozart, Verdi, Wagner und Richard Strauss. – Als Leiter der Opernhäuser in Frankfurt am Main (Intendant 1924–29), Wien (Direktor 1929–34), Berlin (Direktor 1935–36) und München (Direktor, dann Intendant 1937-August 1944), der Salzburger Festspiele (1942–45) und als Gast der Bayreuther Festspiele („Parsifal“ und „Ring“ 1953) brachte K. Aufführungen heraus, die in die Musikgeschichte eingegangen sind. Strauss hat ihm die Uraufführungen von „Arabella“ (Dresden 1933), „Friedenstag“ (München 1938), „Capriccio“ (München 1942, K. Librettist) und „Die Liebe der Danaë“ (Generalprobe 1944, Uraufführung 1952 bei den Salzburger Festspielen) anvertraut. Bei einer Reihe weiterer Werke hörte Strauss in dramaturgischen Fragen gern seinen Rat. – Bemerkenswert sind: behutsame, unter Wahrung der geistig-stilistischen Grundhaltung der Werke vorgenommene Früh-Entrümpelungen von Wagners „Ring“ in Frankfurt, Wien und München; die „Entdeckung“ und Durchsetzung von Verdis „Don Carlos“ und „Simone Boccanegra“ für die deutsche Opernbühne; die Neu-Übersetzungen zahlreicher Standardwerke (vorwiegend durch Hans Swarowsky); die Wiederherstellung der ursprünglichen Dialogfassung von Bizets „Carmen“; die Wiener Erstaufführung von Alban Bergs „Wozzeck“ (14 Aufführungen); die Münchner Uraufführung von Carl Orffs „Der Mond“. – Wieland Wagner plante eine „neue Ära“ in Bayreuth durch ständige Zusammenarbeit mit K., der jedoch zwischen seiner ersten Bayreuther Arbeitsperiode (1953) und der geplanten zweiten nach einem Gastkonzert in Mexiko City im Mai 1954 starb.

    Seit 1922 (Graz) übte K. eine regelmäßige und umfangreiche Konzerttätigkeit aus als Dirigent (unter anderem, und andere der Museumskonzerte in Frankfurt und der Wiener Philharmon. Konzerte) sowie gelegentlich als Klavierbegleiter namhafter Sänger – besonders seiner Gattin, Viorica Ursuleac. Nach dem formal und faktisch unbegründeten, von der Besatzungsmacht verhängten Berufsverbot von September 1945 bis April 1947 folgte eine vielfältige Gastspieltätigkeit im internationalen Opern- und Konzertleben, unter anderem, und andere auch zahlreiche Tourneen und Gastspiele mit den Wiener Philharmonikern und dem Wiener Staatsopern-Ensemble. Anfang 1954 stand K. unmittelbar vor der Wiederernennung zum Direktor der Wiener Staatsoper, die jedoch durch eine Intrige vereitelt wurde.

    Als Dirigent fühlte K. sich in erster Linie dem Gebot der Werktreue verpflichtet – besonders im Sinne der auf Beethoven und Brahms zurückreichenden Musiziertradition der Wiener Philharmoniker. Nach eigener Aussage verdankte er die stärksten Eindrücke Arthur Nikisch, später Schalk und – vor allem – Richard Strauss, mit dem ihn eine jahrzehntelange Freundschaft verband. Die bei der Vorbereitung seiner Operneinstudierungen von ihm herangezogenen wichtigsten künstlerischen Mitarbeiter waren die Regisseure Lothar Wallerstein (in Frankfurt, Wien und Salzburg) und Rudolf Hartmann (in Berlin u. München) sowie die Bühnenbildner Alfred Roller (in Wien), Ludwig Sievert (in Frankfurt, Berlin, München) und Rochus Gliese (in Berlin u. München).|

  • Auszeichnungen

    Ehrenring d. Stadt Wien (1932); Ehrenring (1943) u. Ehrenmitgl. (1951) d. Wiener Philharmoniker.

  • Werke

    Nachlaß in: C.-K.-Archiv (Dr. G. K. Kende, Wien). -
    Kommentierte Musikproduktionen in Rundfunkarchiven d. Bundesrepublik Dtld. u. Österreichs.

  • Literatur

    A. Berger, C. K., 1924, 31929;
    J. Gregor, Programme d. Bundestheater, Wien 1929/30, 1934/35;
    O. Hödel, Bayer. Staatsoper, Dramaturg. Bll., 1939/40-1941/42;
    A. Rosenzweig, Der Ring d. Nibelungen in d. Wiener Staatsoper, 1933;
    H. E. Weinschenk, Künstler plaudern, 1938;
    J. Gregor, C. K. -
    s. musikal. Sendung, 1953;
    O. v. Pander, C. K. in München, 1955;
    G. K. Kende, C. K. -
    |Richard Strauss - eine Künstlerfreundschaft, 1960;
    C. K. als Dir. d. Wiener Staatsoper - e. Dokumentation, 1971;
    C. K. z. 80. Geb.tag, in: Musikbll. d. Wiener Philharmoniker 27, 7. Folge, 1973;
    Briefwechsel Richard Strauss - C. K., hrsg. v. W. Schuh u. G. K. Kende, 1963, 21964;
    H. Fuhst, Mary Vetsera im Lichte ihrer Abstammung u. Verwandtschaft, 1931;
    R. Hanzl, in: NÖB 13 (L, P);
    MGG VII (auch f. 2. Ehefrau);
    Riemann, u. Ergbd. (L).

  • Portraits

    Bronzebüste v. R. Pfefferer (in Fam.bes.;
    Abgüsse im Foyer d. Wiener u. d. Bayer. Staatsoper München);
    Ölgem. v. P. M. Padua (München, Bayer. Staatsoper);
    Totenmaske u. Abguß d. Hände (Hist. Mus. d. Stadt Wien).

  • Autor/in

    Erik Maschat
  • Empfohlene Zitierweise

    Maschat, Erik, "Krauss, Clemens" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 712-714 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11871578X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA