Lebensdaten
1850 bis 1919
Geburtsort
Trient
Sterbeort
Baden bei Wien
Beruf/Funktion
österreichischer Ministerpräsident
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118713434 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Koerber, Ernest von
  • Körber, Ernst von
  • Coerber, Ernest von
  • mehr

Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Koerber, Ernest von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118713434.html [18.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Joseph (1815–78), k. k. Major im Gendarmerie-Rgt. f. Tirol u. Vorarlberg, S d. FMLt Franz (1787–1860) u. d. Franziska Günsberg v. Stützenau;
    M Ernestine (1822–1905), T d. Franz Edler v. Gravenda (1766–1847), k. k. Wirkl. Hofrat u. Kanzleidir., u. d. Amalie Nagy v. Galántha;
    Groß-Ov Karl (1802–53), k. k. Gen., Erbauer d. Hafens v. Fiume;
    Ov Philipp (1812–61), k. k. Oberst, Dir. d. Oriental. Ak. in Wien (beide s. Wurzbach XII; ÖBL); - ledig.

  • Leben

    Nach Studium der Rechts- und Staatswissenschaften unter anderem bei Lorenz von Stein in Wien (Staatsexamen, Promotion 1872) trat K. zunächst in den juristischen Vorbereitungsdienst ein, wechselte 1874 in das Handelsministerium über und durchlief sehr schnell alle Verwaltungsstufen. 1895 wurde er Erster Sektionschef im Innenministerium (Kabinett Badeni). Im Kabinett Gautsch wurde er Handelsminister (1897/98) und Ende 1899 Innenminister im ebenfalls nur kurzfristigen Kabinett Clary-Aldringen. Am 18.1.1900 wurde K. österreichischer Ministerpräsident (Beamtenkabinett). Er verwaltete gleichzeitig das Innen- und seit 1902 auch das Justizministerium. K. versuchte auf verfassungsmäßigem Wege durch ein Gesetz den Nationalitätenhader, der im Sprachenstreit in Böhmen durch Obstruktion der Deutschen beziehungsweise der Tschechen die Arbeit des Reichsrats lahmlegte, zu beenden. Der Versuch mißlang, seine Gesetzentwürfe konnten nicht durchgesetzt werden (Verständigungskonferenzen 1900 und 1903), aber es gelang ihm, durch große öffentliche Projekte (Kanal- und Eisenbahnbau) diese grundsätzliche Obstruktion mit Hilfe der Presse, der er große Freiheiten einräumte, unmöglich zu machen. Es kam 1902 wieder zur Verabschiedung des Budgets und damit zu geregelter Arbeit des Parlaments. Waren ihm auch immer wieder kurzfristige Teilerfolge beschieden (Ausgleich mit Ungarn 1902/03, Streit über Kommandosprache im Heer, Kaiserbesuche in|Prag und Deutschböhmen 1901, Galizien 1904), so blieb ihm doch der durchschlagende Erfolg in der Innenpolitik versagt. Er scheiterte schließlich wie alle österreichischen Regierungen der Zeit an der Nationalitätenfrage. Seine fast fünfjährige Regierungszeit stellte trotzdem eine Zeit vorübergehender Konsolidierung dar. Ob die Durchführung seiner jüngst bekanntgewordenen staatsstreichähnlichen Reformpläne aus den ersten Monaten seiner Präsidentschaft (Erweiterung des Wahlrechts zum Reichsrat, Sprachengesetz für ganz Zisleithanien, einschneidende Revision der Geschäftsordnung des Parlaments, durch die die Obstruktion erschwert werden sollte, und Neufassung des kaiserlichen Notverordnungsrechts) dem Staat neue Widerstandskraft und inneren Frieden gegeben hätte, ist ungewiß. – In den Jahren nach seinem Rücktritt (27.12.1904) lebte K. zurückgezogen, ohne sich in irgendeiner Weise politisch zu betätigen. Am 7.2.1915 (bis Oktober 1916) wurde er gemeinsamer Finanzminister der Gesamtmonarchie und nach der Ermordung seines Freundes Karl Graf von Stürgkh wurde er am 31.10.1916 dessen Nachfolger als Ministerpräsident. Da jedoch Kaiser Franz Joseph am 21.11.1916 starb und sein Verhältnis zu Kaiser Karl sich schnell verschlechterte (Weigerung Karls, den Eid auf die Verfassung zu leisten, Erneuerung des wirtschaftlichen Ausgleichs mit Ungarn), trat er schon am 13. 12. zurück. – Die Erfolge K.s beruhen auf seiner Arbeitskraft und seiner großen Sachkenntnis auf weiten Gebieten der Verwaltung und darauf, daß er es verstand, die Öffentlichkeit für seine Pläne zu mobilisieren und so die Obstruktiontreibenden Parlamentarier zur Mitarbeit zu zwingen. Freundschaft unter seinen Ministerkollegen verband ihn nur mit seinem Finanzminister Böhm-Bawerk.

  • Literatur

    H. Friedjung, in: NÖB I, 1923;
    R. Sieghart, in: DBJ II;
    ders., Die letzten J.zehnte einer Großmacht, 1932;
    R. Charmatz, Lb. aus d. Gesch. Österreichs, 1947 (P);
    A. Novotny, in: Gestalter d. Geschicke Österreichs, hrsg. v. H. Hantsch, 1962 (P);
    A. Ableitinger, E. K. u. d. Verfassungsproblem im J. 1900, 1973 (L, z. Biogr. bes. S. 79);
    ÖBL.

  • Autor/in

    Hans Jürgen Rieckenberg
  • Empfohlene Zitierweise

    Rieckenberg, Hans Jürgen, "Koerber, Ernest von" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 374-375 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118713434.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA