Lebensdaten
1853 bis 1916
Geburtsort
Mewe (Westpreußen)
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Komponist ; Musikpädagoge
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 116260696 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Armand, I. O. (Pseudonym)
  • Knorr, Iwan
  • Armand, I. O. (Pseudonym)
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Zitierweise

Knorr, Iwan, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116260696.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Armand, Photograph;
    M Serena, T d. J. J. Lutze, Rektor d. Stadtschule u. Organist in M.;
    1880 Maria, T d. Wassili Grigorjewitsch v. Schidlowsky.

  • Leben

    K. verbrachte seine Kindheit größtenteils in Rußland, wohin seine Eltern 1857 übersiedelt waren. Erste musikalische Anregungen wurden ihm durch die Mutter und deren Vater zuteil. Kompositionen des 10jährigen zeigen seine ausgesprochen melodische Begabung. Nachdem die Familie 1867 nach Leipzig gezogen war, besuchte K. das dortige Konservatorium und war unter anderem Schüler von I. Moscheles, S. Jadassohn und K. Reinecke. Nach Beendigung des Studiums folgte er 1874 einem Angebot, als Musiklehrer an das Kaiserliche Dameninstitut in Charkow zu gehen. 4 Jahre später wurde ihm außerdem der musiktheoretische Unterricht an der Charkower Abteilung der kaiserlichen Musikgesellschaft übertragen. Bereits 1877 hatte er seine Orchestervariationen op. 7 Brahms übersandt, der ihn zur Komposition ermunterte und ihn seinen Freunden empfahl. So wurde K. 1883 von B. Scholz als Lehrer an Dr. Hochs Konservatorium in Frankfurt berufen. 1886 übernahm er auch den freien Kompositionsunterricht und beschränkte sich seit 1888 auf die theoretischen Fächer. Als Scholz 1908 zurücktrat, übernahm K. die Direktion und entfaltete sein außergewöhnliches pädagogisches und organisatorisches Talent. Er baute das Konservatorium den Anforderungen der Zeit entsprechend aus: er reformierte das Prüfungswesen, richtete Dirigentenkurse, eine Vorschule mit Chor- und Orchesterübungen, einen Frauenchor, praktische Instrumentationsübungen sowie öffentliche Vorlesungen über Geschichte und Musiktheorie ein, erweiterte die szenischen Übungen und die Orchesterschule und stellte die Leistungen der Schüler in öffentlichen Konzertabenden vor. Auch sorgte er durch Gründung eines Patronatsvereins (1908) für Unterstützung mittelloser Studenten. Ebenso weitgespannt wie sein organisatorisches Wirken war sein pädagogisches. Er entwickelte die Theorie am praktischen Beispiel und suchte, den toten Regeln fernstehend, den jeweiligen funktionellen Zusammenhang aufzuweisen, was er durch systematische und kritische Werkanalysen ergänzte. Eine Zusammenfassung seiner pädagogischen Arbeit bilden seine anschaulichen theoretischen Schriften. Sein pädagogisches Ziel, die jeweiligen Eigenarten der Persönlichkeit zu entwickeln, wird durch die Verschiedenartigkeit seiner Kompositionsschüler bestätigt. Zu ihnen gehörten E. Bloch, W. Braunfels, O. Fried, H. Pfitzner, B. Sekles, C. Scott und E. Toch. K. wurde zu seiner Zeit auch als Meister des strengen Satzes geschätzt. Sein Schaffen gliedert sich in 3 Perioden: 1873-89 dominiert die Kammermusik, 1890-1904 die Orchesterkomposition großen Stils unter besonderer Bevorzugung der Suitenform, die 3. Periode 1905-16 betont strenge Gestaltungsprinzipien. Das Vorbild von Brahms, das die stimmige Denkweise und – in der ersten Schaffensperiode – charakteristische harmonische Wendungen bestimmt, spiegelt sich besonders in der Variationstechnik und ist bis in die äußerst selbstkritische Haltung K.s spürbar. Außerdem greift er Anregungen Tschaikowskys (Suitenform) und Berlioz' (Instrumentation) auf. Gewisse, auf die Prägung seiner Jugendzeit zurückgehende volkstümliche slawische Elemente sind speziell in seiner Vokalmusik zu beobachten und geben seinen Werken ein besonderes Kolorit. Von verhaltener Poesie getragen, zeichnet sich sein Oeuvre, ohne die Gegebenheiten des Zeitstils zu durchbrechen, durch Klarheit der Gestaltung aus.

  • Werke

    Kompp.: Klavier-, Kammermusik- u. Orch.-werke, Lieder, a-cappella-Chöre u. Chorwerke 3 Opern;
    zahlr. päd. Klavierkompp. u. Bearbeitungen (u. d. Ps. I. O. Armand). - Verzz. b. M. Bauer, MGG u. Pazdírek, s. L. - Schrr.:
    Lehrb. d. Fugenkomp., 1911;
    Die Fugen d. Wohltemperierten Klaviers in bildl. Darst., 1912;
    Aufgaben f. d. Unterricht in d. Harmonielehre, 1921;
    Über|alterierte Akkorde, in: Jber. v. Dr. Hochs Konservatorium f. 1913/14;
    P. I. Tschaikowsky, in: Berühmte Musiker XI, 1900;
    Werkanalysen v. Brahms u. Tschaikowsky, in: Musikführer d. Schlesingerschen Musikbibl. Berlin.

  • Literatur

    H. S., in: Neue Musikztg. 27, Nr. 23 v. 6.9.1906, S. 505 f. (P);
    M. Bauer, I. K., Lehrb. d. Fugenkomp., in: Zs. d. Internat. Musikges. 12, 1910-11, S. 367 ff. (W);
    ders., I. K., 1916;
    M. Kalbeck, Johannes Brahms III, 1922;
    W. Altmann, Hdb. f. Klavierquartettspieler, 1937;
    U. Unger, Die Klavierfuge im 20. Jh., 1956;
    F. Pazdirek, Universal-Hdb. d. Musiklit. 14, 1904-10 (W);
    MGG VII (W, L);
    Riemann (W, L).

  • Autor/in

    Thomas-M. Langner
  • Empfohlene Zitierweise

    Langner, Thomas-M., "Knorr, Iwan" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 221-222 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116260696.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA