Lebensdaten
1831 bis 1898
Geburtsort
Mautern (Niederösterreich)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Botaniker ; Professor der Botanik in Innsbruck
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119529025 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kerner, Anton
  • Kerner von Marilaun, Anton Ritter
  • Kerner, Anton
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Kerner von Marilaun, Anton Ritter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119529025.html [16.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Joseph, Oberamtmann d. Gf. Schönborn;
    M N. N.;
    B Joseph Anton K. (1829-1906), Jurist, zuletzt Landesgerichtspräs, in Salzburg, Botaniker (s. ÖBL);
    - Achenkirchen 1862 Marie (1835–1919), Wwe d. Karl Gf. v. Wolkenstein, T d. Hofrats Joh. Rr. Ebner v. Rofenstein;
    2 S, 1 T, u. a. Fritz (1866–1944), Geologe u. Meteorologe (s. ÖBL, W, L), Adele ( Richard v. Wettstein, 1863–1931, Prof. d. Botanik);
    E Fritz v. Wettstein (1895–1945), Prof., Dir. d. Kaiser Wilhelm-Inst. f. Biol.

  • Leben

    K. studierte 1848-53 in Wien Medizin (1854 doctor medicinae), übernahm jedoch 1855 nach Ablegung des Lehramtsexamens für Chemie und Naturgeschichte eine Stelle als Lehrer der Naturgeschichte an der Oberrealschule in Ofen und wechselte 1858 als Professor im gleichen Fach zum dortigen Josefs-Polytechnikum über. Bereits 1860 wurde er als ordentlicher Professor für Naturgeschichte und als Direktor des Botanischen Gartens sowie des Museums für Naturgeschichte an die Universität Innsbruck berufen und war hier 18 Jahre lang tätig, bis er 1878 dem Ruf als ordentlicher Professor für Systematische Botanik und Direktor des Botanischen Gartens an die Universität Wien folgte, wo er bis 1898 wirkte.

    K.s schon in der Schulzeit begonnene und auch während des Medizinstudiums fortgesetzte eingehende Beschäftigung mit der Flora der heimatlichen Wachau und der Umgebung von Wien, sodann der ungarischen Steppen, des Bihargebirges (Karpathen) und schließlich der Tiroler Alpen fand nach mehreren kleinen Arbeiten ihren ersten bedeutenden Niederschlag in dem Werk „Das Pflanzenleben der Donauländer“ (1863; 1929 neu herausgegeben von F. Vierhapper). Er gliedert darin die Vegetation in zahlreiche „Formationen“ (nach heutiger Terminologie: Assoziationen) auf, hebt deren charakteristische Arten hervor, legt ihren schichtenartigen Aufbau (Bäume, Sträucher, Stauden, Moose) dar, stellt ihre regionale Verbreitung fest, zeigt ihre Abhängigkeit von Klima und Boden und verfolgt die jahreszeitlichen Veränderungen des Aussehens. Damit hat er der Erforschung der Pflanzengesellschaften den Weg gewiesen. – K. gliederte die Pflanzenwelt der Alpen erstmals 1870 in 5 Florengebiete: Das Gebiet der Eiswüsten, das arktische, baltische, mediterrane und pontische Gebiet. Diese Einteilung diente ihm 1887 als Grundlage einer Florenkarte von Österreich-Ungarn. Im Gegensatz zu der damaligen weiten Fassung des Artbegriffs kam K. durch seine floristischen Studien in klimatisch sehr verschiedenen Gebieten zu der Auffassung, daß man unterscheidbare Formen auch in ihrer Benennung trennen müsse, und sah in der Wirkung von Klima und Gestein einen wesentlichen Faktor der Artbildung. In einem alpinen Versuchsgarten, den er in 2 195 m Höhe am Gipfel des Blaser oberhalb seines Sommersitzes Trins am Brenner angelegt hatte, verfolgte er die Einwirkung des Klimas auf die Pflanzen. Als er vor allem in den Alpen zahlreiche Bastarde von Orchideen, Primeln, Weiden, Disteln, Schafgarben und so weiter fand (K. hat 425 neue Arten und Bastarde erstmals beschrieben und benannt), kam er jedoch zu der Überzeugung, daß bei der Bildung neuer Formen, die der Selektion im Sinne Darwins unterworfen sind, die Bastardierung der wichtigste Faktor sei. – Ein drittes Forschungsgebiet K.s bildete, vor allem in seiner Innsbrucker Zeit, die Biologie der Blüten, insbesondere die Frage nach den Schutzmitteln des Pollens gegen schädliche Einwirkungen und den Schutzmitteln der Blüten gegen unerwünschte Besucher; sein Ziel hierbei war, die Eigentümlichkeiten im Bau der Blüten aufzuspüren, die einen Selektionsvorteil bieten. Den Abschluß und zugleich Höhepunkt seines Schaffens bildet sein auf eigenen, umfassenden Untersuchungen beruhendes 2bändiges „Pflanzenleben“ (1890/91, 21896-98, 31913-17, 3 Bände, neu bearbeitet von A. Hansen), das in 5 Sprachen übersetzt wurde; „die Botanik besitzt kein zweites Werk, das Reichtum des Inhalts und neuer Gesichtspunkte in ähnlicher Weise mit Vollendung der Sprache und der Ausstattung verbindet“ (R. Wettstein).

    Von organisatorischen Leistungen K. sind hervorzuheben die Neugestaltung der Botanischen Gärten in Innsbruck (mit vorbildlicher Alpenanlage) und in Wien, die Einrichtung des Botanischen Instituts der Universität Wien mit einem Herbar, die Herausgabe von Exsikkatenwerken (Österreichische Weiden, 11 Dekaden, zusammen mit seinem Bruder Joseph Anton, 1863–70; Flora exsiccata Austro-Hungarica, 34 Centurien, 1881–1902) sowie die Bemühungen um die Almwirtschaft in Tirol. – K.s Herbarium, fast ausschließlich Europa umfassend und mit zahlreichen eigenhändigen Notizen versehen, befindet sich im Botanischen Institut der Universität Wien.

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Flora d. Bauerngärten, in: Verhh. d. zoolog.-botan. Ges. in Wien 5, 1855, S. 787-826;
    Niederösterr. Weiden, ebd. 10, 1860, S. 1-56, 179-282;
    Die Cultur d. Alpenpflanzen, 1864;
    Die Alpenwirtsch. in Tirol, in: Österr. Revue 5, 1868, Nachdr. 1941;
    Die Abhängigkeit d. Pflanzengestalt v. Klima u. Boden, in: Festschr. z. 43. Vslg. dt. Naturforschender Ärzte, 1869, S. 1-48;
    Die natürl. Floren im Gelände d. dt. Alpen, in: A. Schaubach, Die Dt. Alpen, 1870, 21871, 1, S. 126-90;
    Die Botan. Gärten u. ihre Aufgabe, 1874;
    Die Gesch. d. Aurikel, in: Zs. d.|Dt. u. Österr. Alpenver. 6, 1875, S. 39-65;
    Die Vegetationsverhältnisse d. mittleren u. östl. Ungarn, 1875-79;
    Die Schutzmittel d. Blüten gegen unberufene Gäste, 1876;
    Österreich-Ungarns Pflanzenwelt, in: Die Österr. Monarchie 1, 1887, S. 185-248.

  • Literatur

    ADB 51;
    L. M., in: Alpenfreund 10, 1877, S. 227-30 (P);
    Gedenkbl. z. K.-Feier (60. Geb.tag), 1891;
    K. Fritsch, in: Verhh. d. zoolog.-botan. Ges. in Wien 48, 1898, S. 694-700;
    R. v. Wettstein, in: Berr. d. dt. botan. Ges. 16, 1898, S. (43) -(58) (W);
    V. v. Lang, in: Alm. d. Ak. d. Wiss. Wien 49, S. 270-73 (P);
    K. W. v. Dalla Torre u. L. v. Samthein, Flora d. gefürsteten Gfsch. Tirol 1, 1900, S. 139-51 (W);
    I. Dörfler, Botanikerporträts, 1906 f., Nr. 1 (P);
    E. M. Kronfeld, A. K. v. M. als Mediziner in Wien, 1907;
    ders., A. K. v. M., 1908 (W, P);
    F. Knoll, in: Österr. Naturforscher u. Techniker, 1951, S. 102-04 (P);
    H. Gams, in: Archiv f. Naturschutz u. Landschaftsforschung 10, 1970, S. 221-32;
    ÖBL.

  • Portraits

    Denkmal v. E. Hofmann v. Aspernburg, 1908 (Wien, Arkadenhof d. Univ.).

  • Autor/in

    Karl Mägdefrau
  • Empfohlene Zitierweise

    Mägdefrau, Karl, "Kerner von Marilaun, Anton Ritter" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 529-531 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119529025.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kerner: Anton K. von Marilaun, Botaniker, geboren zu Mautern in Niederösterreich am 12. November 1831, zu Wien am 21. Juni 1898. Seine Schulbildung genoß K. auf dem Gymnasium in Krems und zeigte schon als Gymnasiast ebenso wie sein älterer Bruder Joseph eine ausgesprochene Neigung zur Naturbeobachtung. Da die äußeren Verhältnisse den Brüdern gestatteten, ihren Wünschen durch wiederholte kleinere Reisen folgen zu können, so erwarben sie sich sehr zeitig eine gute Kenntniß der Pflanzenschätze ihres engeren Heimathlandes. Joseph K. wurde später Jurist. Anton blieb der Botanik treu. Er bezog 1848 die Universität Wien, um Medicin zu studiren, versäumte aber daneben nicht, seine floristischen Forschungen in der neuen Umgebung fortzusetzen. Noch als Student verwerthete er das hierbei gewonnene Material zu einigen kleineren Publicationen über die Vegetationsverhältnisse des Donauthales, die in den Verhandlungen der damals gerade von Fenzl gegründeten Wiener zoologisch-botanischen Gesellschaft von 1851—54 erschienen. Nachdem K. 1854 zum Dr. med. et chir. promovirt worden war, erwarb er sich ein Jahr darauf das Magisterium der Geburtshilfe und trat als Präparand in die Klinik des Chirurgen Schuh ein. Sehr bald aber entschloß er sich, abgeschreckt durch die Bilder menschlichen Elends, mit denen ihn eine heftige Choleraepidemie des Jahres 1855 in Berührung brachte, die medicinische Laufbahn ganz aufzugeben und sich der Lehramtsprüfung für Mittelschulen zu unterziehen. Nachdem er sie bestanden, erhielt er noch in demselben Jahre eine Stelle als Lehrer der Naturgeschichte an der Oberrealschule in Ofen, die er bis 1858 bekleidete, um sodann als Professor der Naturgeschichte an das Polytechnikum in Ofen überzugehen. Sein Wunsch, den für ihn als Deutschen wenig erquicklichen politischen Verhältnissen in Ungarn zu entgehen wurde erfüllt, als ihm 1860 ein Ruf an die Universität Innsbruck ermöglichte, auf deutschen Boden zurückzukehren. Hier entwickelte K. fast 20 Jahre hindurch eine äußerst erfolgreiche wissenschaftliche und lehrende Thätigkeit, sodaß er diese Zeit seines Lebens für seine glücklichste hielt. Tirol wurde ihm zur zweiten Heimath, zumal er sich hier einen Hausstand schuf und im hochgelegenen Gschnitzthale bei Trins 1876 einen eigenen Sommersitz erwarb. Nach dem Namen dieser Besitzung erhielt er später, in den Adelsstand erhoben, das Prädicat „Ritter von Marilaun“. Besondere Anerkennung wurde K. zu Theil, als er nach dem Tode Fenzl's (s. A. D. B. XLVIII, 520) 1879 als Professor der systematischen Botanik und Director des botanischen Gartens nach Wien berufen wurde. In diesem größeren Wirkungskreise verblieb er ebenfalls nahezu 20 Jahre bis zu seinem Tode, der ihn, den körperlich und geistig noch völlig rüstigen Mann, inmitten seines Schaffens infolge eines plötzlichen Schlaganfalles im 67. Lebensjahre ereilte.|Kerner's Arbeitsfeld in der Botanik war das systematisch-geographische und biologische Gebiet. Er ging zunächst von rein floristischen Studien aus. Dem Wechsel seines Wohnortes entsprechend, beschäftigten ihn die Floren Niederösterreichs, Ungarns und der Alpen, deren Kenntniß er, gleich gründlich bewandert auf allen drei Gebieten, durch eine Reihe zum Theil umfangreicher Schriften wesentlich förderte. Für Niederösterreich lieferte er werthvolle Beiträge zu Neilreich's Flora; in Ungarn führten ihn seine Forschungen zur Abfassung der „Vegetationsverhältnisse des mittleren und östlichen Ungarn und angrenzenden Siebenbürgen“, einer in der Oesterreichischen botanischen Zeitschrift von 1867—1875 erschienenen Arbeit, die mit zu den grundlegenden Darstellungen über die ungarische Flora zu zählen ist; in Bezug auf die Flora der Alpenwelt aber darf K. als deren vorzüglichster Kenner gelten. Leider kam er nicht dazu, seine zahlreichen Einzelfunde aus jenem Pflanzenareal in einem besonderen Werke im Zusammenhange zu bearbeiten. In der Auffassung über die systematische Begrenzung der Pflanzenarten wich K. von vielen Fachgenossen seiner Zeit darin ab, daß er, ein Gegner des unkritischen Zusammenziehens von nahe verwandten Pflanzenformen, die Aufgabe der Systematik darin erblickte, die auf Grund der Beobachtung als constant erkannten erblichen Formen auch als gleichwerthige Species zu unterscheiden und zu beschreiben. Er vertrat seine Richtung wiederholt in Flugschriften, von denen eine unter dem Titel: „Gute und schlechte Arten“, Innsbruck 1866, besonders genannt sein mag. Die in 28 Centurien von 1881—1897 herausgegebene „Flora exsiccata Austro-Hungarica“ steht ganz auf dem Boden dieser Anschauungen. Die Erkennniß des Zusammenhanges von klimatischen und geologischen Verhältnissen eines Landstriches mit der diesem eigenen Pflanzenbedeckung führte K. auf das pflanzengeographische Gebiet. Schon seine ersten Arbeiten streiften dergleichen Fragen. In umfassender Weise behandelte er die Pflanzenformationen Oesterreich-Ungarns in dem 1863 herausgegebenen Werke: „Das Pflanzenleben der Donauländer“, worin er vier charakteristische Florenreiche: das baltische, pontische, alpine und mediterrane innerhalb jenes Ländercomplexes unterschied. Das Buch hat wegen der Fülle wissenschaftlicher Beobachtungen, die es enthält, nicht minder aber auch wegen der sprachlich formvollendeten, fast poetischen Darstellungsweise namentlich in Oesterreich selbst vielen Beifall gefunden. K. beschränkte sich in seinen pflanzengeographischen Arbeiten nicht blos auf das rein Botanische; er richtete seine Aufmerksamkeit auch auf meteorologische Verhältnisse, Höhenbestimmungen, Temperaturmessungen von Quellen, auf phänologische Fragen u. a. m. und verwerthete seine Forschungsresultate besonders auch in seinen späteren Arbeiten, wie in den „Studien über die oberen Grenzen der Holzpflanzen in den österreichischen Alpen“ (Oesterr. Revue 1863—67), „Oesterreichs waldlose Gebiete“ (ebenda 1863) und „Die natürlichen Floren im Gelände der deutschen Alpen“ (Schaubach's Deutsche Alpen 1870). Von dem damaligen Kronprinzen Rudolf aufgefordert, für dessen Sammelwerk „Oesterreich-Ungarn in Wort und Bild“ die Bearbeitung des pflanzengeographischen Abschnittes zu übernehmen, schrieb K. einen kurzen, aber inhaltreichen Ueberblick über die betreffende Flora in dem Artikel: „Oesterreich-Ungarns Pflanzenwelt“ (1866). Die Herausgabe eines geplanten größeren Werkes über diesen Gegenstand ist wol infolge jener Arbeit unterblieben. Doch erschien ein Jahr später noch eine ergänzende Karte: „Florenkarte von Oesterreich-Ungarn“, die in der zweiten Auflage von Kerner's Hauptwerk: „Das Pflanzenleben“ (1896/98) Aufnahme fand. Naturgemäß wurde K. durch seine Arbeiten auch auf das Studium der Artenbildung im Pflanzenreiche gelenkt und so suchte er durch Einrichtung alpiner Versuchsgärten in|verschiedenen Höhenlagen die hierbei in Betracht kommenden Factoren aufzufinden. Seine ursprüngliche Ansicht, daß Klima und Bodenverhältnisse allein schon Verschiedenheiten derselben Species bedingen könnten, mußte er auf Grund der Versuchsresultate aufgeben. Dafür aber schob er den Bastardirungen einen arten bildenden Einfluß zu und veröffentlichte seine Ergebnisse zuerst in einer kleinen Schrift: „Können aus Bastarden Arten werden?“ (Oesterr. bot. Zeitschrift XXI, 1871). Später befestigte sich seine Ueberzeugung in dieser Frage immer mehr dahin, daß ganz allgemein in der Kreuzung von Pflanzenarten die Ursachen ihrer Variabilität zu suchen seien. Um die Kreuzungsverhältnisse zu studiren, mußte K. seine Aufmerksamkeit auch der Blüthenbiologie zuwenden. Noch ehe Hermann Müller's bahnbrechende Arbeiten auf diesem Gebiete erschienen waren, publicirte K. die Abhandlung: „Die Schutzmittel des Pollens gegen die Nachtheile vorzeitiger Dislocation und gegen die Nachtheile vorzeitiger Befruchtung" 1873; und ferner später noch als Festschrift der zoologischbotanischen Gesellschaft 1876: „Die Schutzmittel der Blüthen gegen unberufene Gäste", eine auch ins Englische übersetzte Arbeit. Schließlich seien hier noch hervorgehoben die Artikel: „Ueber die Bestäubungseinrichtungen der Euphrasien“ (Verhandl. d. zool.-bot. Gesellsch. 1888) und „Die Bedeutung der Dichogamie“ (Oesterr. bot. Zeitschr. 1890). Ein reiches Material in tausenden von ihm selbst gefertigten Abbildungen lag noch vor, das wohl verdient hätte, in einem zusammenfassenden Werke veröffentlicht zu werden. K. unterließ die anfangs wohl beabsichtigte Bearbeitung, nachdem H. Müller's Buch inzwischen erschienen war, doch benutzte er viele seiner Abbildungen für das „Pflanzenleben“. Ein Verzeichniß aller Publicationen Kerner's mit Ausschluß der Artikel in Tageszeitungen und Organen der schönen Litteratur findet sich in dem unten angegebenen Nachrufe von R. v. Wettstein. Die Summe seiner wissenschaftlichen Thätigkeit zog K. in seinem bedeutendsten Werke, dem zweibändigen, bereits erwähnten „Pflanzenleben“, dessen erste Auflage 1888 (I. Band) und 1891 (II. Band) erschienen, auch ins Englische und Italienische übertragen wurde. Eine zweite Auflage kam 1896 und 1898 heraus. Im ersten Bande dieses reich illustrirten Werkes schildert K. Gestalt und Leben der Pflanze, indem er des Näheren auf die Zellenthätigkeit, Assimilation, Wanderung der Stoffe, Wachsthum und Aufbau eingeht, um mit morphologischen Betrachtungen über die fertige Pflanzengestalt zu schließen. Der zweite Band giebt unter dem zusammenfassenden Titel: Geschichte der Pflanzen, die Entstehung der Nachkommenschaft unter Berücksichtigung aller Möglichkeiten der Vermehrung, der Insectenthätigkeit, Parthenogenesis, des Generationswechsels und im zweiten Capitel eine ausführliche Darstellung der Geschichte der Arten, die dem Verfasser Veranlassung bietet, seine Ansichten über Variabilität, das Entstehen neuer Arten und ihre Verbreitung, sowie über Pflanzengesellschaften und Florengebiete klar zu legen. Die Fülle der Details, die in dem Buche zur Sprache kommen, bietet nicht nur dem Fachmann großes Interesse, die eigenartige Schönheit des Stils, die Klarheit des Ausdrucks machen auch dem Laien die Lectüre des Werkes zum Genuß. Freilich trägt es durchaus den Charakter subjectiver Auffassung und ist in Einzelheiten nicht ohne Widerspruch geblieben; immerhin darf es als eine Zierde der neueren botanischen Litteratur gelten. Neben seiner wissenschaftlichen Thätigkeit erwarb sich K. auch große Verdienste als Lehrer und Organisator. Sein schwungvoller, durch künstlerisch ausgeführte Zeichnungen belebter Vortrag sammelte sowol im Auditorium der Universität, als auch außerhalb derselben einem Laienpublicum gegenüber, eine große Schaar begeisterter Zuhörer um ihn. Für Innsbruck wurde er der Schöpfer des botanischen Gartens, dessen Alpenanlage insbesondere eine Sehenswürdigkeit|bildete und Wien verdankt ihm neben der Vergrößerung des Gartens die Errichtung eines botanischen Museums, das er in wenigen Jahren durch Zuführung werthvoller Sammlungen zu einem mustergültigen Institute erhob. K. besaß ein großes Maß von Selbständigkeit. In seinen wissenschaftlichen Anschauungen ging er, unbekümmert um die Meinungen anderer seinen eignen Weg und scheute auch vor Conflicten nicht zurück. Aber der Grundzug seines Wesens war ein tief ausgeprägtes Schönheitsbedürfniß, das ihn im persönlichen Verkehr mit dem Zauber gewinnender Liebenswürdigkeit umgab.

    • Literatur

      R. v. Wettstein, Nachruf in „Bericht. d. deutschen botan. Gesellsch.“ XVI, 1898.

  • Autor/in

    E. Wunschmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wunschmann, Ernst, "Kerner von Marilaun, Anton Ritter" in: Allgemeine Deutsche Biographie 51 (1906), S. 122-125 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119529025.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA