Lebensdaten
1848 bis 1928
Geburtsort
Marburg/Drau
Sterbeort
Festenburg (Steiermark)
Beruf/Funktion
Augustinerchorherr ; Dichter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118722026 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kernstock, Otto (Taufnamen)
  • Kernstock, Ottokar
  • Kernstock, Otto (Taufnamen)
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Zitierweise

Kernstock, Ottokar, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118722026.html [25.04.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann (1806–90), Kameralbezirkskommissär, kaiserl. Rat, S d. Häuslers u. Schneidermeisters Josef in Kuschwarda Bez. Prachatitz u. d. Maria Reisinger;
    M Marie (1820–87), T d. Gasthalters Bernhard Bindlechner in M. u. d. Aloisia Maria Stampfl;
    Om Joseph Bindlechner (1803–84) Seifenfabr. in M., Dichter u. Maler;
    N Karl Schmidel (* 1889), Dr. phil., Journalist, Schriftsteller.

  • Leben

    K. besuchte das von Admonter Benediktinern geleitete Gymnasium in Graz und erwarb 1866 das Reifezeugnis. Nach 2 Semestern Jusstudium trat er 1867 in dasChorherrenstift Vorau ein. Während der theologischen Studien befaßte er sich auch mit Urkundenlehre und Paläographie unter Leitung Josef von Zahns; bald nach seiner Priesterweihe (1871) wurde er Stiftsarchivar (1872–77). In dieser Zeit gründet K.s Begeisterung für das Mittelalter, die biographisch und editorisch – K. gab ein lateinisches Drama heraus und vermittelte A. E. Schönbach die Vorauer Wigalois-Bruchstücke –, vor allem aber – ähnlich wie bei Scheffel – dichterisch nachempfindend (auch mittelhochdeutsch) zum Ausdruck kam. Erste Gedichte im Märenstil erschienen seit 1878 in den „Fliegenden Blättern“, während K. als Kooperator in Sankt Lorenzen am Wechsel (1877–83) und Dechantskirchen (1883–87) tätig war. 1889 bezog er als Pfarrvikar die Festenburg, wo er fast 40 Jahre lang wirkte.

    Als sich gegen das Jahrhundertende der Nationalitätenkampf in Österreich-Ungarn verschärfte, trat K. als Sohn des Grenzlandes energisch für das Deutschtum ein, das ihm innerhalb der Monarchie eine ähnliche Sonderstellung zu verdienen schien wie im europäischen Mittelalter. Daher blieb er im Unterschied zu den „Alldeutschen“, mit denen er freilich manche Vokabel teilte, nicht nur kirchen-, sondern auch kaisertreu. Als „Deutsch-Österreicher“ verfaßte K. den Text zur seit 1930 gültigen Volkshymne der 1. Republik: „Sei gesegnet ohne Ende, Heimaterde, wunderhold …“ Es ist auffallend, daß damit der Gipfel seiner Popularität überschritten wird, welche – wie die Auflagen der Gedichtbände zeigen – im 1. Viertel des Jahrhunderts beträchtlich war.

    Auf Antrag von Leopold Kunschak berief der niederösterreichische Landesausschuß K. 1916 als Leiter des Germanistischen Seminars und Lehrer der Poetik an die Lehrerakademie des Pädagogiums in Wien. Karl Kraus hielt daraufhin in der „Fackel“ (31.10.1916) hartes Gericht über einige Kriegsgedichte K.s, die mehr von streitbarem Blut als von priesterlichem Geist zeugen (szenisch umgestaltet: K. Kraus, Die letzten Tage der Menschheit III, 32, 1918). Nach seiner Antrittsvorlesung über österreichische Kriegslyrik (14.12.1916) zögerte K., sagte Mai 1917 die Aufnahme der Lehrtätigkeit zu, blieb aber schließlich in Festenburg. Ob der Angriff durch Kraus daran Anteil hatte oder eine gewisse allgemeine Entschlußscheu, ist ungewiß.

    K.s Stärke liegt im stilisierten Erzählgedicht und im Spruch; einen beträchtlichen Teil seines Werkes machen Gelegenheitsgedichte aus. Für eigentliche lyrische Wirkungen bemüht er gern mittelhochdeutsche Zitate oder archaisierende Wendungen, die auf die Zeitgenossen dank der Persönlichkeit K.s den Reiz des Unmittelbaren ausübten, heute aber eher als Gelehrtenpoesie erscheinen.|

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Graz 1919).

  • Werke

    u. a. Gedichte: Die wehrhaft Nachtigall, 1900;
    Aus d. Zwingergärtlein, 1901, 101917;
    Unter d. Linde, 1905, 91929;
    Turmschwalben, 1908, 21923;
    Tageweisen, 1912, 31923;
    Schwertlilien a. d. Zwingergärtlein, 1915;
    Der redende Born, 1922, 21932 a. d. Nachl. erw. hrsg. v. F. Fuhrmann;
    Ausgew. Feuilletons u. Gedichte, hrsg. v. H. Wastian, 1933;
    Gedichte …, ausgew. mit Einl. v. R. Rudolf, 1968 (P). - Aus d. Festenburg, 1911 (Ges. Aufsätze u. Reden, P);
    Steir. Waffensegen (mit. P. Rosegger), 1916. |

  • Nachlaß

    Nachlaß (unbedeutend) im Archiv d. Stifts Vorau; K.-Mus. auf d. Festenburg.

  • Literatur

    F. Wastian, Btr. z. Gesch. u. z. Wappen d. Fam. K., in: Zs. d. Hist. Ver. f. Steiermark 11,|1913, S. 272-96;
    O. Floeck, O. K., der Sänger auf d. Festenburg, mit Vorwort v. P. Rosegger, 1915, 21923;
    K. Bosek-Kienast, K.-Festschr., in: Österr. Päd. Warte, 1923;
    P. Frank, Der Priester O. K., in: Klerus-Bl. 1953, Nr. 22;
    NÖB 16 (L, P);
    ÖBL (L);
    - V. Bauer, O. K.s mütterl. Ahnen, in: Bll. f. österr. Fam.kde. 4, 1930, S. 8 ff.;
    A. Schillinger, O. K.s Herkunft u. Fam., in: Adler, Zs., 7, 1967, S. 225 f.

  • Portraits

    Ölgem. v. P. Scholz (Graz) (im Bes. d. Fam. H. Riedl, Wien), Abb. b. Nagl-Zeidler-Castle;
    Phot. (Graz, Bild- u. Tonarchiv am Landesmus. Joanneum), hier auch Repr. e. Plakette u. e. Gem.

  • Autor

    Hellmuth Himmel
  • Empfohlene Zitierweise

    Himmel, Hellmuth, "Kernstock, Ottokar" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 531 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118722026.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA