Lebensdaten
1852 bis 1924
Geburtsort
Straßburg (Elsaß)
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Bankier
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 116077913 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kaulla, Alfred
  • Kaulla, Alfred von
  • Kaulla, Alfred

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Zitierweise

Kaulla, Alfred von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116077913.html [20.07.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Georges Hermann K. (1819-55), Dr. med., Arzt in Straßburg, S d. Michael Kaula (ca. 1768–1819), aus Hechingen, Handelsmann (Wachsfabr.) in Darmstadt (S d. Salomon Isaak Regensburger u. d. Eleonore Raphael);
    M Clarisse (* 1826), T d. Marx Pfeiffer (1786–1842), württ. Hofrat, Bankier in Stuttgart, u. d. Henriette Kaulla (N d. Chaile, s. 2); - ledig.

  • Leben

    Nach dem Besuch deutscher und englischer Schulen studierte K. 1868-71 an der TH Stuttgart, praktizierte – nach Kriegsteilnahme – bei der Württembergischen Vereinsbank in Stuttgart, studierte seit 1872 erneut, promovierte zum Dr. iur. und trat 1875 endgültig in die Württembergische Vereinsbank ein. 1881 wurde er zum Prokuristen ernannt, 1882 zum stellvertretenden Direktor und 1888 in den Vorstand berufen. Seit 1884 war er auch kaufmännischer Direktor und persönlich haftender Gesellschafter bei der Gebrüder Mauser KG, Oberndorf, an der seine Bank eine Mehrheitsbeteiligung besaß.

    Zu K.s Aufgabenbereich in der Bank gehörte vornehmlich der Außenhandel. So hielt er sich 1887 in Konstantinopel auf, um einen Vertrag über eine umfangreiche Waffenlieferung der Firmen Mauser und Löwe (500 000 Gewehre und 50 000 Karabiner im Werte von 37 Millionen Mark) mit der türkischischen Regierung abzuschließen und die Finanzierung dieses Geschäfts sicherzustellen. Durch sein Verhandlungsgeschick erwarb er rasch das Vertrauen maßgebender Mitglieder der türkischen Regierung, die hoffte, durch ihn eine Staatsanleibe auf dem deutschen Markt plazieren zu können, um sich aus ihrer Abhängigkeit vom französischen und englischen Kapital zu befreien. Der Versuch K.s, diese Anleihe durch die Württembergische Vereinsbank und die Berliner Handelsgesellschaft übernehmen zu lassen – aus dem Erlös sollte eine erste Zahlung an die Mauser-Löwe Werke in Höhe von 50 000 Türkenpfund geleistet werden –, scheiterte aber am Widerstand der französischen Hochfinanz, die um ihren Einfluß auf das Osmanenreich fürchtete. Während seines Aufenthaltes in Konstantinopel wurde K. auf Möglichkeiten des Erwerbes türkischer beziehungsweise anatolischer Eisenbahnkonzessionen durch deutsche Banken aufmerksam. Der Sultan mißtraute Engländern und Franzosen und zog ihnen deutsche Finanzgruppen vor, da das Deutsche Reich keine politischen Ziele im Nahen Osten zu verfolgen schien.

    Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde K. im Frühjahr und Sommer 1888 aus Konstatinopel zum Handeln gedrängt, da weitere Konkurrenten wie die Banque Impériale Ottomane, die vorwiegend französische Interessen vertrat, sowie eine französische und eine englisch-italienische Gruppe den Versuch unternahmen, Konzessionen zu erwerben. Da jedoch der Erwerb einer Konzession die Möglichkeiten der Württembergischen Vereinsbank bei weitem|überstieg, verwies ihr Vorstandsvorsitzender Steiner, der im Aufsichtsrat der Deutschen Bank saß, K. an dieses Institut. Der Sprecher der Deutschen Bank, Georg von Siemens, nahm die Anregung K.s auf, zögerte aber die Entscheidung wegen der großen Risiken immer wieder hinaus. Erst nach wiederholtem Drängen K.s und einer Zustimmung des Auswärtigen Amtes trat Siemens dem Projekt näher, woraufhin K. im September 1888 wieder nach Konstantinopel reiste, um im Auftrag der Deutschen Bank die Dinge voranzutreiben. Inzwischen hatten die Botschafter von Radowitz, White (Großbritannien) und Blanc (Italien) eine Konzeption entwickelt, nach der ein deutsch-englisch-italienisches Konsortium unter Führung der Deutschen Bank die Konzession erwerben sollte. Zunächst erschien die Konzessionsvergabe an die Deutsche Bank sicher, doch dann tauchten neue Schwierigkeiten auf. Für die Konzession verlangte die Pforte die Placierung einer Anleihe über 30 Millionen Mark zum Kurse zwischen 64 und 70 Prozent. Außerdem mußte der Konzessionsnehmer eine Zahlung von 5-10 Millionen Francs an die türkische Regierung leisten, die dafür die Bahnlinie Haidarpascha-Ismid an ihn abtreten wollte. Der Besitzer dieser Linie besaß eine Option auf die Konzession für den Weiterbau nach Angora (Ankara). Anfang Oktober konnte K. Siemens mitteilen, daß die türkische Regierung der Deutschen Bank den Zuschlag erteilt habe, nachdem es vorher noch zu massiven Störversuchen durch die Konkurrenten gekommen war. Sein Werk konnte K. mit der Übernahme der Eisenbahnlinie Haidar-Pascha-Ismid am 11.1.1889 krönen. Mit dem Weiterbau wurde nun sofort begonnen. Auch auf die Bauausführung nahm K. Einfluß. Als Bauleiter setzte er seinen Freund Otto Kapp von Gültstein ein; mehrere Lose konnten von der Firma Philipp Holzmann erstellt werden. Bereits im Februar 1893 wurde Angora erreicht und am 28.7.1896 der vorläufige Endpunkt in Konia. Die Anatolische Eisenbahn-Gesellschaft, in deren Verwaltungsrat K. entscheidenden Einfluß besaß, nannte nun ein Netz von 1 022 km Länge ihr eigen.

    Bedeutend war K.s Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung des süddeutschen Raumes. Er nahm auf zahlreiche Industrieunternehmen als Mitglied ihrer Aufsichtsräte Einfluß. Aus dem Vorstand der Württembergischen Vereinsbank schied er 1900 aus und wechselte in den Aufsichtsrat über, dessen Vorsitz er 1921 übernahm und bis zu seinem Tode innehatte. Er war auch Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Bank, die seit den 80er Jahren Anteile des Kapitals der Württembergischen Vereinsbank hielt, welche ihrerseits seit 1901 eine Mehrheitsbeteiligung an der Daimler-Motoren-Gesellschaft besaß und K. 1902 in deren Aufsichtsrat entsandte. 1910-22 war K. als Nachfolger Max von Duttenhofers Aufsichtsratsvorsitzender bei Daimler. In diese Zeit fielen eine starke Produktionserhöhung und der Ausbau des Flugmotoren- und Nutzfahrzeugbaus, den Paul Daimler als Chefkonstrukteur durchführte. Durch eine geschickte Finanzpolitik, die sich vor allem in der Krise von 1913 bewährte, ermöglichte K. dem kaufmännischen Direktor Ernst Berge (* 1868), Inlandsverkauf und Export erheblich zu steigern. Die Württembergische Vereinsbank, mit der K.s Wirken mehr als 5 Jahrzehnte lang eng verknüpft war, ging 1924, unmittelbar nach seinem Tode, in der Deutschen Bank auf.

  • Literatur

    25 J. Daimler Motoren-Ges., 1890–1915, 1915;
    K. Helfferich, Georg v. Siemens, 1923;
    Allg. Automobil-Ztg. (Wien) 25, 1924, Nr. 3, S. 31 (P);
    A. Tänzer, Gesch. d. Juden in Württemberg, 1937;
    P. Siebertz, Gottlieb Daimler, 1940 (21950, keine Angaben üb. K.);
    C. L. Smith, The Embassy of Sir William White at Constantinople, 1886–91, 1957;
    G. F. W. Hallgarten, Imperialismus vor 1914, 1963;
    F. Seidenzahl, 100 J. Dt. Bank, 1970.

  • Autor/in

    Rudolf Lenz
  • Empfohlene Zitierweise

    Lenz, Rudolf, "Kaulla, Alfred von" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 359-360 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116077913.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA