Lebensdaten
1864 bis 1945
Geburtsort
Grevenbrück (Westfalen)
Sterbeort
Remscheid
Beruf/Funktion
Chemiker ; Professor der Chemie ; Vorstandsvorsitzender der Farbwerke Hoechst
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 137697813 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schmidt, Albrecht

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Zitierweise

Schmidt, Albrecht, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137697813.html [27.05.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Carl (1831–1906), Dr. phil., Reg.rat, Hüttendir. in G., später in Posen, S d. Friedrich (s. Gen. 1);
    M Bertha (1832–1908), T d. Heinrich Konrad Dieckerhoff, Oberpfarrer in Aplerbeck, u. d. Johanna Caroline Schmöle;
    Ov Albrecht (1829–1911), Präs. d. Konsistoriums d. Prov. Brandenburg Gen 1;
    Melle 1895 Carlota (1875–1965), T d. Detlev Brune (1842–1905), Großkaufm. in Santos, Plantagenbes. in Ibicaba (Brasilien), u. d. Catarina Vergueiro;
    2 S Helmuth (1895–1979, ⚭ Bianca Euler, 1927–97), Dr. med., Prof., Dir. d. chirurg. Abt. d. Städt. Krankenhauses in Remscheid, Herbert (1901–88, Dorothee Curtis), Kaufm. in Toronto (Kanada), 2 T Irma (1898–1985, Wilhelm Köhler, 1897–1962, Dr. med., Dr.-Ing. E. h., Vorstand d. Masch.fabrik Goebel in Darmstadt, Präs. d. IHK Darmstadt, Mitgl. d. Arbeitgeberverbands d. hess. Metallind. u. d. Vorstands d. Wirtschaftl. Vereinigung Masch.-bau Hessen, s. Munzinger), Margot (1907–90, Ludwig Scriba, 1885–1969, Oberlandesger.präs. in Darmstadt, Komp., s. Dt. Musiker-Lex., hg. v. E. H. Müller, 1929);
    Vt Friedrich S.-Ott (s. 1);
    E Lotte Köhler (* 1925), Dr. med., Psychoanalytikerin in München, 1962-86 Vors. d. AR d. Masch.fabrik Goebel GmbH, Geschäftsführerin d. Goeda-Vermögensverw GmbH (s. W); Verwandter Gustav Jung (1859–1929), Eisenhüttenmann (s. NDB X).

  • Leben

    S. besuchte die Grundschule in Posen und seit 1873 das Ludwig-Georgs-Gymnasium in Darmstadt, wo er 1881 die Reifeprüfung ablegte, und diente danach als Einjährig-Freiwilliger in Darmstadt. Seit 1883 studierte er Chemie, Physik und Mineralogie am Polytechnikum Darmstadt, 1884/85 in Heidelberg u. a. bei Robert Bunsen (1811–99), 1885-88 in Straßburg bei Rudolf Fittig (1835–1910), wo er 1887 mit einer Arbeit über „Einwirkung von Butyraldehyd auf bernsteinsaures Natrium“ promoviert wurde. 1887/88 war er als Assistent bei Fittig und danach Leiter eines von ihm einzurichtenden Forschungslabors bei der „Chemischen Fabrik auf Aktien (vormals E. Schering)“ in Berlin, die wegen des abgelaufenen Patentschutzes ihrer Produkte dringend neue, als Medikamente vermarktungsfähige Substanzen suchte. Nach anfänglichen Schwierigkeiten konnte S. mit dem Piperazin als Gicht- und Blasenmittel einen ersten Erfolg erzielen. Er entdeckte 1892 die konservierenden und desinfizierenden Eigenschaften des Formalins und wies 1894 mit der Erfindung der Formaldehyd-Casein-Kondensationsprodukte den Weg zur Herstellung von Kunstharzen. Beide Erfindungen waren von weitreichender wirtschaftlicher Bedeutung. Das Formalin wurde vielfach als Konservierungs- und Desinfektionsmittel eingesetzt, die Formalin-Casein-Harze bildeten die Rohstoffe für die Herstellung der Fasern Lanital und Thional sowie des Kunststoffs Galalith. Weitere Ergebnisse von S.s Forschungen waren das Urotropin zur Behandlung bakterieller Erkrankungen der Harnwege, die Einführung des Persulfats als Mittel gegen die Vergilbung des Bildes in der Photographie und die Verbesserung der Hydrochinonsynthese bei Schering. Über seine Forschungsergebnisse informierte S. regelmäßig in Fachzeitschriften. Nachdem er trotz seiner Erfolge nicht in den Vorstand berufen worden war, wechselte er 1898 zur Hoechst AG.

    Aufgrund einer entsprechenden Karenz-Klausel in seinem Vertrag mit Schering wandte sich S. als neuem Arbeitsfeld den organischen Farbstoffen zu. 1908 erfand er ein einfaches Verfahren zur Herstellung von Thioindigoabkömmlingen, 1911-13 bearbeitete er das Gebiet der wirtschaftlich bedeutenden geschwefelten Wollfarbstoffe (Heliodone). 1910 erhielt er Prokura, nahm seit 1912 an den Direktionssitzungen der Hoechst AG teil und wurde 1916 stellv. Vorstandsmitglied. Während des 1. Weltkriegs befaßte sich S. mit Fragen der Wehrchemie, wie der Erzeugung künstlicher Nebel (insbes. f. d. Marine) und der Herstellung von Gaskampfstoffen, wobei es zu einer Zusammenarbeit mit Fritz Haber (1868–1934) vom KWI für Physikalische und Elektro-Chemie in Berlin kam. Zusammen mit Haber und anderen bemühte er sich seit Herbst 1914 um die Gründung einer „Kaiser-Wilhelm-Stiftung für kriegstechnische Wissenschaften“ zur Unterstützung ziviler Forschungen für militärische Zwecke. Nach dem Krieg nutzte S. seine wehrchemischen Arbeiten zur Entwicklung von Schädlingsbekämpfungs- und Pflanzenschutzmitteln und forschte auf dem Gebiet der Textilhilfsmittel und Kunststoffe. Seit 1919 Leiter aller Farbstoffbetriebe, wurde S. 1926, mit der Gründung der IG Farbenindustrie AG, zum o. Vorstandsmitglied berufen, war aber weder Mitglied des Zentral- noch des Arbeitsausschusses. 1931 trat er in den Ruhestand.

    S., der als ehrgeizig und geltungsbedürftig galt, war seit 1933 Mitglied der NSDAP, seit 1939 auch der SS. Eine ehrenamtliche Tätigkeit – seit 1937 in der NS-Gauleitung Hessen-Nassau als Berater für Wirtschafts- und Hochschulfragen – führte 1939 zu seiner Ernennung zum SS-Standartenführer und 1944 zum SS-Brigadeführer durch Himmler. Seit 1928 hielt S. Vorlesungen über „industrielle Chemie“ an der Univ. Frankfurt/M. (Die industrielle Chemie in ihrer Bedeutung im Weltbild u. Erinnerungen an ihren Aufbau, 1934, 21943). Darin ging er ausführlich auf die Methoden des Erfindens und die Patentierung der Forschungsergebnisse ein und bemühte sich, nationalsozialistisches Gedankengut in die Chemie einzuführen. Seine Erinnerungen sowie die Familiengeschichte faßte er unter dem Titel „Sturm und Sonne – Erinnerungen aus meinem Leben“ (7 Bde., 1940–43) zusammen.

  • Auszeichnungen

    Tit.prof. (1917); Dr.-Ing. E. h. (TH Braunschweig 1932); Ehrensenator (Landwirtschaftl. Hochschule Berlin 1932, TH Darmstadt 1944); Ehrenbürger d. Univ. Frankfurt/M. (1935); Goethemedaille f. Kunst u. Wiss. d. Stadt Frankfurt/M. (1939); div. Orden u. mil. Auszeichnungen; Mitgl. d. Dt. Chem. Ges., d. Ver. Dt. Chemiker u. d. Bunsenges.

  • Werke

    Weitere W Über d. Piperazin, in: Berr. d. Dt. Chem. Ges. 23, 1890, S. 3718 f. (mit W. Majert), 24, 1891, S. 241 f., 3237 f.;
    Formalin, seine desodorierende Wirkung, die Ursachen ders. u. daraus folgende Verwendung d. Formalins, in: Pharmzeut. Ztg. Nr. 6, 1894;
    Weitere Mitt. über d. Formalin, ebd. Nr. 23, 1894;
    Zur Gesch. d. Erfindung d. Formaldehyd-Caseins, in: Chemiker Ztg. 1937, Nr. 75, S. 756;
    mehr als 2.300 Patente u. a. USP 630 782 u. 670 689 (Kunststoffe), USP 906 307 (Indigoweiß), USP 1058 020 (Kolloidales Indigo), USP 1128 368 Geschwefelte Chinonarylide als Wollküpenfarbstoffe).

  • Literatur

    J. U. Heine, Verstand u. Schicksal, 1990, S. 126-28;
    M. Szöllosi-Janze, Fritz Haber (1868–1934), 1998, S. 323, 359;
    St. H. Lindner, Hoechst, Ein I. G. Farben Werk im Dritten Reich, 2005, S. 30, 40-47;
    Rhdb. (P);
    Pogg. VI. VIIa;
    Nassau. Biogr.; |

  • Quellen

    Qu Scheringianum Archiv d. Schering AG; HistoCom Archiv d. ehem. Hoechst AG Frankfurt/M. (P).

  • Autor/in

    Herbert Karl Wilhelm Bode
  • Empfohlene Zitierweise

    Bode, Herbert Karl Wilhelm, "Schmidt, Albrecht" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 167-169 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137697813.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA