Lebensdaten
1901 - 1965
Geburtsort
Reval
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Historiker ; Archivar ; Kunsthistoriker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 11871273X | OGND | VIAF: 71518989
Namensvarianten
  • Johansen, Paul Wulff
  • Johansen, Paul
  • Johansen, Paul Wulff
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Johansen, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11871273X.html [20.09.2021].

CC0

  • Genealogie

    Aus e. in Estland ansässig gewordenen dän. Fam.;
    V Christian (1868–1929), Kultur-Ing., dann dän. Gen.konsul in R., S d. Hans Charles Jacob Wulff (1832–74), Landinsp. u. Branddir., u. d. Christine Maria Hauberg;
    M Ingeborg (1862–1947), T d. Sprachlehrers Peter Andreas Laudrup u. d. Madsine Henriette Hanssen;
    Reval 1926 Erna (* 1897), T d. Apothekers Woldemar Korths u. d. Charlotte Elisabeth Johannson;
    1 S, 2 T.

  • Leben

    J. besuchte die deutsche Ritter- und Domschule zu Reval. 1919-21 studierte er in Kopenhagen und Hohenheim Landwirtschaft, 1921-24 in Leipzig Geschichte, wo er mit einer Arbeit über „Siedlung und Agrarwesen der Esten im Mittelalter“ promovierte. Schon früh wurde er durch seine Lehrer F. Areboe und R. Kötzschke zu agrar- und siedlungsgeschichtlichen Forschungen angeregt; daneben galt sein Interesse der mittelalterlichen Geschichte Estlands und seiner Geburtsstadt Reval, in die er nach beendetem Studium zurückkehrte. Hier war er 1924-34 als stellvertretender Leiter, 1934-39 als Direktor des Stadtarchivs tätig, um dessen Neuordnung und Ausbau er sich erfolgreich bemüht hat. Ihm ist es zu danken, daß die mittelalterlichen Quellen dieses an Beständen aus der Hansezeit besonders reichen Archivs durch mustergültige Editionen der Forschung zugänglich gemacht worden sind. Unter seiner Leitung wurde das Stadtarchiv auch zur Ausbildungsstätte für den archivarischen Nachwuchs Estlands.

    J.s bevorzugtes Arbeitsgebiet blieb die Siedlungsgeschichte; ihr widmete er neben zahlreichen Einzeluntersuchungen das über 1 000 Seiten umfassende Werk „Die Estlandliste des Liber Census Daniae“ (1933), in dem er den siedlungs-, orts- und sozialgeschichtlichen Gehalt dieser einzigartigen Quelle des 13. Jh. ausgeschöpft hat. Sein zweites Hauptwerk „Nordische Mission, Revals Gründung und die Schwedensiedlung in Estland“ (1951) leitet von der Siedlungsgeschichte zur Städtegeschichte über. Seine zahlreichen Veröffentlichungen zur Geschichte Revals und seiner Bevölkerung fanden ihre Krönung in dem erst nach seinem Tode erschienenen Buch „Deutsch und Undeutsch im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Reval“ (1973), das, in|Gemeinschaftsarbeit mit Heinz v. zur Mühlen begonnen, von diesem zum Abschluß gebracht worden ist. Hier ist es gelungen, das Problem der kultur- und sozialgeschichtlichen Verflechtung zweier Nationalitäten mit großer Objektivität darzustellen. Unvoreingenommenheit und profunde Sachkenntnis kennzeichnen auch die übrigen siedlungs- und bevölkerungsgeschichtlichen Arbeiten von J.; genannt seien nur seine Forschungen zur Kurenfrage.

    Nach der Umsiedlung der Deutsch-Balten, der er sich anschloß, wurde J. 1940 ao., 1956 o. Professor für hans. und osteurop. Geschichte an der Univ. Hamburg. Jetzt wandte er seine Aufmerksamkeit besonders der hans. Geschichtsforschung zu; einem grundlegenden Aufsatz „Livland und die Hanse“ (1941) folgten die Abhandlungen „Novgorod und die Hanse“ (1953) und „Umrisse und Aufgaben der hans. Siedlungsgeschichte und Kartographie“ (1954). Seit 1950 war J. Mitherausgeber der „Hans. Geschichtsblätter“, dem Hans. Geschichtsverein gehörte er als Vorstandsmitglied an. Seine Vertrautheit mit fast allen Sprachen des Ostseeraumes – in fünf von ihnen hat er publiziert – veranlaßte J., an der Hamburger Universität ein Seminar für Finnougristik zu gründen, das seiner Leitung unterstellt wurde. Mehrere seiner Arbeiten sind diesem Gebiet, besonders der estn. Sprach- und Kulturgeschichte gewidmet. Zu seinen Lehrfächern gehörte aber auch die russ. Geschichte. Wichtiges hat J. auch auf dem Gebiet der historischen Biographie geleistet und mit Spürsinn und Phantasie Licht in das manche historische Persönlichkeit bisher überschattende Dunkel gebracht. So gelang ihm die Identifizierung des Hofmalers der Kgn. Isabella von Kastilien und Revaler Bürgers Michel Sittow, eines der hervorragendsten Porträtisten seiner Zeit (1940).

    Durch Abstammung und Werdegang gehörte J. sowohl dem skandinav. als auch dem balt. Kulturkreise an. In beiden genoß er durch seine wissenschaftliche Leistung und seine stets auf Ausgleich bedachte, anziehende Persönlichkeit uneingeschränktes Vertrauen.|

  • Auszeichnungen

    Mitglied d. Direktoriums u. Archivar d. Estländ. Literär. Ges.;
    Ehrenmitgl. d. Ges. f. Gesch. u. Altertumskde. zu Riga;
    korr. Mitgl. d. Gel. Estn. Ges. zu Dorpat;
    Mitgl. d. Finn. u. Schwed. Ak. d. Wiss.

  • Werke

    Weitere W s. F.-K. Proehl, Schrr.verz. v. P. J., in: Rossica Externa, Stud. z. 15.-17. Jh., 1963, S. 179-96 (P;
    Festschr. f. J.), dazu Hans. Gesch.-bll. 83, 1965, S. VII (P);
    Zs. f. Ostforschung 14, 1965, S. 730.

  • Literatur

    H. Weiss, in: Balt. Briefe 18, 1965, Nr. 6/7;
    ders., in: Der Archivar 19, 1966, S. 370 f.;
    A. v. Brandt, in: Hans. Gesch.bll. 83, 1965, S. V-X;
    G. v. Rauch, in: Zs. f. Ostforschung 14, 1965, S. 727-31;
    Webermann, in: Ural-Alta. Jbb. 37, 1966, S. 115-22;
    Dt.balt. Biograph. Lex., 1970.

  • Autor/in

    Hellmuth Weiss
  • Empfohlene Zitierweise

    Weiss, Hellmuth, "Johansen, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 580-581 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11871273X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA