Lebensdaten
1815 bis 1876
Geburtsort
Bruck/Leitha (Niederösterreich)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
österreichischer General ; Kriegsminister
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117654981 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • John, Franz (bis 1857)
  • John, Franz Freiherr von
  • John, Franz (bis 1857)
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Zitierweise

John, Franz Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117654981.html [21.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Franz J. (1780-1831), aus Klotzen Bez. Leitmeritz, k.k. Kapitänlt. im Sappeurkorps;
    M Theresia Rittersporn (1788–1836) aus Tulleschitz/Mähren;
    1) Krakau 1849 Antonia (1827–71, ev.), T d. Maximilian v. Weiße (1798–1863), Prof. d. Astronomie u. Dir. d. Sternwarte in Krakau (s. ADB 41), u. d. Caroline Lierhammer, 2) Graz 1873 Anna (1841–1917), T d. Majors Joseph Gf. v. Orsini u. Rosenberg u. d. Ida Grimaud Gfn. d’Orsay;
    3 S, 2 T aus 1), u. a. Friedrich (1854–1917), Vizeadmiral (s. ÖBL), 1 T aus 2).

  • Leben

    Nach dem Besuch der Wiener Neustädter Militärakademie (1827–35) wurde J. als Offizier vor allem in Stäben in Oberitalien verwendet. Zwischendurch arbeitete er für die Landesbeschreibung in Siebenbürgen und Galizien und in Wien. 1848 machte er als Hauptmann die Straßenkämpfe in Mailand, die Schlachten bei Sta. Lucia, Montanara, Goito und Custozza mit, besondere Verdienste erwarb er sich durch sein entschlossenes Vorgehen bei der Einnahme von Volta am 26./27.7.1848 (1850 Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens). Im Feldzug von 1849 kämpfte J. am Gravellone, bei Mortara und Novara und nahm dann an der Expedition in die Toskana und in die Romagna zur Verfolgung der Garibaldischen Freischaren teil. Als Major wirkte er seit Dez. 1849 als Sous-Chef der Quartiermeisterstabs-Abteilung des 8. Armeekorps in Florenz, Nov. 1850-Juli 1852 war er dann Präses der toskan.-österr. Liquidierungskommission für die Verpflegs- und Unterkunftskosten der österr. Truppen in der Toskana. In den folgenden Jahren (1852–57) verblieb er als Generalstabschef des 8. Armeekorps in Bologna. 1857 übernahm er dann als Oberst und Kommandant des Infanterieregiments Kaiser Nr. 1 ein Truppenkommando. Im Feldzug von 1859 kommandierte J. zunächst sein Regiment, dann eine Halbbrigade in der Lombardei, am 5.5.1859 wurde er zum Generalstab versetzt und hatte als Generalstabschef des in Tirol aufgestellten selbständigen 6. Infanterie-Armeekorps die Mobilisierung in Südtirol zu leiten (nach Friedensschluß 1859 Ernennung zum Generalstabschef der II. Armee in Verona, 1861 Generalmajor). Das Jahr 1866|brachte den Höhepunkt seiner Offizierslaufbahn, als Generalstabschef der Südarmee siegte er unter Erzhzg. Albrecht bei Custozza (24.6.) (Kommandeurkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens). Im Juni zum Feldmarschalleutnant und im Juli zum Generalstabschef der gesamten operierenden Armee, unter dem Oberbefehl von Erzhzg. Albrecht, ernannt, erhielt J. in einer höchst kritischen Situation Österreichs eine entscheidende Position in der Armee. Nach dem Friedensschluß wurde er am 6.9.1866 zum Chef des Generalstabes und zum Leiter des Kriegsministeriums ernannt, womit der Vertraute Erzhzg. Albrechts die wichtigsten Funktionen in der Leitung der Armee in seiner Hand vereinigte. In den schwierigen Verhandlungen über den Ausgleich mit Ungarn und über die Vorbereitung des Wehrgesetzes setzte sich J. erfolgreich gegen die ungar. Wünsche für die Aufrechterhaltung der Einheit der Armee ein. Im Zuge der Reorganisation erreichte er ein vom Kriegsministerium getrenntes Armeeoberkommando unter Erzhzg. Albrecht. Diese Lösung wurde aber durch den Widerstand des einflußreichen Vorstandes der kaiserl. Militärkanzlei Oberst Frdr. v. Beck schließlich zum Scheitern gebracht. J., der seit 1866 Oberst-Inhaber des Infanterieregiments Nr. 76 und seit 1867 lebenslängliches Herrenhausmitglied war, wurde am 18.1.1868 als Reichskriegsminister, am 27.3.1869 auch als Chef des Generalstabes enthoben, da er der geplanten Auflösung des Generalstabskorps durch seinen Nachfolger als Kriegsminister, Franz Frhr. v. Kuhn, nicht zustimmte. In den folgenden Jahren wirkte J. als kommandierender General in Graz, wurde aber vom Kaiser wiederholt zu Beratungen über Armeefragen herangezogen, bis er 1874 wieder zum Chef des Generalstabes ernannt wurde, dessen Reorganisation bzw. Neuaufbau er zu leiten hatte. Der in seiner Stellung gefestigte Generalstab, dem neben der Vorbereitung der Operationen die Leitung der Ausbildung, Organisation und Ausrüstung des Heeres übertragen war, ist im wesentlichen sein Werk.

  • Literatur

    ADB 14;
    Bll. d. Erinnerung an d. Chef d. Gen.stabes FZM F. Frhr. v. J., 1913 (P);
    H. v. Srbik, Erinnerungen d. Gen. Frhr. v. J. vom J. 1866 u. 1870, in: MIÖG 50, 1936, S. 133-84, wieder in: ders., Aus Österreichs Vergangenheit, 1949, S. 43-105 (P);
    O. Regele, Gen.stabschefs aus 4 Jhh., 1966 (P);
    W. Wagner, Gesch. d. k.k. Kriegsmin. II, 1866–88, 1971;
    Wurzbach X;
    G. v. Alten, Hdb. f. Heer u. Flotte V, 1913, S. 189;
    ÖBL. -
    Nachlaß im Kriegsarchiv Wien.

  • Portraits

    Lith. v. J. Kriehuber, um 1866 (Wien, Natbibl.).

  • Autor/in

    Rainer Egger
  • Empfohlene Zitierweise

    Egger, Rainer, "John, Franz Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 581 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117654981.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    John: Franz Freiherr v. J., geb. zu Bruck an der Leitha am 20. Novbr. 1815, zu Wien am 25. Mai 1876. Sohn eines bürgerlichen Sappeursähnrichs, erhielt J. seine militärische Erziehung in der Militärakademie zu|Wiener-Neustadt, die er 1835 als Unterlieutenant erster Klasse absolvirte, um in das Infanterieregiment Erzherzog Franz Karl Nr. 52 einzutreten. Die stille Friedenszeit bot auch den Besten kein Fortkommen, keine Aussichten und über zehn Jahre stand J. als Lieutenant im Regimente, bis endlich, am 20. Juni 1845, der reichbegabte Offizier zum Oberlieutenant befördert, Verwendung im Generalstabe fand, dem er zugetheilt wurde und der ihm einst so ausgezeichnete und glänzende Wirksamkeit gewähren sollte. — Als er dann drei Jahre später, am 13. März 1848, bei dem Ausbruche der Revolution zum Hauptmann im General-Quartiermeisterstab ernannt wurde, trat er in die Reihen eines Corps, dem er mit kurzen Unterbrechungen bis zu seinem Tode angehörte. — Eingetheilt im Armee-Hauptquartier, zeichnete sich J. schon im Straßenkampf in Mailand am 20. und 21. März, in der Schlacht bei St. Lucia am 6., beim Angriffe auf die verschanzten Linien bei Montanara am 29. und im Gefechte bei Goito am 30. Mai rühmlichst aus. — Seit dem 8. Juni als Generalstabs-Offizier bei der Brigade Fürst Friedrich Liechtenstein eingetheilt, machte J. die Einnahme von Vicenza am 10. Juni, die Schlacht bei Sommacampagna und Sona am 23. Juli, jene bei Custozza am 25. Juli, das Avantgardegefecht bei Volta am 26. und das Treffen daselbst am 27. Juli, das Gefecht bei Cremona am 30. Juli und das Gerecht bei Mailand am 4. August mit. Für die namentlich am Siegestage von Custozza bewiesene glänzende Tapferkeit erhielt J. den Orden der Eisernen Krone 3. Klasse. Aber in höherem Maße sollte ihm der folgende Tag, der 26. Juli 1848, zum Ehrentage werden. — Die Brigade, bei welcher er als Generalstabs-Offizier eingetheilt war, erhielt in Vallegio den Befehl über Volta gegen Guidizzolo vorzurücken. Vor dem erstgenannten Orte angelangt, erkannte J. mit raschem Blick die Wichtigkeit dieses bisher noch unbesetzten Objectes, gegen welches eine sehr starke, aus allen Waffengattungen zusammengesetzte, feindliche Colonne von Goito im Anmarsche begriffen war. Ebenso schnell als diese Wahrnehmung gemacht, war auch der Entschluß zum Handeln gefaßt und durchgeführt. Die wenigen ihn als Patrouille begleitenden Husaren verwendete J. zu einer Täuschung des Feindes, wodurch es gelang denselben so lange aufzuhalten, bis der Ort von den nachrückenden Truppen besetzt werden konnte. — In dem nachfolgenden 15stündigen furchtbaren Kampfe hielt J. im Orte aus, an den gefährdesten Punkten eingreifend, überall ordnend, anfeuernd, belebend. — Im Augenblick der höchsten Noth, als der Feind schon den Eingang erzwang, warf J., den Degen in der Faust, an der Spitze kleiner Abtheilungen Pionniere und zusammengeraffter Leute, die Piemontesen wieder aus dem Ort und wußte ihn zähe und hartnäckig zu behaupten. An diesem Tag erwarb er seines Vaterlandes höchsten Ehrenschmuck, das Maria Theresienkreuz und damit später den Freiherrenstand. — Im Feldzuge 1849 war J. gleichfalls der Brigade Fürst Liechtenstein zugewiesen und beiheiligte sich in gleich ruhmreicher Weise an den Gefechten bei Gravellone am 20., der Schlacht bei Mortara am 21. und bei Novara am 23. März, ferner an der Expedition nach Toscana mit dem Angriffe auf Livorno am 10. und 11. Mai, endlich an der Exedition in die Romagna, namentlich an der Verfolgung der Garibaldi'schen Banden in den Monaten Juni, Juli und August. — Noch im selben Jahre rückte J. zum Major im Generalstabe vor. Vom November 1849 bis Juli 1852 war J. als Generalstabschef der k. k. Occupationstruppen in Toscana und als Präses der bestandenen Liquidirungscommission verwendet. Im August 1852 zum Generalstabschef des im Römischen und im Toscanischen stehenden k. k. 8. Corps ernannt, rückte J. zu Anfang des Jahres 1854 zum Oberstlieutenant im Generalstabe vor und wurde Anfangs 1857 Oberst und Commandant des Kaiser Franz Josef 1. Infanterieregiments; als solcher wohnte er dem Beginne des Feldzuges 1859, den das Regiment in der Truppendivision Reischach mitmachte, bei. Nach dem Uebergange über den Ticino streifte J. mit zwei Bataillonen seines Regiments, einer Husarenescadron und einigen Raketengeschützen am 7. und 8. Mai über Biella gegen Ivrea, zwei Tagmärsche von Turin, bis ihn bei der eingetretenen rückgängigen Bewegung der Armee höherer Befehl zurückrief. Nach dem 15. Mai war J. als Generalstabschef bei dem in Südtirol aufgestellten selbständigen 6. Armeecorps in Verwendung und wurde im December 1859 zum Generalstabschef der zweiten Armee im lombardisch-venetianischen Königreiche ernannt, im J. 1861 außer der Rangstour zum Generalmajor in dieser Anstellung befördert. Nach einer im J. 1862 ergangenen Allerhöchsten Anordnung hatte das neu erbaute Werk auf der Höhe von St. Venerio bei Montorio nächst Verona den Namen „John“ zu führen. In seiner damaligen Stellung, in einer Zeit fast steter Kriegsbereitschaft, fand der Generalstabschef überreiche, wenn auch weniger das öffentliche Interesse fesselnde Arbeit. Sie sollte im Feldzuge 1866 ihre Früchte tragen. Bei Beginn dieses Feldzuges war J. als Generalstabschef bei der unter Befehl des Feldmarschalls Erzherzog Albrecht stehenden Südarmee eingetheilt. Selten ist ein Feldzug unter so ungünstigen Chancen begonnen worden, als jener des Jahres 1866 in Italien. Einem numerisch weit überlegenen Feinde mit unzureichenden Kräften gegenübergestellt, mit der Erhaltung und dem Schuhe einer sehr exponirten Provinz, deren Bewohner nicht nur den Truppen feindlich gesinnt waren, sondern welche auch dem Feinde selbst durch die That Vorschub leisteten, fand sich die Heeresleitung der ungenügend ausgerüsteten Südarmee vor einer der schwierigsten Aufgaben. Mit Kühnheit und Geschick wurde die Trennung des Feindes ausgebeutet, um den — wiewol noch immer bedeutend überlegenen — Haupttheil desselben niederzuwerfen und hierdurch jener glänzende Erfolg durch den Sieg bei Custozza am 24. Juni 1866 errungen, welcher diesen Tag zu einem der ruhmreichsten der österreichischen Armee machte. Leider konnten die am 24. Juni errungenen Vortheile nicht weiter ausgenützt werden; das über die Nordarmee in Böhmen hereingebrochene Unheil nöthigte zur Vereinigung dieser und der Südarmee an der Donau, welche letztere mit großer Schnelligkeit dahin abrückte. Erzherzog Albrecht wurde nun zum Oberbefehlshaber der gesammten operirenden Armeen ernannt und J. ihm als Generalstabschef beigegeben, nachdem er zum Feldmarschall-Lieutenant außer der Rangstour befördert worden war. Noch einmal trat die Nothwendigkeit heran, die Südarmee am Isonzo zu vereinigen und den mittlerweile im Venetianischen und in Südtirol vordringenden italienischen Truppen Halt zu gebieten. — Auch diese Concentrirung wurde, Dank der vortrefflichen Verfügungen, rasch und mit Präcision vollzogen und 130 000 Mann binnen 8 Tagen am Isonzo und in Kärnthen vereint. Für die Leistungen im Feldzuge 1866 wurde J. auf einstimmigen Antrag des Ordenskapitels das Commandeurkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens verliehen. Nach dem bald darauf eingetretenen Frieden wurde J. zum Chef des Generalstabes ernannt und mit der Leitung des Kriegsministeriums betraut; einen Monat später wurde er definitiv zum Kriegsminister unter gleichzeitiger Verleihung der geheimen Nathswürde, im Mai 1867 zum lebenslänglichen Mitgliede des Herrenhauses des Reichsrathes und im December 1867 zum Reichs-Kriegsminister ernannt. Im Januar 1868 auf seine Bitte Von dieser Stelle enthoben, wurde ihm in Anerkennung seiner vorzüglichen Dienstleistung das Großkreuz des Leopoldordens verliehen. Nun widmete sich J. ganz der Ausbildung des Generalstabes, bis ihm durch die erfolgte Auflösung dieses Corps auch dieser Wirkungskreis entzogen wurde. Reich geehrt durch die Huld|des Kaisers, übernahm J. das Generalcommando in Steiermark, Kärnthen und Krain, das er bis 1874 führte. Die geänderten Verhältnisse im Heere und zum Theil auch im Lande, die Notwendigkeit, thatsächlich erkannte Mißgriffe zu heilen, machten 1874 die Zurückberufung des mittlerweile zum Feldzeugmeister beförderten Freiherrn v. J. unerläßlich. Abermals zum Chef des Generalstabes ernannt, entwickelte er, unsägliche Schwierigkeiten mit unermüdeter Geduld und Aufopferung überwindend, eine wahrhaft segensreiche Thätigkeit. Seinem Einflüsse gelang die Beseitigung von Institutionen, die dem guten Geiste des Heeres gefährlich zu werden drohten. Er schuf aufs Neue einen Generalstab, der unter solcher Leitung berufen schien Hervorragendes zu leisten, und es gelang J., dem Ganzen, nach den Erschütterungen der Reorganisation, mehr und mehr die alte vertrauenerweckende Festigkeit wiederzugeben. Da machte unerwartet plötzlich eine Herzlähmung, die ihn auf dem Wege in seine Bureau's überfiel, dem Leben des anscheinend so kräftigen Mannes ein Ende. Die Geschichte wird John's Namen treu bewahren und indem sie des „Erzherzogs“ Albrecht Namen verzeichnet, wird sie auch des scharfen Denkers, des eifrigen Berathers nicht vergessen.

  • Autor/in

    K. A.
  • Empfohlene Zitierweise

    A., K., "John, Franz Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 14 (1881), S. 485-488 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117654981.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA