Lebensdaten
1649 bis 1730
Geburtsort
Gestorf bei Hannover
Sterbeort
Hannover
Beruf/Funktion
hannoverischer Staatsmann
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 136223044 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ilten, Jobst Hermann von

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Zitierweise

Ilten, Jobst Hermann von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136223044.html [15.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Georg (1609–74), auf G., S d. Heinrich Burchard, auf G., u. d. Elisabeth Roland v. Sandfort;
    M Anna Margarethe (1623–99), T d. Joh. Bock v. Wülfingen, auf Bockerode, u. d. Elisabeth v. Lathausen;
    Wedesbüttel 1682 Hedwig Lucia (1649–1727), T d. braunschw.-lüneburg. Großvogts Thomas Grote ( 1657) u. d. Bertha v. Ahlefeldt; Schwager Otto Frhr. Grote zu Schauen ( 1693), braunschw.-lüneburg. Staatsmann (s. NDB VII);
    3 S, 2 T, u. a. Ernst August (1683–1740), hannov. Hofrichter, Thomas Eberhard (1685–1757), hannov. Gen.kriegskommissar, Joh. Georg (1688–1749), hannov. Gen.-Lt.

  • Leben

    Obwohl Protestant, wurde I. bei den Jesuiten in Hildesheim erzogen. Ohne Studium oder die übliche Bildungsreise begann er seine Laufbahn 1667 zunächst als Offizier, anfangs in franz., dann in hannov. Diensten. Als Major wurde er, offenbar begünstigt durch seine Verschwägerung mit dem Minister Otto Grote, 1682 Flügeladjutant des Hzg. Ernst August, den er fortan auf allen Reisen und Feldzügen begleitete. Bei der Schlichtung der Streitigkeiten (1687), die die Kommandeure der in Griechenland im Türkenkrieg eingesetzten hannov. Truppen untereinander und mit den Venezianern hatten, bewies I. soviel Verhandlungsgeschick, daß der Herzog sich entschloß, ihn, der inzwischen als Kriegsrat in den Zivildienst übergegangen war, als Diplomaten zu verwenden. 1691-96 war er Gesandter in Dresden. Er trug viel dazu bei, Kursachsen für die Unterstützung des hannov. Elektorats zu gewinnen und den Groll Augusts des Starken über die Ermordung seines Generals Phil. Christoph Gf. Königsmarck in Hannover (1694) sowie über die Annexion von Sachsen-Lauenburg durch die Welfen zu beschwichtigen.

    Auch in Berlin, wo er Hannover mit Unterbrechungen 1697-1707 vertrat, bestand I.s erfolgreich gelöste Hauptaufgabe im Abfangen von Spannungen, die trotz der nahen Verwandtschaft der Herrscherhäuser immer wieder zwischen den beiden Höfen entstanden. Maßgeblichen Anteil hatte er an den Verhandlungen, die 1706 zu der Ehe Friedrich Wilhelms (I.) mit Sophie Dorothea von Hannover führten. – Auf I.s Ansuchen rief Kf. Georg Ludwig ihn nach Hannover zurück und verwendete ihn von 1708 an in der Kriegskanzlei als Geh. Kriegsrat, nach der Besteigung des engl. Throns (1714) als Mitglied des daheimgelassenen Geh. Rates. Doch bekam I. erst 1717 die förmliche Bestallung als Minister. 1728 wurde er noch Chef der Kriegskanzlei. – Über seine letzten Lebensjahre liegen nur spärliche Nachrichten vor. Mit H. K. v. Bothmer, Bodo v. Oberg, den beiden Freiherren v. Schütz und einigen anderen gehört I. zu den befähigten Diplomaten, die neben den leitenden Staatsmännern Bernstorff, Grote und Platen den Weg des Hauses Hannover zum Kurhut und zur engl. Krone bahnen halfen.

  • Literatur

    ADB VIII;
    E. Bodemann, J. H. v. I., in: Zs. d. Hist. Ver. f. Niedersachsen, 1879 (auch als Buch);
    E. v. Meier, Hannov. Vfg.- u. Verwaltungsgesch., 2 Bde., 1898 f., bes. II, S. 134, 185;
    G. Schnath, Gesch. Hannovers 1674-1714 I, 1938;
    C. Hinrichs, Friedrich Wilhelm I. Kg. in Preußen, 1941 (beruht weitgehend auf I.s Berr. v. Berliner Hofe);
    E. Rosendahl, in: Heimatland, Zs. d. Heimatbundes Niedersachsen, 1950, Sept., S. 16 (bezeichnet ohne Beweisführung 1650 statt 1649 als Geburtsj.);
    J. Lampe, Aristokratie, Hofadel u. Staatspatriziat in Kurhannover 1714–60, 1963, bes. II, S. 272 (Ahnentafel). |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Landesbibl. u. Hauptstaatsarchiv Hannover.

  • Autor/in

    Georg Schnath
  • Empfohlene Zitierweise

    Schnath, Georg, "Ilten, Jobst Hermann von" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 143 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136223044.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Ilten: Jobst Hermann von J., kurfürstlich braunschweigisch-lüneburgischer Staatsminister, wurde im J. 1649 auf dem väterlichen Gute Gestorf im Fürstenthume Calenberg geboren und, wiewol lutherisch, aus Sparsamkeitsrücksichten bei den Jesuiten in Hildesheim erzogen. Nachdem er am detmolder Hofe Page gewesen, ging er 1667 in französische Kriegsdienste, machte die Feldzüge von 1672—74 in den Niederlanden mit und kehrte dann, da er wenig Aussicht hatte in Frankreich eine Compagnie zu erhalten, nach Hannover zurück. Er fand als Capitän-Lieutenant im „neuen blauen Regiment“ Anstellung, mußte aber bald flüchten, weil er einen Höfling, mit welchem er Streit bekommen, tödtlich verwundet hatte. Bischof Ernst August von Osnabrück nahm ihn auf. Als dieser 1679 in Hannover zur Regierung kam, kehrte J. mit ihm dahin zurück und fand nun rasche Beförderung, wobei ihm seine Verheirathung mit des vielvermögenden Ministers Otto Grote Schwester wesentlich zu statten kam. Bald wurde er mehr zu administrativen und diplomatischen, als zu militärischen Geschäften verwendet; 1687 ward er nach Zante geschickt, um die Streitigkeiten beizulegen, in welche die Führer der im Solde Venedigs gegen die Türken fechtenden hannoverschen Truppen mit der Republik und unter einander gerathen waren, und im folgenden Jahre leitete er als Marschcommissar den Rückmarsch dieser Truppen von der Adria in die Heimath. Das Geschick, welches er bei diesen Gelegenheiten an den Tag gelegt hatte, veranlaßte seine Ernennung zum Kriegsrath und zum „Inspektor der Truppen“, eine Stellung, in welcher ihm die Sorge für Ergänzung und Unterhalt der letzteren oblag. Als solcher wohnte er den Feldzügen von 1688 und 1689 am Rhein gegen die Franzosen bei. Dann trat er für eine Reihe von Jahren ganz in die Dienste der Diplomatie seines Heimathlandes, deren Hauptstreben damals dahin ging, dem hannoverschen Herzogshause den Kurhut zu verschaffen. Ernst August glaubte, sowol wegen der Machtstellung seines Landes, dessen Vergrößerung durch den Anfall der celleschen Besitzungen bevorstand, als wegen der politischen und militärischen Dienste, die er und seine Familie dem Kaiser geleistet hatten, gegründeten Anspruch darauf zu haben und plante, als man in Wien Schwierigkeiten machte, um einen Druck auszuüben, einen Neutralitätsvertrag mit Brandenburg und Sachsen, welcher|den Kaiser für den Krieg mit Frankreich einer sehr wesentlichen Hülfe beraubt haben würde. Um den Kurfürsten von Sachsen für das Projekt zu gewinnen, gingen J. und sein Schwager Grote nach Dresden und als letzterer, nachdem dieser erste Theil des Anschlages geglückt war, nach Wien weiterreiste, wo der Kaiser, aus Furcht die Truppen zu verlieren, sich alsbald willfährig zeigte, blieb Ersterer zurück, um die Anerkennung der neuen Würde seitens des sächsischen Hofes zu betreiben. Er hatte Erfolg: am 28. Septbr. 1692 wurde er als kurfürstlicher Gesandter empfangen. Damit war man aber noch nicht am Ziele, vielmehr hatte J. bis zu Ende seines bis zum J. 1696 dauernden Aufenthaltes in Dresden unausgesetzt mit den Schwierigkeiten zu kämpfen, welche sich der erst 1708 erfolgten Einführung seines Herrn in das Kurfürstencollegium entgegenstellten; er hatte ferner die Verwickelungen zu lösen, die aus dem in der Nacht vom 1. zum 2. Septbr. 1694 zu Hannover stattgehabten Verschwinden Königmark's, welcher sächsischer General war, hervorgingen und hatte die Verhandlungen um die Erbfolge in Sachsen-Lauenburg zu führen, deren Abschluß das Jahr darauf durch seinen Nachfolger bewirkt wurde. Die Bemühungen in der Kurfache hatte er in Berlin weiter zu verfolgen, wo er von 1697—1708 mit verschiedenen Unterbrechungen als Gesandter fungirte; hier bekämpfte er auch mit Glück die Anstrengungen, welche nach Herzog Ernst Augusts im J. 1698 erfolgtem Tode von den nachgeborenen Prinzen des hannoverschen Hauses gemacht wurden, um Brandenburgs Beistand zum Umsturz des Gesetzes der Primogenitur zu erlangen, und wußte, in Uebereinstimmung mit seinem Freunde Paul von Fuchs, während des spanischen Erbfolgekrieges das gute Einvernehmen mit Brandenburg zu erhalten. Ferner schloß er am 7. Novbr. 1699 den Ver-Lüneburg und der Altmark ausgeglichen wurden und endlich war er bei der im J. 1706 stattfindenden Verlobung der hannoverschen Prinzessin Sophie Dorothea mit dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm hervorragend thätig. Damit endete seine diplomatische Laufbahn. Auf sein Ansuchen 1708 von Berlin abberufen, nahm er seine Thätigkeit in der Kriegskanzlei, deren Präsident er 1728 wurde, wieder auf, ward 1714, als Kurfürst Georg Ludwig nach England ging, um den britischen Königsthron zu besteigen, zum Staatsminister ernannt und starb zu Hannover am 27. Juni 1730.

    • Literatur

      Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen, Jahrgang 1879, Hannover 1879.

  • Autor/in

    Poten.
  • Empfohlene Zitierweise

    Poten, Bernhard von, "Ilten, Jobst Hermann von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 14 (1881), S. 35-36 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136223044.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA