Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Augsburger Patrizier ; Kaufleute ; kaiserliche Beamte
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 139941045 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Illsung
  • Ylsing
  • Ilsung zu Tratzberg
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Zitierweise

Ilsung, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139941045.html [14.07.2020].

CC0

  • Leben

    Die I. gehören zu den ältesten Geschlechtern der Reichsstadt Augsburg, zu den „I. auf dem Stein“ die Brüder Hans ( um 1333), Ulrich ( 1364/65) und Konrad ( 1341), die in der 1. Hälfte des 14. Jh. mehrfach die Würde eines Stadtpflegers, des höchsten Amtes der Stadt, bekleideten. Catharina stellte 1387 ihr großes Vermögen für eine Stiftung zur Feier der Fronleichnamsprozession beim Augsburger Dom zur Verfügung. Das um 1241 von Reichardt erbaute Stammhaus auf dem Stein mit der Leonhardskapelle ging durch Kauf 1422 in den Besitz der Welser über. Nur der 1.-Stamm bei St. Johanns im Steuerviertel „Vom Künolt“ lebte bis zum 19. Jh. fort. Von ihm gelangten in der 2. Hälfte des 14. und im 1. Viertel des 15. Jh. Conrad ( 1378), sein Sohn Hans ( um 1406) und sein Enkel Sebastian ( 1425) mehrfach zur Würde des Stadtpflegers bzw. Bürgermeisters. Sebastian hatte sich als erstes Mitglied in der Familie in größerem Umfange am Italienhandel (besonders Venedig) beteiligt und durch seine diplomatische Tätigkeit um die Stadt und das Bistum Augsburg, vor allem während des Streites 1413-24 zwischen Anselm v. Nenningen und Peter v. Schaumberg um den Augsburger Bischofsstuhl, große Verdienste erworben. 1395 soll er mit Hzg. Albrecht von Österreich eine Reise in das Hl. Land angetreten haben. Nach einem Erbstreit wurde er von Peter Rehlinger erstochen. Conrads Enkel Georg ( 1427) darf als Stifter der ehemaligen Ilsungkapelle neben der Drei-Königs-Kapelle gelten. Er erwarb 1419 ein Anwesen beim Weberhaus, das für Jahrhunderte zum Stammsitz seiner Nachfahren wurde. Sebastians Enkel, Dr. decr. Sebastian ( n. 1522), war zunächst Rat des Fürstbischofs von Bamberg, später der bayer. Herzöge. Zeitweise hatte er das Amt des Bundesrichters des Schwäb. Bundes inne. 1513/14 setzte er sich mit seiner Schrift „Consultatio“, wie Eck, leidenschaftlich für die Legalisierung eines Zinssatzes von 5 % ein. Da die I. zu keiner Zeit eine reiche Handelsfamilie waren, sondern vielfach von Grundzinsen lebten, waren sie gezwungen, Fürstendienste anzunehmen. Diese Entwicklung wurde durch den Sieg der Reformation in Augsburg wesentlich verschärft, da die I. Anhänger der kath. Kirche blieben. Nach dem Siege der kath. Ratsmehrheit wurde erstmals wieder ein I., Christoph (s. 1), zum Stadtpfleger erwählt. Während von nun an bis fast an das Ende der Reichsstadtzeit ein oder mehrere Mitglieder der Familie im Geheimen Rate saßen, erlangte nur noch Johann Melchior in der Zeit von 1688-95 die Würde eines Stadtpflegers.

  • Literatur

    ADB 14;
    J. Sauerzapf, Baier. Adelsgeschlechter, um 1585 (Hs. im Stadtarchiv Augsburg): Prasch, Epitaphia Augustana, 1626;
    D. Langenmantel, Hist. d. Regiments in d. Hl. Röm. Reichs Stadt Augsburg, 1725;
    P. v. Stetten, Gesch. d. Hl. Röm. Reichs Freyen Stadt Augsburg. 1743;
    P. v. Stetten d. J., Gesch. d. adligen Geschlechter in d. freyen Reichsstadt Augsburg, 1763;
    Ch. Meyer, UB d. Stadt Augsburg, 1878;
    Chron. d. Stadt Augsburg I-III, 1865, S. 66, 92;
    G. Ferchl. Bayer. Behörden u. Beamte 1550-1804, in: Oberbayer. Archiv 53, 1908;
    A. Werner, Stammtafeln Augsburger Familien, 1912 (Hs. im Stadtarchiv Augsburg);
    J. Strieder, Zur Genesis d. modernen Kapitalismus, 21935;
    A. Haemmerle, Die Hochzeitsbücher d. Augsburger Bürger- u. Kaufleutestube b. z. Ende d. Reichsfreiheit, 1936;
    ders., Die Leibgedingsbücher d. Freien Reichsstadt Augsburg 1330-1500, 1958;
    R. Hipper, Die Urkk. d. Reichsstiftes St. Ulrich u. Afra in Augsburg, 1023–1440, 1956;
    W. E. Vock, Die Urkk. d. Hochstiftes Augsburg, 769-1420, 1959;
    E. Zimmermann, Augsburger Zeichen u. Wappen. (Bildbd.), 1970 (dazu Text-Ms. im Stadtarchiv Augsburg);
    F. Zoepfl, Gesch. d. Bistums Augsburg II, 1969;
    W. Zorn, Augsburg. Gesch. e. dt. Stadt, 21972. |

  • Quellen

    Qu.: Stadtarchiv Augsburg, Urkk., Steuerbücher 1346-1717, Ämterbücher, Ratsprotokolle.

  • Autor/in

    Friedrich Blendinger
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Blendinger, Friedrich, "Ilsung" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 141 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139941045.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Ilsung. Das Geschlecht der J. gehört zu den ältesten Familien der Reichsstadt Augsburg und wird schon unter den Hohenstaufen urkundlich erwähnt. Sie verstanden es frühzeitig sich großes Vermögen zu erwerben und gelangten dadurch bald zu Ehren und Ansehen nicht blos innerhalb der Stadt, sondern auch bei den Kaisern, denen sie sich durch hervorragende, selbst freiwillige Kriegsdienste so zu verpflichten wußten, daß sie mit den weitgehendsten Privilegien von ihnen beschenkt wurden.

    Im 15. Jahrhundert zeichnete sich Sebastian J. durch seine Geschäftsgewandtheit in hohem Grade aus. Häufig führte er das Bürgermeisteramt und wurde vom Rathe der Stadt zu diplomatischen Sendungen an verschiedene Reichsstände und sogar an den Kaiser Sigismund verwendet. Eine hervorragende Rolle spielte er in dem Augsburger Bischofsstreit (1413—1424), in welchem er die Aufträge des Raths mit Klugheit ausführte und das Recht der Stadt mit Standhaftigkeit verfocht, als er, nach München an den bairischen Hof, nach Heidelberg, nach Rottweil und Preßburg zum Kaiser, nach Ulm zu den Städten und nach Constanz zum Papst abgeordnet wurde. Seiner Geschicklichkeit war es wol in der Hauptsache zuzuschreiben, daß endlich im J. 1424 dieser Streit in einem für Augsburg günstigen Sinn beendigt wurde, indem der Papst Martin dem Prätendenten Nenniger die bischöfliche Würde ab- und dem Peter von Schaumburg zusprach. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat dieser J. in Begleitung des Herzogs Albrecht von Oesterreich im J. 1395 die Reise ins heilige Land mitgemacht. Im J. 1424 wurde er auf einer Jagd nach einem geringen Wortwechsel in der Nähe der Stadt von Peter Rehlinger mit dem Schwert erstochen.

    Noch ist im 15. Jahrhundert ein anderer Sebastian J., wahrscheinlich ein Enkel des Bruders des eben erwähnten J., bekannt durch seine Dienste, die er dem Herzog Albrecht leistete, und wegen einer Reise an die heiligen Orte in Spanien, wovon er eine Beschreibung hinterlassen hat.

    Im 16. Jahrhundert, als die Reformation die Bewohner Augsburgs in zwei Lager schied, verblieben die J., wie viele der vornehmsten Geschlechter und Familien der Stadt, in der alten Kirche. Dadurch erwarben sie sich hohe Gunst und großes Vertrauen bei den Habsburgern, welche sie in der Folge mit reichen Ehren und Würden belohnten. So wurde Georg J., genannt v. Tratzberg, Ritter und kaiserlicher Rath bei Karl V., Ferdinand I., Maximilian II. und Rudolf II. und im J. 1550 übertrug ihm der König Ferdinand auch das|Amt eines Landvogts von Schwaben und von Neuburg am Rhein, eine Auszeichnung, welche in Augsburg großes Auffehen hervorrief. J. zeigte sich aber auch dankbar und würdig, indem er sich nicht nur im Allgemeinen nach Kräften dienstfertig bewies, sondern dem König Ferdinand und seinen Nachfolgern hauptsächlich in ihren häufigen finanziellen Nöthen erfolgreich Rath und Hülfe zu schaffen wußte: in corrogandis pecuniis plurimam sedulamque operam tum Ferdinando imperatore jam facto tum Maximiliano II semper navavit, sagt Gasser von ihm. Er starb am 4. Septbr. 1580.

    Christoph J., geb. 1533, war der Sohn des 1565 verstorbenen Melchior, welch letzteren der Kaiser Karl V. nach Auflösung des zünftigen Regiments 1548 in den Rath berufen hatte. Ch. war wie sein Vater in den Geschäften der Stadt sehr thätig und legte gleich ihm eine entschieden katholische Gesinnung und Anhänglichkeit an die Habsburger an den Tag. Gleich nach seiner Berufung (1565) in den Rath, als der Kaiser einen Reichstag für den 14. Januar 1566 nach Augsburg ausgeschrieben hatte, wurde J vom Rath an den kaiserlichen Hof geschickt, um dort „zu Abstellung der Beschwerden (halb) so sich furirens und anders halb in den Reichstegen haben zuetragen“ vorsorglich zu wirken. Als der Kaiser feierlich in Augsburg eingezogen war und dem Rath eine Audienz bewilligte, wurde wieder J. mit drei andern hiefür ausersehen. Auf diesem Reichstag wurde eine neue Türkenhilfe von den Ständen bewilligt. Da hierzu der Cardinal und Bischof Otto von Augsburg auch Unterthanen und Hintersassen von Augsburger Bürgern und Stiftungen, welche in seinen Gerichten ansässig waren, heranziehen wollte, so wurde J. mit mehreren vom Rathe nach Dillingen abgeordnet, um den Bischof von seinem rechtswidrigen Unternehmen abzubringen und zugleich jene Unterthanen vor der Erlegung der Steuer zu warnen. Eine gleiche Irrung mit dem Bischof fand 1577 statt, zu deren Beilegung abermals J. mitverordnet wurde. Es kam durch seine Bemühung ein Vergleich zwischen den streitenden Parteien zu Stande. 1569 wurde er auf den Tag bei dem Landsbergischen Bunde abgesandt, ebenso 1576. Als 1584 der leidige Kalenderstreit in Augsburg die Gemüther erhitzte und wegen des Predigers Dr. Mylius, der die Evangelischen aufhetzte, die Bürgerschaft sich in wüstem Streit mit einander befand, war J. im Auftrag des Rathes sehr thätig diese Streitsache beizulegen und einen Vergleich zwischen beiden Religionsparteien, der freilich nicht lange anhielt, herbeizuführen. 1591 hatten sich wegen des Lechablasses Mißhelligkeiten mit den bairischen Beamten ergeben; um diese für die Stadt und ihr Gewerbe höchst wichtige Frage zu einem günstigen Austrag zu bringen, wurde er nebst zwei anderen an den bairischen Hof abgesandt. Unermüdlich wirkte er im öffentlichen Dienst bis an sein Ende, das 1594 erfolgte.

    Johann Achilles J. Das gleiche Vertrauen belohnt mit denselben Ehrenstellen, welches Georg J. bei den Kaisern aus dem Habsburger Haus genossen hatte, ging auch auf andere Glieder dieses Augsburger Geschlechts über. J. erwarb sich ebenfalls die Gunst des Kaisers Maximilian II., der ihn wegen seiner Fähigkeiten und Kenntnisse zusammen mit Dr. Timotheus Jung, auch einem Augsburger, zum Rath ernannte und in seiner Umgebung behielt. Häufig übertrug er ihm die Geschäfte eines Gesandten, so besonders 1567, wo er in Lübeck zwischen Dänemark und Schweden Frieden zu stiften sich bemühen sollte. So sehr schloß sich J. an seine Herren im Laufe der Jahre an, daß er den allgemein für unpatriotisch erachteten Schritt that, das Bürgerrecht seiner Vaterstadt von freien Stücken aufzugeben (1577). Der kaiserliche Dienst ging ihm über Alles. Mit unleugbarem Geschick und Erfolg sieht man ihn als Schiedsrichter in mancherlei Streitigkeiten wirken, was die Kaiser Maximilian II. und|Rudolph II. sehr anerkannten. Aber auch das finanzielle Talent, welches augenscheinlich der Ilsung'schen Familie in hohem Grad zu eigen war, besaß er; denn neben der Würde eines Landvogts in Schwaben und zu Neuburg am Rhein bekleidete er noch das Amt eines Reichspfennigmeisters. Er starb am 11. März 1609.

    Hans Felix J., seit 1617 im Rath der Stadt Augsburg, zeigte ebenfalls besonderes Verständniß im Finanz- und Münzwesen und wurde häufig in diesen Angelegenheiten verwendet, so z. B. in dem Vergleich des Matthäus Welser mit seinen Gläubigern und auf mehreren Münzprobationstagen zu Nürnberg und Regensburg in den Jahren 1629—31. Im J. 1632 wurde er auf Befehl Gustav Adolphs mit seinen katholischen Genossen, worunter auch ein anderer Ilsung, Christoph mit Namen, des Raths entsetzt, bis er am 25. April 1635 mit jenen auf kaiserlichen Befehl wieder in seine Würde eingesetzt wurde. Er hing mit derselben Entschiedenheit an der katholischen Kirche wie am Habsburger Haus und wirkte häufig im öffentlichen Auftrag als Schiedsrichter in den Streitigkeiten und Irrungen der beiden Religionsparteien. Im Jahr 1645 starb er.

    • Literatur

      Deutsche Städtechroniken. Bd. I und II. P. v. Stetten, Geschichte der Stadt Augsburg. P. v. Stetten jun., Lebensbeschreibungen, II. Bd. Rathsprotololle. Gasser's Annalen von Augsburg. Prasch, Epitaphia, August. Vind. 1626.

  • Autor/in

    Wilhelm , Vogt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Vogt, Wilhelm, "Ilsung" in: Allgemeine Deutsche Biographie 14 (1881), S. 33-35 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139941045.html#adbcontent

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