Lebensdaten
1705 bis 1779
Geburtsort
Innsbruck
Sterbeort
Innsbruck
Beruf/Funktion
österreichischer Staatsmann ; Kanzler von Tirol
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 13763370X | OGND | VIAF: 81800328
Namensvarianten
  • Hormayr, Josef Ignaz Veit Freiherr von
  • Hormayr, Josef Freiherr von
  • Hormayr, Josef Ignaz Veit Freiherr von
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Zitierweise

Hormayr, Josef Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13763370X.html [27.11.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Anton Rochus ( 1710), Kammerrat in Graz, dann oberösterr. Regierungsrat, S d. Hofkammerrats Laurenz (Adel 1682) u. d. Katharina Jordan;
    M Christina ( 1707), T d. Dr. med. Franz Stockhammer v. Bernstein (Reichsadel 1701, 1721), kaiserl. Leibmedikus, u. d. Anna v. Wenighofen;
    Ur-Gvv Rochus Jordan, Leibarzt Kaiser Leopolds I.;
    - 1) Bozen 1729 Elisabeth Giovanelli v. Gerstburg ( 1751), 2) Apollonia v. Papius; K; E Josef (s. 2).

  • Leben

    H., der schon mit 5 Jahren Vollwaise war, absolvierte seine juridischen Studien in Innsbruck. Als Begleiter seines Gönners, Johann Christoph Freiherr von Bartenstein, durchreiste er Österreich und kam in Verbindung mit Martin Gerbert. 1724 trat H. in den kaiserlich (und) königlich Dienst in Innsbruck ein und wurde als Oberamtsrat und später als wirklicher Landvogt nach Schwäbischösterreich geschickt. Dort gelang ihm die Beilegung der Differenzen mit den Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen. 1735 kam H. als oberösterr. Regierungsrat nach Innsbruck. Durch intensive Studien während seiner ersten Dienstjahre erwarb er sich große Fachkenntnisse, die ihn befähigten, nach dem Tod Karls VI. in wissenschaftlich fundierten anonymen Streitschriften zur Verteidigung der Pragmatischen Sanktion aufzutreten und zu verschiedenen anderen Rechtsfragen Stellung zu nehmen. H.s Interessen galten daneben insbesondere der Kunst und Wissenschaft. Er förderte die Maler Troger, Faistenberger, Grasmayr, den älteren Unterberger und Joseph Schöpf. Er erkannte als einer der ersten die Begabung Peter Anichs, ermunterte die beiden Fontana und Scopoli bei ihren naturkundlichen Arbeiten, unterstützte Hieronymus Tartarotti in seinem Kampf gegen den Aberglauben und interessierte J. von Spergs für die vaterländische Geschichte. Seine mehrere 1000 Stück umfassende private Sammlung ungedruckter Urkunden stellte er zum Teil Maffei und Muratori zur Verfügung.

    H. besaß das besondere Vertrauen der Kaiserin Maria Theresia, die ihm die wichtigsten organisatorischen Aufgaben in Tirol übertrug, ihn in den großen Fragen der Gesetzgebung zu Rate zog und ihn schließlich 1759 zum Kanzler von Tirol und zum Geheimen Rat ernannte. Schon 1724 war er – als einer der ersten – in Regensburg öffentlich für die Abschaffung der Folter, gegen den Hexenglauben und die Güterkonfiskation eingetreten. Auch bei den Sitzungen zur Schaffung eines neuen bürgerlichen Gesetzbuches in Brünn, wohin ihn Maria Theresia 1753 berufen hatte, war er – abermals erfolglos – für diese Ideen eingetreten. Als 1774 der Wiener Hof Stellungnahmen zu diesen Fragen verlangte, war die Tiroler Regierung die einzige in den Erbländern, die sich in ihrem von H. verfaßten Gutachten vollständig mit den Bestrebungen von Sonnenfels identifizierte und für die unbedingte Abschaffung der Folter eintrat. – In Anerkennung seiner Leistungen und Bestrebungen nahm Maria Theresia H. unter die ersten Ritter des Sankt Stephansordens auf.

  • Literatur

    ADB 13;
    Biogr. Züge a. d. Leben dt. Männer, hrsg. v. J. C. H. Merian, I, 1815, S. 4-6;
    R. v. Granichstaedten, Die Kanzler v. Tirol, in: Tiroler Heimatbll. 15, 1937, S. 289;
    O. Stolz, dass., ebd. 16, 1938, S. 3-11, bes. S. 8;
    N. Grass, Die „Academia Taxiana“, in: Forschungen z. Gesch. d. Univ. Innsbruck I (im Druck);
    Ersch-Gruber II, 10;
    Wurzbach IX;
    E. Zlabinger, L, A. Muratori u. Österreich, 1970, S. 137 ff.

  • Autor/in

    Nikolaus Grass
  • Empfohlene Zitierweise

    Grass, Nikolaus, "Hormayr, Josef Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 625 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13763370X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hormayr: Josef Ignaz Veit Freiherr v. H. war am 16. Mai 1705 zu Innsbruck geboren. Die Hormayr's, wahrscheinlich baierischen Ursprungs, gehören zu den jüngeren tirolischen Adelsgeschlechtern, da erst Sebastian v. H., Oberschiffmeister zu Hall, am 24. Febr. 1665 vom damaligen Landesfürsten, Erzherzog Sigmund Franz, einen Wappenbrief erhielt, doch blühte das Geschlecht sehr rasch empor. Schon Sebastians Sohn, Lorenz, oberösterreichischer Kammerrath, wurde am 22. März 1682 von Kaiser Leopold I. in den reichsständischen Adelstand erhoben, mit dem Prädicate Hortenburg nach einer befreiten Behausung zu Innsbruck. Dessen Sohn, Anton Rochus, oberösterreichischer Regierungsrath, war unseres Hormayr's Vater, seine Mutter hieß Christine v. Stockhammer. Da Vater und Mutter schon sehr früh starben, wuchs H. in der Familie seines gleichnamigen Oheims auf, der königl. baierischer Rath und Pfleger zu Reichenberg war. Als er seine Studien vollendet hatte, erregte er bei seiner Disputation durch die Wahl seiner Theses Aufsehen, indem er zum großen Entsetzen seiner Lehrer, den Glauben an die Rechtmäßigkeit und Zweckmäßigkeit der Folter zu bekämpfen wagte. Seine erste Praxis nahm er zu Regensburg, Wetzlar und Wien, wobei er durch eifriges Studium seine Kenntnisse sehr erweiterte. Am 18. December 1729 vermählte er sich mit M. A. Elise v. Giovanelli, einem Gliede des nachmals in Tirol so einflußreich gewordenen Geschlechtes. In das Land seiner Väter zurückgekehrt, wurde H. 1705 oberösterreichischer Regierungsrath. Die Regierung war damals die oberste Justiz- und Verwaltungsbehörde des Landes, der jedoch in manchen Fällen der Geheimrath übergeordnet war. Nun setzte er mit Eifer seine juridischen Studien fort und verschaffte sich durch eine umfassende Lectüre in seiner Berufswissenschaft die ausgebreitetsten Kenntnisse; auch sammelte er sehr fleißig ungedruckte Urkunden und häufte so einen Schatz von historischem Material auf, der seinem Enkel, dem bekannten Historiographen, reiche Auslese bot. Sein reiches Wissen veranlaßte ihn wiederholt als publicistischer Schriftsteller, freilich stets anonym, aufzutreten, wie zur Verfechtung der pragmatischen Sanction. H. war aber nicht blos ein sehr tüchtiger Jurist, sondern auch ein großer Freund der alten Classiker und der schönen Künste und Wissenschaften überhaupt. Daher legte er eine große Bibliothek und eine nicht unbeträchtliche Sammlung von Gemälden und Kupferstichen an und lieferte Varianten und Noten zu Cäsar und Claudian; auch trat er mit den berühmteren Gelehrten und Schriftstellern Tirols in regen brieflichen Verkehr, wie mit den beiden Gebrüdern Tartarotti und selbst außerhalb Tirols hatte er gelehrte Freunde und Bekannte. Mehrere Briefe von Muratori und Maffei rühmen seine eifrige Mitwirkung zur Bereicherung der Scriptores rerum italicarum, der Antiquitates Italiae medii aevi, der Antichità Estensi, der Verona illustrata. Durch seine Reise nach Wien erwirkte er die Bestätigung der Societät degli Agiati zu Roveredo, welche bessern Geschmack und geschichtliche Kenntnisse zu verbreiten sich bestrebte und die feingebildeten Männer Südtirols umfaßte. Sein Versuch, einen ähnlichen Cirkel zu Innsbruck zu bilden, mißlang freilich, aber sein reges Interesse für Kunst und Wissenschaft wirkte sehr förderlich auf junge Talente. Als Mitglied der Regierung erwarb sich H. das besondere Vertrauen der Kaiserin Maria Theresia, die ihn mit den schwierigsten Aufgaben betraute. So wurde er auch unter anderem zu den Sessionen über die Compilation eines allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches nach Brünn und Wien berufen. Daher erhielt er im J. 1759 die Stelle eines oberösterreichischen Kanzlers, und als Maria Theresia im J. 1765 bei Gelegenheit ihrer Anwesenheit in Innsbruck mehrere Männer mit Orden auszeichnete, verlieh sie ihm das Ritterkreuz des neu errichteten Stephansordens. Als Kanzler suchte er seine Jugendidee, die Beseitigung der Folter zu verwirklichen und wußte das ganze Collegium mit demselben Geiste zu erfüllen. Als die Hofstellen darüber im J. 1774 ein Gutachten verlangten, dankte die Innsbrucker Stelle für die Freiheit, „jene Gründe vorzutragen, welche ihren lang zurückgehaltenen Wunsch rechtfertigen und den widrigen Vorurtheilen und der strengen Anklebung an einem alten, noch von ungesitteten Zeiten abgeläuterten Rechtsverfahren, vordringend befunden werden dürften“. Das Gutachten war von H. selbst verfaßt und erklärte sich, gegen das Beispiel aller übrigen, für gänzliche und bedingungslose Abschaffung der Folter, wenige Fälle ausgenommen. Die vielen und großen Verdienste, die sich H. als Kanzler erwarb, bewogen die Kaiserin, ihn mit Diplom vom 11. Jan. 1774 in den Freiherrnstand zu erheben. Die Stände Tirols hatten ihn schon am 20. Decbr. 1749 durch Aufnahme in die Matrikel ausgezeichnet. H. diente 50 Jahre und war in den letzten Lebensjahren so geistesfrisch, daß er Sallust's und Horazens Werke meist noch auswendig konnte.|Er starb im 75. Lebensjahre infolge eines Sturzes vom Pferde am 8. August 1779.

    • Literatur

      Tiroler Almanach, 1805, S. 169 ff. Archiv f. Geographie, Geschichte etc., 1815, S. 489; 1817, S. 209. Tiroler Nationalkalender 1826.

  • Autor/in

    Egger.
  • Empfohlene Zitierweise

    Egger, "Hormayr, Josef Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881), S. 129-131 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13763370X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA