Lebensdaten
1745 bis 1822
Geburtsort
Telfs (Tirol)
Sterbeort
Innsbruck
Beruf/Funktion
Historienmaler ; Freskant ; Zeichner
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118795368 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schöpf, Joseph
  • Schöpf, Joseph
  • Schöpf, Josef
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Zitierweise

Schöpf, Joseph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118795368.html [12.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann, Gastwirt u. Krämer in T.;
    M Elisabeth Wackerle ( um 1750);
    6 Geschw;
    1806 Gertr(a)ud Schon(n)er ( 1807), aus Alpbach (Unterinntal); kinderlos; Schwager N. N. Schon(n)er, Pfarrer in Alpbach.

  • Leben

    Eigener Aussage zufolge kam S. nach erstem Schulunterricht imZisterzienserstift Stams bereits 1755 in die Lehre bei dem Innsbrucker Maler Philipp Haller (1698–1772). Danach folgten seit Anfang 1758 Jahre der Wanderschaft mit Aufenthalten in Salzburg, Passau und Wien, bis S. 1765 nach Tirol zurückkehrte und erste Arbeiten im Auftrag der Zisterzienser in Stams ausführte, denen er bis an sein Lebensende persönlich und künstlerisch verbunden blieb. Kurz darauf wurde er Gehilfe Martin Knollers (1725–1804) und assistierte ihm bei dessen Ausmalung der Servitenklosterkirche in Volders (1764–66), in der Klosterkirche Ettal (1769), der Benediktinerabtei Neresheim (1770–75) und im Bürgersaal in München (1773) sowie in der Benediktinerabtei Muri-Gries (1771–74). 1775 ging S. zusammen mit Knoller nach Mailand, wo er durch dessen Vermittlung von der Accademia di Milano ein ksl. Stipendium erhielt, das ihm einen Aufenthalt in Rom ermöglichte. Dort blieb er bis 1783 und zeichnete nach antiken Statuen und Werken von Raphael, den Carracci, Domenichino und Guido Reni; er studierte an der Accademia di San Luca, traf mit den klassizistischen Malern Anton v. Maron, Anton Raphael Mengs und Heinrich Füger zusammen und malte in Genazzano seine ersten selbständigen Fresken (Wallfahrtskirche, Sakristei, 1777) sowie Altargemälde (Christus am Kreuz, Genazzano, Wallfahrtskirche, Sakristei, 1777; Hl. Familie u. Hl. Antonius, Zinggen b. Brixen, 1781/82). Für aristokratische Auftraggeber schuf er in jenen Jahren Historiengemälde biblischen und mythologischen Inhalts, die anfangs unter dem Einfluß von Mengs standen, doch auch bereits die neue Richtung Jean Jacques Davids verarbeiteten.

    Eine Krankheit veranlaßte S. 1783 zur Rückkehr nach Stams, wo er bis zu seinem Tod ansässig blieb und sich wieder der kirchlichen Deckenmalerei zuwandte. 1784 stattete S. die Klosterkirche (heute Pfarrkirche) St. Matthäus in Asbach (Niederbayern) mit Deckenfresken aus, doch erhielt er in der Folgezeit die meisten Aufträge von Kirchen und Abteien aus seiner Heimat (Hochaltar Hll. Jakob u. Alexius. Pfarrkirche in Innsbruck, 1786–89; Deckenfresken u. Hochaltar Taufe Christi, Pfarrkirche in St. Johann im Ahrntal, 1786/87; Deckenfresko Heiligblutkapelle in Stams, 1800/01; Deckenfresken Servitenkirche in Innsbruck, 1818–20).

    S. ist neben Knoller der letzte bedeutende Vertreter der kirchlichen Altar- und Deckenmalerei des Spätbarock in Tirol. Obwohl er als Schüler Knollers ähnlich wie dieser in der expressiven Tradition der spätbarocken Malerei in Österreich verwurzelt ist, sind v. a. seine Altargemälde durch seine lange röm. Schulung von klassizistischen Einflüssen geprägt. S. bevorzugte eine kühlere Farbigkeit sowie ausgewogene und klare Kompositionen bei gleichzeitiger Vernachlässigung barocker Pathetik und Dramatik, die angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen im Josephinismus und der damit verbundenen kirchlichen Reformen nicht mehr gefragt waren. S.s Werk ist ein typisches Beispiel für den Stilwandel um 1800, als der Übergang vom Spätbarock zum Klassizismus vollzogen wurde.

  • Auszeichnungen

    Gedenktafel in d. Johanneskirche am Innrain in Innsbruck; Marmorbüste v. Alois Gapp, 1875, mit Gedenktafel am Geburtshaus in Telfs (Haus Untermarktstr. 19).

  • Werke

    Weitere W Deckenfresken Pfarrkirche Kaltern, 1792/93;
    Deckenfresken u. Hochaltar Hl. Martin, Pfarrkirche in Brixen im Tale, 1795/96;
    Deckenfresken St. Peter in Villnöß, 1798;
    Deckenfresken Pfarrkirche Reith im Alpbachtal, 1805;
    Deckenfresken Pfarrkirche Wattens, 1810;
    – künstler. Nachlaß:
    Ölgem. u. -
    skizzen sowie ca. 2000 Handzeichnungen in Stift Stams, Tirol, sowie Skizzonbuch im Noaflhaus, Telfs.

  • Literatur

    ADB 32;
    B. Hunold, Der Tiroler Maler J. S. u. seine Werke, 1875;
    H. Hammer. J. S. 1745-1822, Mit allg. Studien über d. Stilwandel d. Fresko- u. Tafelmalerei Tirols im 18. Jh., in: Zs. d. Mus. Ferdinandeum Innsbruck 51, 1907, S. 139-338;
    A. Végh, Bedingungen d. österr. Stipendienwesens 1772-1783, Die künstler. Ausbildung e. Romstipendiaten, veranschaulicht an dem Maler J. S., Diss. München 1975;
    F. Bertoncello, J. S., e le sue opere in Alto Adige (1745–1822), 1993 (P);
    M. Koller, Zum Werkprozeß spätbarocker Freskanten, Martin Knoller, J. S.|u. ihr Nachlaß im Stift Stams in Tirol, in: Herbst d. Barock, hg. v. A. Tacke, 1998;
    J. S. in Asbach, Person-Werk-Gesch., 1998;
    K. Wilhelm, Die antiken Statuen aus e. Skizzenbuch d. Tiroler Malers u. Kosmopoliten J. S. (1745-1822) im Noaflhaus zu Telfs, 2005 (P);
    Wurzbach;
    ThB;
    ÖBL;
    BBKL;
    Mitt.
    v. H. Hofer, Gde.Telfs.

  • Portraits

    Porträt v. Anton Raphael Mengs, Öl/Lwd., 1782 (Innsbruck, Tiroler Landesmus., Ferdinandeum), Abb. in: K. Wilhelm, 2005 (s. L), S. 6;
    Selbstbildnis, Öl/Lwd., 1785 (ebd.), Abb. in: F. Bertoncello, 1993 (s. L).

  • Autor/in

    Peter Prange
  • Empfohlene Zitierweise

    Prange, Peter, "Schöpf, Joseph" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 428-428 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118795368.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Schöpf: Joseph S. zählt nächst Knoller zu den gefeiertsten Historienmalern Tirols. Er war, geboren am 2. Februar 1745, das fünfte Kind seines mit Elisabeth Wackerle verheiratheten Vaters, welcher zu Telfs im Oberinnthale eine Wirthschaft besaß. Einen unauslöschlichen Eindruck machte es auf den fünfjährigen Knaben, daß seine geliebte Mutter durch die Unvorsichtigkeit eines auf dem benachbarten Schießplatz hantierenden Schützen ihren plötzlichen Tod fand. Im benachbarten Cistercienserstifte Stams erhielt S. zuerst Lehre und Unterricht, seine Begabung machte sich frühzeitig geltend, denn als der gelehrte Archivar Primißer nach Stams kam und das urkundliche Material für die Geschichte dieser Abtei sammelte, lieferte der kaum zwölfjährige S. schon die zu dieser Arbeit gehörigen Zeichnungen von Grabmälern, Sizilien, Monogrammen u. dgl. Durch Unterstützung des Stiftes gelangte S. 1756 in die Lehre Philipp|Haller's zu Innsbruck und arbeitete dann seit 1762 bei gewöhnlichen Malern in Salzburg, Passau und Wien. Zu seinen frühesten Bildern zählen die Stationen im Pinzgau und ein Fresko im Pfarrhofe zu Kirchberg (Unterinnthal). Bei Leopold II. Beilager zu Innsbruck stand er als Gehülfe dem Theatermaler Cagliari bei. Nach Stams zurückgekehrt 1767 malte er die vom Abt Vigilius erbaute Capelle des Krankenhauses. Neuen Aufschwung nahm seine Kunst durch die Bekanntschaft mit Martin Knoller, welchem er sieben Jahre lang als unzertrennlicher Gehülfe nach Neresheim, Steinach und Gries folgte; ihm hals er auch bei dem Kuppelbilde zu Ettal, im sog. Bürgersaale zu München und im gräflich Taxis'schen Palais zu Innsbruck. Dann ging S. 1776 als kaiserlicher Pensionär nach Rom, wo er jetzt erst Anatomie studirte, nach der Antike zeichnete und Copien nach Raphael und Michelangelo malte; großen Einfluß übte auch das Vorbild und die persönliche Anleitung von Raphael Mengs. Hier fand er sich zurecht und ging fortan seine eigenen Wege. Während S. sein kräftiges und leuchtend Wirkendes Colorit vervollkommnete, strebte er in der Composition nach Einheit der Handlung und geschlossener Darstellung. Zahllose Zeichnungen und Studien, welche mit dem gesammten Nachlaß des Künstlers nach Stams gelangten, können als beredte Zeugen gelten, wie sorgfältig S. mit seinen Compositionen und Farbenskizzen verfuhr. Seine Stoffe wählte er aus der Mythologie, der Geschichte und Religion, auch zog er mit großer Vorliebe die Landschaft der Campagna in sein Bereich, ohne von diesen Skizzen einen selbständigen Gebrauch, außer auf den Hintergründen seiner historischen Gemälde, zu machen. Von da erfreute sich S. eines guten Namens und der Achtung seiner deutschen Landsleute, wie Zauner, Nesselthaler, Rechberg und anderer Zeitgenossen, insbesondere Raphael Mengs, der ihn auf jede Weise wie einen Freund auszeichnete und ihm sein eigenes (jetzt im Ferdinandeum zu Innsbruck befindliches) Pastellportrait verehrte. Nun wurden ihm auch Aufträge für italienische Paläste und Kirchen (insbesondere für Genazzano) angeboten und mit hohen Preisen bezahlt. Lord Bristol lud ihn nach England. Graf Deviller wollte den Künstler für Frankreich gewinnen, S. aber ging nach Tirol zurück 1783, wo ihn ein Ruf, die Benedictiner-Kirche Aschbach (bei Landshut in Baiern) auszumalen, erreichte, wodurch sich sein Ruf — vielgerühmt wurde seine „Verklärung Christi“ — in ganz Deutschland verbreitete. Andere Arbeiten folgten in der Kirche zu Ahrn im Pusterthal (Taufe im Jordan und Predigt des Johannes, wozu später auch noch weitere Altarblätter kamen), zu Bruneck (1789), Kaltern (Tod des hl. Vigilius) 1794, in der Johanniskirche zu Innsbruck. Brixen (1796), zu St. Johann im Unterinnthal (1797), Villnöß (1798), in der hl. Blut-Capelle zu Stams (1801). zu Reith und Wattens (1810) u. s. w. Außer diesen Fresken entstanden viele Altarbilder, z. B. nach Klausen, Stanz, Miemingen, Volders, Schwaz, Kaltern, Wattens, auch schuf S. gerne andere Scenen, wie einen lesenden Dichter Horaz (für Lord Bristol), den vom Pfluge als Dictator abberufenen Cincinnatus (Freiherr v. Kressel in Wien), etliche Dianen-, Magdalenen- und Psyche-Figuren. Auch lieferte der Maistro viele Bildnisse, an welchen jedoch der Mangel der Aehnlichkeit beklagt wurde, da S. mehr in einer Welt von Idealen, als der täglichen Natur zu leben gewohnt war. Doch hinderte ihn dieser Umstand nicht, mit seiner Kunst doch ein sehr beträchtliches Vermögen zu erwerben, welches er später großentheils wieder verlor, wodurch seine edle Absicht vereitelt wurde, eine bleibende Stiftung für jüngere Tiroler Künstler zu gründen. Am 22. Juli 1806 schloß S. eine Ehe, welche nicht glücklich zu werden drohte, aber bald durch den im December 1807 erfolgten Tod seiner Gattin gelöst wurde. Das letzte Werk des Unermüdlichen bildeten die Fresken|in der Servitenkirche zu Innsbruck (1820). Er starb nach langen Leiden an einer Verengung der Speiseröhre am 15. September 1822 zu Innsbruck, wo in der Johanneskirche eine Marmortafel seinen Ruhm verkündet. Seinen ganzen artistischen Nachlaß erbte das Kloster Stams. Im J. 1875 wurde ihm ein Denkmal zu Telfs errichtet mit einer schönen von Alois Gapp in München gemeißelten Büste.

    • Literatur

      Vgl. Nagler 1845, XV, 479 ff. — Wurzbach 1876, XXXI, 188 ff. und die kleine Monographie von Balthasar Hunold. Innsbruck 1875.

  • Autor/in

    Hyac. Holland.
  • Empfohlene Zitierweise

    Holland, Hyacinth, "Schöpf, Joseph" in: Allgemeine Deutsche Biographie 32 (1891), S. 352-354 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118795368.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA