Lebensdaten
1768 – 1827
Geburtsort
Ellrich am Südharz
Sterbeort
Gleiwitz (Oberschlesien)
Beruf/Funktion
Dampfmaschineningenieur ; Ingenieur
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 137629060 | OGND | VIAF: 81796070
Namensvarianten
  • Holzhausen, August Friedrich
  • Holzhausen, August Friedrich Wilhelm
  • Holtzhausen, August Friedrich Wilhelm
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Zitierweise

Holtzhausen, August Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137629060.html [22.06.2024].

CC0

  • Genealogie

    Tarnowitz 1795 Christiane, T d. Kreisphysikus Dr. Zweigel.

  • Biographie

    H. besuchte die Berg- und Maschinenfachschule zu Andreasberg. Von dort aus wurde er 1790 „als ein guter mechanischer Kopf und als ein außerordentlich tüchtiger und sehr fleißiger Mensch“ dem durch den Harz reisenden Direktor des schlesischen Oberbergamtes usnd späteren preußischen Bergwerksminister Friedrich Wilhelm Graf von Reden empfohlen, der den Dampfmaschinenbetrieb in Schlesien einführte. Er veranlaßte, daß H. zum Studium der Dampfmaschine in den Mansfelder Kupferschieferbergbau zu dem Oberbergrat Karl Friedrich Bückling geschickt wurde, der dort 1785 am König-Friedrich-Schacht bei Hettstedt die erste in Deutschland hergestellte Wattsche Dampfmaschine in Gang gesetzt hatte und ihren Dauerbetrieb 1789 durch englische Hilfe sicherstellte. 1792 wurde H. als „Feuermaschinenmeister“ nach Schlesien berufen, wo man 1788 die erste Dampfmaschine in Betrieb genommen hatte und wo ihm zunächst 3 teilweise aus England importierte „Dampfkünste“ zur Wasserhaltung der Bergwerke unterstellt waren.

    Seit 1794, in einer Zeit, als in Oberschlesien die großen Hüttenwerke und ersten Kokshochöfen durch den preußischen Staat errichtet wurden, begann H. unter denkbar schwierigen Umständen, mit rohesten Werkzeugen und ungeschulten Arbeitern selbst Dampfmaschinen zu bauen, die zum unerläßlichen Motor des werdenden schlesischen Industriegebietes wurden. Die Teile der Dampfmaschinen fertigte man zunächst auf der Hütte zu Malapane und später in den 1806 eigens bei der Königlichen Gleiwitzer Hütte angelegten Maschinenwerkstätten, deren Leiter H. 1808 unter gleichzeitiger Ernennung zum Maschineninspektor wurde. Als solcher verdiente er 1811 jährlich 600 Reichstaler (einschließlich Pferdegeld). 1794-1825 entstanden unter H. mehr als 50 Dampfmaschinen mit zusammen etwa 770 PS. Die Leistung der einzelnen Maschinen schwankte zwischen 4 und 75 PS bei Zylinderdurchmessern von 314 bis 1570 mm. Die Baukosten lagen zwischen 500 und 761 Taler je PS. Zunächst baute H. Newcomensche (atmosphärische), später einfach-wirkende Wattsche Dampfmaschinen für Wasserpumpen, schließlich auch doppelt-wirkende Wattsche Maschinen mit Drehbewegung zum Antrieb von Gebläsen, Fördermaschinen und für Gewerbebetriebe.

    Die erste Betriebs-Dampfmaschine in Preußen, eingerichtet in der Berliner Porzellanmanufaktur, stammte von H., ebenso die älteste Dampfmaschine des Ruhrgebietes, bei deren Aufstellung 1801 der Mechaniker Franz Dinnendahl die ersten Anregungen zu seinem eigenen Dampfmaschinenbau erhielt. So wirkte H. befruchtend auf die Entwicklung des gesamten deutschen Maschinenbaus. 1812 bereiste er sämtliche deutschen Bergwerksbetriebe und besichtigte – wie noch einmal 1820 – englische Maschinen in Berlin. 1825 wurde er zum „Maschinen-Direktor“ ernannt, nachdem er bereits 1808 die Aufsicht über alle Dampfmaschinen der Berg- und Hüttenwerke Ober- und Niederschlesiens erhalten hatte.

  • Werke

    Eine Reihe sehr schön gefertigter techn. Zeichnungen u. Pläne bis 1945 im Kartenarchiv d. Oberbergamtes Breslau;
    einige kolorierte Zeichnungen H.scher Dampfmaschinen in München, Sonderslgg. d. Bibl. d. Dt. Mus., abgedr. teilweise u. a. b. C. Matschoß, Die Einführung d. Dampfmaschine in Dtld., in: VDI-Zs. 49, 1905.

  • Literatur

    ADB 50;
    C. Matschoß, A. F. H. u. s. Bedeutung f. d. dt. Maschinenbau, in: Oberschlesien 6, 1907;
    ders., Die Entwicklung d. Dampfmaschine I, 1908, S. 156 u. ö. (P);
    ders., Große Ingenieure, ³1954, S. 97 f. (P);
    J. Kania, H., der Altmeister d. dt. Dampfmaschinenbaukunst u. s. Bedeutung f. d. oberschles. Industrie, in: Kohle u. Erz 6, 1909;
    P. Müller, in: Gleiwitzer Jb., 1927;
    F. Haßler, Von d. ersten dt. Dampfmaschinen, in: Technikgesch. 24, 1935;
    W. Serlo, Männer d. Bergbaues, 1937;
    A. Perlick, Oberschles. Berg- u. Hüttenleute, 1953, S. 137 f., 266 (Bibliogr.);
    W. Landgraeber, A. F. W. H., Kunstmeister u. Bergwerksmaschinenbauer, in: Bergfreiheit 19, 1954, S. 270 f.

  • Porträts

    Gedenktafel mit Bild an d. Maschinenbau- u. Hüttenschule Gleiwitz.

  • Autor/in

    Ludolf von Mackensen
  • Zitierweise

    Mackensen, Ludolf von, "Holtzhausen, August Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 558-559 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137629060.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Biographie

    Holtzhausen: August Friedrich Wilhelm H. (1768—1827), Begründer des deutschen Dampfmaschinenbaues. H. wurde am 4. März 1768 in Elbrich im Südharz geboren. Aus seiner Jugend ist nichts näheres bekannt. 1790 bildete er sich in Andreasberg im Berg- und Maschinenbaufach praktisch aus und lenkte durch seine Intelligenz das Interesse seiner Vorgesetzten in besonderem Maaße auf sich. Als Graf v. Reden, der Begründer der schlesischen Großindustrie, für die in Tarnowitz am 4. April 1788 auf der Kgl. Friedrichsgrube aufgestellte Dampfmaschine, der zweiten in Deutschland, einen Maschinenmeister suchte, wurde ihm H. als „ein guter und mechanischer Kopf „warm empfohlen. Da H. bereit war, die Stelle in Schlesien zu übernehmen, wurde er zunächst dem Erbauer der ersten deutschen Dampfmaschine der Praxis, dem Oberbergrath Bückling, zur Einweihung in die Geheimnisse des Dampfbetriebes nach dem König Friedrichsschacht zu Hettstedt überwiesen. An der von dem damaligen Bergassessor Bückling am 23. August 1785 in Betrieb genommenen, ersten, aus deutschem Material erbauten Dampfmaschine Watt’schen Systems, lernte H. die Wartung wie Reparatur dieser noch arg complicirten Maschinen kennen. Schon vor Ablauf eines Jahres mußte H. seine Lehrzeit in Hettstedt abbrechen, denn der plötzliche Tod eines Kunstmeisters in Oberschlesien machte seine Anwesenheit Ende März 1792 sofort nöthig. An seinem neuen Platze waren H. drei „Dampfkünste“ unterstellt. Im ersten Jahre wurde er bereits zum „Feuermaschinenmeister“ ernannt. 1794 begann H. bereits mit den primitivsten Hülfsmitteln, mit ganz ungeschulten Arbeitern den Bau von Dampfmaschinen. Bis zum Jahre 1825 baute er deren mehr als 50 in Größen von 4 bis 80 Pferdekraft, von insgesammt etwa 770 Pferdekraft. Anfangs wurden die Maschinentheile auf der Hütte zu Malapane, dann zu Gleiwitz angefertigt. Auf der Gleiwitzer Hütte wurde 1806 ein besonderes Bohr- und Drehwerk für den Dampfmaschinenbau angelegt. H., inzwischen von der Regierung zum Maschineninspector ernannt, bekam 1808 den Ruf als Leiter der Gleiwitzer Maschinenwerkstätten und als Oberaufseher der gesammten Dampfmaschinen im oberschlesischen Berg- und Hüttenbezirk und im Waldenburger Kohlenrevier. 1812 machte H. für die Bergbehörde Studienreisen durch die verschiedensten deutschen Bergwerksbezirke. 1816 und 1820 wurde er zum Studium neuer englischer Dampfmaschinen nach Berlin beordert. Am 9. März 1825 verlieh der König an H. den Titel „Maschinendirector“. Am 1. December 1827 endigte ein Schlaganfall das arbeitsreiche Leben dieses Mannes, dem die schlesische Industrie und der deutsche Dampfmaschinenbau viel zu verdanken haben.

    • Literatur

      Bearbeitet nach der Biographie in: Matschoß, Geschichte der Dampfmaschine, 1901, S. 407 u. 94.

  • Autor/in

    F. M. Feldhaus.
  • Zitierweise

    Feldhaus, Franz Maria, "Holtzhausen, August Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 50 (1905), S. 454-455 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137629060.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA