Lebensdaten
1467 bis 1536
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Bürgermeister von Frankfurt ; Förderer der Reformation ; Diplomat
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 124096689 | OGND | VIAF: 20605878
Namensvarianten
  • Holzhausen, Hamman von
  • Holzhausen, Hammann von
  • Holzhausen, Hamann von
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Zitierweise

Holzhausen, Hamann von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124096689.html [19.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Johann (zum Goldstein) ( 1475), Ratsherr u. Schöffe in F., S d. Gipel (zu Spangenberg) u. d. Adelheid Freitag;
    M Katharine ( 1498), T d. Johann Schwarzenberg u. d. Anna Goltstein;
    Frankfurt/M. 26.9.1491 Margarethe ( 1506?), T d. Dr. iur. Georg v. Helle gen. Pfeffer ( 1498), kurmainz. Kanzler (s. NDB VIII);
    3 S, 4 T (4 K früh †), u. a. Justinian (1502–53), Ratsherr, Schöffe u. Bgm. in F., Gesandter auf Reichstagen;
    N Johann v. Glauburg ( 1571), Bgm. v. F. (s. NDB VI).

  • Leben

    H. studierte die Rechte in Tübingen, Leipzig und Erfurt. Auf das Studium folgten Reisen. 1493 wurde er Mitglied des Frankfurter Rates. Von Haus aus antiklerikal eingestellt, den Wissenschaften zugetan, war er mit seinem Freunde Philipp Fürstenberger ( 1540, siehe Literatur) Mittelpunkt des Frankfurter Humanistenkreises. Er war Mitbegründer der Frankfurter Lateinschule (1520). Zu seinem Bekanntenkreis zählten Erasmus, Melanchthon, Pirkheimer und Hutten. Der zweimalige Aufenthalt Luthers in Frankfurt im April 1521 war von nachhaltigem Einfluß auf die Frankfurter Humanisten. H. wurde Wegbereiter der Reformation in Frankfurt. Die ersten evangelischen Predigten 1522 und 1524 in Sankt Katharinen fanden, wenn nicht auf seine Veranlassung, so doch unter seinem Schutze statt. 1524 sandte er seinen Sohn Justinian und sein Mündel Johann von Glauburg zum Studium nach Wittenberg. Der Bruch mit der alten Lehre war vollzogen, als H. mit einigen Ratsherren der Handwerkerbank der Fronleichnamsprozession des Frankfurter Rates 1526 demonstrativ fernblieb. Im Jahr zuvor war es ihm gelungen, den Aufstand in Frankfurt – der gemeine Mann verlangte soziale Reformen und Einführung der neuen Lehre, wie überall – auf dem Verhandlungswege beizulegen.

    H. setzte sich mit Beharrlichkeit für seine Überzeugungen ein. Er war alles andere als ein Eiferer. Gegen Luthers Heirat und dessen Haltung im Bauernkriege hatte er Vorbehalte. Energie, diplomatisches Geschick, ausgesprochener Sinn für Realitäten, gepaart mit Abneigung gegen Gewalt, zeichneten ihn aus. 1507, 1518, 1524 und 1530 nahm er das Amt des Älteren Bürgermeisters wahr. Er hat seine Stadt auf verschiedenen Reichstagen und in zahlreichen Missionen vertreten. Seine Gesandtschaftsberichte sind Zeugnisse eines beteiligten Herzens und klaren Verstandes. 1526 wurde er zum Beisitzer der Freien Städte in das Reichsregiment nach Eßlingen berufen. Bei Auflösung des Kollegiums 1530 stellte ihm Kaiser Karl V. einen besonderen Gnadenbrief aus.

    H. hat den Sieg der Reformation in Frankfurt noch miterlebt und bis zuletzt entscheidend Einfluß genommen. 1530/31 stand er zum letzten Male als Älterer Bürgermeister an der Spitze der Stadt. In dieser Zeit wurde in der Frankfurter Barfüßerkirche zum ersten Mal mit Genehmigung des Rates der Laienkelch gereicht und der Allgemeine Almosenkasten eingerichtet.

  • Literatur

    ADB 50;
    G. E. Steitz, Ein Brief H.s v. H. an s. Sohn Justinian, in: Archiv f. Frankfurts Gesch. u. Kunst 7, 1855;
    E. Heyden, Gal. berühmter Frankfurter, 1861;
    M. Krummacher, H. v. H., 1885 (Roman);
    A. Kleinschmidt, in: Briegers Zs. f. KG 11, 1889;
    ders., Der Frankfurter Staatsmann, H. v. H., in: Frankfurter Ztg., 1899, 14;
    O. Ruppersberg, H. v. H., in: Frankfurter Wochenschau, 1936, Nr. 45. - Zu Ph. Fürstenberger:
    G. E. Steitz, in: Archiv f. Frankfurts Gesch. u. Kunst NF 4, 1869.

  • Portraits

    Gem. v. K. Faber von Creuznach (Frankfurt, Städelsches Kunstinst.), Abb. b. Lerner, s. L.

  • Autor/in

    Dietrich Andernacht
  • Empfohlene Zitierweise

    Andernacht, Dietrich, "Holzhausen, Hamann von" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 574 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124096689.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Holzhausen: Hammann von H., das hervorragendste Mitglied der ritterbürtigen Patricierfamilie von Holzhausen, die um die Mitte des 13. Jahrhunderts aus der Umgebung nach Frankfurt a. M. zog und im Laufe der Jahrhunderte der alten Reichsstadt 67 Bürgermeister gegeben hat. H. wurde 1467 geboren und scheint die Rechte studirt zu haben; 1491 weilte er in Italien und kehrte noch im selben Jahre nach Frankfurt zurück, nachdem er sich auf Hochschulen und Reisen eine umfassende Bildung erworben hatte, die ihn zu einer hervorragenden Stellung im Patriciate und in der Verwaltung seiner Vaterstadt befähigte. 1491 trat er in den Rath ein und 1493 rückte er auf die Schöffenbank vor; 1507, 1518, 1524 und 1530 bekleidete er das Amt des älteren Bürgermeisters. Mit den Anfängen der Reformation in Frankfurt ist sein Name auf das engste verknüpft; er war es, der mit seinen patricischen Gesinnungsgenossen dem Humanisten Wilhelm Nesen die Wege ebnete, um eine Lateinschule, zunächst für die Geschlechtersöhne, zu gründen, aus der dann später das städtische Gymnasium erwachsen ist; er war es, der als Patron des Katharinenklosters 1522 den Praedicanten Hartmann Ibach in der Klosterkirche die erste lutherische Predigt halten ließ. 1522 nahm H. als Gesandter Frankfurts am Reichstage in Nürnberg Theil und ebenso 1525 am Reichstage in Augsburg. In den kirchlichen Bewegungen war H. stets ein entschiedener Förderer der neuen Lehre, und deßhalb auch bei der klerusfeindlichen Bürgerschaft sehr beliebt; seinem tapferen Auftreten in der Erhebung der Zünfte an Ostern 1525, die noch in sein Bürgermeisterjahr fiel, ist es zu verdanken, daß die Verständigung zwischen Rath und Zünften gelang und daß die Bewegung nicht weiter um sich griff. 1526 vertrat er seine Stadt wieder in Speyer und dann im Reichsregiment in Eßlingen. Läßt sich auch sein Einfluß in der städtischen Politik wie auf den Reichstagen im einzelnen nicht genau erkennen, so beweisen seine vielen Abordnungen, daß er zu den angesehensten Städtevertretern seiner Zeit gehörte; seine Berichte von den Reichstagen, die zuerst Ranke ausgiebig benutzt hat, legen von seiner staatsmännischen Einsicht ein vollgültiges Zeugniß ab. So fest H. auch auf dem evangelischen Standpunkte stand und so gewiß gerade seiner besonnenen Energie die Reformirung seiner Vaterstadt zu danken ist, so muß doch anerkannt werden, daß er gegen das unvorsichtige Auftreten der Neuerer und selbst gegen einzelne Schritte Luther's nicht blind gewesen ist — er hat den Reformator wol 1521 bei der Durch- und Rückreise zum und vom Wormser Reichstage kennen gelernt und bald darauf seinen Sohn Justinian nach Wittenberg zum Studium geschickt —; H. hat in einem von Steitz veröffentlichten Briefe an diesen Sohn aus dem Jahre 1525 an Luther's Verheirathung und an dessen Auftreten gegen die Bauern eine interessante Kritik geübt. H. starb am 30. October 1536; er war einer der besten Staatsmänner Frankfurts in einer politisch wie kirchlich gleich bewegten Epoche und einer der letzten Städteboten, deren Wirksamkeit in der Reichspolitik an die großen Vorbilder um die Wende des 14. und 15. Jahrhunderts erinnerte. — Sein Sohn Justinian v. H., geboren 1502, 1553, ein Schüler der Reformatoren, seit 1529 im Rathe der Stadt, hat mehrfach das Bürgermeisteramt bekleidet und war mit seinem Vetter Johann v. Glauburg (s. d. A.) und mit Dr. Johann Fichard (s. d. A.) einer der Leiter der städtischen Politik in der Folgezeit; als Vertreter der Städte bei der Unternehmung gegen Münster 1535, als Unterhändler seiner Vaterstadt, besonders bei deren Beziehungen zum Schmalkaldischen Bund, als Musterherr bei der Belagerung Frankfurts 1552 durch Moritz von Sachsen, Wilhelm von Hessen und Albrecht Alcibiades von Brandenburg hat er sich hervorragend bethätigt.

    • Literatur

      Vgl. v. Fichard's handschriftliche Geschlechtergeschichte im Stadtarchiv zu Frankfurt a. M. — Steitz, Ein Brief Hamann's v. Holzhausen etc. im Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst, Heft VII, S. 203 ff. — Quellen zur Frankfurter Geschichte, Bd. II, woselbst weitere litterarische und archivalische Quellenangaben.

  • Autor/in

    R. Jung.
  • Empfohlene Zitierweise

    Jung, Rudolf, "Holzhausen, Hamann von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 50 (1905), S. 455-456 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124096689.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA