Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Grafen von Hohenems ; staufisch-welfisches Reichsministerialengeschlecht
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 120079356 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Altemps, von
  • Altems, von
  • Hohenems
  • mehr

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Zitierweise

Hohenems, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120079356.html [20.05.2019].

CC0

  • Leben

    Altes staufisch-welfisches Reichsministerialengeschlecht, das um 1180 mit der Hut der|Reichsburg Ems (Altems, Hohenems) an der vom Bodensee über das Alpenrheintal und die Bündnerpässe nach Oberitalien führenden Heerstraße betraut wurde. In Form von Reichspfandschaften gelang es dem Geschlecht, im Grenzgebiet zwischen den Bistümern Chur und Konstanz durch Darlehen an Rudolf von Habsburg, Ludwig den Bayern (1333, 1343) und Karl IV. (1348) die für den Aufbau eines kleinen reichsfreien Territoriums in ihrem Burgfrieden ausschlaggebenden Hoheitsrechte zu erlangen, die dann 1430 und 1434 unter anderem auch durch Verleihung des Blutbanns in erbliche Reichslehen umgewandelt wurden. Von dieser Basis in der „Pürsch“ von Ems, Ebnit und Dornbirn aus gelang es ihnen, ihr schmales Territorium durch den Erwerb des Reichshofes Lustenau (1395 durch Pfandschaft, 1526 durch Kauf) und verschiedener Güter und grundherrlicher Rechte in Dornbirn (1318, 1388) und Wolfurt (1458) zu erweitern und zu stützen.

    Ausschlaggebend für ihren weiteren Aufstieg war jedoch besonders ihr enges Dienstverhältnis zu den seit 1363 in ihre Einflußsphäre in Vorarlberg eingebrochenen habsburgischen Landesfürsten, denen sie sich außer durch Besorgung verschiedener Vogteistellen besonders seit dem 16. Jahrhundert als tüchtige Landsknechtsführer in deutschen und welschen Landen nützlich erwiesen. Unter ihnen zeichneten sich besonders aus Marx Sittich ( 1533) und sein Sohn Wolf Dietrich ( 1538), österreichischer Vogt zu Bludenz (beide siehe ADB 13). Marx Sittich hatte hervorragenden Anteil an dem Sieg bei Pavia (1525) und mit dem „Bauernjörg“ (von Waldburg) an der Niederschlagung des Bauernaufruhrs im Hegau und am Bodensee. Seiner Energie als österreichischer Vogt von Bludenz und Bregenz verdankt Vorarlberg auch die Erhaltung der katholischen Glaubenseinheit in den ersten Reformationsstürmen. Sein Enkel Markus Sittich (1533–95) wurde 1560 Bischof von Cassano in Kalabrien, 1561 Kardinal, 1562 Fürstbischof von Konstanz (bis 1589) und bald darauf päpstlicher Legat zum Konzil von Trient. Er vernachlässigte sein Bistum Konstanz, zeichnete sich aber als Mäzen in Rom und Umgebung aus. Sein Architekt Martino Longo baute für ihn in Rom den Palazzo Altemps an der Piazza Navona, dessen Haustheater heute wieder als Teatro Goldoni in Betrieb ist, und die von Gregor XIII. oft zum Sommeraufenthalt benützte Villa Mondragone. Er verfügte jedoch auch noch über andere Villen und hinterließ sie mit den Marchesaten Gallese und Soriano seinem Enkel Gian Angelo Altemps. In seiner Titelkirche S. Maria di Trastevere in Rom ließ er eine Sakramentskapelle mit Darstellungen aus dem Leben von Pius IV. (seinem Onkel) und aus seinem eigenen Leben (Konzil von Trient) und die Marmorbüste des Sohnes Robert Altemps ( 1586) anbringen.

    Söhne des unten Behandelten waren: Kaspar (1573–1640) vermehrte den Hausbesitz 1613 durch den Ankauf der Reichsherrschaften Vaduz und Schellenberg (1699 verkauft, seit 1719 Fürstentum Liechtenstein) und versuchte 1620 vergeblich, am Alpenrhein entlang einen hohenemsischen Pufferstaat zwischen der Schweiz, Graubünden (Luziensteig) und Österreich bis zum Bodensee (Fussach) aufzurichten. Er ließ den Palast in Hohenems vollenden und ihn sowie die Kirche mit weiteren Kunstwerken ausstatten, umgab seine Residenz mit ausgedehnten Parkanlagen, mußte jedoch infolge des 30jährigen Krieges und der Verschwendungssucht seiner Söhne den Niedergang seines Hauses erleben (siehe Literatur), Marcus Sittich (1575–1619), Dompropst in Konstanz und 1612 Erzbischof von Salzburg, legte durch Santino Solari den Grund zum heutigen Salzburger Dom und ließ im Süden der Stadt die Parkanlagen um sein Lustschloß Hellbrunn anlegen, führte in seinem Residenztheater die ersten italienischen Opern auf (siehe ADB 20, S. 532 folgende).

    Die Letzten des Geschlechts waren der kaiserliche und königliche Feldmarschall Franz Rudolf (1686–1756) und der kaiserliche und königliche Generalmajor Franz Wilhelm (1692–1759). Der Allodialbesitz des Geschlechts in Vorarlberg gelangte über die Grafen Harrach an die Grafen Waldburg-Zeil, die Landeshoheit jedoch an Österreich.

  • Autor/in

    Ludwig Welti
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Welti, Ludwig, "Hohenems" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 479 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120079356.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA