Lebensdaten
nach 1280 bis 1356
Beruf/Funktion
Herzog von Sachsen-Wittenberg ; Kurfürst
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 135958350 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rudolf I.
  • Sachsen-Wittenberg, Rudolf von

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Zitierweise

Rudolf I., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd135958350.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Fam. d. Askanier (s. NDB I);
    V Albrecht II. ( 1298), Hzg. v. S.;
    M Agnes (1257/58-1322), T d. Rudolf v. Habsburg (1218–91), röm.-dt. Kg. (s. NDB 22);
    B Albrecht (Albert) (um 1285–1342), seit 1320 Bf. v. Passau (s. NDB I; Gatz IV), Wenzel ( 1327), Domherr in Halberstadt;
    Schw Anna (um 1290–1327, 1] Friedrich [d. Lahme], Mgf. v. Meißen, 1315, 2] Heinrich II., Fürst v. Meckl., 1266–1329. in Stargard u. Rostock, s. NDB VIII);
    1] 1298/um 1300 Jutta (Brigitte, Judith) ( 1328), T d. Otto V. ( 1298), Mgf. v. Brandenburg (s. ADB 24; NDB 19*), 2) 1328 Kunigunde (um 1298–1333, 1] Bernhard II., um 1301–26, Hzg. v. Schlesien in Schweidnitz, Fürstenberg u. Jauer), T d. Władistaw Łokietek (Wladislaus I.) (1260–1333), Kg. v. Polen, 3) 1333 Agnes (um 1300/10-43, 1] Wizlaw III., 1325, Fürst v. Rügen, s. ADB 43), 2] Heinrich II., 1266–1329, Fürst v. Meckl., s. NDB VIII), T d. Ulrich I. (um 1258–1316), Gf. v. Lindow-Ruppin;
    14 K u. a. Otto ( 1350, Elisabeth, 1384, T d. Wilhelm, Hzg. v. Lüneburg. 1369), Rudolf II. ( 1370), Kf., Hzg. v. S.(-W.) (s. NDB 22), Wenzel (um 1335–88), Kf., Hzg. v. S.(-W.)), Agnes (um 1305–38, Bernhard III., Fürst v. Anhalt-Bernburg, 1348), Beatrix (um 1310–45, Albrecht II., Fürst v. Anhalt-Zerbst u. Köthen, 1362, s. NDB I).

  • Leben

    R. stand bis kurz nach 1302 unter mütterlicher Vormundschaft. Als dritter in einer Reihe lange regierender Herrscher (Albrecht I. 1212–61, Albrecht II. 1261–98) bestrebt, weitere Festigung der Landesherrschaft zu erreichen, sicherte er seinem Haus die Kurwürde im Streit mit der vetterlichen Linie der Herzöge v. Sachsen-Lauenburg. Nachdem an den Königswahlen des 13. Jh. die Wittenberger Linie teilgenommen hatte, stand R. 1308 und 1314 auf habsburg. Seite, wodurch der langdauernde Konflikt mit Ludwig d. Bayern ausgelöst wurde. Seit 1320 versuchte er, die nach dem Aussterben der dortigen Askanierlinie frei gewordene Mark Brandenburg zu übernehmen, mußte jedoch nach anfänglichen Erfolgen 1324 seine Ansprüche an Ludwig d. Bayern abtreten. Mit der Einrichtung des Residenzstifts Allerheiligen zwischen 1333 und 1338 verlagerte R. seinen Herrschaftsschwerpunkt von Aken nach Wittenberg. Neben dem zwischen 1261 und 1273 von der Hzgn. Helene, Witwe Hzg. Albrechts I., gegründeten Franziskanerkloster als Grablege und Memoria-Ort der Herzöge entstand damit ein neuer kirchlicher Mittelpunkt, der zugleich Kern sich entwickelnder zentraler Institutionen der Landesverwaltung wurde.

    Seit 1346 konsequenter Parteigänger Karls IV., hoffte R., mit dessen Hilfe seine Ansprüche auf die Mark Brandenburg nach 1347 doch noch durchzusetzen, was jedoch am luxemburg.-wittelsbach. Ausgleich 1350 scheiterte. Erfolgreicher war R. in der Erwerbung der Pfalzgrafschaft Sachsen(-Allstedt) (1348/54) sowie zunächst bei der Übernahme des Hzgt. Braunschweig-Lüneburg aufgrund erbrechtlicher Ansprüche, für das Karl IV. 1355 die Eventualbelehnung aussprach. Das konsequent reichsfürstliche Konnubium, der Leitnamengebrauch (Rudolf, Sigmund, Wenzel), die Verhinderung weiterer Landesteilungen durch Samtherrschaft und Primogenitur sowie die Herrschaftssymbolik (Gemmensiegel mit Kaiserkopf) dokumentieren die reichspolitischen Ambitionen R.s. Die gegenüber den sachsen-lauenburg. Herzögen 1355 endgültig gesicherte Kurwürde mit dem Erzmarschallamt erwies R.s Rang als Reichsfürst. Weiterreichende Macht- und territorialpolitische Pläne mußten trotz der Anlehnung an Karl IV. aufgrund der reichspolitischen Situation und der geringen Machtgrundlage des kleinen Wittenberger Herzogtums letztlich scheitern. Dennoch darf R. als der bedeutendste der Kurfürsten und Herzöge von Sachsen aus dem Hause der Askanier gelten.

  • Literatur

    ADB 29;
    G. v. Hirschfeld, Gesch. d. sächs.-askan. Kurfürsten (1180–1422), ihre Grabstätten in d. ehem. Franziskanerkirche zu Wittenberg, d. Überführung ihrer Gebeine in d. dortige Schloßkirche u. d. Stammtafeln ihres Geschl., in: Vj.schr. f. Heraldik. Sphragistik u. Geneal. 12, 1884, S. 215-368 (mit Ed. e. Fragments d. Totenbuchs d. Wittenberger Franziskanerklosters);
    G. Stier, Die Herzöge u. Kurfürsten v. Sachsen-Wittenberg aus d. Hause Anhalt u. ihre Grabstätten in d. Franziskanerkirche, in: Mitt. d. Ver. f. anhalt. Gesch. u. Altertumskunde 3, 1883, S. 671-86, 4, 1886, S. 254-68;
    H. Brauer, R. I., Kf. v. Sachsen-Wittenberg, in seiner Stellung z. Reichspol., Diss. Halle 1910;
    G. Wentz, Das Franziskanermönchskloster in Wittenberg, in: F. Bünger u. G. Wentz (Bearbb.), Das Bm. Brandenburg, T. 2 (Germania sacra I. Bd. 3, 2), 1941, Nachdr. 1963, S. 372-97;
    W.-D. Mohrmann. Lauenburg od. Wittenberg?, Zum Problem d. sächs. Kurstreits bis z. Mitte d. 14. Jh., 1975;
    L. F. Beck, Herrschaft u. Territorium d. Herzöge v. Sachsen-Wittenberg (1212–1422), 2000 (S. 27-33 zur Qu.lage);
    ders., Antike Gemmen als spätma. Siegel. Zum Siegelwosen d. askan. Kurfürsten v. Sachsen u. d. wettin. Markgrafen v. Meißen im 14. Jh., in: Landesgesch. u. Archivwesen, FS f. Reiner Groß z. 65. Geb.tag, hg. v. R. Wißuwa, G. Viertel u. N. Krüger, 2002, S. 73-92;
    Lex. MA.

  • Autor/in

    Lorenz Friedrich Beck
  • Empfohlene Zitierweise

    Beck, Lorenz Friedrich, "Rudolf I." in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 184-185 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135958350.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Rudolf I., Herzog von Sachsen -Wittenberg, ältester Sohn des Herzogs Albrecht II. und der Agnes, einer Tochter des deutschen Königs Rudolf I., war beim Tode seines Vaters (1298) noch minderjährig, weshalb seine Mutter für ihn die Vormundschaft und die Regierung des Landes übernahm. Wie lange diese Vormundschaft gedauert hat, steht nicht fest, spätestens aber hat R. im J. 1308 die Regierung selbst übernommen, da er sich in diesem Jahre bereits eines eigenen Siegels bediente. Bei der Königswahl nach Heinrich's VII. von Luxemburg Tode gab er, wol durch verwandtschaftliche Rücksichten beeinflußt, seine Stimme dem Herzoge Friedrich von Oesterreich, während seine Lauenburger Vettern sich für Ludwig von Baiern erklärten. Dies wird wol nicht ohne Einfluß auf die Haltung des letzteren geblieben sein, als im J. 1320 die mit den sächsischen Herzögen aus einer Wurzel entsprossenen Markgrafen von Brandenburg askanischen Geschlechtes im Mannesstamme erloschen. Ohne auf Rudolf's Anspräche zu achten, verlieh König Ludwig die erledigte Mark mit dem größten Theile der damit verbundenen Länder seinem damals erst achtjährigen gleichnamigen Sohne: R. mußte sich mit der wiederkäuflichen Ueberlassung der Lausitz und mit einigen brandenburgischen Städten abfinden lassen. Er verharrte deshalb auch für die Folge in seiner oppositionellen Stellung gegen den Kaiser, wenn er auch dem Kurvereine von Rense beitrat, und als im J. 1346 ein Theil der Fürsten den Markgrafen Karl von Mähren als Gegenkönig ausstellte, befand sich unter ihnen auch R. von Sachsen. Eine Zeit lang konnte es dann nach Ludwig's im J. 1347 erfolgtem Tode scheinen, als ob R. seine Ansprüche auf die Mark Brandenburg oder wenigstens auf einen Theil derselben doch noch zur Geltung bringen würde: das Auftreten des sogenannten falschen Waldemar, welchem sich neben den anhaltinischen Fürsten Niemand eifriger anschloß als R., brachte ihn dem erstrebten Ziele ziemlich nahe. Allein die alsdann zwischen Karl IV. und dem Markgrafen Ludwig erfolgende Aussöhnung, derzufolge jener für den von der bairischen Partei ihm gegenüber gestellten Gegenkönig Günther von Schwarzburg den von ihm früher feierlich als rechtmäßigen Anerben der Mark Brandenburg anerkannten Waldemar fallen ließ, vereitelte diese Aussichten. Dagegen erlangte R. von Karl IV. an ein und demselben Tage (6. October 1355) nicht bloß die Bestätigung der ihm von seinen Lauenburgischen Vettern bestrittenen sächsischen Kurwürde, sondern auch für den Todesfall des kinderlosen Herzogs Wilhelm von Lüneburg für sich und seine männlichen Nachkommen die Eventualbelehnung mit diesem Herzogthume. Was seine innere Regierung anbetrifft, so|hat er — abgesehen von zahlreichen Vergabungen an die von seinen Vorfahren gegründeten oder unter seiner Schutzherrschaft stehenden Klöster zu Gernrode, Nienburg, Hecklingen, Aken und Aschersleben — sich redlich bemüht, dem Lande eine möglichst ruhige und friedliche Entwicklung zu sichern, wie er denn beispielsweise im J. 1326 mit seinen anhaltischen Schwiegersöhnen Bernhard III. und Albrecht II. sowie mit dem Markgrafen Friedrich dem Ernsthaften von Meißen zur Aufrechthaltung des Landfriedens ein Bündniß abschloß. Er ist dreimal verheirathet gewesen, zuerst mit Judith, einer Tochter des Markgrafen Otto des Langen von Brandenburg, sodann mit Kunigunde von Polen, Tochter des Königs Kasimir, und endlich mit Agnes, einer Tochter des Grafen Ulrich von Lindau-Ruppin. Er starb am 21. März 1356 und liegt in der Kirche des von seiner Großmutter Helena von Braunschweig gegründeten Franziskanerklosters zu Wittenberg begraben.

  • Autor/in

    O. v. Heinemann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heinemann, Otto von, "Rudolf I." in: Allgemeine Deutsche Biographie 29 (1889), S. 554-555 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135958350.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA