Lebensdaten
1485 bis 1573
Geburtsort
Köln
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Verleger ; Buchhändler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 121619664 | OGND | VIAF: 56662665
Namensvarianten
  • Hittorp, Gotthard
  • Hittorp, Gotthardt
  • Hittorp, Goddert
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Zitierweise

Hittorp, Gottfried, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121619664.html [26.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus Kölner Patrizierfam.;
    V Goswin;
    M Elisabeth Schloesgen;
    ⚭ Gertrud (* 1521), T d. Apothekers Heinrich von Bergen u. d. Drutgen von Struysee;
    2 S, u. a. Melchior ( 1590), Verleger;
    E Melchior ( 1661), Dr. iur., Kanoniker (wohl Letzter d. Fam.), Catharina ( Melchior v. Kempis, 1628, GR u. Kanzler d. Bischöfe v. Hildesheim u. Paderborn), Gertrud ( Joh. Adam v. Herrestorff, 1642, kurköln. GR u. Kammerdir.); Verwandter Melchior (1525–84), kath. Theol., gab 1568 „Vetustorum ecclesiae“ heraus (s. ADB XII; LThK2).

  • Leben

    H. erscheint zuerst in der Kölner Universitätsmatrikel 1498. Hier erwarb er an der Artistenfakultät 1503 das Lizentiat. Wenn er sich auch seit 1521 Magister nannte, ist doch nicht sicher, ob er wirklich diesen akademischen Grad erworben hat. 1511 befand er sich in Paris. wo er mit Denis Rocce und Ludwig Hornken einen Verlag gründete. Damals muß wohl Hornken die geschäftliche Leitung gehabt haben, wie die Verwendung seines Signets erschließen läßt. Das Geschäft lag in der Rue Saint Jacques, wo das Haus beziehungsreich „sub intersigno trium coronarum foelicis Coloniae“ bezeichnet war. Auch vor H. und Hornken waren schon Kölner dort ansässig gewesen. Seit 1512 ist neben der Pariser auch eine Kölner Adresse zu finden. Hier hat H. im Hause „Zum weißen Kaninchen“ gewohnt. 1530 kaufte er zwei weitere Häuser „Zum Strauß“ und „Zur Henne“. Nicht nur dies zeigt, daß sein Verlag inzwischen erhebliche Ausweitung erfahren hatte. Auch die Ehrenämter in der Stadt bestätigen den Erfolg seiner verlegerischen Arbeit. Seit 1533 war er in den Rat aufgenommen, seit 1542 Zunft-Ratsherr, später Bannerherr der Ritterzunft Aren. Außerdem versah er von 1553 ab fünfmal das Bürgermeisteramt, wobei dieses Amt der damaligen Gewohnheit entsprechend in dreijährigem Turnus an ihn zurückfiel. – Ludwig Hornken ( 1521), mit dem H. am Anfang arbeitete, stammt vielleicht aus Groeningen im holländischen Geldern. In seiner Tätigkeit in Leipzig, wo er 1509 nachweisbar ist, zeigen sich schon Beziehungen zu Köln, die dann durch die gemeinsamen Geschäfte mit H. in Paris noch gefestigt wurden. Schon 1513 finden wir ihn wieder in Leipzig, wo er auch das Bürgerrecht erwarb und Buchhandel trieb. 1520 heiratete er eine Tochter des Kaufmanns Augustin Pantzschmann. Etwa 1521 muß Hornken gestorben sein, weil seine Witwe im folgenden Jahre erneut verheiratet war.

    Bezeichnenderweise läßt H. am Anfang seiner Wirksamkeit humanistische Schriften erscheinen. Sein Interesse galt vor allem klassischen Werken. Daneben findet sich Theologie in seinem Verlagsprogramm. Wenn H. auch zeitweise mehr theologische als humanistische Schriften verlegte, so dürfte doch die letztere Richtung das eigentliche Anliegen gewesen sein. Die Stärke der Bücher schwankt erheblich, hier stehen umfangreiche Arbeiten neben Kleinschriften. H. verteilte seine Druckaufträge an etliche Betriebe. In Paris ließ er zum Beispiel bei Didier Maheu und Wolfgang Hopyl drucken, in Basel bei Adam Petri. Natürlich waren verschiedene Kölner Druckereien für ihn beschäftigt, unter anderem Eucharius Cervicornus, Hero Alopecius, Johann Soter, Jaspar von Gennep. Die Liste seiner Verlagserzeugnisse reicht bis 1551. Eine Erklärung für das Abbrechen der Produktion ist bisher nicht zu finden. Die Signete H.s zeigen mehrfach ein Kaninchen.

  • Literatur

    ADB XII;
    A. Kirchhoff, G. H., in: Btrr. z. Gesch. d. dt. Buchhandels I, 1851;
    F. J. Kühnen, G. H., 1966 (ungedr., Köln, Bibliothekar-Lehrinst. d. Landes Nordrhein-Westfalen, Prüfungsarb, f. d. höheren Dienst an wiss. Bibliotheken);
    L. v. Büllingen, Ann. typographici Colonienses II, Bl. 133/40 (Hs. Köln, UB);
    Grimm. - Zu L. Hornken:
    ADB XII;
    Grimm.

  • Portraits

    Verschollenes Gem. v. B. Bruyn d. Ä., 1547, als Lith. nachgewiesen, s. H. Westhoff-Krummacher, Barthel Bruyn d. Ä. als Bildnismaler, 1965, S. 136 f.;
    Gem., Barthel Bruyn d. J. zugeschrieben (Köln, Hist. Stadtmus.);
    H. mit s. S im Gebet, Gem., dems. zugeschrieben (ebd.).

  • Autor/in

    Hans Blum
  • Empfohlene Zitierweise

    Blum, Hans, "Hittorp, Gottfried" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 271 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121619664.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hittorp: Gottfried (Gotthardt, Goddert) H., einer der bedeutendsten Verlagsbuchhändler des anfangenden 16. Jahrhunderts, geb. zu Köln als Sohn eines Patriciers 1490 (nicht 1485), am 29. Juni 1573. Er begegnet uns zuerst zu Paris, wo er an der Universität gelehrten Studien oblag, wie er sich denn auch später auf seinen Verlagswerken Magister und Licentiat nennt. Vielleicht ermuntert durch das Beispiel seines Landsmannes, des Buchhändlers Johann Rauersberg in Paris, verband er sich hier mit einem anderen kölnischen Landsmann, seinem Studiengenossen Ludwig Horncken, zu einem Verlagsgeschäft, dessen erste Publication, „Joh. Boccaccii genealogia ejusdemque liber de montibus, silvis etc.“, fol. 1511 erschien. Das Pariser Verkaufslocal wird bezeichnet: „Vicus St. Jacobi sub intersignio trium coronarum foelicis Coloniae“. Gedruckt wurden die Bücher dieses Verlages bei Phil. v. Kreuznach (auch einem Kölner Landsmann) und anderen Pariser Druckern. Aber schon 1512 hatten die Genossen auch in Köln eine Niederlage errichtet „retro majorem ecclesiam sub intersignio cuniculi“ und um das gleiche Jahr scheint H. nach Köln zur Leitung des dortigen Geschäftes zurückgekehrt zu sein. Auch Horncken scheint ihm schon 1513 dahin gefolgt zu sein (auf einem 1513 gedruckten Werke bezeichnet er sich als Bibliothecarius Coloniensis), Horncken verlegte hier theils für eigene Rechnung, theils und zwar bis 1521 (vielleicht seinem Todesjahr) gemeinschaftlich mit H. — Hittorp's Thätigkeit aber breitete sich seit 1521 erst recht aus. Er beschäftigte neben Pariser und anderen auswärtigen Pressen auch diejenigen seiner Kölner Mitbürger, Jaspar Gennep, Joh. Heyl, Hero Fuchs (Alopecius), Johann von Kempen und hauptsächlich die des Eucharius Hirtzhorn (Hirschhorn, Cervicornus). Mit diesem scheint er in engerer Geschäftsverbindung gestanden zu haben, denn durch ihn ließ er öfters seine Meßgeschäfte besorgen. Mit ihm zusammen ward er auch 1534 von Hieron. Froben und Episcopius in Basel wegen einer Ausgabe des Josephus (de bello Jud.) in einen Nachdrucksproceß verwickelt, der 1537, wir wissen nicht wie, endete. Die Reichskammergerichtsacten dieses Processes hat P. Wigand (Wetzlar. Beiträge für Gesch. u. Rechtsalterth., Heft III. S. 231 ff.) veröffentlicht. H. verlegte anfänglich fast nur Werke der classischen Litteratur; den Text des 1521 verlegten Macrobius hatte er selbst mit Arnoldus Vesaliensis besorgt. Auch den Quintilian edirte er selbst, mit einer Widmung an Melanchthon. Seit 1526 wandte er sich mehr der theologischen Litteratur zu (z. B. Augustinus, 1527; Basilius, 1531; Theophylactus, 1532; des Lützenburger Catalogus haereticorum). Zum Verlassen des Verlags classischer Schriftsteller scheint ihn die geringe Theilnahme bewogen zu haben, welche an der Kölner Universität für die humanistischen Studien herrschte; vielleicht auch die zunehmende Schärfe der kölnischen Censur. Seine Verlegerthätigkeit scheint er 1551 mit einer Ausgabe des Thucydides und des Platina Vitae pontificum beschlossen zu haben.

    H. war nicht nur ein hochverdienter Buchhändler und tüchtiger Gelehrter, sondern zugleich ein thätiger Bürger seiner Vaterstadt; 1533 war er Gebrauchsherr im Rathe und von 1542 an Zunft-Rathsherr, bis er 1557 nach Goswin v. Lommersheim's Tode zur höchsten Würde, dem Consulat, aufrückte. Bei der Universität hatte er das Amt eines Provisors. Ziemlich spät verheirathete er sich mit Gertrud v. Bergen, welche über 30 Jahre jünger war als er. Ob Melchior H. (s. u.) in verwandtschaftlicher Beziehung zu unserem H. steht, ist bisher nicht ermittelt. — Beerdigt ward H. in der St. Pauluskirche; sein Bildniß als Bürgermeister nebst seinem Wappen und Verlagszeichen beschreibt Merlo, Meister der altkölnischen Malerschule, S. 171 f.

    • Literatur

      Hartzheim, Biblioth. Colon., p. 104 ss. Maittaire, Annales typogr., II. p. 138 ss. Mallinkrot, De ortu et progressu artis typogr. Kirchhoff, Beitr. z. Gesch. des deutsch. Buchhandels, I. S. 41 ff. Lempertz, Bilderhefte zur Gesch. des Buchhandels, 1853, Heft 1.

  • Autor/in

    Kelchner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kelchner, Ernst, "Hittorp, Gottfried" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 506-507 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121619664.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA