Lebensdaten
erwähnt 1518 oder 1519 , gestorben nach 1538
Geburtsort
Köln
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Buchdrucker
Konfession
katholisch?
Normdaten
GND: 136552234 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Cruftanus, Servatius
  • Kruifter, Servatius
  • Kruffter, Servais
  • mehr

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Kruffter, Servas, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136552234.html [14.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Wahrsch. aus d. köln. Kaufm.fam. Vom Grufft.

  • Leben

    In Basel, wo er bei Adam Petri als Druckergeselle gearbeitet hat, begründete K. 1518/19 gemeinsam mit Andreas Cratander eine Druckoffizin. Um 1520 kehrte er nach Köln zurück, wo seine Drucktätigkeit bis 1538 nachweisbar ist. Im Umfang läßt sie sich kaum mit der zeitgenössischer köln. Druckerverleger – wie Franz Birckmann oder Gottfried Hittorp – vergleichen, zumal K. wiederholt (1521/35/36) in seiner Arbeit von der Bücherzensur eingeengt wurde. Von den|lat. Druckwerken abgesehen, gewann K.s Presse dennoch mit 23 niederdeutschen Drucken, darunter „Der Seelentroist“ (1522), die undatierten „Tyel Vlenspiegel“, das „Sybillen boych“, die „Betrachtungen des … Lydens J. C. genannt die negen Kalden“ literatur- und bildungsgeschichtliche Bedeutung. K. setzte damit die Entwicklung fort, die im späten 15. Jh. mit Joh. Koelhoffd. Ä. und Heinr. Quentell begonnen hatte. Man druckte nicht mehr nur für die auf der via antiqua verharrende heimische Universität und für Gelehrte, sondern wandte sich an ein breiteres Lesepublikum, bis dann nach der Jahrhundertmitte bei Jaspar von Gennep die neuhochdeutsche Schriftsprache auch im köln.-niederrhein. Buchdruck Eingang fand.

  • Literatur

    ADB 17;
    W. Reuter. Zur Wirtsch.- u. Soz.gesch. d. Buchgewerbes im Rheinland bis 1800 (Köln, Bonn, Düsseldorf), in: Archiv f. Gesch. d. Buchwesens 1, 1958.

  • Autor/in

    Hans Lülfing
  • Empfohlene Zitierweise

    Lülfing, Hans, "Kruffter, Servas" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 112 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136552234.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kruffter: Servais K. (Servatius Cruftanus), Buchdrucker zu Basel und köln im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts. Biographische Nachrichten über ihn sind uns nicht erhalten und es ist nur bekannt, daß er in den beiden Jahren 1518 und 1519 zu Basel und von da an zu Köln als Drucker beschäftigt war. In der letzteren Stadt war seine Offizin in einem Hause „vp sent Marcellen straissen“ befindlich und druckte er u. a. „Der Seelentroist“ 1522, 8. „Sybillen boych: der prophetissen“ o. J. 4. und „Ein ser syverliche ... Betrachtunge des .. Lydens J. C. genant die negen Kalden“ o. J. 4. Von ungleich größerer Wichtigkeit als diese kleineren inhaltsleeren Productionen ist sein Druck: „Ayn Kurtz wylich lesen van Tyel vlenspiegel“ o. J. 4., der zweitälteste aller bis jetzt bekannten Drucke des Eulenspiegels. Da der drittälteste erst 1532 bei Melchior Sachse in Erfurt erschien, so hat K. aller Wahrscheinlichkeit nach die erste bekannte, am Oberrhein schon von Grüninger zu Straßburg 1519 gedruckte Ausgabe bei seiner Uebersiedelung nach Köln mitgebracht und dort von neuem aufgelegt. Bekanntlich gehören diese beiden ältesten Ausgaben des Eulenspiegels zu den größten Seltenheiten der deutschen Bolksbücherlitteratur. Während aber Von der Straßburger Ausgabe 1519 des hochdeutschen Textes nur ein einziges Exemplar bekannt ist, nach welchem Lappenberg seine Ausgabe (Leipzig 1854. 8) veranstaltet hat, kennt man von der undatirken Ausgabe in niedersächsischer Mundart kein complettes Exemplar, die vorhandenen ergänzen sich jedoch so glücklich, daß sich aus ihnen das durchaus vollständige Werk ergibt. Das eine dieser Bruchstücke besitzt die k. k. Hofbibliothek zu Wien, das andere die t. Bibliothek zu Berlin. Es hatten sich nun die Vorstände beider Bibliotheken vereinigt, ihre Exemplare auf dem Wege der Photolithographie gegenseitig zu vervollständigen und die Herstellung einer kleinen Anzahl completter Exemplare für den Buchhandel zu gestatten. Auf diese Weise entstand das Kruffter'sche Facsimile, welches auf die täuschendste Weise den Druck ersetzt: „Ayn Kurtz wylich lesen ...“ (wie oben) mit dem Vortitel: „Tyel Ulenspiegel in niedersächsischer Mundart, nach dem ältesten Druck des Servais Kruffer“ photolithographisch nachgebildet (Berlin. A. Asher & Co., 1865, 4.). Daß einer späteren Ausgabe des viel gedruckten Buches, was wir nebenbei bemerken wollen, die Ehre widerfuhr, auf dem zu Antwerpen 1570 erschienenen Inder eine Stelle zu finden, lernen wir aus einer Mittheilung Hoffmanns von Fallersleben in Auffeß' Anzeigen, II. 56. Uebrigens gehören die Holzschnitte, mit denen der Kruffter'sche Druck geschmückt ist, verschiedenen Schulen an.|Lappenberg a. a. S. 149 macht auch auf eine Figur aufmerksam, die sich bereits in einem von J. Grüninger im J. 1503 gedruckten Terentius vorfindet.

    • Literatur

      Norrenberg, Kölnisches Litteraturleben. S. X. 20, 26, 31. Weller, Repert. Supplem. (Register). Goedeke. Gr. I. 117.

  • Autor/in

    J. Franck.
  • Empfohlene Zitierweise

    Franck, Jakob, "Kruffter, Servas" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 212-213 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136552234.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA