Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Freiherren Hiller von Gaertringen ; Adelsgeschlecht
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118704966 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hiller, von (bis 1703)
  • Hiller von Gaertringen
  • Hiller, von (bis 1703)
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Zitierweise

Hiller von Gaertringen, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118704966.html [06.12.2019].

CC0

  • Leben

    Aus Pöttmes stammendes Geschlecht, das seit 1635 in Gärtringen bei Herrenberg in Württemberg, seit Ende 18. Jahrhunderts auch in Pommern, seit dem 19. Jahrhundert in der Provinz Posen und in Schlesien ansässig ist. – Reichsadel 1628, Reichsadelsbestätigung mit „von Gaertringen“ 1703. – Zu ihm gehören unter anderem: Heinrich von Hiller (1577–1637), württembergischer Kammersekretär und kaiserlicher Kammermeister, Hofpfalzgraf, Heinrich (1611–69), württembergischer Oberrat, Johann (1658–1715), Dr. iur., württembergischer Geheimer Rat, seit 1697 Reichstagsgesandter (siehe Dipl. Vertr. I, II), Johann (1687–1756), nassauischer Reichstagsgesandter, Oberamtmann zu Merklingen (siehe Dipl. Vertr. II), Rudolf (1735–99), preußischer Generalmajor (siehe Priesdorff II, S. 405 folgende, Porträt), dessen beide Söhne Rudolf (1771–1831), preußischer Generalmajor (siehe Priesdorff IV, S. 478 folgende, Porträt), und August (1772–1856), preußischer General der Infanterie (siehe ADB XII; Priesdorff IV, S. 118-21, Porträt), Ferdinand (1772–1854), württembergischer Landvogt, dessen Sohn Rudolf (1800-61), hohenzollern-hechinger Oberforstmeister, Rudolf (1801-66), auf Betsche (1868 umbenannt in „Hiller-Gaertringen“), Landtagsmarschall der Provinz Posen, Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses 1849–66, Wilhelm von Hiller (1806–98), preußischer Generalleutnant (siehe Priesdorff VII, S. 392), und Wilhelm (* 1809, 1866 bei Königgrätz), preußischer Generalleutnant und Kommandeur der 1. Garde-Infanterie-Division (siehe Literatur).

  • Literatur

    Friedrich (s. u.) u. Wilhelm Frhr. Hiller v. Gaertringen, Fam.gesch. d. Freiherrn H. v. G., 1910 (L, P); - zu Wilhelm ( 1866):
    ADB XII;
    Priesdorff VII, S. 92-94 (P);
    L. Dehio, Die Pläne d. Mil.partei u. d. Konflikt, in: Dt. Rdsch. 54, 1927.

  • Autor/in

    Ulrich Schindel
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Schindel, Ulrich, "Hiller von Gaertringen" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 155 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118704966.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hiller von Gaertringen, ein altes bis zum 14. Jahrhundert in Graubünden angesessenes reichsritterliches Geschlecht, welches in drei aufeinander folgenden Generationen dem preußischen Heere hervorragende Generale gab:

    Johann Rudolf, Baron v. H. G. stand ursprünglich in württembergischem Dienste, trat dann in den Preußens über, war 1794 Generalmajor, Chef eines Infanterieregiments (Tschepe), Ritter des Ordens Pour le mérite und starb 1799.

    Johann Friedrich August. Baron v. H. G., Sohn des vorigen, stand 1806 als Stabscapitän bei dem Regiment von Lettow. 1811 zum Major und ersten Adjutanten des kommandirenden Generals v. Grawert ernannt, nahm er in dieser Stellung am kurländischen Feldzuge Theil, erwarb den Orden Pour le mérite und übernahm endlich die schwierige preußische Commandantur der damals von den Franzosen besetzten Festung Spandau. Im J. 1813 wurde H. als Major Commandeur einer Grenadierbrigade, erhielt das Eiserne Kreuz 1. Classe, wurde während des Waffenstillstandes zum Commandeur der 1. Infanteriebrigade ernannt und an die Spitze der Infanterie der Avantgarde der schlesischen Armee gestellt, mit deren glänzender Geschichte, insbesondere mit der der Schlacht an der Katzbach sein Name ruhmvoll verbunden ist. In der Schlacht bei Möckern zerschmetterte ihm eine Kartätschkugel die Rechte, was|ihn nöthigte, in Dessau Heilung zu suchen. Aber schon beim Rheinübergange erschien H. wieder bei der Armee, wurde zum Oberstlieutenant befördert, erzwang im Gefechte bei Trilport den Marneübergang und nahm an dem Weitermarsch auf Paris Theil. Im J. 1815 wurde H. Commandant von Minden; beim Wiederausbruche des Krieges aber trat er als Oberst und Commandeur en Chef an die Spitze der 16. Infanteriebrigade bei der Rheinarmee. Als solcher griff er in dem Augenblicke der höchsten Krisis bei Belle-Alliance entscheidend und vernichtend ein. Hiller's Sturm auf Planchenoit beraubte den Kaiser Napoleon des letzten, von seinen Garden zähe festgehaltenen Stützpunktes, krönte den Flankenangriff Blüchers und war ein Stoß fast in den Rücken des Feindes. Er besiegelte die welthistorische Entscheidung. — Bei der großen Promotion in Paris wurde H. Generalmajor, 1816 Inspecteur der Landwehr und Commandant von Stettin, 1817 Divisionskommandeur in Posen. Zehn Jahre später wurde er zum Generallieutenant befördert. Im J. 1830 nahm er den Abschied, zog sich nach Schlesien zurück, erhielt 1850 den Charakter als General der Infanterie, 1853 den Schwarzen Adlerorden und starb 1856, bis zu seinem Tode in regstem Briefwechsel mit seinem vortrefflichen Sohne. — Ein Bruder (Jos. Rudolf), welcher 1816 Commandeur des 1. Dragonerregiments war und 1827 als Generalmajor pensionirt wurde, war schon 1831 gestorben.

    Wilhelm, Freiherr H. v. G., der zweite Sohn des vorigen und des Frl. Adelgunde v. Hellen, wurde am 28. August 1809 zu Pasewalk geboren, wo sein Vater damals Etappencommandant war. Seine Mutter starb schon 1822. Ein Jahr später bezog H. die Ritterakademie zu Liegnitz: am 3. October 1826 trat er als Freiwilliger bei der 12. Compagnie des 1. Garde-Regiments zu Fuß in die Armer. Er wurde am 15. Mai 1818 zum Secondelieutenant befördert, besuchte von 1834 bis 1837 die Allg. Kriegsschule zu Berlin und fungirte 1840 bis 1842 als Adjutant der 2. Gardeinfanterie-Brigade. Der Fürsprache des Prinzen von Preußen gelang es, H. einen lange gehegten Wunsch zu erfüllen: es wurde ihm gestattet, mit den Lieutenants von Werder und v. Gersdorff auf drei Jahre nach dem Kaukasus zu gehen, um den dortigen Kämpfen beizuwohnen. In der Suite des russischen Generals Grabbe lernten die Offiziere die befestigten Plätze der kaukasischen Linie kennen, dann bei General Golowin die grusinische Kriegsstraße, und nach Ueberwindung eines schlimmen Gallenfiebers hatte H. das Glück, noch rechtzeitig zu dem Gefechte bei Hadschi-Jurt einzutreffen, in welchem er die Feuertaufe empfing. Später wohnte H. dem Kampfe bei Oissa-Jurt bei und recognoscirte vom Januar 1843 an die Linie des Kuban und die tscherkessische Küste des schwarzen Meeres. In den darauf folgenden Kämpfen gegen Schamyl schlossen sich die preußischen Offiziere der Avantgarde an; als Lieutenant v. Werder hierbei verwundet wurde, geleitete ihn H. zu seiner Wiederherstellung in die Bäder von Pätigorst, eilte dann aber dem General Gurko an das kaspische Meer nach und nahm an 5 Gefechten im Daghestan Theil. Im Juni 1844 trafen die preußischen Offiziere wieder in Berlin ein, und H. überreichte in 2 stattlichen Quartbänden dem Prinzen von Preußen eine Reihe eingehender Berichte über die militärische Lage des Kaukasus. Der König verlieh ihm den Johanniterorden, der Kaiser von Rußland den St. Wladimirorden 4. Classe mit Schwertern. Am 18. Juni 1846 ernannte ihn der König unter ehrendem Gedenken der Waffenthat von Planchenoit zu seinem Flügeladjutanten und am 15. October zum Hauptmann. Bald darauf erhielt er den Charakter als Major. Vom Juni bis September 1849 befand sich H. im Hauptquartier des Prinzen von Preußen während des Feldzugs gegen die badische Insurrektion und nahm Theil an den Gefechten bei Kirchheim Bolanden, Ubstadt, Durlach und Küppenheim. Am 22. März 1853 wurde H.|zum Oberstlieutenannt und am 18. Januar 1855 zum Commandeur des Königsregiments (Nr. 2.) befördert, das er jedoch ein Jahr später mit dem 1. Garderegiment zu Fuß vertauschte. Am 15. Oct. 1856 avancirte er zum Oberst. Im März 1859 wurde H. mit Führung der Besatzungsbrigade der Bundesfestung Mainz betraut, dann erhielt er, als Generalmajor, das Commando der 1. Gardeinfanterie-Brigade und zu Beginn des Jahres 1864 das der 15. Division in Köln. Am 25. Juni desselben Jahres wurde er Generallieutenant, und im Januar 1866 trat H. zu der Truppe, in welcher er heraufgekommen, abermals in nächste Beziehung, indem ihm das Commando der 1. Gardeinfanterie-Division übertragen wurde. Am 26. Juni 1866 überschritt diese Division bei Braunau die österreichische Grenze. Vergeblich bot H. Tags darauf dem kommandirenden General des I. Armeecorps bei Trautenau persönlich das Eingreifen seiner Division in das Gefecht an; er setzte daher seinen Marsch fort und erfocht am folgenden Tage den Sieg bei Burgersdorf. Am 29. begann der Weitermarsch gegen die Elbe, und Hiller's Avantgarde eroberte Königinhof, wo die Division Stellung nahm. In der Frühe des 3. Juli brach sie wieder am, und da sie von allen Truppen der II. Armee zunächst des großen Schlachtfeldes von Königgrätz gelagert hatte, so betrat sie dasselbe auch zuerst, wobei H. so mächtig vorwärts drängte, daß er sich zuweilen vor den Husaren seiner Spitze befand. Kurz vor 12 Uhr traf die Avantgarde der Division Hiller bei Zizelowes ein, und nun begann jenes rapide Vorgehen gegen die Höhe von Chlum, welches für die Entscheidung der Schlacht von Königgrätz eine ganz ähnliche Bedeutung hatte wie im J. 1815 die Wegnahme von Planchenoit durch H. den Vater für dir Schlacht von Waterloo. Stundenlang hielt der General in dem furchtbaren Feuer, welches während des immer neuen Ringens um Chlum die Höhe überschüttete; endlich in dem Augenblicke, als durch das Eintreffen der Spitze des I. Armeecorps die vollkommenste Sicherung der mit so kühner Entschlossenheit ergriffenen, mit so blutigen Opfern behaupteten Position verbürgt ward, trifft H. ein Granatsplitter. Er stirbt in unmittelbarer Nähr jener Füsilier-Compagnie des 1. Garde-Regiments bei der er einst den Fahneneid geleistet und in dem Augenblicke glorreicher Lösung einer selten bedeutungsvollen Aufgabe, die sich, wie es schien, vom Vater auf den Sohn vererbt hatte.

    • Literatur

      Vgl. Milit. Wochenbl. 3. Juli 1867.

  • Autor/in

    Jähns.
  • Empfohlene Zitierweise

    Jähns, Maximilian, "Hiller von Gaertringen" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 426-428 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118704966.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA