Lebensdaten
1699 bis 1769
Geburtsort
Mühlhausen/Enz
Sterbeort
Steinheim bei Heidenheim
Beruf/Funktion
evangelischer Pfarrer ; Lieddichter
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118704958 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hiller, Philipp Friedrich
  • Hiller, P. F.
  • Hiller, Ph. Fr.
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Hiller, Philipp Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118704958.html [18.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Jacob (1663–1701), Pfarrer, S d. Joh. Philipp (1619–66), Hofgerichtsadvokat, württ. Rat u. Pfleger zu Unteröwisheim b. Bruchsal, u. d. Agnes Cath. Datt;
    M Marie Elisabeth, T d. Pfarrers Daniel Griesinger in Großglattbach u. d. Anna Sabina Spindler;
    Stief-V (seit 1705) Phil. Frdr. Weiß (1651–1719), Bgm. in Vaihingen/Enz u. Landschaftsassessor;
    Ov Friedrich Conrad (1651–1726), Kanzleiadvokat in Stuttgart, Dichter geistl. Lieder (im neuen gemeinsamen Gesangbuch d. Ev. Kirche in Dtld. ist sein Lied „Ich lobe dich v. ganzer Seelen …“ abgedr.; (s. ADB XII; Heyd II, IV, VI; Koch I, V); Vt 2. Grades Joh. Phil. Datt ( 1722), Rechtshist. (s. NDB III);
    - Neckargröningen 1732 Marie Regina (1706–80), T d. Pfarrers Joh. Friedrich Schikardt in Hessigheim u. Dettingen u. d. Maria Agnes Nicolai;
    5 S, 6 T (2 jung †), u. a. Joh. Christian (1734–1820), Prof. in Maulbronn, Prälat zu Anhausen;
    Ur-E Eduard (s. 1).

  • Leben

    H. wuchs nach dem frühen Tod des Vaters im großväterlichen Hause auf, bis die Mutter wieder heiratete und ihm der Stiefvater den Lateinschulbesuch in Vaihingen ermöglichte. Nach dem Landexamen kam er 1713 in das Theologische Seminar Denkendorf, wo J. A. Bengel sein verehrter, einflußreicher Lehrer und väterlicher Freund wurde, 1716 nach Maulbronn. Seit 1719 studierte er als Stiftler in Tübingen, wo er schon 1720 Magister wurde und 1724 sein theologisches Examen bestand. Nach Vikarszeit in Brettach, Roßwaag, Vaihingen und Schwaigern wurde er von der Landeskirche beurlaubt, um 1729 eine Hauslehrerstelle bei dem Marktvorsteher von Müller in Nürnberg anzunehmen. 1731 in die Heimat zurückgekehrt, wurde er bald Pfarrer von Neckargröningen. 1736 bewarb H. sich mit Erfolg um die einträglichere Pfarrei Mühlhausen, wo er sich gegenüber separatistischen Bestrebungen durchsetzen konnte. 1748 wurde er nach Steinheim im Albuch berufen. Nach 3 Jahren besonders segensreichen Wirkens befiel ihn ein Kehlkopfleiden, das ihm in kurzer Zeit nahezu ganz die Stimme raubte. Er konnte weder sein Predigt- noch sein Seelsorgeamt führen. Gleichwohl entschloß sich die Kirchengemeinde, den verehrten Geistlichen zu behalten und für das öffentliche Amt einen Vikar hinzuzuziehen. H. fand nun genügend Muße, sich ganz der geistlichen Dichtung zu widmen, die er mit intensivem Bibelstudium verband. Durch seine glaubensstarken, einprägsamen Lieder wirkte er weiter in seiner Gemeinde und hat für die ganze evangelische Christenheit Bleibendes gestaltet. Bei christlicher Erziehung von Jugend auf schloß er sich dem|Pietismus an, zugleich den reformatorischen Gedanken festhaltend. Unter seinen 1073 geistlichen Liedern finden sich natürlich auch viele schwache oder zu zeitbedingte, gleichwohl gehören die noch heute gesungenen Gesangbuchlieder „Jesus Christus herrscht als König …“, „Wir warten dein, o Gottessohn …“, „Mir ist Erbarmung widerfahren …“, „Die Gnade sei mit allen …“, „Vater, sieh auf unsre Brüder …“, „Singet Gott, denn Gott ist Liebe …“, „Weicht ihr Berge, fallt ihr Hügel …“, „Wer ausharrt bis ans Ende …“ zu den gehaltvollsten Kirchenliedern des 18. Jahrhunderts H. wurde zum Lieblingsdichter des schwäbischen Pietismus; sein „Geistliches Liederkästlein zum Lobe Gottes“ (1762, 2. Teil 1767) fand in vielen Auflagen weiteste Verbreitung, zugleich als Trost-, Gebet- und Predigtbüchlein.

  • Werke

    Weitere W u. a. Joh. Arndts Paradisgärtlein geistl. Gebete u. Lieder …, 1731;
    Gott geheiligte Morgenstunden z. poet. Betrachtung d. Thaues …, 1748;
    Das Leben Jesu Christi, d. Sohnes Gottes, unseres Herrn, in gebundener Schreibart …, 2 T., 1752 (v. Bengel sehr gelobt);
    Neues System aller Vorbilder Jesu Christi durch d. ganze AT …, 1758 (darin nur 1 Lied: „Jesus Christus herrscht als König“ mit 26 Strophen).

  • Literatur

    ADB XII;
    Heyd II, IV, VI;
    H. Vonhoff, Der stumme Sänger v. Steinheim. Ph. F. H. z. 200. Todestag, Funk-Ms. Süddt. Rundfunk, Stuttgart, 24.4.1969;
    Programme u. Berr. d. Kirchengemeinde Steinheim am Albuch v. d. Gedächtnisfeier. April 1969;
    RGG3 (L).

  • Portraits

    Ölgem. (aus Fam.bes.;
    heute in d. Ph. F. H.-Schule, Steinheim am Albuch);
    Kupf. (Marbach, Schiller-Nat.mus.).

  • Autor/in

    Walter Scheffler
  • Empfohlene Zitierweise

    Scheffler, Walter P. H., "Hiller, Philipp Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 151-152 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118704958.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hiller: Philipp Friedrich H., der bekannte Dichter geistlicher Lieder aus der Bengel'schen Schule, wurde am 6. Januar 1699 in Mühlhausen an der Enz geboren, wo sein Vater, Johann Jacob H., Prediger war. Nachdem er diesen schon im J. 1701 verloren hatte, heirathete seine Mutter im J. 1706 den Bürgermeister zu Vaihingen an der Enz. Philipp Friedrich Weiß, der ihn christlich erzog und zum geistlichen Stande bestimmte. Vom J. 1713 an besuchte er die Klosterschulen zu Denkendorf und Maulbronn; in der ersteren wurde J. A. Bengel sein Lehrer. Nachdem er darauf vom J. 1719—1724 in Tübingen Theologie studirt hatte, wurde er nacheinander an vier Gemeinden Vicar und lebte dann vom J. 1739 an zwei Jahre als Hauslehrer bei dem Marktvorsteher v. Müller in Nürnberg. Im Herbst 1731 wieder nach Württemberg zurückgekehrt, ward er zunächst wieder Vicar in Heßgen, dann im J. 1732 Pfarrer in Neckar-Gröningen, 1736 in seinem Geburtsort Mühlhausen und von hier ward er im J. 1748 nach Steinheim bei Heidenheim versetzt, wo er bis zu seinem im J. 1769 am 24. April erfolgenden Tode verblieb. Schon im dritten Jahre seiner Wirksamkeit in Steinheim verlor er seine Stimme, so daß er nicht mehr selbst predigen konnte, sondern sich durch einen Vicar vertreten lassen mußte. Hierdurch hatte er anfänglich mancherlei Widerwärtigkeiten in der Gemeinde zu bestehen, die er aber durch seine treue Wirksamkeit als Seelsorger und durch Bibelstunden in seinem Hause, zu denen seine heisere Stimme ausreichte, überwand. Besonders aber hat der „stimmlose Pfarrer“ durch seine Lieder weit über seine Gemeinde hinaus und bis in unsere Tage eine große geistliche Wirksamkeit ausgeübt; er ist, wie sein Landsmann Koch (siehe unten sagt, „der geistliche Hauptsänger des evangelischen Alt-Württembergs und erfüllte den Beruf, die Forschungen und Gaben Bengel's der Kirche und dem Volksleben vermittelst der Dichtkunst anzueignen.“ Hat doch Gustav Schwab ihn als Liederdichter Paulus Gerhardt an die Seite gesetzt und Albert Knapp, der ihn besonders hoch stellte, rühmt wol mit Recht an ihm gerade auch im Vergleich mit anderen, die als geniale Dichter über ihm stehen, seine klare Schriftmäßigkeit und biblische Einfalt, seine Vielseitigkeit und seine Kürze und Besonnenheit, „welche die Schrift und deren Kernsinn nie zu übertreiben sucht und besonders auch die Liebe zu Gott und Christo mit geziemender Ehrerbietung und nüchterner Würde verbindet“ (vgl. Koch a. a. O.), wodurch er sich namentlich vor gleichzeitigen Dichtern aus pietistischen und herrnhutischen Gemeinden auszeichnet. Jedenfalls hat H. trotz geringerer poetischer Begabung durch seine Lieder einen Einfluß gewonnen, wie kaum ein anderer Sänger, vor allem bei Württembergern in ihrer|Heimath und außerhalb derselben (in Nordamerika, Rußland u. s. f.), und von seinen zahlreichen Liedern haben sich die bedeutenderen auch in weiteren Kreisen Eingang zu verschaffen gewußt und sind vielerwärts in Gemeindegesangbücher ausgenommen, und ihre innere Wahrheit, die Echtheit seines Glaubens wird sie nicht vergessen werden lassen. H. begann schon zu Nürnberg seine dichterische Thätigkeit; veranlaßt durch eine Gerhardt'sche Bearbeitung eines Gebetes aus Johann Arnd's Paradiesgärtlein, brachte er alle Gebete dieser Sammlung in Lieder. Vor allem hat er dann aber in Steinheim, als er nicht mehr Predigen konnte, durch die Lieder, die er dichtete, zu wirken gesucht; hier entstanden unter anderen die beiden Sammlungen, die er nach dem Vorgange des Bogatzkyschen Schatzkästleins „Geistliche Liederkästlein“ nannte; sie enthalten für jeden Tag des Jahres neben einem Spruch aus der heiligen Schrift und einer ganz kurzen, kernigen Erklärung desselben ein kurzes Lied und sind als häusliches Erbauungsbuch oft aufgelegt und noch weit verbreitet. Die erste Sammlung, welche 366 kleine Oden zum Lobe Gottes umfaßt, erschien zuerst im J. 1761; die zweite, Betrachtung des Todes, der Zukunft Christi und der Ewigkeit betitelt, im J. 1767. Außer diesen bekanntesten gibt es noch eine Reihe anderer Erbauungsschriften von H. sowohl in Versen als in Prosa. Manche seiner Lieder haben in spätern Ueberarbeitungen, z. B. von Diterich, neuerdings von Knapp. Verbreitung gefunden; zu den in ihrer ursprünglichen Fassung allgemein bekannten gehören die Lieder: „Mir ist Erbarmung widerfahren", „So lang ich hier noch walle", „Nacht und Schlaf ist jetzt zurücke“. „Weicht ihr Berge, fallt ihr Hügel“ etc.

    • Literatur

      Eine kurze Autobiographie Hiller's ist abgedruckt in (O. F. Hoerner) Nachrichten von Liederdichtern des Augsburgischen Gesangbuches, 2. Auflage, Schwabach 1775, S. 120 ff. — Koch in Piper's evangelischem Kalender 1853, S. 199 ff. und Geschichte des Kirchenlieds u. s. f., 3. Aufl., Bd. 5 S. 107 bis 126; hier S. 116 ff. die oben citirten Aussprüche von Schwab und Knapp. Wagenmann in den Jahrbüchern für deutsche Theologie, 15. Band, 1870. S. 225 ff. und in der theologischen Realencyklopädie von Herzog und Plitt. 2. Auflage, Band 6, S. 116. Die Hiller'schen Lieder gab Ehmann, Reutlingen 1844, nebst einem Abriß seines Lebens heraus.

  • Autor/in

    Bertheau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bertheau, Carl, "Hiller, Philipp Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 425-426 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118704958.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA