Lebensdaten
1864 bis 1947
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Thurnau (Oberfranken)
Beruf/Funktion
Epigraphiker ; Archäologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 105268798 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hiller von Gaertringen, Friedrich Freiherr
  • Gaertringen, Fridericus H. de
  • Gaertringen, Friedrich H. von
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Zitierweise

Hiller von Gaertringen, Friedrich Freiherr, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd105268798.html [23.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Rudolf (1837–77), auf Reppersdorf b. Jauer, preuß. Hauptm., S d. Friedrich, auf Groß-Klonia, u. d. Emma Wölffer;
    M Helene (1842–72), T d. Gustav Kramsta, auf Reppersdorf u. Moisdorf, u. d. Ottilie Kober;
    Stief-M Clara Fritsch (1847–1916);
    - Westend 1905 Dorothea (* 1879), T d. Philologen Ulrich v. Wilamowitz-Moellendorff ( 1931) u. d. Marie Mommsen; kinderlos.

  • Leben

    H. studierte vor allem Alte Geschichte, zuerst bei A. von Gutschmid in Tübingen, dann bei Mommsen in Berlin. Nach der Promotion (1886) setzte er seine Studien noch in Göttingen bei Wilamowitz fort. Die Wendung zur Epigraphik und Archäologie brachte eine Griechenlandreise (1890), bei der er an den Grabungen C. Humanns in Magnesia in Kleinasien teilnahm. In der Folge dieser Tätigkeit bot ihm Mommsen die Mitarbeit an dem von der Preußischen Akademie herausgegebenen Corpus der Griechischen Inschriften (IG) an (1893). Dies wurde H.s Lebensaufgabe: Zuerst als freier Mitarbeiter, seit 1904 als wissenschaftlicher Beamter der Akademie (bis 1929) sammelte er auf zahlreichen Griechenlandreisen Material für 7 große Inschriftencorpora und brachte sie in energischer und ausdauernder Arbeit zur Edition. Am Entstehen von 2 weiteren IG-Bänden hatte er wesentlichen Anteil. Einen Ruf nach Halle auf den Lehrstuhl für Alte Geschichte (1906) lehnte er zugunsten des Inschriftenwerks ab. Eng mit der Corpus-Arbeit im Zusammenhang standen die Ausgrabungen des Stadtberges von Thera (= Santorin), die er 1896-1902 auf eigne Kosten durchführte und später publizierte. Neben den Editionen im Rahmen der IG hat er 1906 im Auftrag der Berliner Museen die Inschriften von Priene ediert und 1915-24 mit andern die Neuauflage des wichtigen Inschriftensammelwerks von W. Dittenberger „Sylloge“ besorgt. Seit 1917 hielt er an der Berliner Universität als Honorarprofessor Vorlesungen über Epigraphik (bis 1933). In hohem Alter ist er, nach Verlust seiner reichen Bibliothek und seiner Materialsammlungen durch Bombenangriff (1943), fern seinem alten Wirkungskreis gestorben.

    H. war zu seiner Zeit der namhafteste Vertreter der griechischen Epigraphik in Deutschland und repräsentierte das Berliner Inschriftenunternehmen gegenüber dem Ausland. Seine Bedeutung für die Altertumswissenschaft im Ganzen liegt darin, daß er in seltener Weise das Wissen und die Betrachtungsweise des Epigraphikers, Althistorikers und Archäologen in einer Person vereinigte und durch sein ergebnisreiches Wirken die notwendige Zusammengehörigkeit dieser drei Sparten bewies. In der Epigraphik selbst war es weniger die philologische als die historische Seite, die ihm besonders am Herzen lag: Für die Einordnung der Inschriften in die geschichtlichen Zusammenhänge hat er Bleibendes geleistet. Als akademischer Lehrer hat er zweifellos viele Anregungen gegeben, zur Bildung einer epigraphischen „Schule“ um ihn ist es aber bei seinem geringen Interesse für Theorie und Systematik seines Faches nicht gekommen.|

  • Auszeichnungen

    Dr. h. c. (Athen). Mitgl. zahlr. Ak. u. gel. Ges. u. a. Athen, Berlin, Leningrad, Wien, d. Society for Hellenic Studies in London.

  • Werke

    De Graecorum fabulis ad Thraces pertinentibus quaestiones criticae, Diss. Berlin 1886;
    Inscriptiones Graecae: Inscriptiones Rhodi etc., = IG XII, 1, 1895;
    Inscriptiones Symes etc.,|= dass., 3, 1898;
    Inscriptiones Cycladum, = dass., 5, 1 + 2, 1903/09;
    Inscriptiones Thessaliae, ed. O. Kern, = dass. IX, 2, 1908 (Mithrsg.);
    Inscriptiones Amorgi etc., ed. J. Delamarre, = dass. XII, 7, 1908 (Mithrsg.);
    Inscriptiones Arcadiae, = dass. V, 2, 1913;
    Inscriptiones Atticae Euclidis anno anteriores, = IG2 I, 1924;
    Inscriptiones Epidauri, = dass. IV, 1, 1929;
    Suppl. ad Inscriptiones Insularum Maris Aegei, = IG XII suppl., 1939. -
    Thera, Unterss., Vermessungen u. Ausgrabungen in d. J. 1895–98, 4 Bde., 1899-1909 (mit H. Dragendorff u. P. Wilski);
    Fam.gesch. d. Freiherrn Hiller v. Gaertringen, 1910 (mit Wilh. H. v. G.);
    Sylloge Inscriptionum Graecarum, coll. W. Dittenberger, 31915-24 (mit J. Kirchner, H. Pomtow u. E. Ziebarth);
    Hist. Griech. Epigramme, 1926;
    Griech. Epigraphik, in: Gercke-Norden, Einl. in d. Altertumswiss. I, 31927;
    Artikel u. a. Rhodos 1931, Miletos 1933, Thera 1934, Thessalien 1936, in: Pauly-Wissowas Realenz. d. class. Altertumswiss. -
    Hrsg.: Usener u. Wilamowitz, e. Briefwechsel 1870-1905, 1934;
    Mommsen u. Wilamowitz, Briefwechsel, 1935 (mit Dorothea v. Wilamowitz). -
    Autobiogr. bis 1910 in d. Fam.gesch., s. W, S. 262-64;
    Autobiographisches in: Griech. Epigraphik, s. W, S. 1-3;
    Erinnerungen e. alten Epigraphikers, in: Neue Jbb. f. Antike u. dt. Bildung 5, 1942;
    Autobiogr. Skizze, 1945 (im Bes. d. Witwe).

  • Literatur

    (A. Wilhelm), Glückwunschschreiben in: Alm. d. Ak. d. Wiss. in Wien 95, 1945;
    J. Keil. ebd. 98, 1948;
    A. Rehm, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1944/48, 1948;
    G. Klaffenbach, in: Gnomon 25, 1949.

  • Portraits

    in: Genealog. Hdb. d. Adels 16, 1957;
    L. Knidlberger, Santorin, 1965, S. 196.

  • Autor/in

    Ulrich Schindel
  • Empfohlene Zitierweise

    Schindel, Ulrich, "Hiller von Gaertringen, Friedrich Freiherr" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 155 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd105268798.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA