Lebensdaten
1732 bis 1816
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118774743 | OGND | VIAF: 35252483
Namensvarianten
  • Hetzendorff, Johann Ferdinand (bis 1766)
  • Hetzendorff Edler von Hohenberg, Johann Ferdinand
  • Hohenberg, Johann Ferdinand Edler von (überwiegend verwendete Form seit 1766)
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Zitierweise

Hetzendorff von Hohenberg, Johann Ferdinand, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118774743.html [13.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Samuel Hetzendorff (1694–1742), ak. Maler (Theater, Kirchen), Theaterarchitekt (s. ThB), S d. Joh. Samuel Hötzendorffer ( 1697), aus Neubistritz/Böhmen, Färbermeister, kurpfälz. Rat. Kirchenverwalter, dann auch Bgm. u. Stadthauptm. in Sulzbach/Oberpfalz, u. d. Susanna Barbara Wisnet;
    M Theresia Ursula (* 1708), T d. Gerbermeisters u. Ratsherrn Georg Balthasar Neffzer in Sulzbach u. d. Joh. Barbara Kilian;
    Schw Josepha Maria ( Franz Conrad, 1815 Reichsadel als „Conrad v. Hötzendorf“, 1827, Rechnungsrat in Brünn);
    - 1) Karoline N. N ( 1798), 2) Rosalie (1752–1810);
    K;
    Ur-Groß-N FM Franz Gf. Conrad v. Hötzendorf ( 1925, s. NDB III).

  • Leben

    H. studierte vermutlich an der Wiener Akademie, doch liegen über Ausbildung und Reisen keine sicheren Nachrichten vor. Wichtig war für ihn jedenfalls die Kunst Italiens, ferner die französische Architektur, und sicherlich verfügte er auch über eine Kenntnis der englischen Kunst. 1758 wurde er Ehrenmitglied der Franciscäischen Akademie in Augsburg. 1768 zum Mitglied der Wiener Kupferstecherakademie und der Wiener Akademie der Maler, Bildhauer und Baukunst gewählt, wurde er 1769 stellvertretender Professor an der letztgenannten Anstalt und war seit 1772 bis zu seinem Tod Direktor der Architekturschule der vereinigten Akademie der Bildenden Künste, die er 1786 neu organisierte. 1773 erlangte er als erster Deutscher die Mitgliedschaft der Académie de France in Rom, 1775 wurde er Titular- und 1776 wirklicher Hofarchitekt für Hofbauten außerhalb des Linienwalles, dann 1. Hofarchitekt, welches Amt er 1793 niederlegte.

    H. war in der Frühzeit vorwiegend als Dekorations- und Theatermaler tätig, verfertigte Stiche mit antiken und ägyptischen Motiven, die von der Romantik Piranesis beeinflußt sind, und entwarf auch später wiederholt Festdekorationen und Triumphbögen. Von Kaiserin Maria Theresia besonders geschätzt, erbaute er 1766/67 das Schönbrunner Schloßtheater und wurde um 1772 mit der Ausgestaltung des Schönbrunner Parkes beauftragt, der bedeutendsten Aufgabe, die damals in Wien zu vergeben war. Den Schloßberg bekrönte er mit der Gloriette, im Garten führte er die „Römische Ruine“ und eine Kaskade mit Obelisken aus, 1777 baute er die Gartenstiege des Schlosses um. In den Arbeiten für den Hof erweist sich H. als im Rokoko verwurzelt, das er im Sinne eines von der italienischen und französischen Kunst gespeisten strengen Klassizismus umzuprägen weiß. Dagegen verrät sein Entwurf für die Grotte im Schloßpark zu Vöslau für Bankier Johann von Fries den Einfluß englischer Gartenkunst. Für den gleichen Bauherrn errichtete er sein architektonisches Hauptwerk, das Palais|Fries-Pallavicini (1783–86) auf dem Josefs-Platz in Wien, das wegen der Abkehr von traditionellen Ordnungen Gegenstand einer kunsthistorisch wichtigen Kontroverse wurde. Kaiser Josef II. beauftragte den Architekten neben den interessanten Regotisierungen der Augustiner- und Minoritenkirche in Wien mit den künstlerisch wenig ergiebigen Umbauten aufgehobener Klöster zu Verwaltungsgebäuden. 1786-90 errichtete H. im Auftrag von Staatskanzler Fürst Kaunitz die Pfarrkirche in Austerlitz als programmatisches Beispiel einer josefinischen Pfarrkirche. Er schuf verschiedene Architekturen für den Landschaftsgarten von Laxenburg, in denen romantische, einem ausgeklügelten Programm unterworfene Anlagen noch nach den im Barock wurzelnden Prinzipien der symmetrischen Ordnung komponiert wurden, vor allem das bizarre Haus der Laune, dessen erhaltenes Modell 1799 datiert ist. – Als vielseitige bedeutende Künstlerpersönlichkeit konnte H. durch seine Fähigkeit zur Synthese italienischer und westeuropäischer Anregungen der österreichischen Kunst zu einem bruchlosen Übergang vom Spätbarock zum Klassizismus verhelfen.

  • Werke

    Weitere W Hochaltar f. d. Wallfahrtskirche Heiligenkreuz-Gutenbrunn/Nd. österr., 1757;
    Altäre d. Pfarrkirchen St. Josef, Wien V, u. Liechtental, um 1770;
    Pläne f. Ausgestaltung d. Wiener Hofburg, um 1803 (nicht ausgeführt);
    Pläne f. d. sog. Vereinigungsbau Franzensburg in Laxenburg, 1806 (nicht ausgef., nur d. 1807 geplante Reitschule u. Stauung wurde in Angriff genommen).

  • Literatur

    ADB XII;
    E. Hainisch, Der Klassizismus d. Architekten J. F. H. v. H. in s. Mittelstellung zw. Spätbarock u. Romantik, Diss. Wien 1925 (ungedr.);
    ders., Der Architekt J. F. H. v. H., in: Wiener Jb. f. Kunstgesch., 1949 (P);
    R. Wagner-Rieger, Die Anfänge klassizist. Architektur in Wien, in: Mitt. d. Ges. f. vgl. Kunstforschung in Wien 13, 1960;
    dies., Die Wiener Architektur d. Klassizismus, in: Alte u. moderne Kunst, 1965, H. 81;
    dies., Die Wiener Architektur d. 19. Jh., 1970;
    W. Wagner, Die Gesch. d. Ak. d. Bildenden Künste in Wien. 1967;
    P. Pötschner, Das Haus d. Laune im Park zu Laxenburg. Wirklichkeit u. Modell, in: Alte u. moderne Kunst, 1969, H. 106;
    ThB (unter Hohenberg). - Eigene Archivstud.

  • Portraits

    mit d. Zeichnung d. v. ihm geschaffenen Gartentreppe d. Schlosses zu Schönbrunn in d. Hand auf Ölgem. „Modellsaal d. Wiener Ak.v. M. F. Quadal, 1790 (Wien, Ak. d. Bildenden Künste), Abb. d. Ausschnittes b. Hainisch, Der Architekt J. F. H. v. H., s. L.

  • Autor/in

    Renate Wagner-Rieger
  • Empfohlene Zitierweise

    Wagner-Rieger, Renate, "Hetzendorff von Hohenberg, Johann Ferdinand" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 35 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118774743.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hetzendorf: Johann Ferdinand H., Edler von Hohenberg, Architect, geb. am 7. Februar 1732 in Wien, am 14. December 1816 daselbst. Nachdem H. seine Studien an der Wiener Akademie zurückgelegt, suchte er durch Reisen nach Italien seine Ausbildung zu vervollkommnen. Hieraus wurde er fürstlich Kaunitz'scher Architect, 1768 als Professor der Baukunst an die Wiener Akademie der Künste berufen und 1772 zum Director derselben ernannt. Im J. 1775 erhielt er im Generalhofbauamte die Stelle eines Hofarchitecten, in welcher Eigenschaft er am 4. Juli 1793 in den Ruhestand versetzt wurde. H., ein Vertreter des classischen Baustils, baute (1763) das Hoftheater im Lustschlosse zu Schönbrunn, das Schloß des Baron Fries in Vöslau und legte den dazu gehörigen Park an. Sein vorzüglichstes Werk ist die schöne Gloriette auf der Anhöhe des Schönbrunner Gartens, welche das Hauptparterre abschließt (1776); das Werk begeisterte Metastasio zu einem Gedichte und fand solchen Beifall, daß es vielfach abgebildet und die Risse nach Rom, Spanien und Frankreich versendet wurden. Die Akademie zu Rom ernannte ihn deshalb zu ihrem Ehrenmitgliede. Nach seiner Pensionirung lebte H. zurückgezogen, ohne als Künstler weiterhin hervorragend thätig gewesen zu sein.

    • Literatur

      De Lucca, Das gelehrte Oesterreich, I. 2. Heft. — Handschriftl. Aufzeichnungen.

  • Autor/in

    K. Weiß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Weiß, Karl, "Hetzendorff von Hohenberg, Johann Ferdinand" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 323 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118774743.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA