Lebensdaten
um 1010 – 1078
Beruf/Funktion
Erzbischof von Magdeburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137326998 | OGND | VIAF: 81533020
Namensvarianten
  • Wezilo
  • Werner von Magdeburg
  • Wernher
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Zitierweise

Werner, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137326998.html [03.03.2024].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. schwäb. Fam. d. Herren v. Steußlingen; – V Walt(h)er v. Steußlingen;
    M Eggela (Engela);
    B Anno II. ( 1075), Ebf. v. Köln, Hl. (s. NDB I; BBKL I; Rhein. Lb. VII; L);
    N Burchard (um 1028–88), Bf. v. Halberstadt (s. NDB III; BBKL I; LexMA).

  • Biographie

    W. war vor der Bischofserhebung vermutlich Propst von Mariengraden in Köln (oder Domherr in Bamberg und Hildesheim). Die Erhebung zum Nachfolger Ebf. Engelhards am 31. 8. 1063 erfolgte auf Betreiben seines Bruders, des Kölner Ebf. Anno II. (reg. 1056–75), der damals die Regentschaft für den unmündigen Kg. Heinrich IV. (1050–1106) übernommen hatte. Dieses Vorgehen gegen das Votum des Magdeburger Domkapitels, das den bisherigen Dompropst Friedrich, einen Wettiner, für die Nachfolge bestimmt hatte, wurde von den Zeitgenossen (insbesondere Adam von Bremen) als Nepotismus kritisiert, auch deshalb, weil Anno bereits zuvor die Erhebung seines Neffen Burchard zum Bischof von Halberstadt (reg. 1059–88) veranlaßt hatte.

    W.s Beziehungen zu Heinrich IV. waren bis 1072 offenbar gut, wie mehrfache Aufenthalte in dessen Umfeld und die gemeinsame Feier des Pfingstfests in Magdeburg 1072 bezeugen. Doch im Zuge der Auseinandersetzungen zwischen Heinrich IV. und den Sachsen hielt auch W. zur antiköniglichen Opposition, scheint sich aber dennoch mehrmals um eine Vermittlung bemüht zu haben. Die Stadt Magdeburg blieb von den kriegerischen Auseinandersetzungen verschont, wohl weil sie ihre Funktion als Vorort Sachsens zu diesem|Zeitpunkt an Goslar verloren hatte. W. geriet allerdings im Okt. 1075 in königliche Gefangenschaft. Nach der Haftentlassung vermittelte er (erfolglos) in königlichem Auftrag in Sachsen. Bei der Wahl Rudolfs von Rheinfelden zum Gegenkönig am 13. 3. 1077 in Forchheim war er anwesend und fungierte bei dessen anschließender Weihe durch Ebf. Siegfried (reg. 1060–84) in Mainz als Mitkonsekrator. An der Schlacht von Mellrichstadt am 7. 8. 1078 nahm W. ebenfalls teil, ergriff dann jedoch – wie Bischof Werner von Merseburg (reg. 1063–93) – die Flucht und wurde dabei ermordet.

    W. hatte von Papst Alexander II. (reg. 1061–73) das Pallium erhalten (das Privileg ist nicht überliefert). Die Reformforderungen Gregors VII. (reg. 1073–85) unterstützte er nur bedingt. Zwei päpstliche Aufforderungen vom März 1075, energisch gegen verheiratete Priester vorzugehen und auf die Einhaltung des Zölibats zu achten, wurden von ihm offenbar nicht umgesetzt. Allerdings förderte er die durch Burchard II. von Halberstadt vorgenommene Gründung des (Reform-)Klosters Huysburg, indem er Mönchen des Klosters Berge die Genehmigung erteilte, dorthin überzusiedeln.

    Die Erzdiözese Magdeburg verlor während W.s Pontifikat ein größeres Gebiet zwischen Elbe und Mulde an das Bistum Meißen, dem zudem die Diözesanrechte an der Lausitz zugesprochen wurden. Im Magdeburger Dom ließ W. den bei einem Brand beschädigten Hauptaltar wiederherstellen.

    Beigesetzt wurde W. in dem von Ebf. Gero (reg. 1012–23) gegründeten Liebfrauenstift, dessen Konventsgebäude er neu hatte errichten lassen. W.s Mutter fand ihre letzte Ruhestätte im Magdeburger Dom.

    Die Gesta archiepiscoporum Magdeburgensium zeichnen ein ambivalentes Bild des ‚landfremden‘ Erzbischofs. Sie charakterisieren ihn als milde (mansuetus), kritisieren aber zugleich seinen geringen Scharfsinn (minus acris ingenii).

  • Quellen

    |Gesta archiepiscoporum Magdeburgensium, ed. W. Schum, in: MGH SS 14, 1883, S. 400–03; Lampert v. Hersfeld, Opera, ed. O. Holder-Egger, 1894; Das Reg. Gregors VII., ed. E. Caspar, MGH Epistolae selectae, 1902; Urk.b. d. Erzstifts Magdeburg, ed. F. Israel, Bd. 1: 937–1192, 1937; Brunos Buch vom Sachsenkrieg, neu bearb. v. H. E. Lohmann, 1937; Brunonis Saxonicum bellum, hg. u. übers. v. F.-J. Schmale, ⁵2006, S. 214–344; Die Reichschron. d. Annalista Saxo, hg. v. K. Naß, in: MGH SS 37, 2006, S. 406–52; Annalen, neu übers. v. A. Schmidt, erl. v. W. D. Fritz, ⁴2011.

  • Literatur

    L ADB 42;
    W. F. Hoffmann, Gesch. d. Stadt Magdeburg nach d. Quellen bearb., Bd. 1 Magdeburg, 1845, S. 100–03;
    G. Meyer v. Knonau, Jbb. d. Dt. Reiches unter Heinrich IV. u. Heinrich V., Bd. 1–3, 1890–1900, Neudr. 1964 / 65;
    G. Lüpke, Die Stellung d. Magdeburger Erzbischöfe während d. Investiturstreits, 1937, S. 44 ff.;
    D. Lück, Ebf. Anno II. v. Köln, Standesverhältnisse, verwandtschaftl. Beziehungen u. Werdegang bis z. Bischofsweihe, in: Ann. d. hist. Ver. f. d. Niederrhein 172, 1970, S. 7–112, bes. S. 46 ff.;
    D. Claude, Gesch. d. Ebm. Magdeburg bis in d. 12. Jh., 1972, S. 323–48;
    G. Jenal, Ebf. Anno II. v. Köln (1056–1075) u. sein pol. Wirken, 1975;
    L. Fenske, Adelsopposition u. kirchl. Reformbewegung im östl. Sachsen, Entstehung u. Wirkung d. sächs. Widerstandes gegen d. sal. Kgt. während d. Investiturstreits, 1977, S. 195–98;
    Th. Vogtherr, Ebm. Magdeburg, in: Die Bistümer d. Hl. Röm. Reiches v. ihren Anfängen bis z. Säkularisation, hg. v. E. Gatz, 2003, S. 390–92;
    H. Asmus, 1200 J. Magdeburg, Bd. 1: Die J. 805 bis 1631, ²2005, S. 103 ff.;
    St. Freund, Das Reich im Aufruhr, Der hist. Kontext d. Schlacht am Welfesholz, in: 900 J. Schlacht am Welfesholz, red. v. H. Lauenroth 2015, S. 15–29.

  • Autor/in

    Stephan Freund
  • Zitierweise

    Freund, Stephan, "Werner" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 815-816 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137326998.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Biographie

    Werner (Wezilo), Erzbischof von Magdeburg, wurde nach dem Tode seines Vorgängers Engelhard durch den Einfluß seines Bruders, des Erzbischofs Anno von Köln, auf den erzbischöflichen Stuhl erhoben, obgleich das Domcapitel einen andern Domherrn aus seiner Mitte erwählt hatte. Ueber Werner's Vorleben wissen wir nichts, es steht nicht einmal fest, aus welchem Geschlechte er stammte. Wahrscheinlich war er ein Sohn Walther's v. Steußlingen in Schwaben, doch wird er auch den Grafen v. Dassel oder denen v. Sonnenberg zugerechnet. Dagegen ist der Name der Mutter, Eggela, sicher bezeugt durch eine Inschrift an ihrem Grabe im Dom zu Magdeburg. — Seine Regierung ist für das Erzstift nicht von Segen gewesen, da er sich zu der dem König Heinrich IV. feindlichen Partei der Sachsen schlug. Zwar wurde das Erzstift nicht in dem Maße wie das benachbarte Stift Halberstadt (Bischof Burchard, Buco) heimgesucht, aber doch blieben die Grenzen des Magdeburger Stifts nicht verschont, wenn auch Bruno in seinem Bellum Saxonicum es anders darstellt. Als sich die sächsischen Großen dem Kaiser unterwarfen, wurde W. eine Zeit lang in Goslar in Haft gehalten, bis der König sich infolge seines Streites mit dem Papste Gregor gezwungen sah, die Gefangenen loszulassen. W. schloß sich sogleich wieder Heinrich's Feinden an und nahm wol auch an der Wahl des Gegenkönigs Rudolf theil. Wenigstens war er bei dessen Heere in der Schlacht bei Mellrichstadt (1078). Hier ergriff er mit dem Bischof von Merseburg die Flucht und wurde unterwegs von Landleuten in Thüringen erschlagen. Sein Leichnam wurde in Magdeburg in der Kirche des Klosters U. L. Frauen begraben, weil er diese Kirche neu erbaut und beschenkt hatte.

    • Literatur

      Hoffmann, Geschichte der Stadt Magdeburg (2. Aufl.) 1. Bd. — Magdeb. Geschichtsblätter IV, S. 80 ff.

  • Autor/in

    Hertel.
  • Zitierweise

    Hertel, G., "Werner" in: Allgemeine Deutsche Biographie 42 (1897), S. 28 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137326998.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA