Lebensdaten
1809 bis 1880
Geburtsort
Grevenbroich (Niederrhein)
Sterbeort
Boston (Massachusetts, USA)
Beruf/Funktion
radikaler Publizist
Konfession
katholisch,Dissident
Normdaten
GND: 116675047 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heinzen, Karl Peter
  • Heinzen, Karl
  • Heinzen, Karl Peter
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Zitierweise

Heinzen, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116675047.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joseph (1771–1840), Forstinsp. in Kleve, S d. Joseph, Grundeigentümer, Pächter u. Schultheiß d. Domkapitels Köln in Mondorf, u. d. Elisabeth Trimborn;
    M Marie Elis. (1776–1813), T d. Bauern Anton Schmitz in Nievenheim u. d. Christine Falkenberg;
    Ov Wilhelm, Domherr, Pastor in Düsseldorf;
    - Köln 1840 Henriette (* 1823), T d. Rittmstr. Dav. Aug. Paul Schiller u. d. Luise Moras;
    2 S.

  • Leben

    H. besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, vorübergehend auch das Kollegium in Kempen, beide, da er gegen die Disziplin verstieß, unter Schwierigkeiten. Aus demselben Grund relegierte ihn 1829 die Universität Bonn nach 2jährigem Medizinstudium. Anschließender Militärdienst bei den Holländern (s. „Reise nach Batavia“, 1841) und in Preußen steigerten seine Abneigung gegen Reglementierung. Aus Familiengründen hielt er es als Beamter 8 Jahre auf dem „Kirchhof des preußischen Steuerdienstes“ aus (s. „Die Ehre“, „Die geheime Konduitenliste“, beide 1842). Dort Erlebtes und ähnliche Erlebnisse des Vaters und des Onkels scheinen den Bruch mit der heimischen Gesellschaftsordnung bewirkt zu haben. Das Erscheinen von H.s erster bedeutender Schrift, „Die Preußische Bürokratie“, vorgeblich 1845, nötigte ihn 1844 zur Flucht nach Belgien, wo er 1845 in Schaerbeék die Fortsetzung „Ein Steckbrief“ veröffentlichte, ehe er mit F. Freiligrath in die Schweiz zog. Dort verkehrte er auch mit A. Rüge und J. Fröbel, publizierte die Vierteljahrsschrift „Die Opposition“ und erregte dadurch und durch Broschüren (s. die Sammlung „Teutsche Revolution“, Bern 1847) viel Aufsehen. Wirtschaftlich bedrängt, ging H. 1848 nach den USA. In der Revolutionszeit wirkte er wieder in Deutschland, zerfiel jedoch mit den Revolutionären, ging in die Schweiz, aus der er abgeschoben wurde, und kehrte über London 1850 nach Amerika zurück. Nacheinander wurde er dort Redakteur|beziehungsweise Herausgeber solcher kurzlebigen Organe wie „Deutsche Schnellpost“, „New Yorker Deutsche Zeitung“, „Völkerbund“, „Janus“ und „Herold des Westens“ – letzteres ein Blatt, das unter ihm in einer Hochburg der Sklavenhalter, Louisville, Kentucky, die Befreiung der Schwarzen befürwortete, bis ein Brand die Druckerei vernichtete. H. gründete darauf den bald nach Cincinnati, dann nach New York und zuletzt nach Boston – „der zivilisiertesten Stadt Amerikas“ – verlegten „Pionier“. 1059-79 vertrat er hierin wie in Vorträgen, Flugschriften und Theaterstücken den deutschamerikanischen Radikalismus. Ein Gegner der Kommunisten, die ihn ihrerseits angriffen, forderte H. eine antiklerikale, antiautoritäre, technisch und sozial fortschrittliche Demokratie. Manche der von ihm schwungvoll geschilderten Reformen sind inzwischen verwirklicht.

  • Werke

    Weitere W u. a. Ges. Schrr., 1. Bd. Gedichte, 2. Bd. Lustspiele, 3.-5. Bd. Erinnerungen, Boston, 1864-74;
    Teutscher Radikalismus in Amerika, Verträge u. Art., 4 Bde., ebd. 1867-79;
    The Rights of Women and the Sexual Relations, übers. v. E. Heller Schumm, mit Nachruf v. W. Philipps, Chicago 1891 (P).

  • Literatur

    ADB 50;
    O. P. Schinner, in: Jb. d. Dt.-Amerikan. hist. Ges. v. Illinois 15, 1915;
    V. Valentin, Gesch. d. dt. Rev. 1848/49, 2 Bde., 1930 f.;
    H. Huber, C. H., s. pol. Entwicklung u. publizist. Wirksamkeit, 1932;
    C. Wittke, Against the Current, the Life of K. H., Chicago 1945;
    ders., K. H.s Literary Ambitions, in: Mhh. f. dt. Unterricht, Wisconsin 1945;
    E. W. Dobert, Dt. Demokraten in Amerika, 1958, S. 105-17;
    DAB (W, L). - Eigene Archivstud.

  • Autor/in

    Helmut Hirsch
  • Empfohlene Zitierweise

    Hirsch, Helmut, "Heinzen, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 452 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116675047.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Heinzen: Karl Peter H., revolutionärer Schriftsteller, wurde am 22. Februar 1809 in Grevenbroich im Regierungsbezirk Düsseldorf geboren, besuchte das Gymnasium in Cleve und studirte seit 1827 in Bonn Medicin. Wegen einer rebellischen Rede von dieser Universität relegirt, ging er nach Holland, ließ sich hier für die indischen Colonien anwerben und schiffte sich 1829 als Unterofficier nach Batavia ein. Er hat später in seinem 1841 erschienenen Buche „Reise nach Batavia“ (2. Aufl. 1842) eine anziehende Schilderung seiner Fahrt nach dieser Insel, sowie der dort gefundenen Verhältnisse geboten. Letztere sagten ihm auf die Dauer nicht zu, und so kehrte er schon 1831 in die Heimath zurück, widmete sich hier, nachdem er seiner Militärpflicht genügt hatte, kurze Zeit dem Berufe eines Kaufmanns und trat dann zum Steuerfach über. Nach acht Jahren wurde er Directionssecretär bei der rheinischen Eisenbahn in Köln und später Mitglied des Verwaltungsraths der Aachener Feuerversicherungsgesellschaft. Seine Muße benutzte er zu schriftstellerischer Thätigkeit. Außer der schon oben genannten Reisebeschreibung gab er einen Band „Gedichte“ (1841. 3. Aufl. Boston 1867) heraus, über welche Heinrich Kurz urtheilt, „daß sich mehrere durch Tiefe des Gefühls und Kraft des Ausdrucks“ auszeichnen. Dann ging er in das Lager der politischen Schriftsteller. In zwei Flugschriften „Die Ehre" (1842) und „Die geheimen Konduitenlisten" (1843) unterzog er die Maßnahmen der preußischen Verwaltung einer sachlichen Kritik; schärfer war sein Ton in den Beiträgen, die er für die „Leipziger Allgemeine Zeitung“ und für die „Rheinische Zeitung“ lieferte. Das Verbot dieser Zeitungen für Preußen reizte ihn dann zu der Schrift „Die preußische Bureaukratie“ (1844), die gleich nach dem Erscheinen confiscirt wurde und die Einleitung einer Criminaluntersuchung zur Folge hatte. H. entzog sich derselben durch die Flucht nach Belgien und begann|nun hier mit dem „Steckbrief“, einer Anklageschrift gegen den Appellationshof der preußischen Rheinprovinz, (im März 1845) die Reihe seiner socialistischen Schriften, die besonders von der Schweiz aus, wohin sich H. 1846 begeben hatte, nach Deutschland verbreitet wurden. H. hielt sich nach einander in Zürich, Bern, Baselland und Genf auf; aber überall ausgewiesen begab er sich im Winter 1847—48 nach Amerika. Auf die Nachricht vom Ausbruche der Februarrevolution eilte er sofort nach Europa zurück und betheiligte sich lebhaft an den politischen Vorgängen in Deutschland; namentlich organisirte er die bewaffneten Zuzüge der Freischärler aus Frankreich und der Schweiz nach Baden. Nach Unterdrückung des badischen Aufstandes flüchtete er wieder nach der Schweiz und ging im September 1849 über London zum zweiten Male nach den Vereinigten Staaten. In New York führte er eine Zeit lang die Redaction der von dem geistvollen Eichthal gegründeten „Schnellpost"; 1853 ging er nach Louisville, wo er den „Pionier“ gründete. Dieses Blatt, eins der originellsten Erzeugnisse der deutsch-amerikanischen und wol der zeitgenössischen Presse überhaupt, wurde von ihm länger als ein Vierteljahrhundert herausgegeben und zum größten Theil selbst geschrieben. Mit scharfer, von bitterster Satire getränkter Feder verfocht er darin den „teutschen Radicalismus“, dessen festeste Stütze und stärkste Säule er war, und den er in nicht weniger als 67 Schriften vertheidigt hat. Im J. 1859 war H. mit dem „Pionier“ nach Boston übergesiedelt, wo zunehmende Kränklichkeit den von mehreren Schlaganfällen heimgesuchten Herausgeber veranlaßte, 1879 das Blatt eingehen zu lassen. Er starb daselbst am 12. November 1880. „Bei aller Schroffheit seines Auftretens, und trotz seiner mitunter recht barocken Ansichten mußte man an H. die hohe Ueberzeugungstreue und Consequenz schätzen. Er war ein ehrlicher Mann, der schrieb, wie er dachte, und kein Blatt vor den Mund nahm.“ Auf schönwissenschaftlichem Gebiete veröffentlichte H. 1859 eine Sammlung „Lustspiele“ (2. Aufl. 1872), „die in culturhistorischer Hinsicht interessant, aber keineswegs erfreulich sind, weil man daraus ersieht, daß manche deutsche Zeitungsschreiber in Nordamerika an Cynismus alles übertreffen, was die Engländer und Amerikaner je hierin geleistet haben“. In den Jahren 1868—72 veranstaltete H. eine Ausgabe seiner „Gesammelten Schriften“, die im 1. Bande seine Gedichte, im 2. seine Lustspiele und im 3.—5. Bande Erlebnisse und Erinnerungen enthalten.

    • Literatur

      H. Kurz, Geschichte d. deutschen Litteratur, Bd. 4, S. 46 u. 522. — G. A. Zimmermann, Deutsch in Amerika. Chicago 1894, S. 44. — Heinrich Hart, Allgem. deutscher Litteraturkalender, Jahrg. 1882, S. 248.

  • Autor/in

    Franz Brümmer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Brümmer, Franz, "Heinzen, Karl" in: Allgemeine Deutsche Biographie 50 (1905), S. 157-158 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116675047.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA