Lebensdaten
1881 bis 1962
Geburtsort
Ditzingen Kreis Leonberg (Württemberg)
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
Begründer der Deutschen Glaubensbewegung ; Indologe ; Religionshistoriker
Konfession
evangelisch,deutsch-gläubig
Normdaten
GND: 118773429 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hauer, Jakob Wilhelm
  • Hauer, Wilhelm
  • Hauer, Jakob Wilhelm
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Zitierweise

Hauer, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118773429.html [23.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Jakob (1854–1935), Gipsermeister, S d. Jakob u. d. Marie Kath. Ammer;
    M Gottliebin Frieder. (1861–1922), T d. Spenglers Joh. Gg. Maier u. d. Rosine Berner;
    1) (⚮) Helene (1883–1965), T d. Stadtpflegers Leonhard Köpf in Ulm u. d. Emilie Pauline Euphrosine Schultes, 2) Anna Marie (* 1903), T d. Kaufm. Otto Brügemann in Essen u. d. Käte Schöler; kinderlos.

  • Leben

    H. war in einem dem Pietismus anhängenden Elternhaus aufgewachsen, wurde nach Besuch der Volksschule und Privatunterricht im väterlichen Geschäft zum Gipser und seit 1900 im Baseler Missionsseminar zum Missionar ausgebildet. Seit 1907 in einer Missionsschule in Indien lehrend, erging es H. wie vielen christlichen Missionaren, durch das Studium der indischen Religionen wurde er an den Absolutheitsansprüchen des Christentums irre. 1911 setzte er seine Studien in Oxford fort und wurde nach Kriegsende in Tübingen (Promotion 1917) für Sanskrit und Religionsgeschichte habilitiert. 1925 wurde er Nachfolger von K. Geldner in Marburg und 1927 von R. von Garbe in Tübingen. Er veröffentlichte eine große Anzahl bedeutender und wertvoller Monographien zur indischen Religionsgeschichte.

    Bei aller intensiven philologisch-historischen Forschungsarbeit erschien ihm doch das Wesen des Religiösen nur von der eigenen Erfahrung zugänglich. Er sah den schaffenden Geist am Werk in der Fülle der Gestalten des Mythus, des Kultus, des Dogmas; der religiöse Werdeprozeß war nach seiner Überzeugung noch nicht am Ende, das Christentum war nur eine der großen Hochreligionen, dem Werdenden zu dienen, war daher die Aufgabe des wahrhaft frommen Menschen.

    Neben der wissenschaftlichen ging aber immer unlöslich mit ihr verknüpft die freie Arbeit als Vortragender und vor allem bis 1934 als Leiter des von ihm 1920 begründeten Bunds der Köngener einher, einer aus der evangelischen und der freien deutschen Jugendbewegung erwachsenen Gemeinschaft für religiöse Duldung, Verständigung, Vertiefung und Erneuerung. H. gab hierfür die Zeitschriften „Unser Weg“ (1920-27) und „Die kommende Gemeinde“ (1928-33) heraus. Daneben leitete er einige Jahre seit 1927 den von R. Otto begründeten „Religiösen Menschheitsbund“. Darin setzte er sich für eine „Religiöse Bruderschaft“ ein, das heißt für eine Bekenner aller Hochreligionen umfassende ökumenische Bruderschaft im Dienste der Menschheit. 1933 gab er dieses Religionsideal zu Gunsten eines blutsmäßig völkischen auf. Mit dieser von ihm propagierten volkhaften und rassischen Bedingtheit von Glauben und Religion rückte er den dem Christentum feindlichen Gruppen der NSDAP sehr nahe und leistete dadurch der Durchdringung des deutschen Volkes mit NS-Gedankengut Vorschub. Er glaubte schon bald an einer von dogmatischen Bindungen befreiende religiösen Gemeinschaft des deutschen Volkes mitarbeiten zu können und zu sollen. So erfolgte unter Ernst Graf Reventlows und H.s maßgeblichen Anteil die Gründung der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Glaubensbewegung“ auf einer Tagung in Eisenach (29./30.8.1933), an der sich verschiedene völkisch religiöse, nicht christliche und freireligiöse Gruppen beteiligten. Schon auf der nächsten Tagung in Scharzfeld (Mai 1934) setzte sich der radikale politische Flügel gegen H. durch. Im Winter 1935/36 traten Reventlow und H. von der Führung der deutschen Glaubensbewegung zurück, die bald an Einfluß und Bedeutung verlor. H. setzte sich jedoch auch weiterhin in seinen Publikationen, vor allem in der Zeitschrift „Deutscher Glaube“ für eine „arteigene“ Lebensgestaltung und Weltanschauung ein, ohne aber dem NS-Rassenwahn zu verfallen; so hielt er nach der Kristallnacht 1938 in Tübingen eine Protestkundgebung ab.

    Nach Kriegsende wurde H. aus seinem Amt als Hochschullehrer entlassen und interniert. Nach seiner Freilassung 1947 gründete er eine „Arbeitsgemeinschaft für freie Religionsforschung und Philosophie“ und 1955 die „Freie Akademie“ in Form von freien Zusammenkünften, bei denen er weiter seine Anschauungen über Religion und Philosophie wenig geändert vortrug, ohne aber darüber hinaus viel Beachtung zu finden.

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Anfänge d. Yogapraxis, 1922;
    Werden u. Wesen d. Anthroposophie, 1922, 21923;
    Die ind. Rel., in: Licht d. Ostens, 1922;
    Der Vrātya, Unterss. üb. d. altind. Ketzertum u. s. Mystik, 1927;
    Das Laṅkāvatāra - Sūtra u. d. Sāṃkhya, 1927;
    Die Dhāraṇī im nördl. Buddhismus u. ihre Parallelen in d. sog. Mithrasliturgie, 1927;
    Ein monotheist. Traktat Altindiens, 1931;
    Der Yoga als Heilweg, 1932;
    Dt. Gottschau, Grundzüge e. dt. Glaubens, 1934, 51935;
    Von d. Anfängen d. Rel. u. ihren unteren Stufen, in: Pforte, Mschr., 1950;
    Mythus u. Kult b. d. Naturvölkern, ebd. 1954;
    Der Yoga, Ein ind. Weg zum Selbst, 1958;
    Verfall od. Neugeburt d. Religionen, 1961 (ges. Aufsätze, W-Verz., auch d. weltanschaul.-rel. Schrr., P).

  • Literatur

    F. Heiler, in: Die „dt. Glaubensbewegung“, in: Eine hl. Kirche 16, 1934;
    H. J. Iwand, Wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen, in: Ev. Theol. 5/6, 1935;
    H. Treplin, Weder H. noch d. Deutschkirche, 1935;
    H. Buchheim, Glaubenskrise im Dritten Reich, 1953;
    F. Castagne, J. W. H. u. s. Generation im Ringen um Freiheit u. Verständigung im Glauben, in: Wirklichkeit u. Wahrheit, Bll. f. d. Freunde d. Freien Ak., F. 2-3, 1958;
    H. Pfeil, Die Grundlehren d. Dt. Glaubens, Eine Bewertung u. Ablehnung, 1936.

  • Autor/in

    Hans Jürgen Rieckenberg
  • Empfohlene Zitierweise

    Rieckenberg, Hans Jürgen, "Hauer, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 83 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118773429.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA