Lebensdaten
1900 bis 1964
Geburtsort
Euskirchen (Rheinland)
Sterbeort
Potsdam
Beruf/Funktion
Publizist ; Zeitungswissenschaftler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 123564077 | OGND | VIAF: 37828992
Namensvarianten
  • Hagemann, Walter
  • Hagemann, Walther

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Zitierweise

Hagemann, Walter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123564077.html [12.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Theodor, Landesbauinsp. in E.;
    M Maria Knotte;
    Berlin 1928 Luise (* 1899), T d. Heinr. Bungartz (* 1873), Dir. u. Vorstandsmitgl. d. Germania-AG f. Verlag u. Druckerei in Berlin (s. Rhdb., Wenzel), u. d. Gertrud Mülhausen;
    1 S, 1 T.

  • Leben

    Nach seiner Promotion über „Paolo Paruta, Politische Schriften“ bei Friedrich Meinecke in Berlin 1922 hatte H. rasch Anschluß an den Berliner Journalismus der 20er Jahre gefunden. – Zeitlebens trieben ihn sein Wissensdrang und der Wunsch nach Versöhnung der Völker – erste Weltreise 1925, letzte 1955 – um den Globus. Gewissenhaft und beschwörend berichtete er von seinen Eindrücken, teilte er seine Erkenntnisse in Aufsätzen und Büchern mit, freilich ohne jemals mit seinen Ansichten an entscheidender Stelle wirklich angehört zu werden. Seit 1928 gehörte H. dem außenpolitischen Stab der seinerzeit führenden politischen Tageszeitung des Zentrums, der „Germania“, an. Eine Äußerung, entdeckt in seiner Schrift von 1931 „Deutschland am Scheideweg“, die Nationalsozialisten würden „die Macht ergreifen“, führte im März 1933 zu seiner Entlassung wegen „politischer Unzuverlässigkeit“. Ungeachtet dessen erhielt H. vom Aufsichtsrat der „Germania“ die Chefredaktion zum 1.12.1934 mit der Weisung, das Blatt „über das Dritte Reich hinwegzutragen“. Bis zum Ende der Zeitung, vom Reichspropagandaministerium 1938 befohlen, hatte H. die „Germania“|ähnlich geleitet, wie es die Chefredakteure anderer bürgerlich-liberaler Weltblätter versuchten. In den folgenden Jahren bis 1945 hielt sich H. durch oft anonym ausgeübte Arbeit für verschiedene Pressedienste über Wasser. Nach dem Kriege war er zuerst in der „Neuen Zeitung“, herausgegeben von der amerikanischen Besatzungsmacht, in München tätig. 1946 fiel ihm die Aufgabe zu, das unter Aloys Meisters und Karl d'Esters Ägide nach dem 1. Weltkrieg gegründete Institut für Zeitungswissenschaft an der Universität Münster in ein Institut für Publizistik umzuwandeln. Er hat dem Institut mit ganzer Hingabe schöpferisch gedient und in jenen Jahren zahlreiche gedankenvolle und wegweisende Werke zur Stabilisierung der während des Dritten Reiches behinderten Wissenschaft von der Publizistik verfaßt. Sein Werk „Publizistik im Dritten Reich, Ein Beitrag zur Methodik der Massenführung“ (1948) behält als Standardwerk über Hitlers und Goebbels' totalitäre Regie des öffentlichen Lebens bleibenden Wert. Es ist aus leidendem Erleben und zugleich nüchtern und unbestechlich geschrieben. H.s ruhelose Anteilnahme galt der Entwicklung der neueren Kommunikationsmittel Film, Rundfunk, Fernsehen. Seine öffentlich dargelegte Kritik an der von ihm vorausgesehenen Provinzialisierung der durchschnittlichen Tagespresse, von ihm allzu überspitzt formuliert in der Kampfschrift „Dankt die Presse ab?“ (1957), erregte heftigen Widerspruch. Seine Teilnahme am Appell „Kampf dem Atomtod“, seine Rede vor dem Nationalrat in Ost-Berlin vom 18.10.1958, in welcher er als Einzelgänger voll selbstmörderischem Idealismus die Idee der Wiedervereinigung – nach beiden Seiten hin – vergeblich beschwor, haben ihn schließlich (1961) veranlaßt, Asyl bei einstigen politischen Gegnern zu suchen. Bis zu seinem Ableben hatte er an der Humboldt-Universität in Berlin (Ost) einen Lehrstuhl für Wirtschaftsgeschichte des Imperialismus inne. – H. gerecht zu beurteilen, bleibt späteren Zeiten vorbehalten.

  • Werke

    Weitere W Pol. Schrr.: Das erwachende Asien. Arabien, Indien, China, 1926;
    Zwischen La Plata u. Hudson, Wanderungen durch Latein-Amerika, 1927;
    Gestaltwandel Afrikas, 1928;
    Die Revision d. Kolonialmethoden in Afrika, 1929;
    Die Revision marschiert, 1933;
    Richelieus pol. Testament, 1934;
    Der dt.-franz. Gegensatz in Vergangenheit u. Gegenwart, 1940;
    Der Weg in d. Abgrund, 1946. - Wiss. Publ.:
    Grundzüge d. Publizistik, 1947;
    Die Ztg. als Organismus, Ein Leitfaden, 1950;
    Vom Mythos d. Masse, Ein Btr. z. Psychol. d. Öffentlichkeit, 1951;
    Der Film, Wesen u. Gestalt, 1952;
    Fernhören u. Fernsehen, Eine Einführung in d. Rundfunkwesen, 1954;
    Weltreise 1955 in 28 Kap., 1955. - Hrsg.: Die dt. Ztg., 1949;
    Die dt. Zs., 1950;
    Btrr. z. Publizistik, 6 Bde., 1950-54;
    Filmforum, Unabhängige Zs. f. d. guten Film, 1951-60 (mit J. Eckardt, C. Oertel u. a.);
    Stud. z. Publizistik, 4 Bde., 1951-57;
    Filmstud., Btrr. d. Filmseminars im Inst. f. Publizistik an d. Univ. Münster, 3 Bde., 1952-57;
    Der Film als Beeinflussungsmittel, 1955 (mit E. Feldmann);
    Die soz. Lage d. dt. Journalistenstandes, insbes. ihre Entwicklung seit 1945, 1956;
    Publizistik, Zs. f. d. Wiss. v. Presse, Rundfunk, Film, Rhetorik, Werbung u. Meinungsbildung, gegr. u. hrsg. mit E. Dovifat u. W. Haacke, 1956 ff.;
    Die dt. Zs. d. Gegenwart, 1957;
    Filmbesucher u. Wochenschau, 1959.

  • Literatur

    W. Haacke, Dreißig J. Inst. f. Publizistik an d. Univ. Münster i. W., in: Die dt. Ztg. 4, 1950, H. 1, S. 18 ff.;
    ders., Das Inst. f. Publizistik an d. Univ. Münster, in: Die dt. Presse, hrsg. v. Inst. f. Publizistik an d. FU Berlin, 1954;
    Publizistik als Wiss., Sieben Btrr. f. Emil Dovifat, 1951;
    H. Ungureit, in: Frankfurter Rdsch. v. 19.5.1964;
    Publizistik 9, 1964, H. 2, April-Juni.

  • Autor/in

    Wilmont Haacke
  • Empfohlene Zitierweise

    Haacke, Wilmont, "Hagemann, Walter" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 468 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123564077.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA