Lebensdaten
1891 bis 1950
Geburtsort
Saint Dié (Frankreich)
Sterbeort
Paris
Beruf/Funktion
Dichter
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118540564 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Goll, Iwan
  • Lassang, Iwan (Pseudonym)
  • Torsi, Tristan (Pseudonym)
  • mehr

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Zitierweise

Goll, Yvan, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118540564.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    1921 Klara (Liliane Clarisse, später Claire) (1891-1977, verheiratet 1] Heinrich Studer, 1889-1961, Verleger), Schriftstellerin, Lyrikerin, übers. Werke G.s ins Deutsche u. gab s. Dichtungen heraus, T d. Josef Aischmann (1852-1923), Hopfenhändler in Nürnberg, seit 1900 in München, u. d. Malwine Fürther (1865-1942).

  • Leben

    Im Elternhaus G.s – der Vater war Elsässer, die Mutter Lothringerin, er selbst nennt sich in einer Anthologie (1920) „durch Schicksal Jude, durch Zufall in Frankreich geboren, durch ein Stempelpapier als Deutscher bezeichnet“ – wurde französisch gesprochen, im 1898 bezogenen Gymnasium in Metz dominierte die deutsche Sprache. G. studierte in Straßburg und wurde 1912 zum Dr. phil. promoviert. Den Weltkrieg verbrachte er in der Schweiz; er war befreundet mit dem Kreis um Romain Rolland, Stefan Zweig, James Joyce, Hans Arp und nahm an den Tagungen der Eranos-Gesellschaft in Ascona teil. Die frühe Erfahrung von Heimat- und Wurzellosigkeit mag mit bewirkt haben, daß G. sich nicht an das vage O-Mensch-Pathos des Expressionismus und den nationalen Taumel der Kriegslyrik verlor, sondern das vertrat, was unter Pazifismus und Europäertum im besten Sinn des Wortes verstanden wird.

    G. schöpft die sprachliche Dynamik des Expressionismus aus, folgt aber nicht dessen Programm. Schon 1920 fordert er als erster einen Überrealismus („Überrealismus ist die stärkste Negation des Realismus“) und bringt diese Bewegung in Frankreich mit seiner Zeitschrift „Surrealisme“ 1924 in Gang. – Im absurden Drama (als Prototyp: „Methusalem“) sucht G. den bequemen Bürger durch Schocks aufzurütteln: er montiert handlungslose Szenen, arbeitet mit einer Mischung aus Traum, Realität und Karikatur: Grosz und Heartfield sind seine adäquaten Illustratoren. Die Zuwendung zum Surrealismus (der nicht Bretonscher Prägung ist) bedeutete für G.s Dichtung die Aufgabe der deutschen Sprache. Er schrieb nun überwiegend französisch, in der Emigration in New York 1939-47 gelegentlich auch englisch. – In den beiden großen Spätwerken „Jean sans Terre“ (in Teilen erschienen seit 1936; kritische Ausgabe von F. J. Carmody, Berkeley und Los Angeles 1962) und „Traumkraut“ schuf G. sein Eigenstes und Persönlichstes. Er schreibt nun im Krankenbett die Liebes- und Todeslyrik „Traumkraut“ wieder deutsch, reduziert seine Sprache um alles Zufällige und Unbestimmte, wird verkürzter, aber eindringlicher. Die Worte sind gleichsam transparente Bilder, hinter denen das Schicksal des modernen Menschen und seiner Zeit hindurchschimmert. Die abstrakten Bilder und Metaphern lassen sich als Chiffern reicher realer Bezüge lesen. Mit dieser Lyrik weist G. weit über zeitgenössische literarische Richtungen hinaus.

  • Werke

    Dichtungen, hrsg. v. Claire Goll mit Nachworten v. H. Uhlig u. R. Exner, 1960 (L, P: Phot.).

  • Literatur

    M. Raymond, La Vie et l'OEuvre d'Y. G. (Biogr.), Quebec 1948;
    R. Exner, Y. G., Zu s. dt. Lyrik, in: German Life and Letters, London 1955, S. 252-59;
    H. Uhlig, Y. G., in: Expressionismus, Gestalten e. literar. Bewegung, 1956, S. 192-203;
    F. J. Carmody, The Poetry of Y. G., Paris 1956;
    W. H. Auden u. a., in: Y. G., Landless John, New York 1958;
    Joachim Müller, Y. G. im dt. Expressionismus, 1963;
    Soergel-Hohoff II (P).

  • Portraits

    Zeichnung v. R. Delanay;
    2 Zeichnungen v. M. Chagall (1 mit Claire G.), Abb. v. allen 3 b. Soergel-Hohoff II.

  • Autor/in

    Gertraude Wilhelm
  • Empfohlene Zitierweise

    Wilhelm, Gertraude, "Goll, Yvan" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 624 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118540564.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA